Wiener Wallfahrerweg


Published by Leopold , 18 May 2014, 14h51.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Gutensteiner Alpen
Date of the hike:15 May 2014
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: A-NÖ   A 
Time: 3 days
Height gain: 2250 m 7380 ft.
Height loss: 2250 m 7380 ft.
Route:Wiener Wallfahrerweg nach Mariazell ab Weissenbach an der Triesting.
Access to start point:Mit dem Zug nach Weissenbach an der Triesting.
Access to end point:Von Mariazell entweder via St. Pölten oder via Kapfenberg nach Wien zurück.
Accommodation:Kaiser Franz Josef in Rohr im Gebirge. Gasthof am Gscheid. Diverse Hotels in Mariazell.
Maps:Wanderatlas Wiener Hausberge

1. Tag
Lang hat es gedauert, bis ich mir endlich die Zeit genommen habe, um die Wallfahrt nach Mariazell zu machen. Abschnittsweise kannte ich den Weg schon. Für die etwa 80 Kilometer plane ich 3 Tage. Bewusst gehe ich während der Woche, um dem Pilgertourismus etwas zu entgehen. Bedingt durch das schlechte Wetter - 3 Tage Dauerregen, manchmal auch Schneefall - war aber generell wenig los. Das Wetter ist daran schuld, dass es keine Fotos in diesem Bericht gibt. Eine Hand musste den Regenschirm halten, die andere suchte in der Jackentasche nach Wärme. Der Start des Wiener Wallfahrerweges (Weitwanderweg 06) ist in Perchtoldsdorf. Da ich das erste Stück schon kenne und zudem nicht zuerst von zuhause in Richtung Wien fahren will, nehme ich den Zug nach Weissenbach an der Triesting. Von der Kirche geht es in leichter Steigung nach Niemthal hinauf und dann nach Furth an der Triesting hinunter. Knapp vor Furth beginnt es zu regnen und wird bis Mariazell nicht mehr aufhören. Endlos ziehen sich der Furthergraben und der Staffgraben. Mittlerweile hat der Regen zugenommen und Sturm kommt auf. Regen stört mich nicht, aber bei zu starkem Sturm muss ich die Tour abbrechen, um nicht durch fallende Äste verletzt zu werden. Für die letzten 300 Höhenmeter zum Kieneck brauche ich eine Stunde. Es beginnt zu schneien. Zum Glück hat die Hütte offen. Gut zum Aufwärmen. Den Weiterweg vom Kieneck kenne ich gut. Ich lasse den Unterberg Gipfel rechts liegen, um gleich Maria Einsiedl und das Schutzhaus zu erreichen. Als ich dort ankomme, liegen cirka 10 Zentimeter Neuschnee, der ständig mehr wird. Nächste Pause zum Aufwärmen. Extra für mich nimmt der Wirt den Ofen in Betrieb. Um mich aufzumuntern stelle ich mir vor, dass ich soeben auf dem Jakobsweg die Pyrenäen überquert habe. Durch den Miragraben und auf dem Biedermeier Radweg geht es hinunter nach Rohr im Gebirge. 10 Kilomter im Starkregen. Das Angebot eines Autofahrers, der mich nach Rohr mitgenommen hätte, schlage ich mit den Worten "Ich bin jetzt gerade so gut in Schwung" aus. Gilt der Weg als nicht zurückgelegt, wenn man ein Stück im Auto mitfährt? Pilgergruppen kommen mir in den Sinn, die sich das ganze Gepäck transportieren lassen. All das habe ich schon gesehen. Möglicherweise ist es besser, solche Wanderungen nicht allein zu machen? Ich übernachte im Kaiser Franz Josef. Dieses Hotel - Restaurant ist auf Wallfahrer ausgerichtet. Heute sind wir insgesamt 7 + 2 Hunde, die den Weg nach Mariazell ebenfalls beschreiten. (Mir wurde gesagt, sie gehen sonst Schitouren ...)

2. Tag
Der Wirt des Kaiser Franz Josef informiert über das Wetter. Heute wird es noch stärker regnen, aber ans Abbrechen denke ich nicht. 2 Kilometer nach Rohr im Gebirge ist eine Wiese zu durchqueren, die unter Wasser steht. In diesem Teilstück und auch 2 Stunden später beim Weg zum Jagdschloss auf der Hochreith schiesst mir in den steileren Stücken das Wasser entgegen. Wege werden zu Bächen. Bei der Kalten Kuchl wende ich mich nach Südwesten. Durch die Werasöder Wiesen und den Finstergrund Graben zum Jagdschloss Hochreith. Am Eingang des Finstergrundgrabens wird eine Herde Hochlandrinder von der überfluteten Weide getrieben. Auf der Hochreith hat Ludwig Wittgenstein als Kind seine Sommerferien verbracht. "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." ist ein Satz von ihm, der mir spontan einfällt. Zum Wetter fällt mir nichts mehr ein. Es ist, wie es ist; Ende. Das Jagdschloss war lange Zeit im Besitz der Familie Wittgenstein. Ich wandere weiter nach St. Aegyd am Neuwalde, wo ich mich zuerst im Foyer der Sparkasse aufwärme und etwas zurechtmache, bevor ich zum Mittagessen gehe. Von der Kalten Kuchl bis nach St. Aegyd gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Nach dem Essen durchquere ich den Ort schnell und gehe die Unrechttraisen entlang auf den Traisenberg zu. Beim Gasthäusl wende ich mich Richtung Gscheid, wo ich übernachte. Ich bin der einzige Gast der Gruberwirtin. Dass 500 Meter weiter hinten bereits die Strasse gesperrt ist hindert mich nicht an einem guten Schlaf.

3. Tag
Da ich am Gscheid übernachtet habe, muss ich nicht so früh aufbrechen. Der Regen lässt etwas nach, aber die Berge rund um das Gscheid (Göller, Grosser Sulzberg, etc.) sind tief verschneit. Zumindest das wenige, was man im Nebel von ihnen sieht. Zunächst geht es über den Krumbach Sattel in die Walster und an der wohlbekannten Wuchtelwirtin vorbei zum Hubertussee. Es wird weniger schlimm, als erwartet. Der See ist nicht übergegangen, der Weg passierbar, teilweise aber ziemlich verschlammt. Mein Ziel rückt näher. Die Zeitangaben auf den Wegweisern werden immer kürzer. Durch den Sattelgraben erreiche ich den Habertheuer Sattel, von dem man sich in einer Linksschleife Richtung Südosten nach Mariazell bewegt. Es ist ein erhebendes Gefühl, als die Basilika in Sicht kommt.

Fazit: Viele Wege führe nach Mariazell. Von Wien, von St. Pölten und von Graz. Zu allen davon gibt es eine Menge Varianten, die teilweise in echten Bergtouren (etwa der Veitsch) gipfeln können. Der Wiener Wallfahrerweg ist sehr gut beschildert. Eine Karte braucht man hier nicht. Es macht Sinn, die Etappenlänge auf die Höhenmeter abzustimmen. In meinem Fall kamen die meisten Höhenmeter am ersten Tag, die längste Gehstrecke war am zweiten. Tag 1: Cirka 29 Kilometer, 1200 Hm, 7 1/2 Stunden reine Gehzeit. Tag 2: Cirka 31 Kilometer, 800 Hm, 6 1/2 Stunden reine Gehzeit. Tag 3: Cirka 19 Kilometer, 250 Hm, 4 Stunden reine Gehzeit. Klassische Übernachtungsorte sind Rohr im Gebirge, St. Aegyd am Neuwalde und das Gscheid. Mai und Juni, eventuell auch September sind die beste Jahreszeit. In den Sommermonaten wird es mühsam, da grosse Teile der Strecke in der prallen Sonne liegen. Die Unterkunftspreise werden günstiger, wenn man in der Gruppe geht.
Ich empfehle folgenden link und das folgende Buch:
www.viasacra.at/
Wallfahrten nach Mariazell von Reinhard Dippelreither (Outdoor Handbuch Nr. 224)

Hike partners: Leopold


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Comments (3)


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mountainrescue says: Respekt...
Sent 19 May 2014, 09h33
...bei diesen Witterungsbedingungen die Tour durchzuziehen! (Obwohl ich gestehen muss, dass das wallfahrten nicht so meins ist ;-) )

Aber wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Ausrüstung - und anscheinend trifft das bei dir ja zu ;-) dass die Ausrüstung perfekt ist!

Herzliche Grüße
MR

Leopold says: RE:Respekt...
Sent 19 May 2014, 09h43
Hallo Erich,
danke für die mail. Ganz einfach war es nicht. Und bei der Ausrüstung habe ich gemerkt, dass sich noch einiges verbessern lässt. Beim Wandern konnte ich meine Wunschliste machen ... Liebe Grüsse, Leopold

mountainrescue says: RE:Respekt...
Sent 19 May 2014, 10h13
Servus Leopold!

> Beim Wandern konnte ich meine Wunschliste machen ...

Eine Idee wäre vielleicht eine wasserdichte Kamera ;-) , damit du deine imposante Wanderung hättest dokumentieren können, denn auch Regentage haben ihren eigenen Reiz und ich schaue einfach gerne Büdl ;-) Kleiner Scherz am Rande :-)))
LG
Erich


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