Gross Muttenhorn (Ueberschreitung) 3099m


Publiziert von Bombo , 5. August 2008 um 14:24.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 3 August 2008
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS 
Zeitbedarf: 4:45
Aufstieg: 670 m
Abstieg: 670 m
Strecke:Furkapass - Seeli (P.2641) - Deieren-Älpetli - P2357 - Ostgrad - Gipfel - Westgrat - Tällistock - Tällilücke - Furkapass
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Furkapass
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels beim Furkapass, Hotel Tiefenbach, Hotel Galenstock, Belvédère, etc.
Kartennummer:LK 1:25000, Bl 1231 "Urseren"

Happy Burzeltag auf mindestens 3000m


...dies war ursprünglich mein Wunsch, hatte jedoch auch noch die Idee der Schächtentaler Windgällen 2764m, welche eine interessante T6-Tour versprechen. Infolge Ausfall meines Tourenpartners war ich wieder auf mich alleine eingestellt und so rückte das 3000er-Ziel wieder näher. Nun, wohin, wenn es bereits 06.00 Uhr ist und eigentlich noch kein Plan auf dem Schreibtisch liegt. Schnell war ich mit den Gedanken im Furkagebiet, welches ich dank meinem Wohnort relativ zügig erreichen kann. Das Gross Muttenhorn 3099m wollte ich sowieso schon lange einmal besteigen, warum also nicht an meinem Geburtstag. Die Tour versprach eine interessante Gratwanderung oder -kraxlerei, eine traumhafte Aussicht und interessanterweise auch gerade noch eine Ueberschreitung, sodass diese in eine Rundtour endet. Perfekte Voraussetzungen.

Die Sonntagsfahrer lassen grüssen und entsprechend konnte ich erst um 09.15 Uhr auf dem Furkapass losstarten. Ich entschied mich als Aufstieg für die Variante Ostgrat, wobei ich dann den Westgrad als Abstieg nehme. Um den Ostgrat zu erreichen, wandert man auf rot-weiss zu den 3 Seeli (P2621, P2641), welche südwestlich des Stotzigen Firsten liegen. Von dort könnte man jetzt weiter auf rot-weiss zu den Deieren-Älpetli, was wahrsch. sogar besser und einfacher gewesen wäre. Ich hörte auf den Rat eines Einheimischen, welcher mich auf den Trampelpfad lotste, welcher in südwestliche Richtung der Seeli zieht. Dieser Pfad ist auf der 25'000er-Karte ebenfalls eingezeichnet. Irgendwann, auf ca. 2800m zieht der Pfad dem Grat entlang, welcher das Gebiet der Deieren-Älpetli trennt. Und genau dort muss man dann weglos einfach mal direkt herunterstechen - vorsicht vor Steinschlag, Rock'n'Roll auch in dieser Flanke.

Ich entschied mich für diesen Abstieg immer ein wenig entlang des Bergbaches, welcher dann später bei P2357 mit anderen Bächen zusammen fliesst. Dieser P2357 würde sich wahrsch. auch als guten Einstieg für den Ostgrad anerbieten - ich selbst zog schon bedeutend früher hoch, mit dem grossen Nachteil jedoch, dass ich nach Erreichen der ersten Moräne wieder heruntersteigen musste, da es eben noch eine 2. Moräne gibt, auf welche man steigen muss, um den Ostgrad in Angriff nehmen zu können. Ein mühsames Unterfangen - hätte ich doch nur den normalen Wanderweg via Deieren Älpetli bis P2357 genommen.

Die Muttenstöck 2611m im Schnellzugstempo passiert kraxle ich nun auf dem Ostgrat - immer suchend nach Trampelspuren oder Steinmannlis. Nichts, aber auch wirklich gar keine Hinweise auf frühere Begeher dieser Tour lagen vor. Langsam wurde ich unsicher und sagte mir einfach, der Weg ist das Ziel und so kraxelte ich weiter. Ebenfalls ein wenig unsicher machten mich die Worte von 2 Hikr, welche in ihren Berichten schrieben, dass sie mehr oder weniger leicht auf dem Ostgrat liefen und nur ganz am Schluss "die Hände aus dem Sack" nahmen. Ich selbst musste schon sehr früh die Hände einsetzen und das blieb dann eigentlich mehrheitlich so bis zum Schluss - wobei achtung, genau das hat mir ja auch so Spass gemacht - für Kraxellieberhaber kann ich in diesem Sinne meine Variante nur empfehlen.

Der Aufstieg auf dem Ostgrat lässt sich tendenziell am besten direkt auf dem Grat, manchmal ein paar wenige Meter südlich, also links davon, bewältigen. Ich probierte teilweise die nördliche Flanke - diese ist jedoch enorm abschüssig und auch sehr brüchig. Weil es noch immer keine Hinweise auf früherer Besteiger gab, fing ich an Steinmannlis zu bauen - wer also ca. 5 oder 6 Steinmannlis sieht - Gruss von Bombo.

Interessant wird noch der letzte Gipfelaufbau, hier kommt sogar noch so richtig Kletterstimmung auf (II) - jedoch problemlos, es sind genügend Griff- und Steigmöglichkeiten vorhanden. Und so erreichte ich nach exakt 2 3/4 Stunden - inkl. mühsamen Umweg und Steinmannlibau - das erhabene Gipfelkreuz, welches man auf der gesamten Tour immer wieder glänzen sieht.

Traumhaftes windstilles Wetter begleitete meine Gipfelrast und die 8 Grad auf 3000m, welche der Wetterbericht vorhergesagt hatte, endeten in ca. 22 Grad an der Sonne - einfach genial. Die Aussicht ins Oberwallis, zum Rhonegletscher, zur Sidelenhütte inkl. Furkahörner und Galenstock, zu den Leckihörner und Witenwasserenstock, etc. war einfach phänomenal. Hier kann man geniessen und abschalten.

Um 13.15 Uhr verliess ich den Gipfel auf dem Westgrat. Im Gegensatz zum Ostgrad gibt es hier einen regelrechten Trampfelpfad, immer begleitend durch zahlreiche Steinmannlis. Ein schöner abwechslungsreicher Abstieg immer richtung Tällistock 2875m, welcher richtiggehend einlädt, ebenfalls mitgenommen zu werden. Diejenigen, welche über den Gletscher nach Hause möchten, wählen den P2851 als Gletscherabstieg. Ich persönlich finde, dass diese Tour es nicht wert ist, dass man auf dem Gletscher auf oder absteigt, denn die Gletscherbegehung ist sehr kurz und wenn man schon mal 2 schöne Grate besteigen kann, dann sollte man das auch machen. Aber jedem das seine.

Mein Weg führte richtung Tällistock 2875m, welchen ich bei P2799 in Angriff nahm. Dort nämlich trennen sie die beiden Pfade, der eine führt unten (südlich) am Tällistock vorbei, der andere zieht gemächlich hoch richtung Tällistock-Gratkante. Schnell merkte ich, dass dieser Pfad sehr selten begangen wird - umso spannender war es für mich, diesen Gipfel ebenfalls zu besuchen. Immer wieder führten kleinere Pfade hinunter zum "normalen" Weg, ich jedoch wollte so lange als möglich auf dem Grat bleiben - wenn's geht sogar das ganze Tällistock-Massiv bis zur Tällilücke auf dem Grat erreichen.

Den Tällistock 2875m nach ca. 1 1/4h erreicht, wobei nicht genau klar ist, was jetzt der Gipfel ist. Der höchste Punkt ist nicht dort, wo der grosse Steinmann steht - mir war's egal, da ich sowieso die ganze Gratüberschreitung machte. So zog ich weiter zum grossen Steinmann und von dort führt wieder ein Pfad in südliche Richtung hinunter zum Normalweg. Ich selbst blieb dann jedoch auf dem Grad und kletterete so von Fels zu Fels (II-III) mit dem Ziel der Tällilücke 2721m vor Augen. Diese erreicht nahm ich den offiziellen rot-weiss-Wanderweg in östliche Richtung, welche die Punkte 2503, 2495 und 2488 passiert. Exakt nach 2h (vom Gipfel aus) erreichte ich wieder den Furkapass - gesamte Marschzeit (Furkapass - Ostgrat - Gipfel - Westgrat - Tällistock - Tällilücke - Furkapass) somit 4 3/4h. Eine sehr sportliche Zeit, wobei ich auch sehr sportlich unterwegs war. Das ganze liesse sich auf jeden Fall auch gemütlicher absolvieren.

Ich persönlich kann meine Tour-Variante nur empfehlen - den Aufstieg über den Westgrad und Abstieg auf dem Ostgrad ist für Kraxelliebhaber sicherlich weniger interessant, weshalb ich meiner Variante den Vorzug gab. Den Tällistock auf dem Heimweg mitzunehmen finde ich dann interessant, wenn man wie ich immer auf dem Grat bleibt - nur einfach zum Gipfel und wieder zum Normalweg hinunter lohnt sich eigentlich nicht. Ebenso gibt es bestimmt interessantere Gletschertouren, als diejenige auf dem Muttgletscher.

Tour im Alleingang.

Tourengänger: Bombo

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Kommentare (1)


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Lulubusi hat gesagt: Gross Muttenhorn (Überschreittung) 3099
Gesendet am 6. August 2008 um 13:31
Diesem Bericht gibt es fast nichts hinzuzufügen.
Ich habe diese Tour in der umgekehrten Reinefolge absolviert und kann sie nur empfehlen und mich Bombo anschliessen. (Ausnahme Tällistock habe ich nicht bestiegen)

Der Westgrad stellt aus meiner Sicht kein grosses Problem dar. Anzumerken ist, dass es doch an einigenstellen sehr ausgesetzt ist. Schwindelfrei sollte man schon sein.

Tipp:
Wer den Einstieg in den Ostgrad sucht, sollte erst bei der zweiten Moräne aufsteigen. Dort ist ein kleiner Trampelpfad ersichtlich. Hält man sich anschliessend eher links vom Grad, ist der ganze aufstieg kein grosse Problem.
Übrigens die ganze Tour ist sogar mit Hund machbar. Allerdings braucht der Vierbeiner schon an zwei, drei Stellen Hilfe.

Noch alles Gute zum Geburtstag (Hinweis: scharzer Labrador)


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