Äbeni Flue, 3962m


Publiziert von Linard03 Pro , 9. April 2014 um 19:50.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum: 6 April 2014
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1240 m
Abstieg: 3150 m
Strecke:Jungfraujoch - Jungfraufirn - Konkordiaplatz - Grosser Aletschfirn - Hollandiahütte - Äbeni Flue Firn - Äbeni Flue - Lötschenlücke - Langgletscher - Fafleralp - Blatten
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Jungfraujoch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Blatten
Unterkunftmöglichkeiten:Hollandiahütte

Es macht den Anschein, als dürfte ich dieses Jahr einige Touren realisieren, welche schon länger auf der Pendenzenliste stehen und einige Anläufe hinter sich haben … So auch die Äbeni Flue, welche ich bereits die letzten beiden Winter vergeblich versuchte anzugehen.
 
Die Anreise auf das Jungfraujoch ist seeeeehr lang – so lang, dass ich erst mal bei der Bergsportschule nachfragen musste, ob man den Treffpunkt um eine halbe Stunde nach hinten verschieben könnte. Ansonsten hätte ich keine Chance, per ÖV anzureisen (natürlich wäre es eine gute Option, bereits am Freitag-Abend anzureisen – was auch der Akklimatisation dienlich wäre. Dies war mir jedoch aufgrund eines geschäftlichen Termins nicht möglich).
 
Samstag, 5. April
 
So bestieg ich also den frühest möglichen Zug und fuhr erst mal nach Bern. Dort staunte ich über die Menschenmassen, welche alle in Richtung Thun / Interlaken wollten. Ich erwischte gerade noch den Extrazug, welcher allerdings auch schon überfüllt war (wie ich erst später erfuhr, fand heute auf der Kleinen Scheidegg das sogenannte „SnowpenAir“ statt).
 
Entsprechend grosses Gedränge auf den Umsteigebahnhöfen Interlaken Ost und später v.a. auch in Lauterbrunnen. Ich fand mich bereits mit einem weiteren Stehplatz ab, als mir der Lokiführer freundlicherweise den Notsitz neben ihm anbot. So durfte ich die Fahrt im Cockpit geniessen ;-) – während die Leute hinter uns bereits um 10 Uhr laut grölend dem Hochprozentigen frönten …
 
Ich war froh, dem Rummel auf der Kleinen Scheidegg zu entfliehen. Es war jedenfalls bedeutend ruhiger im Zug, welcher uns auf das Jungfraujoch führte; trotz vielen asiatischen Gästen. An der Kaffeebar traf ich dann die anderen Teilnehmer - insgesamt durfte Bergführer Hansjürg 8 Gäste begrüssen. Und er machte gleich zu Beginn etwas klar: dies werde ein gemütliches Wochenende; sportlich ambitionierte müssten sich zurücknehmen … ;-))
 
Kurz vor 12 Uhr waren wir startklar und fuhren bei schönstem Sonnenschein auf dem Jungfraufirn zum Konkordiaplatz hinunter. Die Strecke also, welche ich mich letztes Jahr noch hinaufgequält hatte, bewältigten wir heute in sehr gemütlichen 40 Min. …
Nun hiess es erst mal anfellen und Schichten ausziehen, denn es war ziemlich warm geworden. Zwar waren nach wie vor einzelne Nebelschwaden vorhanden, die Lötschenlücke sah man jedoch bereits. Noch war’s bis dahin jedoch ein langer Weg …
 
Beinahe flach, zumindest kaum ansteigend schlurften wir auf dem Grossen Aletschfirn der Hütte entgegen. Inzwischen war es richtiggehend heiss – ich fühlte mich nicht gut. War’s die Höhe? Allenfalls das doch sehr langsame Tempo …? Kaum, wohl doch eher die Hitze. Jedenfalls war mir teilweise schwindlig; 2-3-mal hatte ich das Gefühl, ich werde gleich ohnmächtig und kippe in die Spur … Zum Glück hatte ich ja noch zwei „Stützrädli“; sprich Skistöcke, an welchen ich mich halten konnte ;-)
 
Trotz der grandiosen Landschaft war ich froh, nach einer gefühlten Ewigkeit die Hollandiahütte (3240m) erreicht zu haben. Die letzte halbe Stunde lief ich aber bedeutend besser, da ein kühler Wind auffrischte. In der Hütte genehmigte ich mir jedenfalls mal eine Cola, was sicher half. Danach stürzte ich mich jedoch auf den feinen Aprikosenkuchen ;-))
 
Da wir erst nach 16 Uhr ankamen, verging die Zeit bis zum Nachtessen schnell. Die Hütte war mit 60 Personen gut besetzt – wie es jedoch bei Vollbesetzung (90) aussieht, wollte ich nicht unbedingt wissen …
 
Sonntag, 6. April
Ich hatte schlecht bzw. gar nicht geschlafen; es war laut, die Türe ging ständig auf und zu (es stand sicher alle 10 Min. jemand auf, um die Toilette aufzusuchen) – und ein (aus meiner Sicht) absolutes no-go: jemand nuschelte und raschelte mit irgendwelchen Plastiksäcken sicher während 20 Min. mitten in der Nacht rum – können andere Leute eigentlich nicht auch einfach schlafen??
 
Sei’s drum, nachdem ich (endlich!) aufstehen durfte gab’s Frühstück, um 7.15 Uhr starteten wir unsere heutige Tour. Zum rumstehen war’s zwar kalt, beim Gehen fand ich die Temperaturen aber angenehm. Die ersten Höhenmeter hinter der Hütte sind etwas steiler, danach geht’s jedoch auf dem Äbeni Flue-Firn wieder ziemlich flach dahin.
 
Die Sonne zeigte sich bald und wir durften wiederum bei Kaiserwetter die grossartige Landschaft geniessen. Das Tempo war erneut seeehr langsam; obwohl ich sonst kein Freund von einer schnellen Gangart bin, hätte es heute durchaus etwas flotter vorangehen können … Obschon auch andere Tourengänger unterwegs waren, verteilten sich die einzelnen Gruppen gut und man war mehrheitlich unter sich.
 
Auch die Äbeni Flue ist ein bekannter Heliskiing-Platz; im Gegensatz zum Wildhorn vor 4 Wochen besuchten heute jedoch „nur“ 3 Helis unser Tourenziel. Nach dem langen Flachstück ist der Gipfelhang wieder steiler. Teilweise wären sogar die Harscheisen hilfreich gewesen, man rutschte stellenweise immer wieder ab und gewisse Kurven waren etwas mühsam zu begehen.
 
Nach gut 3 Stunden erreichten wir den Gipfel der Äbeni Flue (3962m). Ein phantastisches Panorama erwartete uns: das Berner Dreigestirn aus ungewohnter Perspektive, Finsteraarhorn, in unmittelbarer Nachbarschaft das Aletschhorn und die ganze Walliser Prominenz im Süden. Im Westen dominierten Les Diablerets und das Wildhorn, nur nach Norden herrschte etwas „Waschküche“, den Thunersee sah man jedenfalls nicht.
 
Trotz Windstille blieben wir nicht allzu lange und machten uns an die Abfahrt. Die Verhältnisse waren ok (etwas Neuschnee über einem Deckel), jedoch nicht berauschend. Allzu schnell war der Steilhang überwunden und nach einer Panne (jemand verlor den Ski im Steilhang) liessen wir die Skis auf dem flachen Gletscher auslaufen.
 
Nach einem kurzen Halt in der Hütte ging’s weiter, von der Lötschenlücke (3173m) auf dem Langgletscher hinunter. Die Schneeverhältnisse wurden immer schlechter, z.T. richtig klebrig, dass es einen beinahe aus die Schuhen haute … Es war ein richtiger K(r)ampf, wie Anfänger pflügten wir uns runter, die Oberschenkel brannten.
 
Bei der Fafleralp war erst mal Schluss mit fahren, bis zur nächsten Kuppe hiess es nun stöckeln und laufen. Noch etwas Wasser-Skifahren, die letzten Schneeresten suchen, dann war Blatten erreicht, unser Ziel. Das mit Tourengänger vollbesetzte Postauto fuhr bereits 20 Min. später, also optimales Timing.
 
In Goppenstein wäre der Anschluss eigentlich gewährleistet gewesen (trotz Postauto-Verspätung)  – allein, die Gruppe hatte noch ein gewissen „Einkehr-Bedürfnis“ … In der irrigen Meinung, dass ja 30 Min. später wieder ein Zug fahren würde, setzten wir uns in die Gartenbeiz vis-à-vis des Bahnhofes. Tatsächlich fährt hier jedoch nur jede volle Stunde ein Zug … jä nu, wir genossen die herrliche Sonne und den feinen Früchtekuchen – die Heimfahrt konnte warten.
 
Fazit:
Eine Skitour in eindrücklicher, wunderschöner Gletscherwelt! Die Äbeni Flue ist zudem eine Aussichtskanzel der Extraklasse. Die vielgerühmte, lange Abfahrt ins Lötschental ist sicher ein Hochgenuss bei entsprechenden Verhältnissen; heute allerdings ein ziemlicher K(r)ampf und Murks … Aber wie sagte der Bergführer: „lieber schlecht gefahren als gut gelaufen!
 
Zeiten:
  • Jungfraujoch (11.55) – Hollandiahütte (16.10): ca. 4 ¼  Std.
  • Hollandiahütte (07.15) – Äbeni Flue (10.30): ca. 3 ¼ Std.
  • Äbeni Flue (11.05) – Hollandiahütte (11.45): ca. 40 Min.
  • Hollandiahütte (12.30) – Blatten (14.15): ca. 1 ¾ Std.

Tourengänger: Linard03


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