Rorspitzli 3220m (Nordabfahrt)


Publiziert von Bombo , 29. März 2014 um 20:26.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:29 März 2014
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 1930 m
Abstieg: 1930 m
Strecke:siehe GPS-Datei
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit PW bis Meien, genügend kostenlose Parkplätze vor, bei und wenige Meter nach der Kappele ("bi der Chappele")
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 255 S "Sustenpass"

Spitze Verhältnisse im, am und auf dem Ror!


Perfekte Wetterprognosen, sichere Bedingungen und einiges an Neuschnee wenige Tage zuvor - ein Muss für Nord-Touren, vor allem wird man entsprechend mit Pulver Prädikat "sehr gut" belohnt!

Gut wer ein mobiles Schlafzimmer hat - damit fuhr ich am Abend zuvor nach Meien, parkierte bi der Chappele 1313m und genoss eine frische, jedoch ruhige Nacht. Kaum hat mich der Wecker um 05.00 aus den Federn geholt, strahlen mich auch schon die ersten Scheinwerfer weiterer Tourengänger an - heute soll's Betrieb geben am Rorspitzli.

Nach der Morgenwäsche ging's dann auch gleich los, dank GPS-Track fand ich auch den Weg zur Brücke über die Meienreuss, welche quasi das Tor zum "Rorspitzli-Paradis" darstellt.

Ab die Post und bald schon die vorderste Gruppe eingeholt. Hin und wieder dürfen im Litzigwald und Wegscheidenmätteli die Felle über Stock und Stein geschleift werden - der Frühling verschont auch diese Gegend nicht.

Bei Kartigel dann ein kleiner Verhauer, ich folgte einer alten Spur, welche links des Felsens, sprich dem Bachlauf steil empor führt. Zum Glück noch bemerkt, mit den Fellen wieder ein paar Meter vernichtet und rüber in Aufstiegsrichtung zur rechten Seite und somit wieder in der Spur derjenigen, welche tags zuvor schon die Gegend unsicher machten (ein grosses Dankeschön an dieser Stelle an unbekannt!).

Via Ober Brunni hoch zum Kartigelfirn, ich staunte immer noch, wie gut es mir heute läuft. Dies sollte sich jedoch rund 200m unter dem Skidepot ändern, einerseits musste ich wegen dem Triebschnee alles wieder neu spuren (wenigstens sah man mehr oder weniger noch den Spurverlauf vom Vortag), andererseits ging's jetzt so ohne Frühstück und kurzer Nacht doch ziemlich an die Substanz. Die Spitzkehren eigneten sich hierfür sehr gut, wieder ein paar Sekunden über dem Skistock hängend den Puls zu beruhigen...

Das Skidepot befindet sich heuer links, dort, wo der Aufstieg auf den Nordost-Grat am kürzesten ist. Zwar hatte ich die Steigeisen dabei, folgte jedoch den Spuren vom Vortag, welche ohne Steigeisen den Gipfel erklimmten. Der Pickel verrichtete jedoch gute Dienste. Hier im Fussaufstieg spürte ich dann definitiv meine nun verloren gegangene Energie, ebenso empfand ich auch den Aufstieg alles andere als trivial. Ausrutschen ist hier definitiv nicht erlaubt, auch wenn die Fotos einem das Gefühl geben, dass diese Gipfelflanke nicht steil ist. 

Während meinem Fussaufstieg fuhren plötzlich 2 Skifahrer vom Verbindungsgrat Rorspitzli-Rothorn auf den Kartigelfirn ab (Respekt!) - wo zum Teufel sind jetzt diese hergekommen? Weder gab es im Aufstieg Hinweise darauf, noch sah ich südseitig Aufstiegsspuren. Jungs, lüftet das Geheimnis, das nähme mich jetzt wirklich wunder! Auf jeden Fall sah's einladend aus - gratuliere zum Mut, dort rüber zu traversieren.

Um 09.20 Uhr erreichte ich exakt 4h nach meinem Start in Meien 1313m den Gipfel des Rorspitzli 3220m - Pausen und Abfellen beim Skidepot inklusive. Diese Zeit macht mich doch - vor allem wegen der Energielosigkeit am Schluss - ziemlich stolz, rechnete ich zwischen 4 1/2 und 5h Aufstiegszeit. Es sei an dieser Stelle jedoch gesagt, wer den gesamten Aufstieg spuren muss - ja proscht nägeli, Respekt dann vor dieser Leistung!

Der Blick hinunter auf den Kartigelfirn zeigte regen Betrieb - hier wimmelts innerhalb der nächsten 45 Minuten nur so von Tourengängern, zudem machte auch bereits der aufkommende Föhn auf sich bemerkbar und verkürzte somit meine Gipfelpause auf gute 5 Minuten. Vorsichtig wieder runter zum Skidepot - im Nachhinein wäre es eben doch gescheiter oder mindestens komfortabler gewesen, die Steigeisen zu montieren. 

Über den mehrheitlich fantastisch pulverisierten Kartigelfirn - wenige kurze Ausnahmen waren ein wenig vom aufkommenden Wind bearbeitet - genoss ich Schwung für Schwung. Zugegeben, ich wünschte mir ein wenig mehr Energie in den Beinen, der lange und aufgrund der Tourenzeit wohl eher zügige Aufstieg forderte nun sein Tribut. Beim Spitzli-Nordgrat blieb ich dicht an dessen Begrenzungsfelsen und kam so in den Genuss von unverspurtem Gelände, welches sich bis nach Brunni hinunter zog. Unterhalb von Brunni dann noch ein filmreifer Sturz - entweder war ich unkonzentriert oder eine versteckte Staude hat meinen Ski in Angriff genommen. Auf jeden Fall war Glück dabei, dass nichts weiter passiert ist.

Bei Kartigel gönnte ich mir dann eine kurze Verschnauf- und Sonnenpause, hier gab's das erste Mal vom heutigen Tag - natürlich viel zu spät - etwas zu essen. Dann wieder durch den schneearmen Litzigwald, wo vor allem im Bereich der Hütten einige Male die Skis abgezogen werden müssen. Bald darauf wieder zurück bei der Brücke - ich schliesse somit das Tor zum Pulverparadis Rorspitzli.


Fazit:

Der Wunsch, eines Tages das Rorspitzli mit dem perfekt geneigten Kartigelfirn zu besuchen, stand schon seit einigen Jahren auf meiner Projektliste. Entsprechend gross ist die Freude, dass es heute bei solch fantastischen Verhältnissen aufgegangen ist. Die Länge der Tour sowie auch der Fussaufstieg sollte nicht unterschätzt werden - meiner Meinung nach gehören Pickel und Steigeisen für diese Tour klar mit in den Rucksack. 


Tourenzeiten:

Start bi der Chappele: 5.20 Uhr
Skidepot: 8.40 Uhr
Gipfelpause: 9.20 Uhr (Fussaufstieg effektiv ca. 30min) bis 9.25 Uhr
Skidepot: 9.45 Uhr
Abfahrt: 9.50 Uhr
Kartigelpause: 10.30 Uhr bis 10.45 Uhr
Brücke: 11.05
Bi der Chappele: 11.10 Uhr


Tour im Alleingang. 


SLF: mässig

Tourengänger: Bombo

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Kommentare (2)


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Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 30. März 2014 um 19:09
Gratuliere zur Rorspitzli Tour. Sehr kurzweilig zu lesender Bericht.
Schön das du auch dem aufkommenden Föhn entgehen konntest.

Warst du längere Zeit Verletzt oder ähnliches?, klingt als hättest du eine längere Zwangspause gehabt.

Gruss
Dolmar

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. März 2014 um 10:11
Hoi Dolmar

Danke Dir für s'Feedback und vor allem auch nochmals danke für den Hinweis, die Steigeisen für alle Fälle mitzunehmen - hätte es wohl keine Spur gehabt, so wäre ich auf jeden Fall mit diesen hochgestiegen.

Nein, war die letzten Monate glücklicherweise gesund und munter. Verglichen mit früher bin ich aber nicht mehr so oft auf Touren, wie auch schon - ich lebe wieder viel mehr das Motto: "Qualität vor Quantität" und konnte mich glücklicherweise vom "Hikr-Virus" befreien :-)

Habe gerade Deinen Ruchen-Nord-Bericht gelesen... ich ziehe den Hut...

Grüsse
Bombo


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