4 Tage Trekking zu Bergvölkern in Nordlaos - Ein unglaublich intensives und eindrückliches Erlebnis


Publiziert von Mistermai , 26. März 2014 um 16:58.

Region: Welt » Laos » Nordlaos
Tour Datum:18 März 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: LAO 
Zeitbedarf: 4 Tage
Strecke:Siehe Karte auf dem letzten Bild
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus von Phongsaly nach Boun Tay und danach mit einem Public Tuktuk ins erste Dorf
Unterkunftmöglichkeiten:Homestays in den Dörfern

Phongsaly ist die nördlichste Provinz von Laos. Von der Hauptstadt Vientiane (die ebenfalls in der nördlicheren Landeshälfte liegt) muss mit 30-40h Busfahrt gerechnet werden, um sie zu erreichen. Entsprechend unberührt ist diese Gegend und die Chance auf einen Einblick in unverfälschte laotische Kultur scheint gross. Dies war dann auch der Grund für meinen Abstecher in diese Gegend.

In Phongsaly, der Provinz-Hauptstadt schloss ich mich einer 3-köpfigen Gruppe an, um ein neu angebotenes, 3-tägiges Trekking zu insgesamt 4 Ethnien in dieser Region zu unternehmen. Es sollte das  wohl eindrücklichste Erlebnis auf meiner bisherigen Reise werden, die nun immerhin schon 2 Monate andauert.

Dies ist der erste von zwei Berichten zu diesem Abenteuer. Ich entschuldige mich wiederum für die überlangen Berichte...


Tag 1: Anreise und erstes Trekking zu sehr rückständigem Dorf

Von Phongsaly nahmen wir einen Bus nach Boun Tai und von dort ein "Public Tuktuk" zum Ausgangspunkt. Letzteres ist nichts anderes als ein geländegängiger LKW mit zwei Bänkchen auf der Ladefläche. Entsprechend staubig und holprig war die Anfahrt über die ausgesprochen schlechte Strasse. Nach ca. 4h kamen wir beim Ausgangspunkt an: Ein Dorf auf 1094m, das von den beiden Ethnien Mouchi und Eupa bewohnt wird.
Ein alter Mann hiess uns in seiner Holzhütte willkommen und servierte uns Mittagessen nach laotischer Art: Viele Schüsseln mit Reis und Suppen, die von allen Leuten geteilt werden. Davor gibts für alle einen Laolao-Whiskey Shot - so will es die Tradition. Bevor wir losmarschieren konnten, mussten wir uns noch in das Touristen-Logbuch eintragen. Dieses enthielt rund 15 Namen vom Jahr 2014 - also ca. 3-4 Gruppen in den letzten 3 Monaten. 

Momentan ist in Nordlaos die Saison, in der die Bauern ihre Felder vorbereiten, um bald wieder Reis zu pflanzen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass sie grosse Feuer legen, um Unkraut und anderes Gewächs auf den Feldern niederzubrennen - oder um Waldstücke zu roden, um neue Anbaufläche zu schaffen. Dies war dann auch der Grund, warum wir unsere erste Etappe wortwörtlich umringt von Waldbränden zurücklegten.
 
Zusätzlich zur rauchigen Umgebungsluft machte uns die Sonne das Leben schwer, die unermüdlich auf uns niederbrannte, während wir durch die Felder-und-Wald-Landschaft marschierten.
Nach ca. 5h erreichten wir dann das Tagesziel: Ein Akha- / Eupa-Dorf auf 1207 Metern über Meer. Das Dorf besteht (wie hier üblich) aus vielen Holzhäusern, die teilweise auf Stelzen gebaut sind. Die Häuser haben - zum Schutz vor Moskitos - weder Kamine noch Fenster. Trotzdem wird drinnen über offenem Feuer gekocht, was die Häuser in unglaubliche Rauch-Höhlen verwandelt und dafür verantwortlich ist, dass hier viele Leute (vor allem auch Kinder) an Atemwegserkrankungen leiden.
 
Die Leute in diesem Dorf begegneten uns vorerst mit Neugier, aber vor allem viel Angst. So versteckten sich vor allem Frauen und Kinder hinter Hausecken, wenn wir durch das Dorf liefen. Als wir erst einmal bei unserer Gastgeber-Familie untergebracht waren, fanden sich dann aber immer mehr Männer ein, die mit uns zusammenhockten und unsere Ausrüstung betrachteten. Die Attraktion des Abends war ohne Zweifel meine Hängematte, die von den Anwesenden ausführlich getestet wurde und mit Geräuschen der Begeisterung und Verwunderung quittiert wurde.
Auch im Dorf lief uns nun ständig eine Schar Kinder hinterher, wo auch immer wir uns bewegten. Fasziniert waren diese vor allem von den Haaren an meinen Beinen und meinem Bartwuchs. Auffällig für uns war, dass sehr viele Kinder Augenprobleme haben. So können z.B. auch auf meinen Bilder schilende Kinder ausgemacht werden.
 
Die Rollen in diesen Dörfern sind klar verteilt: Die Frauen tragen die traditionelle Kleidung und arbeiten vom Morgen früh um ca. 5:00 bis am Abend spät um ca. 22:00 auf dem Feld, in der Küche und ums Haus. Es ist ihnen untersagt, das Dorf zu verlassen und sie sprechen nur die Stammessprache.
 
Männer hingegen sprechen nebst der Stammessprache auch Lao, tragen westliche Kleidung und beschränken sich auf Feldarbeiten. Ansonsten verbringen sie die Zeit vor allem zusammenhockend mit Rauchen und dem Trinken von Laolao, der hier überall gebraut wird.
Bilder konnte ich in diesem Dorf nur wenige machen, da sich die meisten Leute vor der Kamera fürchteten und ich keinen Aufruhr verursachen wollte.

Das bedenklichste für uns westliche Touristen war die Hygiene-Situation: Wie bei uns im Mittelalter, gibt es keine Toiletten und die Tiere (Kühe, Hunde, Ziegen, Schweine und Hühner) leben wortwörtlich mit den Menschen - im und ums Haus. Das heisst, dass es durchaus vorkommen kann, dass wenn man nicht aufpasst, ein Hund aus demselben Reisbehälter frisst, aus dem man selbst zu mittag isst. Dies liegt auch daran, dass die Tische hier nur auf 20-30cm Höhe über Boden befinden.

Nebst Reis isst man hier ganz einfach das, was die Natur zu bieten hat. Nebst diversen Kräutern ist das momentan vor allem Bambus-Triebe, die bei der praktizierten (sehr simplen) Zubereitungsart ausgesprochen bitter schmecken.

Die Nacht verlief dann äusserst unruhig. Verantwortlich dafür waren vor allem schreiende Säuglinge, bellende Hunde und krähende Hähne in den Morgenstunden. Vor allem letztere machen Schlaf nach 5:00 beinahe unmöglich. Dies liegt daran, dass laute Hähne hier als Statussymbol gelten und so ist es wenig verwunderlich, dass in den Morgenstunden im 3-5 Sekunden Takt (gemmessen!) gekräht wird.


Tag 2: Zwei weitere Dörfer - in unterschiedlichsten Zuständen

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf: Wach waren wir sowieso und es galt, die Frische der Morgenstunden zu nutzen.
Immer wieder mussten wir an diesem Morgen kleine Flüsse überqueren - ohne Brücken, selbstredend.
Ansonsten war es ein unspektakulärer und wiederum zunehmend heisser Marsch, bis wir nach rund 3h unser Mittagsziel, ein Loma-Dorf auf 1074m erreichten. Dabei wurde uns auf den ersten Blick klar, dass dieses Dorf komplett anders ist, als die ersten beiden Dörfer: Schweine wurden hier in geschlossenen Bambus-Käfigen gehalten und alles schien sauber, aufgeräumt und gut organisiert. Die Leute hier hatten auch keineswegs Angst vor uns, im Gegenteil: Sie versuchten uns in ungewohnt angenehmer Art und Weise ihr lokales Handwerk zu verkaufen.
Eine kuriose Szene gab es aber dann doch auch hier noch: Da dieses Dorf der letzte Ort mit fliessend Wasser war, entschied ich mich, im angrenzenden Fluss ein Bad zu nehmen. In Badehosen begab ich mich zum Badeplatz des Dorfes, wo einige Kinder am plantschen waren. Als ich mich zum Wasser begab, verliessen sie alle fluchtartig das Wasser und schauten mir vom Ufer beim Baden zu. Dazu gesellten sich weitere Neugierige, sodass ich am Ende während meinem Bad von 20-30 Personen "beobachtet" wurde. Das fühlt sich doch sehr komisch und nicht sonderlich angenehm an...

Beim verlassen des Dorfes passierten wir das "Dorftor", ganz einfach gebaut aus 3 Ästen. Dieses hat eine wichtige spirituelle Bedeutung für die Einwohner, denn es hält angeblich die bösen Geiser draussen. Es bietet aber auch Gefahren: Wenn jemand ausserhalb des Dorfes stirbt, kann die Seele nicht ins Dorf zurückkehren und geht somit verloren. Dies ist der Hauptgrund, warum sich schwer kranke Einwohner oft weigern, das Dorf zu verlassen, um medizinische Hilfe zu bekommen. Leute, die schlechte Dinge getan haben in ihrem Leben (z.B. Scheidung) müssen das Dorf dafür verlassen, wenn sie im Sterben liegen, da ihre Seele verloren gehen muss.

Anschliessend wanderten wir noch einmal einige Stunden durch brütende HItze, bis wir das letzte Dorf erreichten, wo das eigentliche Abenteuer begann. Was es mit diesem Dorf auf sich hatte und warum dort aus dem gebuchten 3-Tage-Trekking ein 4-tägiges wurde, kann man *hier im zweiten Teil dieses Trekking-Berichtes nachlesen.

Tourengänger: Mistermai

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