Bodmerhorn, Rothorn, Wenghorn


Published by eugen Pro , 1 August 2008, 12h21.

Region: Monde » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:31 July 2008
Waypoints: Bodmerhorn 2335m. 7659 ft. (1) Rothorn 3108m. 10194 ft. (1) Wenghorn 2587m. 8485 ft. (2)
Geo-Tags: CH-VS 
Mountaineering grading: F
Access to start point:Mit dem Postauto nach Simplon Dorf
Maps:1309

Da am Wochenende das internationale Gondo Event stattfindet, habe ich den Aufstieg zum Simplonpass dazu genutzt, die Laufstrecke für die Läufer zu markieren (RAIFFEISEN Bänder anknüpfen und etwas in der Gegend herumsprayen). Jetzt sollte jedermann wissen, wo es lang geht. Ich war stolz, bald einmal die ideale Technik gefunden zu haben: die RAIFFEISEN Rolle in den offenen Rucksack legen, das Band je nach Bedarf herausziehen und mit einer Schere abschneiden. Das funktionierte lange gut - bis zum Augenblick, wo es der Rolle in meinem Rucksack nicht mehr gefielt. Rollen haben aufgrund physikalischer Gegebenheiten die Tendenz, Hänge hinunter zu rollen. Und das geschah dann auch. Was übrig blieg, war ein Band, das von mir weg rund hundert Meter den Wald hinunterführte: RAIFFEISEN - RAIFFEISEN - RAIFFEISEN - ... Vorher hatte ich noch vergeblich versucht, die Rolle zu erhaschen.

Es war der Tag der Brücken, der rauschenden Bäche und der wilden Walddurchquerungen (die Rolle liess es erahnen). Meine grosse Erkenntnis: Wenn man sich in einer eher abgelegenen Gegend und nicht in einer Touristenregion aufhält, darf man den auf der Karte eingezeichneten Wegspuren heute nicht mehr trauen. Wege, die damals von der mehrheitlich in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung fast täglich begangen werden, fallen heute mehr und mehr der Verwilderung anheim. So muss der moderne Bergsteiger halt durchs hohe Gras schreiten und lauter umgefallene Bäume überklettern. Viermal fand ich mich heute in einem regelrechten Urwald wieder. Es gab tatsächlich fast kein Durchkommen. Die schwüle Hitze und die lästigen Fliegen trugen das ihre zu meinem unbeschreiblichen Vergnügen bei. Robinson liess grüssen. Am Abend war die ganze Vegetation dann noch total nass - und bald auch ich.

Die Tour führte im zweiten Teil von Egga auf das Bodmerhorn hoch. Ich durchstieg den Nordosthang. Dort gab es zumindest recht gute Tierpfade. Gegenüber den Gämsen hat man den Vorteil, dass man sich wenigstens noch mit den Händen festhalten kann, wenn nicht an Steinen so doch am hohen Gras oder an Alpenrosen Sträuchern.

Der Weg zum Rothorn, dass ich winters schon zweimal bestiegen hatte, führt vorerst über den Breitloibgrat, dann geht es über attraktive Schutthalden weiter - Schuttfelder, die den darunterliegenden Restgletscher bedecken. Der Weg wollte kein Ende nehmen. Die Aussicht auf Fletschhorn und so weiter wäre bei schönem Wetter einmalig. Aber eben nur bei schönem Wetter.

Ich folgte dann dem Grat hinunter zum Wenghorn. Blöd war nun, dass es immer wieder regnete (hagelte). Unsere grün, grau und schwarz mit Flechten bewachsenen Steine, über die man im Normalfall nur gerade so hüpfen kann, werden extrem glitschig, wenn sie nass sind. Das merkt man bald einmal. Konsequenz: mein Abstieg nach Simplon Dorf wurde stark verzögert.

Dergestalt, dass das letzte Postauto zurück nach Brig bei meiner Ankunft im nun strömenden Regen schon lange abgefahren war. Das erste Hotel war ausgebucht, und im zweiten wollte man mich nicht aufnehmen, weil ich nicht hätte bar bezahlen können (So wie ich aussah, hätte ich mich selber wohl auch nicht aufgenommen). Mit wenig Hoffnung auf eine angenehme Nacht stellte ich mich im immer noch strömenden Regen an den Strassenrand, streckte den Finger aus, und ... das erste Auto, das nahte, nahm mich nach Brig mit. Da gibt es doch immer wieder Engel, die auf unseren Strassen unterwegs sind.

Nachts, in Ruhestellung, machte sich wieder mal mein Ischias etwas bemerkbar. So wollte ich mich von meinem Masseur, der mir in solchen Fällen schon so oft geholfen hatte, pflegen lassen. Vor seiner Tür lagen ein paar Werbeprospekte herum. Auf mein Klopfen öffnete niemand. "Wird wohl irgendwo in den Ferien sein", dachte ich mir. Wen ich suche, will eine Frau vom Nachbarhaus wissen. "Die wohnen jetzt nicht mehr da", sagt sie, "Herr RV ist vor einer Woche gestorben, und seine Frau ist nun im Altersheim".  Sehr nachdenklich verlasse ich den Ort.

Hike partners: eugen

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