Chummerhüreli (2600 m): "Trostgipfel" auf dem Weg vom Plessur- ins Landwassertal


Publiziert von marmotta , 12. Februar 2014 um 23:32.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Davos
Tour Datum: 8 Februar 2014
Ski Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1380 m
Strecke:Arosa - Stausee Isel - Furggawald - Furggaboden - Maienfelder Furgga - Innerberg - Chummerberg - Chummerhüreli - P. 2402 (Chummerhubel) - Chummeralp - Mälcheren - Lengmatte - Davos-Glaris
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Arosa
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Davos Glaris, Mühle

Die Überschreitung vom Plessur- ins Landwassertal über die Maienfelder Furgga (2436 m) ist für sich betrachtet mehr landschaftlich als skifahrerisch reizvoll. Es können unterwegs jedoch einige interessante Gipfel "mitgenommen" werden, welche die eine oder andere rassige Abfahrt bieten. Im Übrigen zeichnet sich das weitläufige Gebiet zwischen den beiden Ski- und Touristenhochburgen Arosa und Davos durch Ruhe und Einsamkeit aus.
 
Wie weite Teile Graubündens erfreut sich auch das Gebiet zwischen Plessur und Landwasser einer beneidenswerten Schneelage -zumindest aus Sicht eines Flachländers, der nördlich der Voralpen zuhause ist und in diesem Winter in heimischen Gefielden noch keine einzige Schneeflocke hat liegen sehen…
 
Nach einem Fussmarsch vom RhB-Bahnhof in cff logo Arosa entlang des Untersees geht es am unteren Dorfende bei P. 1691 -für eine Skitour eher unüblich- mit einer (kurzen) Abfahrt über die Schlittelpiste zum Stausee Isel (1606 m) los. Nachdem am Vortag eine schwache Front durchgezogen war, sind die Bäume frisch verschneit und die Skier gleiten durch feinsten Pulverschnee, je nach Lage sind hier -sozusagen über Nacht- noch einmal 10-15 cm dazugekommen. Die einzigen beiden Tourengänger, die ich auf meiner Route zur Maienfelder Furgga treffe, überhole ich noch am Stausee, so dass einmal mehr Spuren angesagt ist.
 
Bei sehr angenehmen Temperaturen geniesse ich den Aufstieg durch den tiefverschneiten Furggawald zum Furggaboden. Hier verliert sich die alte, überschneite Aufstiegsspur, der Wind hat längst alles verblasen. Mit Triebschnee gefüllte Passagen wechseln mit windgepressten ab, oberhalb des Furggabodens verlangt eine steilere Rinne, über die ich durch den Föhrengürtel unterhalb des Chli Furggahorns steige, etwas Einsatz (bin ich da zu direkt aufgestiegen?). Die Rinne ist mit lockerem Pulverschnee gefüllt, der nicht mit der darunterliegenden, hartgeforenen Altschneedecke verbunden ist, so dass ich immer wieder wegrutsche. Bereits hier kommen ernsthafte Bedenken auf, ob die von mir geplante Abfahrt vom Tiejer Fürggli (2663 m) oder gar direkt vom Schwarzhorn (2759 m) nach Norden bei diesen Schnee- und Lawinenverhältnissen überhaupt drinliegen würde. Vom Wind merke ich zwar noch nicht allzu viel, doch zeigen die mächtigen Schneefahnen an den Gipfeln und Kämmen eindrücklich, wie stark der Föhnwind in der Höhe tobt!
 
Als ich nach gut 2 Stunden oberhalb der Maienfelder Furgga (2436 m) die grosse Mulde zwischen Furggahorn, Tiejer Flue und Amselflue quere, zieht es leider immer mehr zu und der Wind erreicht zeitweise Sturmstärke. Unter diesen Vorzeichen macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, zum Schwarzhorn aufzusteigen, ganz zu schweigen vom nicht ganz trivialen (Fuss-)Aufstieg durch die steile Südflanke der Tiejer Flue! Die Abfahrt nach Norden durch die mutmasslich mit viel eingeblasenem Triebschnee gefüllte Steilmulde will ich auch nicht riskieren, also breche ich den Aufstieg zum Tiejer Fürggli auf ca. 2500 m ab und rüste für den Weiterweg Richtung Chummeralp um: Angesichts des schönen Pulverschnees unter der Südflanke des Schwarzhorns felle ich ab, der Abfahrtsgenuss beschränkt sich jedoch auf 2-3 Schwünge. Bei schon sehr diffusem Licht halte ich bald einigermassen höhehaltend Richtung Chummerberg. Krampfhaft versuche ich, ohne erneutes Anfellen durchzukommen - bis mir die Sache unterhalb des Chummerhürelis zu blöd wird. Etwas genervt ziehe ich die Felle aus dem Rucksack - just in diesem Moment erblicke ich auf dem Gipfel des Chummerhürelis (2600 m) drei Personen (Merida mit Kollegen, wie ich später erfahren werde)!
 
Als die Wolkendecke kurz darauf plötzlich aufreisst und die Sonne noch einmal zum Vorschein kommt, entschliesse ich mich spontan, der von meinen Vorgängern gelegten Spur durch die steile Südwestflanke des Chummerhürelis zu dessen Südrücken zu folgen. Aufgrund von Steilheit und Schneebeschaffenheit sind Harscheisen hier zwingend - leider kommt mir diese Erkenntnis erst in der Mitte des Aufstiegs, als es zu spät ist, die Dinger aus den Tiefen meines Rucksacks herauszufummeln. Also buckle ich die Skier kurzerhand in steilem und direktem Fussaufstieg bis auf den Absatz des Südrückens hinauf, wo ich wieder in die Bindung steige. In etlichen Spitzkehren geht es nun der -infolge des starken Windes kaum mehr erkennbaren- Spur folgend Richtung Gipfel. Ca. 50 Hm unterhalb des Gipfels deponiere ich die Skier und steige das letzte Stück zu Fuss auf: Angesichts des windgepressten und -gedeckelten Schnees und des diffusen Lichts verspricht die Abfahrt im obersten, steilen Abschnitt für mich wenig Genuss.
 
Am Gipfelsteinmann angekommen, geniesse ich die fantastische Föhnstimmung, Richtung Silvretta sind sogar noch letzte sonnige Aufhellungen zu sehen. Lange verweile ich jedoch nicht, immer wieder peitscht  die ein oder andere Föhnböe über den Gipfel, was den Aufenthalt nicht besonders angenehm macht. Dass das Abziehen und Verstauen von Skifellen bei derartigen Verhältnissen eine weitgehend spassfreie Angelegenheit ist, bedarf wohl auch keiner weiteren Erklärung…
 
Die Abfahrt ist dann trotz diffusem Licht und stellenweise windgepresstem Schnee besser als erwartet. Immer wieder finden sich schöne, pulvrige Abschnitte, nach der Chummeralp (ca. 1980 m) ist die Umgebung auch wieder kontrastreicher, so dass die breite Schneise nach Mälcheren hinunter kaum Wünsche offen lässt. Platz für eigene Linien hat´s noch genügend, und die Schneelage ist so üppig, dass problemlos bis zur Strasse im Landwassertal abgefahren werden kann. Eigentlich wollte ich ja nach Davos-Frauenkirch abfahren, doch irgendwie gerate ich etwas zu weit rechts (im Abfahrtssinne) und komme in Davos-Glaris heraus. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn es sind auch hier nur wenige Meter bis zur nächsten Bushaltestelle cff logo Davos Glaris, Mühle, wo Minuten später auch bereits das Postauto nach Davos Dorf Bhf eintrifft.
 
Schwierigkeitsbewertung:
 
Die Bewertung "WS-" (die auch der Skitourenführer angibt) bezieht sich ausdrücklich nur auf die Abfahrt vom Chummerhüreli über die Südostflanke. Der (von mir teilweise zu Fuss zurückgelegte) Aufstieg über die Südwestflanke bzw. den Südrücken des Chummerhürelis wäre nach meiner Einschätzung mindestens mit "ZS" einzustufen. 

Tourengänger: marmotta


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»