Chistehorn und andere - Nacht der Fledermäuse


Written by eugen Pro , 24 July 2008, 11h20.

Region: Monde » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:23 July 2008
Waypoints: Chistehorn 2785m. 9135 ft. (1) Chistehorn (Vorgipfel, P. 2700) 2700m. 8856 ft. (2) Läghorn 2878m. 9440 ft. (1) Turelli 2907m. 9535 ft. (1)
Geo-Tags: CH-VS 
Mountaineering grading: D
Route:Mattachra - Schintilicke - Beichelhorn - Inneres Läghorn - Äusseres Läghorn - Chistehorn - Mattachra
Access to start point:Mit dem Auto von Gampel-Steg nach Hohtenn dann nach Tatz - weiter Mattachra
Maps:1288

Die Überschreitung Schintilicke - Beichelhorn (= Turelli) - Inneres Läghorn - Äusseres Läghorn - Chistehorn wird nur selten gemacht - durchschnittlich so einmal im Jahr. Sie ist aber durchaus lohnend, und auf jedem Gipfel gibt es ein Gipfelbuch. An der Schlüsselstelle hat jemand einen Hacken geschlagen, den Rest muss man selber absichern. Leider ist der Fels nicht gerade überall felsenfest. So tut man gut daran, die Standfestigkeit der Blöcke, auf denen man herumturnt, jeweils kritisch zu beurteilen. Beeindruckend ist die Rundsicht, die man geniessen kann, und auch sehr beeindruckend sind die vielen Steinböcke, die man beobachten kann. Bevor wir an diesem an und für sich sonnigen Tag die Sonne wirklich geniessen konnten, hiess es, sich noch ein wenig die Finger abfrieren, denn für die Jahreszeit war es auch an diesem Grat recht kalt.

Hier noch die Marschtabelle (realistisch, wenn man sich beim Klettern ein wenig Zeit lässt, wenn man auf jedem Gipfel eine viertelstündige Pause einlegt, wenn man beim Abstieg Steinböcke beobachtet, wenn man auf ebener Strasse rund 6 km/Std. zurücklegt, wenn man in der Nacht auf Wanderwegen ab und zu die falsche Richtung einschlägt, und wenn man abends beim Abstieg etwas müde ist):

Brig Bahnhof - Niedergesteln / Beginn Aufstieg : 3 Std. 7 Minuten
Niedergesteln - Mattachra : 2 Std. 38 Minuten
Mattachra - Schintilicke (nun mit Seil beladen): 3 Std. 2 Minuten
Beichelhorn (Pausen vorher inbegriffen): 1 Std. 53 Minuten
Inneres Läghorn: 1 Std. 47 Minuten
Äusseres Läghorn: 1 Std. 53 Minuten
Chistehorn: 2 Std. 12 Minuten
Abstieg: 2 Std. 23 Minuten

Tiergeschichten

Tierfreunde erleben in den Bergen einiges. Von den Steinböcken, die wir beim Abstieg beobachten konnten, lege ich ein paar Bilder bei. Wir mussten eine lange Steinhalde hinuntersteigen, und die Steinböcke gingen uns in einem Abstand von 50 bis 100 Metern voraus. Aus der Ruhe bringen liessen sie sich gar nicht. Sie schauten immer wieder längere Zeit ins Tal hinab und ab und zu zu uns herauf. Weiter unten ruhten sich zwei weitere Böcke auf grossen Steinen aus. Die Steinbockmänner machten einen ruhigen, meditativen Eindruck. Einzig die Fliegen, die sie ständig abwehren mussten, schienen sie ein wenig zu ärgern. Für mich waren es riesige Tiere - die grossen Hörner machen sie noch grösser. Die Bewegung erfolgt langsam und kraftvoll.

Weiter oben beim Aufstieg zum Chistehorn konnten wir eine Gruppe Weibchen mit Jungtieren beobachten. Die machten einen viel lebendigeren Eindruck. Wahrscheinliche hatten wir sie irgendwie aufgescheucht. Jedenfalls flüchteten sie in halsbrecherischem Tempo über Stock und Stein eine Bergflanke hindurch.

Viel eindrücklicher aber war eine Steinbockmutter mit Kind, die wir vorher beobachten konnten. Ich entdeckte sie in einer tief abfallenden Wand. Hier schien es eher um Spiel und Spass, denn um Nahrungssuche zu gehen. Unglaublich geschick und flink bewegten sie sich in einem Gelände, in dem wir "Bergsteiger" all unser Sicherungsmaterial hätten einsetzen müssen. Später rannten sie, wie man nur rennen kann, einen langen, sehr ausgesetzten und zudem extrem scharfen Grat hinunter. Die Mutter voraus und das Junge ohne zu zögern hinten nach. Der kleinste Fehler hätte einen 200 Meter Sturz in die Tiefe zur folge gehabt. Wir konnten unseren Augen nicht trauen, als das Weibchen dann auch noch in die sehr glatte Wand hinunterstieg. Da schien es überhaupt keinen Halt mehr zu geben. Ich konnte mich nur noch bekreuzigen, als das Junge dann auch noch der Mutter auf kecke Art in dieses unglaubliche Gelände folgte. Solche Szenen kann man nicht fotografieren. Man kann nur beobachten und staunen und versuchen, die Bilder für immer zu verinnerlichen.

Nacht der Fledermäuse?

Auch der nächtliche Marsch das Rhonetal hinunter hatte es an sich. Ewig lang an Korn- und Maisfeldern entlang. Einen bleibenderen Eindruck hinterliessen aber eher die Fledermäuse, die mich immer wieder zu umkreisen schienen. Später beim Aufstieg in einem verlassenen Weiler mit alten zerfallenden Walliser Häusern und überwachsenem Mauerwerk war die Szenerie dann schon ein wenig schauerlich. Und doch schaute kein Geist aus den dunklen Fenstern mit zerbrochenem Scheiben hervor. Und dies nicht einmal bei Fast-Vollmond.

Hike partners: eugen

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T4

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