Rotondo-Trilogie


Publiziert von Bergamotte Pro , 26. Januar 2014 um 16:59.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 Januar 2014
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS   Gruppo Pizzo Rotondo 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Kartennummer:265S (R. 90, 972, 971a/b)

Endlich! Zum ersten Mal in dieser Saison hat es zu einer richtig nahrhaften Skitour gereicht. Bisher verhinderte der Schneemangel in meinen Lieblingsgefilden allzu grosse Projekte. Die wunderschöne Rundtour über Leckihorn, Stellibodenhorn und Rottällihorn steht aber auch allen Genusstürlern offen, dann einfach mit Übernachtung in der Rotondohütte. Für welche Variante man sich auch entscheidet, die prächtige, beinahe hochalpine Landschaft inmitten des Gotthardgebiets lässt niemanden kalt. Und eines ist klar: So langsam kommt die Skitourensaison richtig in Fahrt!

Beim Start um 7:20 geht's in Realp (1538m) noch gemächlich zu und her. Erst eine Handvoll Türler zieht Richtung Stotzigen Firsten. Anschliessend marschiere ich lange Zeit mutterseelenallein das Witenwasserental hoch. Dieses präsentiert sich heute als veritabler Kühlschrank, mehr als -15° dürften es kaum gewesen sein. Dank Sturmhaube und Abfahrtshandschuhen lässt sich das Ganze aber gut ertragen. Nur die Bronchien haben keine Freude - und der Fotoapparat. Bereits nach 90 Minuten gibt der Akku den Geist auf. So muss ich ihn regelmässig zum Aufwärmen in meine Socken stopfen...

Eigentlich wäre das Gross Leckihorn ja eine nette Kurztour, wenn denn der Hüttenzustieg nicht wäre. Nur so viel: Von Realp bis Witenwasserenstafel (2185m) legt man auf einer Strecke von über sechs Kilometern gerademal 635 Höhenmeter zurück - das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 10°... Doch in Oberstafel nimmt der horizontale Gwaggel sein Ende und die ersten Sonnenstrahlen lassen die Temperatur nach oben springen.

Nach einer wärmenden Suppe in der Rotondohütte (2570m) geht's auf zum Gipfelsturm. Leckihorn, Stellibodenhorn und Rottällihorn scheinen bereits zum Greifen nahe. Kleine Kritik in eigener Sache: Angesichts der aktuellen Lawinensituation (Triebschnee an Südhängen) wäre es vernünftiger gewesen, eine frische Spur durch die untere Mulde zu legen. Stattdessen folgte ich faul einer Spur, welche durch die obere Mulde Richtung Rottällipass zog, teils etwas gar nah an den Steilhängen vom Rottälligrat vorbei.

Ab Leckipass (2892m) darf ich anspuren. Durch die kurze NOO-Flanke erreicht man das Skidepot im Sattel. Obschon die meisten Türler ab hier zu Fuss weiter gehen, kann heute mit Skiern bis 20 Meter unters Gipfelkreuz aufgestiegen werden. Das lasse ich mir nicht entgehen. Man erreicht hier über 30°, auf dem hartgepressten NW-Hang heute aber unproblematisch. Zuletzt über Blockfelsen aufs Gross Leckihorn (3068m). Angesichts des eiskalten Windes reicht es nicht zu einer längeren Gipfelrast, weshalb ich bald wieder absteige und die kurze Abfahrt zurück zum Leckipass (2892m) in Angriff nehme.

Im nahen Rottällipass (2875m) deponiere ich die Skier erneut und steige zu Fuss unschwierig über den Grat zum Stellibodenhorn (2988m) auf. (Das kann ich übrigens nur Freaks - wie mir - empfehlen, welche dem Hobby der Gipfelsammlerei frönen.) Hierfür montiere ich die Steigeisen, im Trittschnee heute wär's aber auch ohne gegangen. Doch nachdem ich die Faulpelze 1800 Höhenmeter rumgeschleppt habe, dürfen sie sich ruhig ein bisschen nützlich machen. Zurück im Pass und auf den Skiern steige ich in wenigen Minuten - praktisch dem Grat entlang - aufs benachbarte Rottällihorn (2913m), welches über den ganzen Tag verteilt doch einiges an Besuch erhielt.

Die Direktabfahrt vom Gipfel kommt heute nicht in Frage. Als folge ich zunächst 200 Meter dem Grat ostwärts, bevor ich mich in die Schlussabfahrt stürze. Wobei "Stürzen" nicht genau das richtige Wort ist. Denn es handelt sich vielmehr um sanft geneigte Hänge, der Lawinensituation angepasst halt. Bei 20cm Pulver auf harter Unterlage kommt das kontemplativem Schweben gleich. Erst zurück im Witenwasserental erinnern mich die höllisch brennenden Beine ans happige Tagesprogramm. Auch die Arme dürfen auf der abschliessenden Flachpassage noch ihren Unmut darüber kundtun...

slf erheblich (speziell Triebschnee auf Südseite ab 2400m)

Zeiten
2:50  Rotondohütte
1:30  Gross Leckihorn
1:05  Stellibodenhorn
0:20  Rottällihorn
0:50  Realp
 

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (3)


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Merida hat gesagt: Super
Gesendet am 27. Januar 2014 um 20:50
Tour hast du da gemacht und schöne Photos mitgebracht.
Da möchte ich auch gleich hin...
Grüsse, Stephan

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:Super
Gesendet am 28. Januar 2014 um 09:47
Herzlichen Dank. Kann ich guten Gewissens weiterempfehlen. Die Tour ist zu recht ziemlich beliebt auf Hikr.

Felix Pro hat gesagt: RE: Super
Gesendet am 3. Februar 2014 um 16:25
das kann ich nachvollziehen - bei diesem Wetter und Bildern ;-) - ich kenne die Gegend erst seit kurzem; als Sommertour jedoch auch sehr "anregend" ...

lg Felix


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