Piz Camparasca und Piz d'Urìa: Grimmige Berge im Val Cama


Publiziert von Zaza , 20. Juli 2008 um 09:07.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Misox
Tour Datum:18 Juli 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Val Cama   CH-GR   I 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 1400 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo cama
Unterkunftmöglichkeiten:Zwei Hütten am Val Cama, nur zwischen Juli und September offen und bewartet. Daneben ist (im Sommer) Unterkunft in den Jurten der Alp de Lagh möglich. In der Nebensaison soll es möglich sein, den Schlüssel der Alp de Lumegn zu erhalten.
Kartennummer:1294

Wer den Grenzgrat zwischen dem Misox und Italien begehen möchte, der stösst beim Val Cama auf grösseren Widerstand. Die felsigen Gipfel dieser Region sind teilweise ziemlich anspruchsvoll. Entsprechend gibt es auch eine Vielzahl von Kletterrouten, besonders am Piz Martel. Sie werden allerdings kaum mehr begangen, weil man dazu einen langen Anstieg zu Fuss bewältigen muss.

Die Gegend war einst auch beliebtes Gelände der Italienischen Schmuggler. Interessante Episoden aus jener Zeit finden sich im Buch "Aus den Tessiner Bergen" von Carl Täuber (1907). Wer sich einmal in die Bocchetta di Val Cama hinaufgemüht hat, der wundert sich sehr über diese Männer, die hier auch im Winter hochstiegen, und dazu noch 30 kg Zigaretten auf einer simplen Lastenkraxe dabei hatten...

In den letzten Jahren ist das Tal wieder stark belebt worden. So wird die Alpe del Lago wieder bestossen, und dies erst noch mit seltenen Tierrassen (ein Projekt von Pro Specie Rara). Man kann sich im Sommer mit Käse und Joghurt versorgen. Die Bauarbeiten der Alphütten sind noch im Gange, unterstützt durch Lehrlingslager der Baufirma Marti. Weiter wurde in dem Tal eines der grössten Waldreservate der Schweiz geschaffen.

Unsere Tour begann in Cama und führte zunächst auf dem Pfad zum schönen Lago di Cama, wo wir in der Capanna Miralago einen Teil des Gepäcks deponierten. Die Hütte hat seit diesem Jahr einen neuen Wirt; seine Kochkünste vermochten uns zu überzeugen. Vom See stiegen wir zunächst auf dem markierten Pfad Richtung Sambrog bis zur Alp de Vec. Nun ging es weglos Richtung Piz d'Urìa. Der namenlose Gipfel zwischen P. Urìa und P. Camparasca weist in seiner Wand von rechts nach links ein ausgesetztes Grasband auf. Dieses Band führte uns in den Passo dei Contrabbandieri hinauf. Von hier erkletterten wir den schönen Grat bis zum Gipfel des Piz Camparasca (WS).

Zurück im Pass verzichteten wir schweren Herzens auf den direkten Weiterweg zum Piz d'Urìa: Heute war uns nicht nach einer Erstbegehung zumute (in Gegenrichtung soll die Sache mit Abseilen recht gut zu machen sein). Statt dessen ging es auf der Italienischen Seite deutlich abwärts, bis wir queren konnten, um den ESE-Grat des Piz d'Urìa zu überqueren. Nun ging es dem Fuss dieses Grates entlang in die Höhe, bis sich die Möglichkeit bot, durch ein im oberen Teil sehr steiles Couloir (T6, heikel) auf den Grat zu gelangen (hier haben wir möglicherweise die falsche Route erwischt; weiter unten ist ein weiteres, sehr enges Couloir). Der Schlussaufstieg führt dann über den recht luftigen Südgrat auf den grasigen Gipfel.

Nachdem wir mit etwas Murks durch das Coiloir abgestiegen waren, ging es hinüber zur Bocchetta del Notar. Obwohl markiert, ist der Abstieg von hier zum See wegen der Steilheit des Geländes reichlich mühselig. In jeder anderen Region wäre dieser Weg blau-weiss markiert...hier wird er sogar als Verbindungspfad "Sentiero dei Grotti" von Cama nach Gordona angepriesen. Immerhin zeigt das "Passbuch", dass sich nicht viele Wanderer hierhin verirren.

Hinweis: Die meisten der in der Wegpunkt-Datenbank verzeichneten Hütten im unteren Misox sind in erbärmlichem Zustand und nur für den Notfall geeignet. Ausnahmen: Miralago, Albion. Vec ist noch im Bau und verschlossen.

Tourengänger: Omega3, Zaza

Galerie


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