Speichstock, Gemsfairenstock und Tüfelsjoch


Publiziert von Delta Pro , 17. Juli 2008 um 09:16.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 6 Juli 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-UR   Claridengruppe 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 2000 m

Halbtages-Hochtour im Skitourenparadies – Schönwetterfenster geschenkt!

 

Welcher Skialpinist war noch nie mit den Brettern an den Füssen auf dem Gemsfairenstock? Und wie viele davon haben diesen Gipfel auch schon im Sommer besucht? Dank der Fisetengratbahn sind ab dem Urnerboden Halbtages-Hochtouren möglich und die Region ist ohne Winterkleid fast noch pittoresker. Der Gemsfairenstock ist bei guten Verhältnissen ohne Gletscherausrüstung zu bestiegen, der benachbarte Speichstock ist eine willkommene, etwas felsigere Abwechslung und „Adventure“ gibt’s beim Tüfelsjoch – eine lohnende Rundtour mit allem, was eine richtige Hochtour ausmacht! Eigentlich wollten wir uns noch an die Tüfelsstöcke heranwagen, was wir aufgrund des steilen und brüchigen Geländes und des unsicheren Wetter bleiben liessen. Die Besteigung der Tüfelsstöcke ist eine ernsthafte Unternehmung, die entsprechend geplant sein will!

 

Als wir gegen Linthal fuhren breitet sich ein dichter Regenvorhang über dem Tödi aus. Wie war das mit Aufhellungen am Morgen? Wir denken schon ans Umkehren… Doch, siehe da, beim Warten aufs Fisetengrat-Bähnli (Maschinist darf ab 6 Uhr aus dem Bett geklingelt werden, will dafür aber ein saftiges Trinkgeld von 10.-), lösen sich die Regenwolken unvermittelt in Nichts auf und oben empfängt uns blauster Himmel! Auf einem mit Steinmännchen markierten Weg vorbei am Rund Loch und über die Felsstufe unter den Langfirn. Man behält die Richtung bei und quert in abwechslungsreichem Gelände unter dem Gletscher nach Nordwesten. Vor dem Gemsfairenjoch einige Kraxelstellen (T4, Steinmännchen). Weiter über den breiten Fels- und Geröllgrat (anfangs kurze Kraxelstelle) auf den selten begangenen Speichstock, der eindrückliche Einblicke in die zerrissene Schneide der Tüfelsstöcke vermittelt. Auf halbem Weg in die Scharte vor dem Gross Tüfelsstock lassen wir die Unternehmung bleiben und wenden uns dem Gemsfairenstock zu. Einfach über Schneefelder und Geröll auf den Gipfel (T4).

 

Abstieg auf den Claridenfirn und Gegenaufstieg zum Tüfelsjoch (Achtung Längsspalten). Die Überwindung dieses Übergangs wird wegen des Gletscherrückgangs zunehmend schwieriger, da der Firn nicht mehr bis zum Pass reicht und dort brüchige, steile Felspartien freilegt. Was im Winter weitgehend unproblematisch ist, erfordert im Sommer einige Kletterei: Wir sind durch eine steile Rinne mit abwärts geschichtetem Gestein direkt in den tiefsten Punkt des Tüfelsjochs geklettert (30m, II, heikel). Wahrscheinlich gäbe es bessere Varianten. In der Nordflanke hängen ein halbes Dutzend, teils recht marode Seile. Die Ketten haben wir verpasst (ganz am östlichen Ende des Jochs) und drei Sicherungsstangen für den Abstieg verwendet. Die erste befindet sich im tiefsten Punkt des Jochs. An den unteren zweimal 15m abseilen. Liegt kein Schnee ist der Abstieg vom Tüfelsjoch nicht ganz einfach und sehr steinschlägig – es ist jetzt also klar, weshalb der Übergang im Winter beliebter ist. Dafür ist nachher genussvolles Abrutschen auf steilen Schneefeldern angesagt – und dies über rund 800 Höhenmeter! Sind später im Jahr die Gletscher ausgeapert, könnte auch dieser Teil des Tüfeljoch-Abenteuers ziemlich ungemütlich werden… Vom Gemsfairenhüttli weglos in der Falllinie bis 1600 m.ü.M., wo ein schlecht sichtbarer verwachsener Weg gegen rechts durch eine steile Grasflanke quert und schliesslich zurück in den Urnerboden führt.


Tourengänger: Delta, Yoshi

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