Kilimanjaro (5896 m) auf der Machame-Route


Publiziert von ju_wi , 7. Juli 2008 um 22:09.

Region: Welt » Tansania
Tour Datum:26 Dezember 2005
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: EAT 
Zeitbedarf: 6 Tage
Aufstieg: 4800 m
Abstieg: 4800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Arusha - Machame Gate
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mweka Gate - Arusha
Unterkunftmöglichkeiten:nur Zelt auf der Machame Route

Nach der Mt. Meru Besteigung zur Akklimatisierung an die Höhe legen wir zunächst eine Safariwoche ein, um uns schließlich an den Kilimanjaro (5896 m), den höchsten Berg Afrikas und unseren ersten der Seven Summits zu wagen.

Per Jeep fahren wir von Arusha zum Lake Manyara National Park, ein Safariziel, das an einem salzigen See direkt am Ostafrikanischen Grabenbruch (Rift Valley) liegt.

Wir übernachten in einer recht luxuriös ausgestatteten festen Zeltstadt in der Nähe eines gemütlichen afrikanischen Dorfes. Von dort wird eine Tagessafari in den Park unternommen. Bei 35° im Schatten beobachten wir viele Elefanten, Gnus, Zebras, ein paar Löwen, jede Menge Gazellen, Affen und anderes Getier. Es ist unser erster Großwildpark und eine ganz besondere Erfahrung.

Zurück im dorf unternehmen wir in der Abendsonne noch einen Spaziergang. wir befinden uns mitten im Massailand. Überall weiden kleinen Herden, die meist von Massaikindern gehütet werden.

Nächste Station ist die berühmte Serengeti - bekannt durch Grzimek. Die Serengeti ist ein riesiger Nationalpark, der vorwiegend aus Grassteppe besteht, sich bis nach Kenia erstreckt und bekannt ist für seine jährlich statfinden Massenherden-Bewegungen. Mehrere Millionen Gnus, Büffel und Zebras ziehen jedes Jahr auf traditionellen Routen dem Wasser hinterher. Bei der Überquerung von Flüssen - an Steilhängen werden sie dabei von Jägern belauert.

Die Serengeti beherbergt viele Gazellen-Arten, Löwen und Elefanten im Überfluss, Strausse, Leoparde, Geparde, Flusspferde und überhaupt fast alles, was die afrikanische Tierwelt so hergibt. Wir campen hier in Mitten des Parkes und haben tolle Tiererlebnisse mit Löwen, die abends von Felsen auf uns niederschauen etc.

Auf der Strecke zum Ngorongoro Nationalpark, der dritten und letzten Safaristation der Tour besuchen wir zunächst ein Massaidorf. Wir besichtigen den typischen Gral aus Reisig, in den abends das Vieh getrieben wird und der das Dorf nachts vor Raubtieren schützt. Der Ngorongorokrater ist eine riesige Caldera, d.h. eine eingebrochene Magmakammer eines Vulkankraters, von ca. 25 km Ausdehnung in der ostafrikanischen Hochebene nahe des Grabenbruches auf ca. 2700 m Höhe gelegen. Er besitzt rundherum ca. 500 m steile Wände, die jedoch erodiert sind und in die Wege und "Straßen" hinabführen. Sein Kessel ist voll von Wildtieren, eine der höchsten Artendichten überhaupt. Auch das Spitznashorn kommt hier vor - allerdings keien Giraffen, da diese angeblich nicht die steilen Kraterwände hinabgelangen können. Auch hier zelten wir inmitten der Natur - feiern Heiligabend und werden auf dem Platz von Elefanten besucht, die zum Wasser trinken vorbeischauen. Beim nächtlichen Toilettengang mache ich hier auch Bekanntschaft mit einem wilden Schwein.

Zurück in Arusha brechen wir dann zum Höhepunkt der Reise auf - der Besteigung des Kilimanjaro.

Wir nehmen die Machame Route, eine etwas anstrengendere Route mit längeren Etappen, die mangels Hütten nur Zeltbenutzung erlaubt, die jedoch auch mehr Zeit zur Höhenakklimatisierung lässt. Mit dem Auto geht es zum Machame Gate (1800 m), dem Ausgangspunkt der Trekkingtour.

Der erste Trekkingtag führt knapp 1200 Hm hinauf durch Regenwald zum Machame Camp (2980 m). Die Wege sind breit und gut treppenartig ausgebaut. Mitten auf dem Weg geraten wir auch in einen Gewitterregen, der jedoch in diese feuchte grüne Gegend wunderbar hineinpasst. Abends werden Zelte und auch ein Essenszelt aufgebaut und wir geniessen die Nacht in purer Natur.

Am zweiten Trekkingtag geht es weitere 900 Hm hinauf zum Shira Camp (3840 m). Shira ist der westlichse von drei Vulkangipfel des Kilimanjaroplateaus. Er und er östliche Mawenzi sind älter als der schneebedeckte Hauptgipfel - der "Kibo" und daher schon stäreker erodiert. Zwischen Shira und Kibo - immerhin 20 km Abstand Luftlinie - hat sich ein Plateau gebildet, das Shiraplateau, auf dem das Shira Camp liegt. Der Weg verlässt an diesem Tag den Wald und durchläuft so von 3400 - 4200 Hm die wohl spektakulärste und sonderbarste Vegetationszone am Kilimanjaro - die Zone der mehrere Meter hohen Riesenlobelien und Riesensenecien, die eine ganz eigenartige Landschaft formen. Auch an diesm Tag werden wir im oberen Teil des Pfads von starkem Regen gepisackt. Nachmittags machen wir zur Höhenakklimatisierung noch einen Spaziergang auf gut 4200 m Höhe.

Frühmorgens am dritten Trekkingtag ist das Zelt von einer Eisschicht überzogen. Es ist empfindlich kalt. Der Weg führt heute zunächst weiter hinauf durch immer spärlichere Vegetation, die inzwischen stark von Lavabrocken geprägt ist. Auf gut 4500 m quert der Weg eine Art Pass am Fuß des Kibogipfels. Hier kommen wir am Lava Tower (4650 m) vorbei, dessen Gipfel wir in leichter Felskletterei (I) natürlich besteigen. Beim Abstieg spüre ich leichte Höhenkopfschmerzen. Der Weg führt wieder einige 100 Hm hinab auf unter 4000 m und wieder durchqueren wir herrliche Riesensenecien. Bald ist das Barranco Camp (3950 m) erreicht.

Am vierten Trekkingtag steigen wir zunächst eine gut 200 Hm hohe steile felsige Stufe hinauf - wieder muss man eine wenig die Hände benutzen. Der wietere Weg führt durch ein Tal - wohl ein alter Lavaabfluss und steigt dann wieder steil und mühsam durch Steinwüste hinauf zum sehr rudimentären Barafu "Camp" (4600 m). In totaler Steintrümmerlandschaft bauen wir das Zelt auf und legen uns ein paar Stunden hin, bevor um Mitternacht geweckt wird zur Gipfeloffensive.

Nun folgt - am fünften Trekkingtag - der härteste Part der Tour. Es gilt gut 1300 Hm in sehr dünner Luft nachts in eisiger Luft auf feiner Vulkanasche in steilstem Gelände zu erklimmen. Viele Gruppen brechen fast gleichzeitig auf. Die Idee eien Aufbruchs gegen Mitternacht ist es, die 1300 Hm in 6 (!) Stunden zurückzulegen und gegen 6 Uhr früh zum Sonnenaufgang am Uhuru Peak (5896 m), dem Gipfel des Kilimanjaros und Dachs von Afrika zu stehen. Dies ging in unserem Fall allerdings nicht wirklich auf. Schon zu Beginn überholen wir so ziemlich alle Gruppen vor uns und kommen bei ca -15 ° auf gefrorenem Boden ganz gut voran. Es ist jedoch tierisch anstrengend und bitter, bitter kalt. Nach oben hin wird es ausserdem immer windiger - ja stürmischer. Nein, diesmal haben wir leider kein Glück mit dem Wetter. Nach gut 4 Stunden erreichen wir schon den Stella Point auf 5745 m am Kraterrand des Kibo. Natürlich ist es noch stockdunkel ud inzwischen kann man schon von Sturm sprechen: 80 km/h Wind bei -15 ° bei der dünnen Luft und der verursachten eingeschränkten Blutzirkulation ist sicher das Kälteste, das ich in meinem Leben erlebt habe. Dennoch ziehen wir erschöpft von der Anstrenung und bis aufs Mark durchgefroren weiter üner nun etwas flacheres Gelände hinauf Richtung Uhuru Point. an diesem angekommen schnell ein Foto und sofort wieder hinab. Nur leider ist es immer noch dunkel und bleiben will hier niemand länger. Das wars mit dem Ausblick in die Ebene. Was solls? Jedenfalls erleben wir an den Gletscherabbrüchen noch ein paar spektakuläre Sonnenaufgangs-Lichtspiele. Dann geht es auf dem immer noch tiefgefrorenen Vulkanaschenboden wieder 1300 Hm hinab zum Barafu Camp. Hier zunächst mal kurze Rast - aufwärmen im Schlafsack, Mittagessen und noch am gleichen Tag weitere 1500 Hm hinab zum Mweka Camp (3100 m) auf der nur zum Abstieg benutzten Mweka Abstiegsroute.

Hier inzwischen wieder im Regenwald verbringen wir die letzte zeltnacht und steigen am sechten Trekkingtag glücklich die verbleibenden 1400 Hm hinab zum Mweka Gate, wo wir später abgeholt werden.

Es ist der 31.12. 2005 und als krönender Abschluss der Tour feiern wir im Hotel von Arusha zusammen ein afrikanisches Neujahrfest, bevor es am nächsten Tag wieder heim geht.


Tourengänger: ju_wi

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Kommentare (2)


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Bombo hat gesagt: Gratulation Euch beiden
Gesendet am 7. Juli 2008 um 23:35
Gratuliere Euch zu dieser Hammertour - auch wenn's bitter kalt wurde - Ihr habt's geschafft und das verdient Respekt.

Die Bilder - für mich als Tierliebhaber natürlich ein Muss - sind der absolute Genuss! Alleine schon das Bild mit dem Leopard oder aber auch des jungen Zebras bringen einem sofort ins träumen und wer weiss, vielleicht stehe ich auch einmal dort, wo ihr dazumals wart.

Lg, Bombo

ju_wi hat gesagt: RE:Gratulation Euch beiden
Gesendet am 9. Juli 2008 um 08:13
Hi Bombo, vielen Dank. Ja der Kili ist schon ein besonderes Erlebnis, da man alle Vegetationsstufen durchsteigt. Gerade die Machame-Route - oder noch besser am Schluss durch die Western Breach übern Gletscher mit Zeltnacht im Krater - ist fantastisch. Ich würde jederzeit gerne wieder hoch - wenn das Bergsteigerische hier auch etwas im Hintergrund steht. Grüße, Jürgen


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