Pik Leipzig (5725m) - Eine Reise in den Pamir


Publiziert von Mandinka , 17. November 2013 um 08:46.

Region: Welt » Kirgisistan » Transalai-Kette
Tour Datum:23 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Zeitbedarf: 11 Tage
Strecke:Osch - Achyk Suu - Landeplatz - Lager Westseite - Basislager Pik Leipzig - Pik Saxonia - Hochlager Pik Leipzig
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via Flugzeug bis Taschkent. Von hier mit dem Auto nach Osch und weiter bis Achyk Suu im Pamir.
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels in Osch und Zelt während der Tour.


Am 23. Juli stand ich mit 40 Kilogramm Gepäck am Münchner Flughafen. Ein ganzes Jahr plante ich diese Reise. Und so stand ich nun zusammen mit Max am Flughafen in München. Es ging als erstes mit dem Flieger bis Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans. Und von dort mit dem Auto, ewig dauernde Stunden bis nach Osh in Kirgistan. Hier beginnt mein kurzer Reisebericht vom ersten Teil unserer Reise in den Pamir.

24. Juli: Ankunft in Osh/Kirgistan
Völlig übermüdet, ging es dort als erstes auf den Markt. Hier gab es fast alles, was man noch irgendwie benötigte. Am nächsten Tag stieß Daniel zu uns, der über einen gemeinsamen Freund an mich gelangt war. Viel Zeit blieb uns allerdings nicht zum Kennenlernen. Denn unser Fahrer wartete schon. Es ging weiter nach Ackyk-Suu, unserem Ausgangspunkt. Unser Ziel war der 5725m hohe Pik Leipzig. Ein Gespräch mit Ralf, Erstbesteiger des Berges, brachte mich vor einigen Monaten auf die Idee diesen Berg zu besteigen. Der Berg wurde 1989 das erste und einzige Mal bestiegen. Ein zweiter Versuch in 2012 scheiterte.

25. Juli: Abfahrt zum Ausgangspunkt Achyk Suu
Lange Stunden vergingen nun im Auto bis Achyk Suu. Die ersten Blicke auf dasPamir war überwältigend. In Achyk-Suu machten wir kurzen Halt. Die Fahrt konnten wir aber fortsetzen. Ein Weg führte hinauf, bis zum Landeplatz. Hier landeten die Erstbesteiger mit dem Hubschrauber. Es ist eine einzige Idylle hier. Beweidete Bergwiesen so weit das Auge reicht. Überall stehen Jurten, die traditionellen Behausungen der Viehzüchter in Kirgistan. Und kaum hatten wir unser Gepäck aus dem Auto, waren wir von neugierigen Einheimischen umzingelt. Wir bauten unter ständiger Beobachtung unsere Zelte auf. 3300 Meter waren wir hier bereits hoch und das zwang uns zu einer zweitägigen Ruhepause. Wir nutzten die Zeit um die Umgebung kennenzulernen, uns auzuruhen und verhandelten den Gepäcktransport – mit den Pferden – bis zum Basislager. Außerdem stiegen wir bis auf knapp über 4000m am Nordsporn des Pik Saxonia hinauf. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf die unterliegende Ebene und das Alaigebirge auf der anderen Seite des Alaitals.

28. Juli: Aufbruch Richtung Basislager Pik Leipzig
Es waren fünf Stunden zu Fuß, von hier bis zum Basislager. Uns reichte ein Pferd und den Rest trugen wir selber. Zuerst ging es um den Fuß des Pik Saxonia. Ein wunderschöner Berg, welcher uns bisher die Sicht auf unser eigentliches Ziel, den Pik Leipzig verwehrte. Nach einem Zwischenlager am Gletscherrand, kamen wir am Basislager an. Es liegt vor der fast 1500m hohen Nordwand des Pik Leipzig. Was für ein Anblick! Der Berg wirkt von hier mächtig und ist über seine gesamte Nordseite stark vergletschert. Wir machten es uns zunächst gemütlich. Wir hatten für den Pik Leipzig ein abgestecktes Zeitfenster, 10 Tage. Für diesen Berg kein unmöglicher Zeitraum. Aber es durfte nicht viel dazwischenkommen. Bisher passte das Wetter, so dass wir uns wenig Sorgen machten. Daniel brachte väterlich jeden Abend das Oxymeter im Zelt vorbei, damit wir die Sauerstoffsättigung messen konnten. Ich weiß nicht, ob uns Laien ein solches Gerät wirklich hilft. Aber es sorgte immerhin für Gesprächsstoff.

31. Juli: Pik Saxonia und Hochlager
Nach einem Ruhetag entschlossen wir uns den Aufstieg zum Hochlager zu erkunden. 1000 Höhenmeter mühsamer Aufstieg. Eine Rinne führte direkt hinauf. Diese Rinne war durchgehend etwa 30 Grad steil, oben etwas mehr. Bei guten Bedingungen eine machbare Sache. Aber die Bedingungen schienen nur perfekt. Wir wählten erst die ungünstige Seite der Rinne. Das wurde uns bewusst, als oben die Steine aus dem Eis brachen und neben uns vorbeischossen. Mittlerweile standen wir auf kompaktem Eis und mussten ziemlich unangenehm nach links queren. Allerdings ging es hier zügig bis auf über 5000m hinauf. Eigentlich hatten wir einiges an Material dabei, welches wir deponieren wollten. Da wir aber nun viel weiter links herauskamen und nicht sicher waren, ob wir beim nächsten Aufstieg wieder hier vorbei kämen, trugen wir den ganzen Krempel wieder mit nach unten. Und immer wenn etwas nicht so läuft wie geplant, ereilte mich sofort der Anflug eines unguten Gefühls.
Nach einem erneuten Ruhetag entschlossen wir uns gut akklimatisiert zum erneuten Aufstieg. Hochlager, Gipfel, Abstieg – so der Plan. Durch die Rinne ging recht zügig. Wir stiegen allerdings genau dort aus der Rinne, wo wir das bereits beim ersten Versuch taten. Verflixt! Das Material hätte man also doch hier deponieren können. Wir kamen sogar so weit links heraus, dass wir direkt auf dem Pik Saxonia (5374m) standen. Das war die schöne Überraschung. Nach einer kurzen Pause stiegen wir über einen Grat hinab zum Hochplateau.Der Gipfel des Pik Leipzig baute sich vor uns auf. Ein 600m hoher Eiswulst mit zwei Kappen. Sein Zugang führt durch eine Spaltenzone. Wir bauten zunächst unsere Zelte auf und versuchten dann per Fernobservation einen Weg durch die Spalten zu finden. Für mich gab es noch eine ganz andere Möglichkeit, nämlich direkt über die kleine Nordwand. Aber das begeisterte weder Daniel, noch Max. Wir entschieden uns also für den Weg durch die Spalten. Aber auch davor hatte ich keine Angst, denn dafür liebe ich das Bergsteigen. Am Abend stärkten wir uns mit dem täglichen Tütenessen. Das Essen hat uns unterhalten, erfreut, beschäftigt und bei Laune gehalten. Als wir uns danach in die Zelte legten, war der Himmel bewölkt. Keine zwei Stunden später, begann es zu schneien. Ziemlich ungünstig. Es schneite weiter, die ganze Nacht.

01. August: Rückkehr zum Basislager
Als wir früh aus den Zelten kamen hatten wir 30cm Neuschnee und null Sicht. Wir warteten, in der Hoffnung auf Besserung. Dann ein kurzer Moment, freier Blick zum Pik Leipzig. Aber nahezu alle Spalten waren unter einer Schneedecke versteckt. Ich habe eigentlich kein Problem mit Spalten. Aber einen verschneiten Gletscher zu begehen, welcher gestern noch von etlichen Spalten durchzogen war – kein schöner Gedanke. Wahrscheinlich wären wir in jede zweite Spalte eingebrochen. Das Wetter sah auch nicht nach Besserung aus und so trafen wir die schwere Entscheidung zum Abstieg. Schwer, da unser Zeitfenster keinen erneuten Aufstieg zuliess. Es war ein furchtbarer Abstieg. Der Gedanke wollte mir nicht aus dem Kopf gehen – nicht geschafft! Und dabei waren wir soweit gekommen. Angekommen im Basislager, war erst einmal die große Ruhe eingekehrt. Ich hasse diese merkwürdige Ruhe. Es hat einige Zeit gebraucht, bis man den Fokus wieder vom Gipfel auf die gesamte Tour verrückt hat. Mit jeder Stunde die verging, vergaß ich ein Stück meiner Enttäuschung. Eine erholsame Nacht tat ihrübriges.
Es waren nun neun Tage vergangen und wir mussten wieder zum Treffpunkt zurück. Ich stieg ab und informierte unseren Gepäckträger. Während er Daniel und Max abholte, lernte ich, dass frisch gemolkene Pferdemilch für normale Westeuropäer ungenießbar ist. Ich schaute den Hirten beim Kefirmachen zu undlernte wie man einen Esel reitet. Als die anderen später mit dem Gepäck ankamen, war unsere Zeit am Pik Leipzig fast vorbei. Eine Nacht blieben wir noch, bevor wir mit dem Auto zum Basislager des Pik Lenin gebracht wurden. Eineskann man in jedem Falle festhalten: Die Tour am Pik Leipzig, war im Vergleich zum Pik Lenin viel eindrücklicher.

Tourengänger: Mandinka


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

eisblume hat gesagt:
Gesendet am 18. November 2013 um 13:12
den tollen Fotos nach zu urteilen, habt ihr zwar den Gipfel des Pik Leipzig (übrigens cooler Name für einen Berg) nicht erreicht, aber ganz viele andere Höhepunkte und Begegnungen erleben können. Rachmat! - für die lebendigen Impressionen aus dem schönen Kirgistan


Kommentar hinzufügen»