Lungern vs. München Überschreitung Lobhörner von Ost nach West


Publiziert von Lulubusi , 29. Oktober 2013 um 11:28.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:20 Oktober 2013
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: 4+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1040 m
Abstieg: 1040 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:via Interlaken, Wilderswil nach Isenfluh
Unterkunftmöglichkeiten:Lobhornhütte, im Tal
Kartennummer:LK 1:25000 BL1228 Lauterbrunnen

Lungern vs. München Überschreitung klein und gross Lobhorn

 

Die Saison der Sommertouren geht bereits mit grossen Schritten dem Ende entgegen. Die Wetterprognosen sprechen ebenfalls eine recht deutlich Sprache. Ein Tiefdruckgebiet mit Regenschauern soll sich über die Alpen hinweg schieben.

In den Föhntälern soll sich das Wetter zumindest am Morgen noch von seiner trockenen Seite zeigen.

 

Jetzt ist etwas Fantasie gefragt. Kletterei in einer vom Föhn beeinflussten Region soll es sein. Die Überschreitung der Lobhörner, zeichnet sich genau dadurch aus. Also machen wir uns auf den Weg nach Isenfluh.

 

Ausgangspunkt / Zugang

Das kleine Bergdorf Isenfluh liegt oberhalb Lauterbrunnen. Mit dem Auto fahren wir in Richtung Lauterbrunnen. Ungefähr 2.5 km vor Lauterbrunnen biegt man rechts ab. Eine asphaltierte allerdings schmale Bergstrasse, führt nun nach Isenfluh P.1081.

In der näheren Umgebung der Talstation der Luftseilbahn Sulwald, bestehen einige Möglichkeiten zum parken. Bei schönem Wetter werden die Parkplätze aber schnell mal zur begehrten Ware.

 

Mit der Luftseilbahn schweben wir anschliessend gemütlich nach Sulwald P.1530 hoch. Die Bahn ist das ganze Jahr zwischen 07:00 – 18:15 Uhr in Betrieb. In den zwei früh morgendlichen Stunden ab sieben, allerdings nur im Halbstundentakt. Anschliessend fährt sie viertelstündlich. Spät oder Frühfahrten sind nach Voranmeldung und mit einem Zuschlag auf den regulären Tarif möglich.

 

Nach dem wir die ersten Höhenmeter äusserst bequem hinter uns gebracht haben, geht es zu Fuss weiter. Nach wenige Meter auf der Strasse, wandern wir auf einem sehr gut angelegten und markierten Bergwanderweg, diesen kann man kaum verfehlen, in südwestlicher Richtung der Lobhornhütte entgegen. In dem herbstlich eingefärbten Wald, der sporadisch einen Blick zu Eiger, Mönch und Jungfrau frei gibt, wandern wir an P.1712 vorbei und zum Schluss am Sulsbach entlang zur Alphütte Suls P.1903. Hier zweigt der Weg zur Lobhornhütte ab.

 

Da wir uns gleich auf den weiteren Weg in Richtung Lobhörnern machen, lassen wir die Lobhornhütte an uns vorbei ziehen. Ungefähr auf Höhe der Materialbahn, die von Suls zur Sousegg führt wandern, wir zügig über die Alpwiesen, die sich in den verschiedensten herbstlichen Brauntönungen zeigt, bis zur Sousegg P.2150 hoch. Nun über den Schwarz Schopf P.2286 und die anschliessenden Gratkuppe namens Hublen an den östlichen Fuss der Lobhörnern. Wenige Meter weiter, an der Südseite der Wand, befindet sich der Einstieg.

 

Mach mal Pause! Auch das ist wichtig! Na dann machen wir eben mal Pause!

 

Etwas Trinken, Essen und gleichzeitig zum Klettern vorbereiten. Klettergurt anziehen, Helm auf den Kopf, Expresse anhängen usw. Wir liegen genau in unserem Zeitplan, das Wetter hält, was das Klettern sehr gemütlich gestaltet.

 

Gebiets (Routen) Info

Ein genial Plaisir Kletterei von Ost nach West über die Lobhornzacken im Berner Oberland. Auf der gesamten Routen hat man einen grandiosen Blick auf die Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau.

 

Die Kletterei technisch nicht all zu schwierig, Schlüsselstelle liegt bei 4c franz. Schwierigkeitsgrad.

Die schwierigere Kletterei wird immer wieder von leichteren Seillängen oder gar Gehgelände unterbrochen. Der Fels ist meist fest, gut griffig und strukturiert. In den leichten Passagen muss teilweise auf lose Steine geachtet werden. Die Route ist logisch angelegt und daher stellt die Wegfindung kein grosses Problem dar.

 

Routencharakter:

Die Ost-West Überschreitung führt mittels 11 Seillängen über die Zacken der Lobhörnern. Wandkletterei wechselt sich mit Gratkletterei ab.

 

Seillängen:

SL 1: 3b

Führt durch eine kurze, gut griffigen Verschneidung, oberhalb davon etwas nach rechts zum Stand.

SL 2 und 3: 4b

Vom Stand eher links haltend, führt die Route über ein mit Rissen durchzogene Wand. Klemmgriffe in den verschiedenste Variante ermöglicht ein leichtes vorankommen.

 

Nach Seillänge 3 umgeht man einen markanten Turm auf seiner Nordwestseite und quert auf einen kleinen Sattel. Hier beginnt die Schlüsselstelle.

 

SL4: 4c

Nun sind wir bei der Schlüsselstelle angelangt. Ein senkrechter Wandteil. Tritte und Griffe finden sich genügend, diese sind allerdings im Vergleich zu den Seillängen vorher fein und klein.

Die Route führt erst in direkter Linie über die Wand, ab da wo die Schwierigkeiten abnehmen leicht nach links zum Zwischenstand.

Von diesem in wenigen Metern auf den Grat. Wir erklettern den Grat in dem wir uns leicht rechts halten und durch einen markanten, einfach Riss „3a“ klettern.

 

Es folgen einige Meter an Gehgelände direkt über den Grat.

 

SL 5: 4b

Diese ist kurz. Vom Stand über einen kurzen ca. 4m hohen Felsaufschwung.

SL 6: 2b

In einfacher Kraxelei auf die Zipfelmütze hoch.

 

Auf der Südwestseite, wird nun von der Zipfelmütze in 2x20m bis an den Wandfuss abgeseilt. (in Gehrichtung nach links in die Wand abseilen)

 

Nun queren wir auf einem Grasband bis unterhalb eines schwach ausgeprägte Felswulstes, am kleinen Lobhorn. Über diese Feslwulst klettern „2a“ direkt auf das kleine Lobhorn hoch. Wir verzichten darauf, das kleine Horn von Süden zu erklettern. Dies um etwas Zeit zu gewinnen, da die schlecht Wetterfront langsam aber stetig näher rückt. (Abklettern zur Route)

 

Seillänge 8 4b führt über die Südwand auf das kleine Lobhorn auf die wir verzichtet haben.

 

SL7: 3b

Am Fusse des Felswulstes klettert man ca. 3-4m ab, Ketten erleichtern den Abstieg, und gelangt so zu einer Querung. Über ein etwas plattiges und exponiertes Felsband klettern man auf die Einsattelung zwischen Klein und Gross Lobhorn.

SL9: 2c

Vom Sattel gehts nach links, erst in einer Grasflanke und anschliessend in einfachem Fels zum Stand. Hierbei ist darauf zu achten, dass man nicht zu weit nach links quert. Ausser man möchte die Variante „5b“ erklettern.

SL10: 4b

Diese führt vom Stand in direkter Linie, in gut gestuftem Fels, hoch auf den Gipfelgrat.

SL11: 2b-3a

Die letzten Meter kletter man direkt auf dem Grat in südwestlicher Richtung zum Grossen Lobhorn P.2566 hoch.

 

Absicherung:

Die Schlüsselstellen, schwierigeren Kletterpassagen, sind gut mit Haken abgesichert. Alles andere lässt sich, wenn nötig, gut mit mobilem Sicherungsmaterial zusätzlich absichern. Keil, Friends oder Zackenschlingen.

Die Stände sind durchwegs mit zwei Hacken ausgestattet. (nicht alle mit neuen)

 

Allgemein:

Die Ost-West Überschreitung ist die leichteste Kletterroute in den Lobhörnern. In der Einstiegsseillänge kann zwischen Varianten bis 6c gewählt werden.

Ein direkte erklettern des kleinen Lobhorns ist ebenfalls möglich. Es führt eine Route 5c+ direkt durch die Sündwand auf das Horn hoch.

Zeit inkl. Zu-, Abstieg, Pausen und Kletterei. Für die reine Kletterei sind etwa 3-4 Stunden zu rechnen.

 

Abstieg

Da das suboptimale Wetter zwischenzeitlich sehr nahe war, auf dem Gipfel hüllte uns bereits Nebelschwaden ein, machten wir uns ohne Gipfelpause an den Abstieg.

 

Abseilen:

Mittels dreimaligem Abseilen nach Westen, erreichen wir die Kuppe zwischen grossem Lobhorn und P.2519. (zwei mal Abseilen, kurz abklettern „2a“ und nochmals 25m abseilen)

 

Auf dem Sattel verstauen wir schnell unser Material und ziehen die, da es jetzt doch zu Regnen begonnen hatte, wasserdichte Hülle über.

 

Fussabstieg:

Vom Sattel führt der Fussabstieg, ein gut erkennbarer Bergweg am Fuss der Lobhörner Südwände, zurück zum Einstieg.

Von hier auf alt bekannten Wegen zurück zur Sousegg, Suls und weiter nach Sulwald, wo wir in leichtem Regen eintreffen. Nach einer Einkehr in der gemütlichen Bergwirtschaft direkt bei der Bahn, schweben wir mit dieser zurück nach Isenfluh.

 

Fazit

  • Tolle einfachere Kletterei mit genialem Ausblick zu Eiger, Mönch und Jungfrau.
  • Route lässt sich gut zusätzlich absichern.
  • Abwechslungsreiche Kletterei, da sich Wand und Gratklettern abwechseln.
  • Zu- und Abstieg ist eine schöne Wanderung in toller Berner Oberländer Landschaft.
  • Gut geeignet für Anfänger.
  • Bei Wetterumsturz kann ein Rückzug problematisch werden.
  • Länge nicht unterschätzen.

 

Material

  • 50m Einfachseil
  • Express 6 Stück
  • ev. mobiles Sicherungsmaterial: Keile 4-8, Friend Nummer 2-3, Zackenschlingen
  • sonst Übliches Klettermaterial
  • Gute Schuhe (Trekkingschuhe) für den Zu- und Abstieg

 

Zusätzliche Info

Lobhornhütte

Luftseilbahn Isenfluh-Sulwald


Tourengänger: Lulubusi, Stiefel


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