Rauher Fels - einmal hin (Stripsenjochhaus)


Publiziert von goppa , 30. Juni 2008 um 23:11.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:28 Juni 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   A-T 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1190 m
Strecke:Wochenbrunner Alm - Ackerlspitze - Stripsenjoch-Haus
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ellmau 804m, Gasthaus Wochenbrunner Alm 1084m (Mautstraße €4,50, großer Parkplatz)
Unterkunftmöglichkeiten:Gaudeamus Hütte 1263m

Nach einem Regenschauer der letzten Nacht liegt Nebel am Samstag morgen in den Niederungen St. Johanns. Ein ausgiebiges Frühstück und wir verabschieden uns von Anni und Sepp im gastfreundlichen Haus Hornblick. Knapp 10 km bis Ellmau, beim Golfplatz folgen wir der Beschilderung zur Wochenbrunner Alm 1084m und stellen fest, daß diese Alm schon ein ausgewachsenes Gasthaus ist! Nicht die einzige Überraschung, auch die Griesner Alm auf der Nordseite, ebenfalls auf bemauteter Straße gut erreichbar, ist ein stattlicher Gastronomiebetrieb.

Überschreitung Ackerlspitze von der Wochenbrunner-Alm zum Stripsenjochhaus:
Steinschlaghelm erforderlich, kurzes Seil und Klettergurt zur Sicherheit empfehlenswert, kein Klettersteigset notwendig!

Vom Parkplatz wandern wir um 08:30 auf Weg 812 zur Gaudeamushütte 1263m und rechtshaltend bis zum Baumgartenköpfl 1572m, wo wir nach Norden über die Wildererkanzel und auf 1680m dem Wilder-Kaiser-Steig ohne nenneswerten Höhenunterschied nach rechts folgen. Immer noch hängt der Nebel in den Kaiser-Südwänden, unter uns im Dunst sehen wir die Regalm und Ackerlhütte, eine Selbstversorgerhütte des ÖAV. Der Anstieg von der Ackerlhütte mündet ein, ein paar Minuten später weist eine Tafel aufwärts zu Steig 816 Ackerlspitze / 817 Maukspitze. Um cirka 10:30 wird hier im Hochgrubachkar das erste Schneefeld gequert. Im leichten Fels steigen wir hoch und bewundern die alpine Steiganlage mit vereinzelten Ringgriffen, die ohne Stahlseil auskommt, dafür jedoch durchgehend sehr gut rot-weiß-rot markiert ist. Wir erreichen das zweite Schneefeld "Niedersessel" mit der Abzweigung - im Osten rot an den Fels gepinselt "MAUK" - im Norden unser Ackerlsteig steil empor durch senkrechten Fels mit auffälliger rot-weiß-roter Markierung. Ein Spreizschritt über die breite Kluft zwischen 2 m hohem Schnee und der steil aufragenden Felswand - im griffigen Fels geht es mit Unterstützung durch sparsame Eisengriffe und -tritte problemlos empor. Etwas Klettererfahrung ist bei dieser Tour sicher von Vorteil, auch wenn wir unser 30m-Seil zur Sicherheit nur im Rucksack mittragen. Die Markierung führt uns durch den griffigen rauhen Fels, unterbrochen von gelegentlichen grünen Rasenpolstern bis zum "Hochsessel" auf cirka 2000m und weiter bis von rechts wieder der Weg von der Maukspitze einmündet. Ab hier wieder einfacher den Weg empor, bis zum felsigen Gipfelaufbau. Nach 4 Std 15 stehen wir glücklich auf dem Gipfel der Ackerlspitze 2329m. Auch der Nebel lichtet sich jetzt Richtung Norden zum Kaisertal etwas, man sieht hinunter ins nordseitige Kar zur Fritz-Pflaum-Hütte (ÖAV-Selbstversorger, nur teilweise bewirtet).

Nach einer kurzen Gipfelrast - es ist relativ kühl - folgen wir um 13:00 den nordseitigen blassen verwaschenen Markierungen. Auch hier finden wir einen alpinen Felssteig ohne die sonst bekannten Stahlseilsicherungen vor. Im untersten Teil können wir noch ein langes Schneefeld bis auf 1840m auf den Fersen abfahren, hier kommen unsere Stöcke zum Einsatz. Dafür legen wir nochmals eine Rast vor der Fritz-Pflaum-Hütte 1866m ein, schließlich zeigt die Uhr erst 14:30. Eine 3er-Gruppe deutscher Wanderer ist über's Törl 2111m gestiegen, auch hier ist nordseitig noch sehr viel, aber gut verfestigter Schnee. Sie haben über's Internet  reserviert, nun ist der Hüttenwirt noch nicht hier und ihre Stimmung ist trotz gut gefüllter Jausenbeutel etwas gedrückt.
Die Alpendohlen fressen uns auch hier in Tirol aus der Hand, den deutschen Gästen sogar vom Kopf, und nachdem das heutige Jausenpensum erfüllt ist, geht es wieder weiter talwärts wo wir tatsächlich die mit Kindern und Mann  aufsteigende Hüttenwirtin treffen. Wir steigen ab durch die von Schotterkaren, Latschen und die umgebenden Felswände von Goinger Halt, Predigtstuhl und Mitterkaiser geprägte Landschaft des Großen Griesener Tor. Alpenrosen und Türkenbundlilien haben ihre Knospen noch nicht geöffnet, aber die Latschen verstäuben ihren Blütenstaub.
1184m, auf einer Tafel wird ersucht, Brennholz zur Fritz-Pflaum-Hütte mitzunehmen - wir erreichen hier den etwas breiteren Schotterweg zum Stripsenjochhaus 1577m und haben nun noch 400 Höhenmeter vor uns. Anfangs durch angenehm schattigen Wald empor, sehen wir danach bald das stattliche Alpenvereinshaus hoch oben über uns. Aber um 17:00 Uhr sind auch diese letzten Mühen vorbei und wir genießen bei einem ... kühlen Blonden den Ausblick in die Wandfluchten von Fleischbank und Totenkirchl, wo noch Kletterer die Spätnachmittagssonne ausnützen.

p.s. Nochmals ein herzlicher Dank den Kameraden der Bergrettung Kufstein für die freundliche Einladung zu einem Bier in ihrem Stützpunkt.





Tourengänger: goppa

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Kommentare (2)


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Tef Pro hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 1. Juli 2008 um 19:20
tolle Tour, die haben wir auch noch auf unserer Wunschliste! wie schauts Schnee mäßig aus? kommt man ohne Zubehör zum Felseinstieg?
Gruß
Tef

goppa hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 1. Juli 2008 um 21:37
Servus Tef! Es hat teilweise noch Schneefelder, Tritte sind jedoch auch oben über 2000 gut möglich. Die siehst es dann auch im Tourenbericht I + II. Wir haben Ackerlüberschreitung und Kaiserschützensteig gemacht - ist zwar etwas reichlich, aber bei Schönwetter gut zu machen. Schöne Tourentage wünscht Toni


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