Winterliche Chammhalden


Publiziert von jfk , 22. Oktober 2013 um 01:02.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:19 Oktober 2013
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG   CH-AR 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1670 m
Strecke:16.5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Schwägalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Wasserauen
Kartennummer:map.geo.admin.ch

"Äs get au schöni Wäg of entstellti Gepfel" - So lautete der treffende Kommentar meines Kollegen nach dem Erreichen des Höchsten Gipfels der beiden Appenzeller Halbkantone. Die Chammhaldenroute ist in der Tat eine sehr schöne und lohnende Route und wenn man sie wie wir bei winterlichen Verhältnissen durchsteigt, wird dieses Unterfangen noch mit einer deftigen alpinen Note und einer kleinen Prise Nordwandfeeling gewürzt. Über den angesprochenen Gipfelschmuck des Säntis muss an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden...

Unzählige Berichte habe ich hier auf Hikr schon über den Alpstein gelesen und trotzdem hatte es mich bis jetzt noch nie in dieses sagenumwobene Gebirge verschlagen. Auf die Anfrage von Philippe, ob wir wieder einmal eine gemeinsame Tour unternehmen wollten, schlug ich deshalb spontan vor, für einmal gegen Osten zu fahren und uns an der Chammhalden zu versuchen. Nach dem Wintereinbruch in der letzten Woche schien der untere Teil der Route bereits wieder schneefrei und die Lawinensituation in den oberen beiden Dritteln sollte günstig sein - Also nichts wie hin! 

Der Föhn bläst uns ins Gesicht, als wir an diesem für Oktober milden Samstag den Bus auf der Schwägalp verlassen. Während wir noch etwas verschlafen zum Einstieg stapfen, frage ich mich, ob durch die gewaltigen Nordwestabstürze des Säntis tatsächlich eine anständige Route führt. Wie so oft, siehts auch hier schon beim Einstieg nicht mehr ganz so schlimm aus und so legen wir den ersten, noch schneefreien Teil über Steilgras und Schrofen in typischem T4-Gelände, relativ zügig zurück. Ab dem grossen Band liegt dann eine durchgehende Schneedecke. Meist hat es guten Trittschnee und so ist auch die etwas ausgesetzte Schlüsselstelle in den Quergängen kurz vor der Rinne problemlos zu meistern. Einzig in den steilsten Stellen zu Beginn der Rinne hat es etwas Eis und eine nur dünne Schneeauflage auf dem glatten Fels, aber auch dieses Hindernis kann gut überwunden werden.
Bald schon stehen wir auf dem Hüenerbergsattel und der Blick öffnet sich uns auf den winterlichen Alpstein. Der Weg bis zum Säntis ist leider noch nicht gespurt und so wühlen wir uns unter Beobachtung der Touristenmassen auf dem Säntis zuerst durch knietiefen Schnee und wandern dann zum Schluss wieder gemütlicher auf dem nun gespurten Schlussanstieg zum Gipfel.

Auf dem Säntis sind wir mit Steigeisen, Pickel und Kletterhelm am Rucksack doch ziemliche Exoten und so verweilen wir nur kurz auf der Gipfelplattform. In etwas ruhigeren Gefilden unterhalb des Gipfels beraten wir über den weiteren Tourenverlauf und beschliessen, uns den doch sehr winterlichen Lisengrat und Altmann zumindest etwas genauer anzuschauen. Über den Chalbersäntis ist es mit dem Schnee zwar etwas mühsam, es geht aber noch recht gut. Etwas später geht es dann in die sehr steile Nordflanke über und vom Weg ist bis auf ein paar wenige Halterungspunkte des Fixsseils nichts mehr zu sehen. Da wir relativ spontan und ohne Erwartungen an das Projekt Lisengrat/Altmann gegangen sind, brechen wir das Unternehmen so recht schnell ab und  machen uns an den gemütlichen und schönen Abstieg via Meglisalp und Seealpsee hinunter nach Wasserauen. 

Eine spannende Tour in einer mir bisher noch relativ unbekannten Region. Ich habe an einem Tag noch selten so viele neue Projekte entdeckt. Oder wie es der Kleine Nick sagen würde: Der Alpstein ist wirklich ein prima Gebirge! KANTONSHÖHEPUNKT NR. 17 UND 18

Zur Route: Die Chammhaldenroute wurde auf Hikr schon mehrfach dokumentiert. Ein sehr guter Beschrieb ist *hier von ossi zu finden. Eine weitere Winterbegehung hat tricky *da veröffentlicht. Die Route ist bei Schnee sicher anspruchsvoller und vor allem ernsthafter als im Sommer, deswegen in der Kalten Jahreszeit aber sicher nicht weniger lohnenswert! Bei den aktuellen Verhältnissen würde ich den unteren, schneefreien Teil bis zum grossen Band mit T4 und den oberen, anspruchsvolleren Teil mit ZS- bewerten (im Sommer T5 I). Wenn in der Schlüsselstelle noch mehr Schnee liegt, kanns auch anspruchsvoller sein. Die Chammhalden sollte im Winter auf jeden Fall nur bei sehr sicheren Bedingungen unternommen werden! Wir haben in der Route nicht gesichert, es hätte aber in den schwierigsten Passagen alte Bohr und Schlaghaken.

Tourengänger: jfk


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