Klöntal: Ochsenchopf, Wannenstöckli (Ost/West), Wannengrat, Brüschbüchel


Publiziert von Bergbursche , 29. September 2013 um 09:32.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:28 September 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SZ   Oberseegruppe 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW oder Postbus (ab Glarus SBB) nach Vorder Richisau (ca. 20 Parkplätze). Alternativ nach Schwändeli (ca. 4 Parkplätze)

Auf auf, in die Berge!
 
Da ich erst gegen 23 Uhr ins Bett gekommen bin, fallen weite Touren aus. Ich brauche mindestens 7 Stunden Schlaf, ansonsten erklärt mein Körper meinen Kopf zum Trottel, dreht sich um und schläft weiter. Und wenn ich erst um 6 aus dem Bett purzle, dann bin ich nicht vor 6:30 durch die Türe.

Gut das ich immer a) einen gepackten Basisrucksack im Hausflur habe (der nur noch mit Tourenspezifika befüllt werden muss) und b) einen Stapel ad-hoc Touren auf dem Schreibtisch türme (okay, zugegeben: und im gps-dingsda). Was das für ein Stapel ist? Nun, das sind einfach gefaltete DIN A4 Blätter, beidseitig bedruckt. Vorn die Karte mit Route, hinten die Beschreibung (oft von Hikr), sortiert nach Anfahrtsdauer! Da brauchst Du noch morgens reingreifen, rausziehen und rausgehen. Quasi Instant-Adventure en bloc!

Hinweis: Was meint der nur mit Tourenspezifika und was hat er im Basisrucksack? Und ist er vollkommen irre? Vorweg zur zweiten Frage: Ja.
Tourenspezifika können simple Dinge sein wie ein Eispickel oder Gurt + Schrauber und Bandschlinge, oder aber je nachdem auch mal Schlafsack und Bivaksack, ein Bügelbrett…oder Engelsflügel, wenn die Tour einen Schutzengel braucht. Aus Kostengründen stelle ich den dann in Persona selbst.


Kurz vor 8 Uhr erreiche ich Vorder Richisau im Klöntal. Du kannst die Tour auch von Schwändeli aus starten, dort hat es ca. 4 Parkplätze direkt am Postbushalt. Ob Du dort wirklich parkieren willst bleibt Dir überlassen, aber wenn Du dir die Route ansiehst, gewinnst nix damit. Wenn Du per Postbus anreist, ist es natürlich etwas anderes.
Hinweis: Während der gesamten Tour hat es nur ein einziges Mal die Möglichkeit gehabt, Wasser zu fassen. Dies aus einem Kuhtrog auf dem Sattel. Es ist nicht garantiert, das es dort immer Wasser hat. Ansonsten ist die Tour trocken, es sei denn Du hast einen sehr langen Strohhalm dabei, und kommst damit bis zum Wägitaler oder Klöntaler See. Daher habe ich auf solchen Touren zwischen 4 bis 5 Liter Flüssigkeit dabei (0,5 Rivella, Rest Wasser).
So viel? Ja, denn ich bin hier eher das Modell Canadian Pacific Diesellok (siehe Hier), sprich: zieht gut, geht über lange Distanzen und das recht konstant…ist aber eher langsam und säuft wie ein Loch. Nenn' mich von mir aus ol‘ rusty, jedoch ohne roten Anstrich; eher blau/grün. Bist Du also gleicher oder ähnlicher Baureihe…pack den Rucksack mit Flüssigkeit voll (bitte vorher in ein geeignetes Gefäss abfüllen oder wasserdichten Rucksack verwenden).


Zunächst geht es über einen gesperrten Weg durch den Wald Richtung Schwändeli. Dass der Weg gesperrt ist, erfahre ich jedoch erst am anderen Ende. Es hat dort einen kräftigen Erdrutsch gegeben und so kämpft man sich gleich zu Beginn durch Schlamm, Kieselsteinchen und Schräglage. Aber problemlos machbar. Die Alternative ist der asphaltierten Strasse zu folgen, juhuuu. Dann lieber durch Schlamm stapfen.

Wir folgen nun dem Wirtschaftsweg der Alp Ralli und steigen gemütlich auf bis zu ebendieser. Achtung, Heimtücke! Die Wegmarkierung lockt Dich nach rechts der Alp weiter. Vertrau ihr nicht! Vertrau mir, ich hab zwar auch keine Ahnung, dafür aber einen Plan. Und den hat die Markierung auf dem Stein nicht. Die bräunt sich nur in der Sonne, wird dabei aber nur rot und an manchen Stellen bleibt sie weiss. Hat wohl keinen gehabt, der sie gegen die Sonne eingcremt, wo sie selbst nicht hinkommt! Ich wiederhole: Nicht vertrauen. Die Wegmarke lockt Dich in den finsteren Wald, meuchelt Dich, nimmt Deine Ausrüstung und geht die Tour selbst!

Also gehst Du links oberhalb der Alp vorbei und folgst dem Pfad. Ab hier hat es keine neuen Markierungen mehr und das wird bis zum Tourende so bleiben. Gelegentlich findest du aber alte Markierungen. Denen vertraue, das sind alte Hasen, die auf Deiner Seite sind!

Wir steigen knackig durch Wald und Wiesen auf, unser erstes Tagesziel immer im Blick. Vergiss das Trinken nicht, ein Diesel der trockenläuft macht fiese Geräusche. Ab gewissem Punkt wird es mir zu bunt der Aufstiegspfad immer zu suchen und ich steige recht direkt auf den Ochsenchopf zu. Das Ziel kann man nicht verfehlen, der Sattel zwischen Wannenstöckli(links) und Ochsenkopf (rechts).
Tipp: Links-Rechts Schwäche? Male einfach einen Daumen rot und einen grün an, kein Problem mehr…ausser Du hast eine Rot-Grün Schwäche. Dann tätowiere einfach auf einen eine 1 und auf den anderen eine 3 (2 ist Reserve, falls noch einer wachsen sollte). Nun stecke Dir ein Kärtchen ein, auf welches Du schreibst, was 1 und was 5 bedeutet. Alles gut! Einfache Lösungen sind immer die Besten...

Bald wirst Du zur Alpwiese Ober Stafel gelangen, zu erkennen an der Alp selbst (kaum zu verfehlen, ausser Du hast bei der Alp Ralli auf den heimtückischen Wegweiser gehört). Im Sommer könnte es hier recht vegetativ zugehen (Machete einpacken, siehe auch Tourenspezifika…nein, nicht den Mexikaner, sondern sein Lieblingswerkzeug…oder ihn, falls Du ihn kennst…der macht den Weg schon frei). Immer weiter hoch, bis Du wieder auf den markierten Weg triffst.

Augen auf und nach rechts geschaut. Hast Du das Ende des Geröllfeldes erreicht, folgt bald schon der Einstieg zu Ochsenkopf (schwacher Pfad, alte Markierung auf Stein). Dem folgst du nun, dann bist du schon bald beim Stahlseil. Nach dem Stahlseil folgen die Rinne und dann der Gipfelanstieg über Karst und Gras. Das hier ist definitiv T4, auch wenn es einen Weg hat. Ohne Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wird das nichts. Sollte gar nichts mehr gehen…es hat im Fall mehrere Bohrhaken in der Rinne, die die Verwendung eines Wanderseils erleichtern (aus meiner Sicht absolut nicht notwendig. Aber wer weiss, was alles schon auf den Gipfel gebracht wurde....Amerikaner, Dieselloks, Gipfelerhöhungen um Höhenmeter zu schinden - aus der Gipfelmanufaktur Grafenried, Standardmodelle und Individualanfertigung). Herzlich Willkommen auf dem Ochsenkopf auf 2179 Meter lt. Gipfelkreuz.

Der Abstieg erfolgt über den Aufstiegsweg bis hinab zum Sattel. Hier entscheide ich mich aus Faulheit zum direkten Weg zum Wannenstöckli, also einfach rübermachen, den bös steilen Grashang hoch. Ich rate dringend hier einen Stützpickel (Tourenpickel) einzusetzen. Es hilft massiv beim Anstieg, sei es durch Stützen (was Stützpickel meistens als Berufswunsch haben) oder auch hochziehen (was ein seltenerer Wunsch in der Stützpickelberufsschulklasse ist). Es sind wirklich hart erkämpfte 150 Höhenmeter. Definitiv kein T4, mindestens T5 (sehr steil und heikel, ein Abrutschen würde ernste Konsequenzen haben)…ich würde sogar eine T6 vergeben.
Hinweis: Dies fällt bei mir in die Rubrik 'Du schaffst das, Du kannst das. Es ist nicht sonders schwer!'. Das sag ich mir immer in solchen Situationen. Klappt auch meistens. Gut, ich denk auch, wenn ich des Nachts zum Himmel schaue und den Mond sehe...Das schaff ich, kein Ding. Kann ja nicht so schwer sein, da hinzufliegen...

Nun gut, hoch da. Ol‘ Rusty schaltet auf Allrad um, schnaubt deutlich (Wenn ichs könnte, das wäre der Zeitpunkt tiefschwarzen Rauch aus den Ablüftungsöffnungen zu blasen) und wird mit dem Gestrauch am Hang ziemlich intim.
Am Ende des Grashanges dann die, vorhersehbare, Verschärfung der ganzen Aktion: ca. 5 Meter im Karstfels klettern/kraxeln (eher II als I). Runterschauen nicht empfehlenswert, ein Absturz wäre der Freifahrtschein ins Paradies oder mit sehr viel Glück ins Spital.
Hinweis: Ich bin mir recht sicher, dass ich nicht den richtigen Weg hinauf bin. Das war wohl nicht der Nord-Ost Grat, aber ich verlaufe mich jedoch sogar im eigenen Bett und wenn ich aufwache denke ich manchmal: Huch, hier war ich aber noch nie!
Tipp: Du kannst Dir diesen Aufstieg ersparen und die Wannenstöckli zunächst umgehen, um dann zu ihnen aufzusteigen (siehe Hier) oder einfach den richtigen Grat nehmen.

Na ja, jedenfalls sind wir nun auf dem Wannenstöckli. Der Kessel läuft noch auf Hochtouren, aber meine Sensoren melden bereits: Schön schön, mehr davon!
Die nun folgende Gratwanderung ist eine T3 bis T4. Lediglich eine schiefrige Stelle von ca. 3 Meter Länge erhält von mir aufgrund ihrer Exponiertheit eine T5.
Einfach den Grat entlang zum Westgipfel des Wannenstöckli und von dort absteigen. Absteigen, nette Umschreibung für das Karstfels- und Lochgehopse. Keine Sorge, für jeden Schuh, Fuss und Gang hat es hier das passende Hängenbleibenloch!

Ol‘ Rusty definitiv knapp vor Traktionsverlust und kein Sand zum Streuen dabei. Da sieht er ein paar Gemsen, die meinen hier ihr tägliches 110 Meter Karsthürdentraining zu absolvieren und dabei noch zu pfeifen…F-Wort Euch, Viecher. Wenn hier einer pfeift, dann ich und zwar aus dem letzten Loch (in das ich getreten bin). Euch krieg ich schon noch…und sah die Gemsen verschwinden…grmmml.
Irgendwann bin ich durch das Labyrinth der tausend Karstlöcher durch und dem letzten Ziel für heute sehr nahe, dem Brüschbüschel. Ein sensationeller Name und so sieht er auch aus. Einfach dem Zaun folgen und schon ist man oben. Wir sehen uns wieder, im Winter mit Schneeschuhen, Brüschbüchel!

Jetzt folgt der Abstieg zurück nach Vorder Richisau, der ziemlich steil beginnt. Ol‘ Rusty stampft und stompert, bremst und kommt gefühlte 5 Kilometer später zum Stehen. Gut, waren wahrscheinlich nur 5 Meter auf den Afterballen, aber dumm gelaufen, äh, gerutscht. Ich gehe nun deutlich langsamer weiter. Stau verursachen kann ich eh nicht, keine Menschenseele weit und breit. Wie nahezu die gesamte Tour. Es dauert eine Weile, dann erreicht man im Richisauer Wald einen breiten Weg, den man bis zur Passstrasse folgt. Links abbiegen, noch ein paar Meter über den Asphalt,  Tour vorbei.
Hinweis: Viele Fachbegriffe hier im Text, doch schon so viel geschrieben. Daher fallen die Exkurse zu Exponiertheit, Sattel, klettern und Sand streuen heute aus. Aber dies ist sicher nicht der letzte Tourenbericht von mir!


Viel Vergnügen
Mats

Jeder Tag ist ein Geschenk und kein verbrieftes Recht
Daher schenke Deinen Tagen Leben und nicht Deinem Leben Tage


Zur Tourenbewertung: Ich habe die Tour mit T5 bewertet, weil es meiner Einschätzung nach am ehesten passt. Dies ist natürlich subjektiv. Es gibt sicher hikr, die würden hier nicht mehr als T4 geben. Bis auf 2 Stellen ist die Tour auch T4 (teils nur T3) allerdings lässt sich die kleine T5 Stelle auf dem Wannengrat nicht umgehen (Mein T6 bewerteter Aufstieg schon), daher T5. Warum keine Kletterbewertung? Weil in der Tour selbst nicht geklettert wird und man die Stelle, an der ich es tat, umgehen kann. 

Hinweis in eigener Sache: Meine Berichte sind kein exaktes und objektives Bild der Begebenheiten. Ich schreibe keine Tourenbücher, bin nicht in den Alpen geboren noch mit den Gemsen verwandt (auch wenn ich durchaus ein sturer Bock sein kann). Aufgrund der eher humorvollen Schreibweise kann es an manchen Stellen zu Unklarheiten/minimalen Übertreibungen bezüglich der Tour kommen. Ziehe daher eventuell einen weiteren hikr-Bericht zu Rate oder frage mich.

Tipp: Keine Lust lange Tourenberichte zu schreiben?
Schreibstil eher wie ein technischer Autor von Handbüchern für Absorptions-Wärmepumpen?
Kein Problem: Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise...als Ghosttourengänger sozusagen :)

Tourengänger: Bergbursche

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Kommentare (1)


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Nicole hat gesagt: Ol‘ Rusty ...
Gesendet am 30. September 2013 um 22:28
...herrlich beschrieben - weiter so Mats, ich krieg das Grinsen nicht mehr runter! :-)

Grüsse vom ROTEN DING



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