Überschreitung Hausstock (3158m)


Publiziert von Bergamotte Pro , 24. September 2013 um 15:36. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:23 September 2013
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Hausstockgruppe   CH-GL   Segnas-Vorabgruppe 
Zeitbedarf: 8:15
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 1740 m
Kartennummer:1174 / 1194 / 1193 (R. 741a, 746, 754, 756)

Die Überschreitung des Hausstocks zählt zu den ganz grossen Klassikern im Glarnerland. Eine Vielzahl von Routen führt auf den Gipfel mit seinen zahlreichen Graten. Vergleichsweise einfach lässt er sich nur von Osten und vom Ruchi erreichen. Weit sind die Zustiege aber in allen Fällen, daran ändert auch die Seilbahn Tierfehd - Chalchtrittli nichts. Wer die Hauptschwierigkeiten lieber im Aufstieg anpackt, dem sei ohnehin ein Start ab Walenbrugg (Elm) empfohlen. Der anschliessende Abstieg über den Ruchigrat - eine moderate Alpinwanderung - lässt sich dann sorgenfrei angehen.

Nach dem kürzlichen Wintereinbruch stand das Projekt lange auf der Kippe. Tatsächlich reichte der Schnee bis zum Muttsee runter und auf dem Ostgrat lagen gar bis zu 40cm. Doch dank Steigeisen und Pickel konnten wir die Überschreitung problemlos durchziehen und das edle Weiss verlieh der Tour gar ein spezielles, hochalpines Flair. Auch dank Wetterglück kann ich die Überschreitung deshalb ungeniert als bisherigen Saisonhöhepunkt bezeichnen. Nur den geplanten Aufstieg über das Alpeli haben wir vorsichtshalber aus dem Programm gestrichen.
 


Aufstieg: Walenbrugg - Panixerpass - Ostgrat (R. 741a, WS/II, 5:00)

Um Punkt 6:00 starten wir beim Parkplatz in Walenbrugg (1297m). Trotz Dunkelheit erkennen wir, dass der Schnee in der Nordflanke von Hausstock und Horen viel weiter runterreicht als erwartet. Vorsichtshalber lassen wir den geplanten Aufstieg übers Alpeli (R. 742) deshalb bleiben. Stattdessen wählen wir den Normalweg via Panixerpass (2404m), der einen geradezu unerhörten Umweg macht. Doch immerhin können auf dem Wanderweg rasch Höhenmeter vernichtet werden, nicht zuletzt dank Pacemaker Mueri.

Vom Pass ziehen wir über ruppiges Gelände in direkter Linie Richtung Ostgrat, scharf an den Horen Gipfeln vorbei. Die Steiltraversen (welche wenig südlich problemlos umgehbar sind) zwingen uns, die Steigeisen bereits vor der Scharte zwischen Hausstock und Horen (P. 2646) zu montieren. Die Scharte markiert den Einstieg in den Ostgrat.

Prinzipiell lässt sich der Ostgrat gut begehen. Die Hauptschwierigkeit bilden zahlreiche Felsriegel, welche mehr oder weniger direkt überstiegen werden (max. gehobene II). Man erliege nicht der Versuchung, aufgrund eines Riegels auf R. 741 (Ostflanke) zu wechseln. Vor Ort ergibt sich immer ein logischer Durchstieg. Ansonsten helfen auch die Sicherungsstangen bei der Orientierung. Man lasse sich nicht durch die Bewertung im neuen Alpinführer verunsichern: WS/III+. Es muss sich um einen Verschreiber handeln. Den Aufstieg über den Ostgrat erachten wir zweifellos als Höhepunkt der Tour. Mit 500Hm ist er aber lang und zeitintensiv, gerade bei den aktuellen Verhältnissen. Aufgrund der Exposition wurde der Schnee rasch faul und verlangte uns konditionell einiges ab.

Umso schöner dann die Ankunft auf dem grosszügigen Gipfelplateau des Hausstock (3158m). Das Rundumpanorama hier oben lässt keine Wünsche übrig, schon gar nicht beim perfekten Wetter wie heute. Es gibt wohl wenige Orte, wo man einen intimeren Blick auf den Tödi geniesst. Auch unsere Abstiegsroute via Ruchi lässt sich sehr schön einsehen.


Abstieg: Drahtseilfurggeli - Ruchi - Muttsee - LSB (R. 746, T5-, 3:15)

Bei aperen Verhältnissen erreicht die Route via Ruchi und Drahtseilfurggeli kaum T5-Niveau. Das ist schön, steht der Hausstock so doch auch (Alpin-)Wanderern offen. Bei den aktuellen Verhältnissen sind Steigeisen und Pickel aber zwingend. So war die NW-Flanke selbst um 12 Uhr noch beinhart geforen. Der Weiterweg über den breiten Rücken zum Chli Ruchi (3039m) bietet dann keine Schwierigkeiten mehr. Das gilt dank Kette auch für Auf- und Abstieg beim "Drahtseilfurggeli" (P. 3001). Schwindelfreiheit und Trittsicherheit hingegen sind Pflicht, gerade im Furggeli unten ist der Grat sehr schmal.

Der Ruchi (3107m) kann mit drei Minuten Umweg mitgenommen werden. Hier öffnet sich erstmals der Tiefblick auf den Muttsee und eine der Baustellen von Linthal 2015. Nun folgen wir in etwa dem Pfad gemäss LK, welcher noch unter einer Schneedecke liegt. In den endlosen Geröll- und Schuttfeldern ist uns die weiche Unterlage durchaus willkommen. Nach einer Stärkung in der Muttseehütte (2501m) verbleibt der Gwaggel über den Bergwanderweg zur LSB Tierfehd - Chalchtrittli. Wir erwischen gar noch den zweitletzten Kurs um 16:10, denn selbst nach über acht Stunden Marschzeit zeigt Mueri beim Tempo keine Gnade... ;-)


Tourengänger: Bergamotte, Mueri

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Überschreitung Hausstock E-W · Rophaien
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Kommentare (10)


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nprace hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2013 um 16:28
Sehr coole Tour. Und da hat es wirklich schon was an Schnee dort oben!

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. September 2013 um 17:17
Danke, der Hausstock ist wirklich eine überaus lohnende Kombination aus Alpin-wanderung und leichter Hochtour.

Mueri hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2013 um 20:44
Hi Bergamotte

War 'ne geniale Tour, danke - gerne mal wieder!


Vauacht hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2013 um 21:52
Geniale Tour, Gratulation!

Kommt bei mir für nächsten Sommer doch gleich mal auf die Liste.

Übrigens, eine bombastische Zeit für so eine lange Tour. Mir hat damals der Ruchi alleine schon gereicht.

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. September 2013 um 17:49
Vielen Dank.

Das Kompliment bezüglich Zeit gebe ich gerne an Mueri weiter. So lief er beispielsweise von Walenbrugg bis Panixerpass durchgehend 12-13Hm/min. Otto Normalbergsteiger sollte eher grosszügiger kalkulieren... :-)

justus Pro hat gesagt: eine schöne tour
Gesendet am 24. September 2013 um 23:07
habt ihr da unternommen und schöne photos gemacht.

habe bei wanderungen am wochenende ein paarmal zum hausstock hinübergesehen und mich wegen der schneemengen gefragt, ob das noch gut möglich ist.

gruss
/justus

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:eine schöne tour
Gesendet am 25. September 2013 um 17:51
Ja, ich hatte zunächst auch meine Zweifel wegen dem Schnee. Doch im Notfall wären wir über die Ostflanke rauf (denn da liegt sowieso immer Firn) und der Abstieg über den Ruchi ist auch mit etwas Schnee gut machbar.

PStraub hat gesagt: Gratulation ..
Gesendet am 26. September 2013 um 10:22
.. zu dieser schönen Tour.

Wer (wie ihr) ab der Passhöhe nicht in der Schwemmebene bleiben will, kann den Umweg etwas abkürzen, indem ab dem Hexenseeli direkt über Charen aufgestiegen wird.

Gruss Peter

xeliba hat gesagt: Spuren
Gesendet am 30. September 2013 um 10:11
Gratulation zur schönen Tour! Ich war zwei Tage vor euch am Sa 21.09. dort. Hoch über den Schlössligrat, runter über Chli Ruchi und Ruchi. War noch was von meinen Spuren zu sehen, oder waren sie schon weggeschmolzen? Dachte ja fast, dass ich der letzte Hausstock-Besucher dieser Saison sein würde, aber es gibt wohl doch noch ein paar, die den Schnee mögen ;-)

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:Spuren
Gesendet am 30. September 2013 um 11:01
Ja, wir haben Deine Spuren und Deinen Bucheintrag gesehen. Ein weiterer Begeher war am So 22.09. oben (Ruchi retour). Den Spuren zufolge sind aber auch zahlreiche Aspiranten vor dem Schlussaufstieg umgekehrt.

Die Begehung des Schlössligrats bei diesen Bedingungen war wohl nicht ganz ohne... Gratuliere!


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