Rheinwaldhorn (3402m) - Überschreitung von der Adulahütte zur Zapporthütte


Publiziert von DonPico , 26. September 2013 um 23:42.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:20 September 2013
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   Gruppo Rheinwaldhorn   Gruppo Cima di Pinadee   Gruppo Zapporthorn   Gruppo Cima Rossa 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 3400 m
Abstieg: 2600 m
Strecke:Dangio - Soi - Capanna Adula CAS - Capanna Adula UTOE - Rheinwaldhorn - Zapporthütte - Höhberglücke - Höhberghorn - Lorenzhütti - Hinterrhein
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Tübingen - Rottenburg - Schaffhausen - Konstanz - Chur - Hinterrhein - Bellinzona - Olivone
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Adula UTOE und Zapporthütte
Kartennummer:LKS 1:25000, Nr. 1254 (Olivone) und Nr. 1254 (Hinterrhein)

Allgemeines:

Bislang hatte es in diesem Jahr nicht geklappt, mit Adi eine Tour zu unternehmen. Mit Sven war ich dagegen schon auf ein paar Touren gewesen. Schließlich schafften wir es doch noch, uns auf ein Wochenende in der zweiten Septemberhälfte zu einigen. Da Adi bis Donnerstag sowieso in der Ostschweiz war, suchte ich nach Touren in dieser Region. Die ganze Woche über war das Wetter schlecht, allerdings zeichnete sich ab Motag eine Wetterbesserung für das Wochenende ab, in den Südalpen bereits für Freitag.
Da wir zwei Autos zur Verfügung hatten, schlug ich eine Überschreitung des Rheinwaldhorns (italienisch: Adula) von West nach Ost vor. Ein Auto wollten wir dafür in Hinterrhein in Graubünden abstellen, und mit dem zweiten über Bellinzona nach Dangio im Tessin fahren. Nach Abschluss der Tour würden wir dann dieses Teilstück ein zweites Mal fahren.  

Anfahrt:

Von Tübingen über Rottenburg auf die A81, und dort über Singen und Konstanz in die Schweiz. Dann südlich des Bodensees in die Ostschweiz. Über Chur kamen wir um 10:30 Uhr in Hinterrhein an. Adi kam erst eine Stunde später. Mutwilligkeit? Wir parkten mein Auto an dem Parkplatz vor dem Tunneleingang des Bernardinotunnels und fuhren mit Adis Auto über Bellinzona nach Dangio. Unterwegs besorgten wir uns noch ein paar Schinkenbrote. Dann stellten wir das Auto im Dorf ab, mampften die Brote, und machten uns bereit zur Tour.

Tourenbeschreibung:

1. Tag:

Wir gingen um 14:00 Uhr bei bestem Wetter los. Es war recht warm. Gleich zu Beginn stiegen wir recht schnell etwa 200 Höhenmeter auf, dann wurde die Steigung moderater. Der Weg führt durch Wald und über einige Lichtungen, vorbei an einigen hübschen Häuschen und verlassenen Höfen in das Val Soi. Dieses Hochtal verläuft in west-östlicher Richtung. Der nordöstliche Talabschluss wird durch eine 400 Meter hohe Steilstufe gebildet, an deren oberer Kante die untere der beiden Adula-Hütten liegt. Zuvor, etwa gegen 15:30 Uhr, passierten wir die kleine Ortschaft Soi in einer Lichtung auf knapp 1300 Meter. Im Wald gingen wir dann für eine dreiviertel Stunde bei moderater Steigung viele Serpentinen hinauf, bis wir endlich an der Steilstufe ankamen. Eine gute halbe Stunde später war die erste Hütte erreicht, und wir leisteten uns ein Getränk. Von der CAS-Hütte hat man einen tollen Blick über das Val Soi und die Tessiner Bergwelt.  
Nach etwa 20 Minuten brachen wir auf zur oberen Adula-Hütte, die vom UTOE (Unione Ticinese Operai Escursionisti) betrieben wird und auf knapp 2400 Metern liegt. An der Hütte kamen wir nach einer weiteren knappen Stunde Aufstieg an. Insgesamt hatten wir damit etwa 1600 Höhenmeter in den Beinen. Wir setzten uns zu den anderen Gästen auf die Westterrasse vor der Hütte in die Sonne und genossen ein paar Radler. Die Hütte ist kein Neubau, das Innere ist aber modern und schön ausgebaut. Außer uns war noch eine größere Gruppe auf der Hütte, und erst spät am Abend kam eine weitere Dreiergruppe hinzu. Beide Gruppen hatten vor, am nächsten Tag wie wir auf das Rheinwaldhorn zu steigen.
Das Abendessen war gut, und die Hüttenwirtin freundlich und hilfsbereit. Wir verbrachten den Abend mit Skat.

2. Tag:

Wir standen um viertel vor sechs auf und frühstückten um sechs Uhr morgens. Kurz vor sieben Uhr gingen wir los. Der Aufstiegsweg verläuft zunächst moderat ansteigend nach Süden, bis eine ausgeprägte Moräne erreicht wird, die wohl einst die nördliche Begrenzung des heute stark zurückgegangenen Vadrecc di Bresciana gebildet hat. Wir stiegen auf der Moräne aufwärts, bis zu einem Felsriegel bei P2642, den man in leichter Kletterei überwindet. Dann kamen wir auf ein flaches Geröllfeld, das wir - einigen Steinmännchen folgend - weiter hinaufstiegen. P2936 umgingen wir nordseitig, und schließlich erreichten wir den Gletscher auf ca. 3000m Höhe. Während der Aufstieg bis dahin im Schatten stattgefunden hatte, schien uns hier, beim Anlegen der Gletscherausrüstung, plötzlich die Sonne durch ein Lücke im Verbindungsgrat zwischen Grauhorn und Rheinwaldhorn ins Gesicht.
Wir hielten uns auf dem Gletscher zunächst weit unterhalb des Grauhorns, weil uns die Hüttenwirtin vor Steinschlag an dieser Stelle gewarnt hatte. Dann stiegen wir in steilem Gelände auf in Richtung Gratkamm, etwa auf P3253 zu. Kurz vor dem felsigen Grat querten wir die Westflanke in Richtung auf das Adulajoch. Vor dem Joch ist noch mal ein steiles Stück zu überwinden. Wir querten das Joch und stiegen dann in den Steigspuren unschwierig zum Gipfel, den wir nach insgesamt dreienhalb Stunden erreichten.
Wir machten Fotos und setzten uns dann etwas unterhalb des Gipfels an einer windgeschützten Stelle hin aßen etwas. Das Rheinwaldhorn ist ein guter Aussichtsgipfel. Im Südwesten sieht man auf den Monte Rosa und die Mischabelgruppe, im Westen die Berner Alpen mit Aletschhorn, Finsteraarhorn und Schreckhorn, daran schließen sich Galenstock und Dammastock an. Im Norden zeigen sich die Glarner Alpen mit dem Tödi und im Osten sieht man auf den Piz Bernina. All diese Gipfel sind ein gutes Stück entfernt.
Da es sehr kalt und windig war, machten wir uns bald an den Abstieg. Wir folgten zunächst der Aufstiegsspur in Richtung auf das Adulajoch, und bogen kurz vor dem Jochs nach Norden ab, wobei wir auf den Beginn des felsigen Blockgrates zuhielten. Als wir diesen erreicht hatten seilten wir ab und kletterten über den Grat. Der Grat ist technisch nicht schwierig (I), allerdings war er zum Teil mit einer dünnen Neuschneeschicht bedeckt, und so waren die Hohlräume zwischen den Blöcken zum Teil bedeckt, und wir mussten höllisch aufpassen. Der Grat ist an ein paar wenigen Stellen etwas ausgesetzt. 
Kurz vor dem Ende des Grates querten wir in die Nordflanke und gingen weiter zur Läntalücke. Von dort stiegen wir zunächst in nordöstlicher Richtung ab und umgingen einen Felsriegel ostwärts. Dann querten wir auf etwa 2860 Meter in südwestliche Richtung, und erreichten so eine steile Rampe aus Geröll und Blockwerk, die wir auf Pfadspuren in östlicher Richtung abstiegen bis an einen See bei P2712. Die folgende Steilstufe umgingen wir ostwärts und folgten dann unterhalb eines Wasserfalls einem aufgefächerten Bachlauf bis in den Talgrund des Ursprungs. Nach einer kurzen Pause legten wir den restlichen Weg zur Zapporthütte in einer knappen Stunde zurück. Wir trafen gegen 15:00 Uhr an der Hütte ein und genossen einen herrlichen Nachmittag auf einer Bank vor der Hütte. Auch hier war wenig Betrieb; außer uns war nur noch eine weitere Gruppe von 5 Personen da.  
Die Zapporthütte wirkt von außen unscheinbar, innen ist sie sehr urig und gemütlich. Sehr viel Komfort darf man nicht erwarten, aber das Abendessen war sehr gut.
Vreni, die Hüttenwirtin empfahl uns für den folgenden Tag die Route über die Höhberglücke mit einer Besteigung des Höberghorns. Wir folgten der Empfehlung, da diese Route nach Erreichen des Gipfels einen direkten Abstieg nach Hinterrhein ermöglichte, während die Alternativen, die ich mir ausgedacht hatte - eine Besteigung des Vogelbergs oder des Piz de Stabi - bedeutet hätten, dass wir Hinterrhein nur wieder über die Zapporthütte erreicht hätten.
Auch an diesen Abend spielten wir Skat. Dazu gab's Rotwein.

3. Tag:

Am dritten Tag gingen wir nach dem Frühstück um kurz vor 7:30 Uhr los. Wir stiegen auf der blau-weiß markierten Route zunächst auf in Richtung Canallücke, die den Übergang ins Canaltal und zum Zevreilasee bildet. Auf etwa 2500 Metern erreicht man das Clubhüttentälli, ein ausgeprägtes Kar, das sich vom Talgrund bis zur Höhberghütte zieht. Der Weg zur Canallücke verlässt das Tälli bald wieder nordwärts, wir blieben nach längerer Diskussion im Clubhüttentälli und entschieden uns gegen einen Aufstieg zum Grat und dem Weiterweg zum Höhberghorn über den Grat. Ich hatte mich dabei gegen diese Variante ausgesprochen, weil ich nichts über die Schwierigkeit des Grates wusste. 
Der Aufstieg durch das Clubhüttentälli ist unschwierig, z.T. erfolgt er über recht steiles Grasgelände. Im oberen Teil gingen wir über Geröll und leichtes Blockwerk. Bei guter Sicht ist die Orientierung völlig unproblematisch.
Etwa eineinhalb Stunden nach dem Start waren wir an der Höhberglücke. Wir ließen die Rücksäcke dort stehen und kletterten weiter zum Gipfel des Höhberghorns (I). Von oben hat man wieder eine schöne Rundumsicht, vor allem die Ausblicke nach Norden und Osten sind eindrucksvoll. Im Westen sieht man Rheinwaldhorn und Güferhorn. Nach kurzer Rast stiegen wir auf dem Aufstiegsweg zur Höhberglücke ab. Dort seilten wir uns an und stiegen dann über den nicht sehr großen Höhberggletscher zum Gletschersee im oberen Lorenztälli ab. Im oberen Teil, kurz unter der Höhberglücke ist der Gletscher recht steil (bis max. 30 Grad), sonst problemlos. 
Am Gletschersee machten wir Mittag. Dann stiegen wir entlang des Abflusses weiter ab. Dabei mussten wir uns für gut 30 Minuten stark konzentrieren, da wir entlang des Bachs in steilem Gelände über große, zum Teil auch lose Steine balancieren mussten. Schließlich kamen wir wieder auf Grasgelände. Wir hielten in östlicher Richtung auf einen zweiten Bachlauf zu und folgten diesem nach unten zum Lorenzhütti, einer verlassenen Steinhütte, von der aus man einen guten Blick über das Hinterrheintal und den Schiessplatz, sowie den Passo di San Bernardino hat. Laut Karte führt ein Weg in östlicher Richtung durch die steile Flanke des Unteren Heubergs nach unten zum Schießplatz. Stellenweise ist dieser Weg tatsächlich zu erahnen, meist aber keine große Hilfe beim Abstieg. Oberhalb einer Hütte hört der Weg schließlich ganz auf. Sven war ziemlich genervt, da er mehrfach gestürzt war, und er stieg nun schnurstracks in Richtung auf die Hütte ab. Adi und ich folgten ihm, und wir machten an der Hütte beinahe den Fehler, durch ein steiniges Bachbett ganz ins Tal abzusteigen. Ein Blick in die Karte zeigte mir aber, dass das Gelände unterhalb der Hütte sehr steil war, und dass zudem ein Weg an der Hütte vorbei führen müsste. Auch dieser Weg war zwar vorhanden, aber kaum sichtbar. Trotzdem bietet er meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit zum Abstieg ins Tal. Das wird vor allem zum Schluss klar, wo der Weg in einer Schneise durch sehr dichtes Gestrüpp verläuft. Man betritt den Schiessplatz im Talgrund bei einem Beobachtungsturm bei P1655, den man bereits von weiter oben sieht. Den Weg von unten zu finden halte ich für schwierig. Er beginnt und verläuft unterhalb eines ausgeprägten Felsriegels. Wir hatten auf dem letzten Teilstück viel geflucht, und waren vom Gestrüpp zerkratzt. Nach einer kurzen Pause legten wir die letzte halbe Stunde zum Parkplatz zurück, den wir um 14:00 Uhr erreichten. Mein Auto fanden wir unbeschadet vor. 
 
Rückfahrt:

Wir verstauten unsere Rucksäcke im Auto und fuhren um 14:10 los. Dangio erreichten wir gegen viertel nach drei. Da im Radio ein Stau vor dem Gotthard gemedet war, entschieden wir uns für die Strecke über Luckmanierpass und Oberalppass. Vor der Passhöhe hielten wir nochmals an einer Gastsätte und aßen etwas. Dann verabschiedeten Sven und ich uns von Adi. Die Strecke über die beiden Pässe war wunderschön, kostete aber viel Zeit. Zudem standen wir hinter Andermatt noch 45 Minuten im Stau auf der Autobahn. Erst gegen 18:30 erreichten wir den Vierwaldstätter See, und Zürich erreichten wir gegen 20:30 Uhr. Ich lieferte Sven in Tübingen ab und war gegen 23:00 Uhr in Ludwigsburg, nach insgesamt 9 Stunden Fahrt.

Fazit:

Eine herrliche, sehr abwechslungsreiche Tour durch eine offenbar relativ wenig begangene und daher recht einsame Gebirgsregion. Beim Abstieg am zweiten Tag begegneten wir keiner Menschenseele, ebenso wenig am dritten Tag. Der Gesamtaufstieg von Dangio zum Rheinwaldhorn beträgt satte 2600 Höhenmeter. Die Überschreitung des Berges war meiner Meinung nach der Clou der Tour, allerdings ist der Aufwand dafür hoch (gute zwei Stunden zusätzliche Fahrtzeit, vorausgesetzt man hat zwei Fahrzeuge).
Zu- und Abstieg zu bzw. von der Zapporthütte von bzw. nach Hinterrhein erfordern zwingend eine Passage des Schiessplatzes. Darum müssen die Schiesszeiten unbedingt beachtet werden.

Tourengänger: DonPico


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