Piz Vignun 2859 m - In der Wildnis zwischen Misox und Hinterrhein


Published by Ivo66 Pro , 22 September 2013, 00h32.

Region: World » Switzerland » Grisons » Misox
Date of the hike:21 September 2013
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: Gruppo Uccello-Lumbreida   CH-GR 
Time: 7:30
Height gain: 1280 m 4198 ft.
Height loss: 1280 m 4198 ft.
Route:San Bernardino - Cassina de Vignun - Strec de Vignun - Nordostmulde - Piz Vignun
Maps:1:25'000 Hinterrhein

Der Piz Vignun im nördlichen Misox war bis heute hikr-Neuland. Er liegt in Luftliniendistanz nicht einmal 4 Kilometer westlich vom mächtigen Pizzo Tambo entfernt, in einer Berglandschaft, die zwar einfach zugänglich, deren Anstiege aber weitläufig sind. Dementsprechend wenig begangen sind selbst die markierten Bergwanderwege, geschweige denn die weglosen Gipfelziele.

Die Auswahl auf das heutige Gipfelziel kam nicht von Ungefähr, denn es galt, abseits der Bündner Jagd eine sichere Ecke zu finden, denn zu dieser Jahreszeit sind Bergwanderungen in Graubünden aus erwähntem Grund nicht besonders angenehm. Der Aufstieg zum Gipfel über endlose, schwer begehbare Geröllhänge ist offenbar auch den Jägern zu wild, so dass man hier auch im September seine Ruhe hat. Die Gefahren gehen hier denn auch nicht von Kugelhagel und Querschlägern aus, sondern im häufig instabilen Untergrund. Belohnt wird man dafür mit einem tollen, ungewohnten Gipfelpanorama und dem Verweilen in einer einsamen Berggegend, die durch herbe Schönheit und absolute Stille besticht.

Herbstlich war es - nicht nur wegen der klaren Sicht - ein eiskalter Wind blies uns während langer Zeit ins Gesicht. Es dauerte etwas, bis sich die gute Laune gegen die anfangs doch ungemütlichen Umstände durchsetzen konnte. Dann gab es aber kein Halten mehr: Je höher wir stiegen, desto ruhiger wurde es. Das Gelände ist allerdings nicht für den Menschen geschaffen, denn auch grosse Geröllblöcke waren oft kein Garant für stabilen Untergrund, weshalb sich der Aufstieg in die Länge zog. In einer solch herrlichen Berglandschaft ist dies nicht weiter tragisch, die Augen und Sinne wurden für die Mühen der Beine gebührend entschädigt.

Der Gipfel des Piz Vignun lädt zum Verweilen ein. Man befindet sich hoch über durchwegs einsamen Tälern; der Pizzo Tambo dominiert aufgrund seiner Höhe und Masse, doch auch andere hübsche Gipfelchen auf dem schweizerisch-italienischen Grenzkamm stechen ins Auge. Sehr eindrucksvoll kommt aber auch unsere Aufstiegsroute zur Geltung; die vom ehemaligen Gletscher rund geschliffenen Felsen stehen in Kontrast zu den wie Trümmer niederliegenden Geröllblöcken. Und immer diese Ruhe, höchstens einmal unterbrochen von den schrillen Rufen der Murmeltiere weit unten in den menschenleeren, engen Tälern. Pläne für weitere Touren in dieser faszinierenden Gegend entstehen; hier waren wir nicht zum letzten Mal. Unglaublich, was Graubünden alles zu bieten hat: In diesen vielen Jahren haben wir noch bei weitem nicht einmal die Hälfte dieses grossartigen Bergkantons erkundet. "Das Land der tausend Täler" - dieser Ausspruch scheint untertrieben.

Routenbeschreibung:

San Bernardino - Strec de Vignun P. 2326 m (T2)

Vom Dorf San Bernardino folgt man dem ausgeschilderten und markierten Bergwanderweg Richtung "Strec de Vignun" zunächst durch Wald und später über Alpweiden hinein ins Val Vignun. Nach der kleinen Hütte bei Cassina de Vignun steigt der meist deutliche Weg nur wenig an, in der Folge sind sogar kleinere Gegenabstiege in Kauf zu nehmen.

Strec de Vignun P. 2326 m - Nordostmulde - Piz Vignun (T4)

Nach dem Seelein bei P. 2326 m verlässt man den Bergweg nach rechts und steigt über steilen, aber gut gestuften Rasen nach Süden hoch. In der Routenwahl ist man ziemlich frei; immer wieder wird man auf Steinmännchen treffen, die inetwa die Richtung anzeigen. Man erreicht über Schrofengelände, welches immer mehr in Geröll übergeht - flacheres Gelände, wobei man auch die vom früheren Gletscher geschliffenen Felsplatten zum Aufstieg nutzen kann.

Das Gelände ist hier nicht einfach zu begehen, da auch grössere Geröllblöcke nicht immer fest verankert sind. Wir stiegen etwas rechts zur ausgeprägten Moräne hoch, der wir weiter in Aufstiegsrichtung folgten. Das folgende, wenig steile aber ziemlich hart gefrorene Schneefeld umgingen wir links in steilem Gelände; auch hier sind selbst grössere Geröllblöcke nicht immer stabil.

Sobald man flacheres Geröll- und Felsplattengelände erreicht hat, wird der Schlussaufstieg einfacher. Man kann schon vor dem in der Karte eingezeichneten Seelein nordöstlich von P. 2829 m (heute ausgetrocknet) über Geröll und Schutt zum Gipfel aufsteigen. Man trifft sogar auf Pfadspuren, steigt in einer gut begehbaren Rinne zum Grat auf, über den man einfach und nur wenig ausgesetzt den Gipfel erreicht.

Hike partners: Ivo66, Lena


Gallery


Slideshow Open in a new window · Open in this window

PD
18 Feb 15
Piz Vignun (2859 m) – SKT · tapio
WT4
T4
14 Aug 14
Piz Vignun, 2859 m · roko
PD
13 Apr 14
Piz Vignun, 2859 m · roko
T4-
22 Aug 15
Pizzo Uccello · GIBI

Comments (4)


Post a comment

bidi35 says: toll geschildert...
Sent 22 September 2013, 09h42
...eure Wildnis-Erkundung...und wie gewohnt garniert mit wunderschönen Fotos.

Ich habe tags zuvor "MEINE" Augen und Sinne mit diesem Bild verwöhnt!!!

LG Heinz

Ivo66 Pro says: RE: toll geschildert...
Sent 22 September 2013, 16h28
Vielen Dank, lieber Heinz. Lass Dich weiter so verwöhnen;-)

LG Ivo

silberhorn Pro says: RE: toll geschildert...
Sent 22 September 2013, 20h18
Dem kann ich nur zustimmen und gilt für alle gelesenen Berichte von Dir! Zu den schönen Bilder meine ich heute nichts, denn es zu tun würde langsam langweilig ;-)

LG
maria

Ivo66 Pro says: RE: toll geschildert...
Sent 22 September 2013, 23h21
Ganz herzlichen Dank für dieses schöne Kompliment Maria.

LG Ivo


Post a comment»