Mönch, 4107m via SW-Grat


Publiziert von Linard03 Pro , 28. August 2013 um 19:32.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:22 August 2013
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 500 m
Strecke:Jungfraujoch - SW-Grat - Mönch - Mönchsjochhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Jungfraujoch

Auftakt zu einer Berner Oberland-Tour der Superlative. Auf dem Mönch war ich zwar bereits einmal vor 2 Jahren - notabene bei perfektem Wetter. Besser kann es also nicht werden; oder etwa doch?

Wir (d.h. 2 Bergführer & 4 Gäste) trafen uns zum vereinbarten Zeitpunkt in Lauterbrunnen und ruckelten gemütlich auf’s Jungfrau joch hinauf. Die Vorfreude stieg natürlich enorm, als bei bestem Wetter das berühmte Dreigestirn auftauchte – und damit auch unser erstes Gipfelziel.
 
Auf dem Jungfraujoch (3454m) angekommen wühlten wir uns durch die (mehrheitlich) asiatische Menschenmasse und gelangten so zum Stollenausgang. Um ca. 11.15 Uhr waren wir abmarschbereit – und machten eigentlich genau das, was man tunlichst vermeiden sollte: von „0 auf 4000“ bzw. vom Flachland anreisen und ohne Akklimatisation auf einen 4000er steigen - es sollte sich jedenfalls bald rächen … (leider hatten sich die roten Blutkörperchen vom Dom bereits wieder verflüchtigt ...)
 
Unsere zwei 3er-Seilschaften harmonierten von Beginn an sehr gut, was ja auch nicht selbstverständlich ist, wenn man sich nicht bereits kennt. Und es ging gleich zur Sache: nach wenigen Minuten war der Einstieg zum SW-Grat erreicht und die Kletterei konnte beginnen.
 
Eines vorweg: es herrschten idealste Verhältnisse; warmer, trockener Fels – ein wahrer Kletter-Genuss! Wir waren ziemlich schnell unterwegs; zu schnell für mich. Eine Seilschaft (verm. eine SAC-Sektion), welche sich weit über uns befand, holten wir nämlich bald ein. Ich schnaufte wie eine Dampflok und hatte bald schon das Gefühl, übersäuerte Beine zu haben … Jedenfalls war ich froh, durch den mehrmaligen Stau etwas Verschnaufpause zu erhalten ;-).

Auch die Platte (Schlüsselstelle, III+) meisterten wir ohne Probleme. Viel zu schnell war aber der Kletterspass vorbei und wir erreichten den Firngrat. Steigeisen anziehen und dem Himmel entgegenstapfen. Nach knapp 3 Std. hatten wir den Gipfel des Mönch (4107m) erreicht. Ein eher seltenes Ereignis, dass ich 2x auf demselben Gipfel stehe … Ich bin dankbar, dass ich dieses Gipfelerlebnis zum zweiten Mal bei schönstem Wetter erleben darf!

Der Platz auf dem Gipfel ist beschränkt, weitere Seilschaften kamen nach und so fiel unsere Rast ziemlich kurz aus. Den Abstieg auf der Normalroute bewältigten wir ohne Probleme. Das steile Firnfeld unterhalb des Vorgipfels war allerdings bereits ziemlich aufgeweicht, ein Mix aus Sulz und Eis - die Tritte nicht mehr so ideal. Unsere Bergführer sicherten uns deshalb mittels der vorhandenen Stangen.
 
Auf der Normalroute begegnen einem teilweise kuriose „Gestalten“; Leute, welche sich sonst ganz offensichtlich nicht in derart steilem und exponiertem Gelände bewegen und total überfordert sind. Dementsprechend ist dann auch deren „Ausrüstung“ … (siehe auch am Schluss dieses Berichtes unter „Bemerkungen“).
 
Der Rest ist schnell erzählt: das Überkraxeln einiger Felsen ging problemlos vonstatten (die Felsen zogen wir dem losen Geröll vor) und so erreichten wir nach ca. 2 Std. Abstieg die „Autobahn“, welche das Jungfraujoch mit der Mönchsjochhütte (3650m) verbindet. Doch etwas ausgepowert erreichte ich die Hütte um ca. 16.15 Uhr.
 
Etwas differenzierter (bzw. negativer) als bei meinem ersten Bericht fällt das Urteil über die Mönchsjochhütte aus: Heidi ist zwar eine liebenswürdige Person, sucht den persönlichen Kontakt mit dem Begrüssen; trotzdem gehört die Mönchsjochhütte nicht zu meinen Favoriten …: der Schlafraum war diesmal total eng und ohne Ablageflächen, zudem voll belegt (weshalb öffnet man nicht zusätzliche Räume, um die Leute etwas zu verteilen?),  es ist viel zu lärmig im Ess-Saal (da müssten mal ein paar Lärm-isolierende Decken montiert werden!), das Essen war diesmal leider nur „ok“ …
 
Aber wer will da schon rumnörgeln nach diesem wunderschönen, ersten BO-Hochtourentag?
 
Fazit:
Eine superschöne Tour bei diesen Verhältnissen!
 
Bemerkungen:
Ich mag falsch liegen, aber der Mönch ist wohl der meist unterschätzte 4000er; dies vermutlich aufgrund der leichten Erreichbarkeit durch die Jungfraubahn und der relativ kurzen Aufstiegsdauer. Trotzdem, sowohl die Normalroute als auch andere Aufstiegsrouten sind anspruchsvoll!
 
Schwierigkeits-Bewertung:
Ich hielt mich an den neusten SAC-Führer, welcher den SW-Grat mit ZS, III+ angibt (vorher ZS+)

Zeiten:
Aufstieg via SW-Grat: 2 Std. 50 Min. inkl. Pausen
Abstieg via Normalweg: 2 Std. inkl. Pausen + div. Stau's ...

Tourengänger: Linard03

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ZS III
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S V
14 Aug 16
Eiger, Mönch, Kulturschock · Maisander
ZS+

Kommentare (8)


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Ole Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. August 2013 um 19:46
Glückwunsch zu dieser schönen Tour.
Ich durfte sie vor ca. 6 Wochen machen.
Nach der Bahnfahrt musste ich am Anfang auch wie eine Dampflock schnaufen.
Leider kann ich deine Kritik an der Hütte nur bestätigen.

Ich freue mich auf deine nächsten Berichte.

Grüße
Ole

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. August 2013 um 22:15
Danke, war echt eine klasse Tour!
Und gut zu wissen, dass ich nicht die einzige Dampflok bin ;-)

Benötige noch etwas Zeit für die weiteren Berichte, aber sie folgen ...

Gruss zurück, Linard

WoPo1961 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. August 2013 um 22:37
Lies mal meinen Bericht vom Altels... hab dort auch beschrieben, wie als Dampflok unterwegs war. Ich weiss genau, was du meinst.
Gratulation zur Tour
Grüße aus Flachlandhausen
WoPo

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. August 2013 um 19:01
Geschätzter WoPo1961, da habe ich mich ja ganz schön in die Nesseln gesetzt ... - einfach die "Dampflok" von Deinem Bericht zu klauen; total unfair von mir!
(inzwischen habe ich den Altels-Bericht nachgelesen - wiederum vom Feinsten ...!)

Sollten wir allenfalls zusammen die "Dampflok-community" gründen?
Jedenfalls Danke für Deinen Kommentar - und ich bin ja richtig froh zu wissen, dass selbst der berühmte Schweizhut-Träger arg ins Schnaufen geraten kann ... ;-)

garaventa hat gesagt: Glückwunsch zum Tour auf den Mönch
Gesendet am 29. August 2013 um 06:13
Du beschreibst die Ursache für das "Dampflok"-Feeling goldrichtig:

Von 0 auf 100 in wenigen Minuten dank Zahnradbahn ist für den Organismus eine Tortur.
Auch ich habe vor Jahren diesen Fehler gemacht und eine Nacht der hämmernden Kopfschmerzen auf der Mönchsjochhütte verlebt, bevor es in Rtg. Finsteraarhorn weiterging.
Eigentlich sollte man wenn zeitlich möglich, immer den Fussmarsch aus dem Tal bevorzugen.

Aber: sind wir dazu nicht fast alle inzwischen zu bequem????

Linard03 Pro hat gesagt: RE:Glückwunsch zum Tour auf den Mönch
Gesendet am 29. August 2013 um 19:07
Danke für Deinen Kommentar!

Kopfschmerzen hatte ich zwar keine. Und es war ja auch nicht so, dass ich bereits am Stollenausgang nach Luft japsen musste ...
Nur haben wir halt viel zu schnell losgelegt; ich meine, dass selbst unter Akklimatisation die erste Stunde viel zu schnell war.

Aber die Summe der Faktoren (keine Akklimatisation + zu schnell) haben wohl meine Batterien im Nu geleert ...

Richtig ist sicher auch Dein Einwand, dass wir bequem geworden sind; d.h. viel in kurzer Zeit machen zu wollen und dabei die Langsamkeit zu vernachlässigen. Eben z.B. vom Tal aufsteigen (wobei dies gerade beim Jungfraujoch nicht so trivial wäre ...)

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 29. August 2013 um 21:31
Gratuliere Dir zum SW-Grat und natürlich zum Gipfelerfolg, super! Der SW-Grat steht bei mir auch noch auf der Pending-List, freue mich, eines Tages dieses Projekt in Angriff zu nehmen.

Weiter so, rock it :-)

Gruess
Bombo

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. August 2013 um 20:37
Merci! und Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude ... - der SW-Grat ist (zumindest bei den perfekten Bedingungen, welche wir erleben durften) ein wahrer Leckerbissen!

Gruess, Linard


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