Grenzgang am Gross Litzner, Gross Seehorn inkl. Versuch Chlein Seehorn


Publiziert von danski , 23. August 2013 um 21:25.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum:17 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 23:00
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2600 m
Strecke:Monbiel - Alp Sardasca - Seetalhütte - Scharte - Winterberg - Gross Litzner - Gross Seehorn - Versuch Chlein Seehorn - Seetalhütte - Monbiel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bike bis Alp Sardasca
Unterkunftmöglichkeiten:Seetalhütte, unbewartet, aber mit allem erdenklichen "Luxus" ausgestattet.

Irgendwie muss ich mein Radar neu kalibrieren, denn leider bleiben Touren dieser Art viel zu oft unter diesem. Zum Glück gibts Alpin_Rise, Delta und Chrismo77, denn ohne sie käme ich kaum in den Genuss solch spannender Unternehmungen. Und das wäre jammerschade!

Nach dem unangenehmen Vorfall am Wochenende zuvor am Grand Cornier, wollte ich es dieses Mal etwas ruhiger angehen. Mit Chrismo77 hatte ich einen zuverlässigen Partner an der Seite. Nach einem regulären Arbeitstag transportierten wir uns inkl. Bikes per PW nach Monbiel, wo wir auf zwei Räder umsattelten. Die schweren Rucksäcke drückten auf die Schultern, während wir gleichermassen den Druck in die Pedale weitergaben. Natürlich konnten wir in keinem "normalen" Tempo hochfahren... ;) So kamen wir schon mal heftig ins Schwitzen, bis die Alp Sardasca inkl. "Bikestall" für unsere Hinterteile Entlastung bedeutete. Schuhwechsel und schon gings nach dem kurzen Boxenstopp weiter. Die "Sirupbar" liessen wir gleich rechts liegen, denn der Hunger trieb uns in die Höhe. In Kürze erreichten wir die originelle Seetalhütte. Zu unserem Erstaunen ist diese geradezu luxuriös ausgestattet! Es gibt mehrere "Instant"-Menus wie Pasta inkl. verschiedener Saucen, Suppen, Wein, Süssgetränke und Gebäck. Nur Bier suchten wir vergebens... Das alles gibts im Self-service mit entsprechendem Kässeli. Wir verliessen uns dennoch auf die mitgebrachte Pasta. Es existiert ein Zweifeld-Camping-Gaskocher. Die 14 Schlafplätze waren mit 4 weiteren Hüttenbesuchern besetzt. Sie würden aber am nächsten Morgen wohl noch ein paar Stunden länger liegen bleiben als wir...

Um 03:45 erfüllt der Wecker zuverlässig seinen Dienst. Diese Momente gehören definitiv zu den weniger erhabenen in meinem Bergsteigerleben. Die frühmorgendliche Routine hat mich glücklicherweise immer wieder schnell im Griff. Doch der Porridge wollte mir um diese Uhrzeit trotz verschiedener getesteter Rezepturen noch nie wirklich schmecken... So bin ich jeweils froh, wenn es endlich los geht. Die Nacht zappenduster und nicht mal von Sternen minimalst erhellt, liess mich Übles erahnen. Auf Wegspuren und den Markierungen folgend, schlugen wir den Weg zur Scharte, 2681m ein. In der Dunkelheit war die Wegfindung gar nicht mal so einfach, dafür umso spannender. Steil zieht der schmale Pfad zur Scharte hoch, während wir mit der Morgendämmerung das ganze Ausmass der offensichtlich nicht eben akuraten Wetterprognose erkannten. Nebelschwaden umhüllten die düsteren Türme, die wir zu erklettern gedachten. Wenig beeindruckt folgten wir nun dem SW-Grat zum Winterberg, 2924m. Ich blieb stur auf dem Grat und konnte mich schon mal an einem recht steilen und ausgesetzten Aufschwung aufwärmen. Dieser kann leichter NW-seitig auf einem schmalen Band umgangen werden. Rasch war der Gipfel des Winterbergs in anregender Blockkletterei erreicht.

Anfänglich umgeht man den Nordgrat zum P. 3060m ostseitig, bevor man auf die Westseite und damit  wieder in Schweiz wechselt. Einfache, aber durchaus schöne Klettereien erfreuten uns auf diesem Abschnitt. Noch immer waberten feuchte Nebelschwaden dem Grat entlang, was eindrückliche Stimmungen produzierte. Wir begannen uns auch daran zu erfreuen... Dem Vorgipfel 3060m des Gross Litzners statteten wir einen kurzen Besuch ab, bevor wir diesen westseitig umgingen. Kurz darauf standen wir am Fusse des pièce de résistance der heutigen Tour, dem Gross Litzner, 3106m. Zeit fürs Seil! Eine erste, einfache Seillänge III+ führt zu einem Gendarmen, von dessen SW-Seite wir wenige Meter in eine Scharte abseilten. Ab hier beginnt die steile Kletterei in kompaktem, gut strukturiertem Urgestein. Die 2. SL III+ ist kurz und führt eine Verschneidung zum nächsten gebohrten Stand empor. Bohrhaken fanden wir keine und ausser einer zweifelhaften Bandschlinge war nichts Gescheites zu legen. Das nächste Hindernis III+ ist steil, aber gutmütig kletterbar. Zupacken musste man durchaus. Auf der letzten SL begegnet man der Schlüsselstelle IV in Form einer rötlichen, steilen Platten mit senkrechtem Ausstieg, die beim Näherkommen aber erstaunlich gut strukturiert ist. Ausserdem stecken hier auf wenigen Metern zwei solide Haken. Nach 4.5h Gipfel erreicht! Der einsetzende Nieselregen verwandelte die flechtenbedeckten Steine doch langsam in Seifenstücke. Vorsicht war also angebracht.

Die erste Abseilstelle befindet sich unmittelbar unterhalb des Gipfels. Ein massiver schmiedeiserner Ring vermittelt Vetrauen für die erste recht luftige Abseilfahrt. Jetzt zahlten sich unsere beiden 50m Halbseile voll aus. 1x 40m, 1x50 anschliessend 10m Gehgelände und noch einmal 1x25 Abseilen brachten uns zügig in die Scharte zwischen Gross Litzner und Gross Seehorn. Wegspuren folgend stiegen wir durch die schuttige NE-Flanke zum SW-Grat des Gross Seehorns hoch. Dieser hält so manche genussvolle Kletterstelle im II-Grad bereit. Leider war dieser viel zu kurz und so erschöpfte sich die einfache aber spassige Kletterei alsbald auf dem Gipfel des Gross Seehorns, 3122m. Endlich schienen die Nebelschwaden genug herumgehangen zu haben und machten zusehends der Sonne Platz. Zeit für eine längere Pause, die wir uns bis jetzt notgedrungen nicht gönnten. Die nächste Episode beschränkt sich auf Abseilen durch die NW-Flanke des Gross Seehorns. In 5x40m Abseilfahrten vernichteten wir zügig Höhe. Zuletzt standen wir etwas unsicher auf schuttbedeckten Felsplatten, die in ein Firnfeld übergingen. Der Pickel leistete an dieser Stelle gute Dienste. Kurz darauf waren die Überbleibsel des Seegletschers erreicht. Die Sonne hatte zwischenzeitlich kurzen Protest mit den letzten Nebelfetzen gemacht und so rückte das nächste Gipfelziel in unseren Fokus: Chlein Seehorn, 3031m. Ursprünglich gedachten wir über die vergletscherte N-Flanke mit Steigeisen steil hochzusteigen. Das Eis sah aber ziemlich hässlich aus, ebenso der Übergang auf den Fels und nicht zuletzt wären wir einem ständigen Bombardement ausgeliefert gewesen. Auf markiertem Bergweg stiegen wir Richtung Schottensee ab um das Chlein Seehorn via "Normalweg" zu besteigen. Wobei "Weg" hier leicht falsche Vorstellungen hervorrufen könnte... Ein Materialdepot erstellten wir auf ca. 2500m und stiegen anschliessend "freestyle" und "lightweight" empor, bis wir auf Steinmännchen und rote Strichmarkierungen stiessen, denen wir konsequent folgten. Den Gipfel schon in Griffnähe, galt es eine Rampe auf steilen Platten zu erklettern. Der ultimative Vibram-Test! Hatten wir diese einmal überwunden, wurde das Gelände noch heikler. Abschüssige, glattgeschliffene und mit schuttbedeckte Bänder hielten uns kurz vor dem Gipfel von unserem Vorhaben ab. Mit Steigeisen wäre es ein leichtes gewesen, diese Stellen auf dem Eis zu umgehen. Aber eben, diese lagen rund 500m tiefer unten... Was solls, schliesslich hatten wir unser Primärziel eh schon erreicht und auch ohne Gipfelerfolg war der Ausflug in die Nähe des Chlein Seehorn Gipfels mehr als lohnend, nicht zuletzt dank der "Vibram-Platte", die auch im Abstieg begangen werden muss. Mit einer fast gämsen-gleichen Leichtigkeit und Agilität hüpften wir nun über unzählige grosse Blöcke zum Ausgangspunkt hinunter. Ebenso flink bewältigten wir den Rest bis zur Seetalhütte, wo wir uns erst mal an der "Hüttenbar" bedienten. Auf der Alp Sardasca liessen wir die "Sirupbar" abermals liegen, dieses Mal aber links in Bewegungsrichtung. Unsere Bikes haben ihren Ruhetag im "Bikestall" gut überstanden. Ohne grosse Beanspruchung der Federung erlaubten sie uns einen schnellen Ritt zurück zum Ausgangspunkt in Monbiel.

Silvretta, wir kommen wieder! Erst recht nach dem sehr informativen Bericht zu dieser fantastischen Tour:
http://www.hikr.org/tour/post68857.html -> Grosses Kino! :)

Tourengänger: chrismo77, danski


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Kommentare (3)


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simba hat gesagt: Freut mich, dass...
Gesendet am 23. August 2013 um 21:43
...du wieder gut Fuß gefasst hast nach deinem Erlebnis von letzter Wodhe! Und dann gleich mit einer solch schönen Tour!
Beste Grüße
Si

3614adrian hat gesagt:
Gesendet am 23. August 2013 um 21:55
Tolle Tour und vorallem gekonnt fotografisch festgehalten.
Lg Adrian

Alpin_Rise hat gesagt: Here you go again!
Gesendet am 26. August 2013 um 16:55
Und gleich wieder obsi nach dem Ausflug am "Grossen Ecken" - in der Tat eine schöne Tour, die ihr euch ausgewählt habt.

Wenn dein Radar mal wieder so einen Leckerbissen detektiert: leite das Signal weiter, ich folge!
Es gäbe noch jede Menge Grate in dieser Kategorie ;-)

G, Rise


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