Rinderhorn 3448m ü.M.


Publiziert von amphibol Pro , 20. August 2013 um 23:09.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:16 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1530 m
Abstieg: 1530 m
Strecke:Sunnbühl - Arvewäldli - Biwakplatz - Biwakplatz - Schwarenbach - Rindersattel - Rinderhorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Der Ausgangsort ist erreichbar via Kandersteg cff logo Kandersteg oder Leukerbad cff logo Leukerbad. Beide Seiten sind durch eine Seilbahn erschlossen. Beide Seiten sind aber auch durch gute Wanderwege erschlossen.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:-
Unterkunftmöglichkeiten:Auf der Gemmi (wie wir hier im Berner Oberland sagen und den ganzen Übergang zwischen Sunnbüehl und Gemmipass meinen) gibt es verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. Das Berghotel Schwarenbach bietet sehr gute Infrastruktur. Eine Übernachtung kostet 72.- beinhaltet Nacht-, und Morgenessen. An Wochenenden muss man z.T. frühzeitig reservieren.
Kartennummer:1:25'000 Gemmi 1267

Rinderhorn - ein wunderbarer Aussichtsberg und eine schöne Hochtour


Die Berge um die Gemmi faszinieren uns immer wieder. Mittlerweilen kennen wir da sehr viele von oben und meinen das dies - sei es zum Wandern, zum Klettern, zum Bergsteigen oder zur Kombination aller Dreien – eines der schönsten Gebieten ist, dass das Berner Oberland bietet. Diese Aussage mal abgesehen vom Panoramaweg zwischen Sunnbühl und Gemmipass wohl bemerkt. Von der Gemmi ist der Wildstrubel via die Lämmerenhütte erreichbar. Anderereits besteht am Daubenhorn, unmittelbar südwestlich vom Gemmipass, einer der spektakulärsten Klettersteige. Auf der gegenüberliegenden Seite winken zwei sehr schöne Hochtourenberge mit einer der besten Panoramasichten die es überhaupt gibt: Der Altels, leicht südöstlich versetzt dazu das Balmhorn und neben dem Altels etwas südwestlich davon das Rinderhorn mit seinem kleinen Nachbarn Klein Rinderhorn. Unsere Idee war es, am Donnerstag mit der letzten Bergfahrt von Kandersteg auf die Sunnbüehl zu fahren und ein Biwak im Raum Arvenwald zu errichten. Am Freitag in der Früh sollte es dann auf's Rinderhorn gehen und am Samstag vom selben Ausgangsort auf's Balmhorn.


Weil beide Touren vom Ausgangsort mit rund 4-5 Stunden Aufstieg eher längere Touren sind, hatten wir allerdings einen grossen Respekt von der zu erbringenden Leistung und aber auch von den eher schlechteren Wetterprognosen für den Samstag (Balmhorn). Daneben waren wir uns nicht ganz sicher, wie die Bedingungen sind - beide Touren sind meist einfacher im Frühsommer, wenn oft noch jede Menge Schnee liegt und kaum Blankeis zum Vorschein tritt. Beide Touren, aber v.a. das Rinderhorn mit seiner sehr steilen Normalroute (auf Schnee, Eis oder Firn) kann erheblich schwieriger werden, sobald keine Schneeauflage mehr auf dem Gletscher liegt. 

Das Biwak haben wir an einem sehr schönen Platz Eingangs Tal zum Schwarzgletscher oberhalb des Arvenwäldli aufgeschlagen. Wir haben uns an diesem Platz sofort sehr wohl gefühlt und wurden von niemandem gestört. 



Nach einer geruhsamen Nacht starteten wir etwas vor 05.00 Uhr dem Wanderweg entlang Richtung Schwarenbach und weiter Richtung Daubensee. Kurz vor dem Daubensee zweigt eine kaum ersichtliche Wegspur nach links (Richtung Osten). Dieser folgt man und schon bald sieht man den Rindersattel, den zu erreichenden Übergang zwischen Klein Rinderhorn (links) und Rinderhorn (rechts). Der Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist, ist manchmal nur schwer nachvollziehbar. Trotzdem gelangten wir schnell hoch auf den Rindersattel. Im Schatten der ersten Sonnenstrahlen sahen wir mindestens 3 andere Seilschaften bereits den Rindersattel beschreiten. Als wir den Sattel erreichten, wehte ein kühler Wind, aber die Sonne wärmte zugleich wunderbar und die Sicht runter ins Kandertal und zurück auf die Gemmi waren bereits etwas berauschend.  

Nach einer kurzen Pause schritten wir den Rindersattel zügig hoch und seilten kurz vor dem steilen Felsband, dass sich vom Einstieg in den Gletscher bis zum Gipfel hoch zieht, an. In unserer Dreierseilschaft stiegen wir beherzt in den bereits im Anfang sehr steil werdenden Gletscher ein. Froh, dass der Firn bis zu diesem Tage gehalten hatte, schritten wir relativ rasch ziemlich direkt, entlang des eben angesprochenen Felsbandes hoch, der Firn war hart gefroren und relativ griffig. Die Steilheit ist bei dieser Tour der einzig schwierige Faktor, bei der Umgehung der steilen Steinplatten (man kann links oder rechts rum) liegt der steilste Teil vor uns, geschätzte 40 Grad sind das da schon, ein guter und jederzeit sicherer Tritt ist absolut erforderlich - einen Seilschaftsabsturz kann man sich hier nicht leisten. 

Wir meisterten die steile Passage und nun ging's etwas weniger steil dem Gipfel entgegen. In grosszügigem Zick-Zack stiegen wir dem Gipfel entgegen und machten nochmals eine kurze Pause auf dem Steinband, bevor wir den Gipfelsturm angingen. Wenige Minuten später freuten wir uns zusammen auf dem Gipfel zu stehen - ein strahlender Tag, eine Aussicht, die man nicht so schnell wieder vergisst! Geniessend verbrachten wir eine gute halbe Stunde auf dem Gipfel und freuten uns ob des schönen Erfolgs!

Beim Abstieg wählten wir die selbe Route bis zu den steil abfallenden Steinplatten. Da entschieden wir uns, den anderen Weg, also von oben links rum zu gehen. Allerdings ist die Route auch da lang etwa gleich steil und ohne Tritte. Trotzdem meisterten wir den Abstieg auch hier gut und fühlten uns jederzeit sicher genug einen allfälligen Zwischenfall ohne Weiteres zu bewältigen. Wir gelangten zufrieden und glücklich beim Pkt 3197 an (Anseilstelle). Von da an schritten wir den selben Weg runter und gönnten uns zurück in Schwarenbach ein Stück Kuchen und ein Bier.

Später schritten wir zum Biwak und hatten insgeheim alle das Balmhorn bereits etwas aufgegeben. Zu müde waren wir alle, vor allem waren die Beine nicht mehr fit (nach den "arbeitsintensiven" Urner Alpen) und im Geiste wollten wir den schönen vergangen Tag noch geniessen, bevor die seriöse Planung des Folgetags eintreten sollte. Nach einer kurzen Besprechung und Begutachtung des sich rapide verschlechternden Wetters planten wir nun neu: "Es sollte zum Schwarenbach, über die Rote Chume hoch zum Tälligletscher gehen. Danach auf die Rote Totz Lücke, runter ins Lämmeretal zum Leiterli und danach auf's Steghorn. 


Wieder sehr früh abgelaufen (04:40 Uhr) spulten wir am nächsten Morgen die Kilometer ab. Ein schöner Wanderweg führte uns etwas nach dem Berghotel Schwarenbach rechts hoch, danach entlang des Felshore. Im Täli der Rote Chumme stiegen wir hoch. Schafe begleiteten uns den ganzen Weg. Vom Einstieg in die Rote Chume stiegen wir gut 400Hm und erreichten die abgeschliffenen Gesteine des Tälligletschers. Diese runtergeschritten, betraten wir den mit viel Schnee bedeckten Gletscher. Mit Steigeisen ging das einfacher und bald erreichten wir die Rote Totz Lücke und machten da ausgiebig Pause während die Wolken am Tschingellochtighore und am Gemmipass unten ein schönes Spektakel ablieferten. 

Schneller Schritten gelangten wir runter zum Einstieg des Leiterli im unteren Bereich des Lämmerentals. Allerdings war heute der Wurm drin mit einem Gipfelziel. Zu Müde waren wir, die Zeit reichte nicht so recht oder es wäre zu stressig geworden. So schritten wir der Aussicht wegen nur noch auf's Leiterli und gönnten uns ca. eine Stunde später bei der Lämmerenhütte SAC eine Käseschnitte und Kaffee bevor wir rund um, über den Gemmipass wieder zum Biwak gelangten (was auch fast 2h dauerte). 

Das Biwak abgebaut, liefen wir wieder über Sunnbühl zurück nach Kandersteg (mit der Seilbahn). Schön war's - das Auslassen des Balmhorns wurmte mich schon etwas - allerdings bleibt das Balmhorn noch länger auf der Erde stehen, als ich das tue - Chancen werden kommen und wir werden sie zusammen packen.. Vorfreude ist bekanntlich die beste aller Freuden! :-)

Tour Rinderhorn: Zeitaufwand entspricht in etwa jener aus Hochtourenführer Berner Alpen "Vom Sanetschpass zur Grimsel", Ueli Mosimann. Höhenmeter Rinderhorn (über den Nordgrat):  1530 / Zeit: 4 1/2 h vom Biwakplatz (etwas ab von Schwarenbach) / Distanz: rund 7Km (ein Weg). (Oben ist nur Rinderhorn angegeben)

Tour mit Mike & Sarah - Merci, hat wieder Spass gemacht!
 


Tourengänger: amphibol, berggiis


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Kommentare (2)


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Gelöschter Kommentar

amphibol Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 23. August 2013 um 11:03
Thx Mark! :-)

Wie auch immer. Andererseits kann man u.U. einen Kollegen oder eine Kollegin auffangen, sollte etwas ganz unglückliches geschehen. Wir haben uns definitiv alle besser gefühlt, in einem guten Team zu dritt am Seil zu gehen, anstelle solo. :-)

Ein wunderbarer Berg und eine schöne Tour. Wir haben auf jeden Fall Glück gehabt, dass da noch viel Firn rumliegt. In anderen Jahren wäre die Tour zur selben Zeit beträchtlich schwieriger.

LG Raphael


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