Hochfeiler, 3510 m – der mysteriöse Peitschenmann


Publiziert von sqplayer , 18. August 2013 um 11:29.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Zillertaler Alpen
Tour Datum:10 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: I   A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:24 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über Brenner-Autobahn nach Sterzing, ins Pfitscher Tal, bis zu dessen Ende, zum Dorf "Stein", dort rechts den Fahrweg (Pfitscher Joch Straße) bis zur 3. Kehre, dort Parkplatz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:über Brenner-Autobahn nach Sterzing, ins Pfitscher Tal, bis zu dessen Ende, zum Dorf "Stein", dort rechts den Fahrweg (Pfitscher Joch Straße) bis zur 3. Kehre, dort Parkplatz
Unterkunftmöglichkeiten:Hochfeilerhütte, 2710 m, in Sterzing viele Hotels und Pensionen

Vorwort
----------------
Nachdem ich schon den Blaser und die Zugspitze (s. Journal) bestiegen hatte, sollte das dritte und letzte Gipfelziel meines Österreich-Urlaubs der Hochfeiler sein, ein schon lange von mir anvisiertes Gipfelziel. Mit seinen stolzen 3510 m ist er der höchste Berg der Zillertaler Alpen und der 18.-höchste Berg von Österreich.
 
Hüttenzustieg
---------------------
Ich wohnte in Steinach am Brenner im Aktiv-Hotel zur Rose. Dort hatte ich einen schönen Standpunkt für diverse mögliche Gipfeltouren. Ich fuhr also am 10.8. mit meinem kleinen Mietwagen über die Landstraße nach Sterzing und von dort ins Pfitscher Tal (Val di Vizze – ist ja von so einem Italiener irgendwann mal alles übersetzt worden). Am Ende des ca. 20 km langen Tals startet nach dem kleinen Dorf „Stein“ die „Pfitscher-Joch-Straße“. Wie schon etliche Male erwähnt: an der 3. Kehre (und auch vorher) sind Parkmöglichkeiten. Als ich kam, so gegen 12 Uhr, war der Parkplatz schon gerammelt voll. Etwas oberhalb fand ich aber noch einen Platz.
 
Ich schulterte also meinen tonnenschweren 60 Liter-Rucksack, in dem sich 3 Liter Wasser und einiges an Kleidung und Ersatzkleidung befanden. Los ging es zunächst ein kleines Stück an einem rauschenden Bach entlang. Dann ging es ab in einen Wald, wo sogleich ein leicht steiler Serpentinenpfad beginnt, der sich einen großen Hang hinaufwindet. Auf ca. 2000 Meter sind die Bäume dann vorbei, einige Büsche stehen da noch. Dann bleibt der Weg erstmal auf einer Höhe, immer an steilen Hängen entlang. Unten rauscht lustig ein Bach, der von einem Gletscher genährt wird – offenbar der neben der Hochfeilerhütte. Diesen Bach zu betrachten wird man nun fast drei Stunden Gelegenheit haben.
 
Irgendwann geht es wieder bergauf an Grashängen entlang. Der Weg hat zwischendurch ein paar Stahltritte und Felsen, aber nichts schlimmes. Das ganze Tal hat einen recht entlegenen, naturbelassenen Charakter. Nichtsdestotrotz begegnet man immer wieder österreichischen, italienischen oder deutschen Wanderern. Der Hochfeiler ist eben beliebt, da relativ einfach zu erreichen!
 
Irgendwann gelangt man über Holzbrücken rauschende Bäche und da ist auf einmal schon die Hochfeilerhütte sichtbar.  Von hier ist es aber noch eine Stunde. Weiter geht es Grashänge hoch. Schließlich befindet man sich nur noch im Fels und steigt die letzten Meter zur Hütte hoch. 3:15 Stunden habe ich gebraucht inkl. Kurzer Pause. Es ist doch ein recht langer Weg zur Hütte, aber ein schöner.
 
Der italienisch aussehende, aber österreichisch sprechende Wirt (eine für mich als Norddeutschen selten gesehene Kombination) zeigte mir mein Zimmerlager. Ich muss sagen, die Hütte ist recht neu und in einem Top Zustand. Da kann die Knorrhütte an der Zugspitze nicht mithalten. Auf den Zimmern gibt es sogar Heizungen! Diese waren aber nicht in Betrieb.
 
Nachdem ich meine verschwitzen Sachen gewechselt hatte, setze ich mich in die Stube und bestellte Apfelstrudel und Kamillentee. Ich war doch etwas durchgefroren, da ich auch den letzten Teil zur Hütte bei frischem Wind im dünnen langärmeligen Hemd gegangen war. Also gleich einen Fleece-Pullover angezogen. Was ich noch nicht erwähnt hatte: Auf dem Weg zur Hütte habe ich den berühmten Christian Engl (www.christianengl.de) getroffen, auf dessen Homepage ich mir schon zahlreiche Bergtourberichte angesehen hatte. Christian hat schon etliche Dreitausender bestiegen und ist des öfteren in den Bergen unterwegs. Als wir ins Gespräch kamen, kam mir die Webseite, von der er sprach, irgendwie bekannt vor.
 
Also saß ich mit Christian und einigen anderen deutschen den ganzen Abend in der Gaststube, wo es schön warm war. Um sieben bestellte ich Abendessen, und zwar drei Knödel mit einer Art Krautsalat. Eine interessante Mischung, die sehr gut schmeckte. Um zehn wurden alle müde, sicher auch wegen der langen Strecke heute und der doch schon großen Höhe von 2710 m. Also zog ich mein Schlaf T-Shirt an und ging ins Bett. Die bereits schlafende südtiroler Gruppe musste ich leider nochmal aufwecken mit dem Licht, sorry! J
 
 
 
Gipfelbesteigung
------------------------
Die Nacht schlief ich nicht so gut wegen der Höhe. Es wurde auch recht stickig, bis jemand Gnade hatte und das Fenster öffnete. Da der Gipfelgrat teilweise noch verschneit war, wurde uns empfohlen, eher später loszugehen, weil der Schnee dann schmelzen würde. Also stand ich erst um 7:00 auf. In der Stube gab es Frühstück: einige Scheiben Brot mit Marmelade und Aufschnitt. Dann packte ich meine sieben Sachen zusammen, schulterte den tonnenschweren Rucksack, der mich beinah hinten überfallen lies, und stolperte schlaftrunken aus der Hütte.
 
Die erste Herausforderung erblickte ich sogleich. Kurz hinter der Hütte ging es nämlich einen kurzen Klettersteig ca. 80 m hinauf. Nichts schwieriges, Stufe II (Hände zur Hilfe nehmen). Das brachte den Kreislauf gleich in Schwung und der Schweiß floss bereits in Strömen zu dieser schönen Morgenstunde. Oben angekommen offenbarte sich mir ein längerer Rücken, dessen Ende nicht einsehbar war und an dem sich in der Entfernung bereits viele kleine farbige Punkte – Bergsteiger – befanden, die unter ihrer schweren Last stöhnend in geringer Geschwindigkeit sich die Serpentinen hinaufwanden.
 
Als die Serpentinen endeten, änderte sich das Gelände etwas. Statt Felsen war es jetzt Plattenschutt. Der Hochfeiler in Gesalt einer massiven Pyramide war in wahnwitziger Entfernung bereits erkennbar und ich konnte mir angesichts meines rasenden Herzens nur schwer vorstellen, wie ich mit dem schweren Rucksack da hochkommen sollte.
 
Also auf dem Pfad durch das plattige Gestein immer höher den langen Grat hinauf, der jetzt auch etwas schmaler wurde, aber nicht gefährlich. Rechts ging es schon steil runter zu einem Gletscher, aber da führte der Weg ja nicht lang. Auf einer vereisten Platte rutschte ich aus und schlug mir das Knie auf, konnte aber weitergehen. Verflixt! Die Vereisung war mit bloßen Auge nicht sichtbar, also musste ich vorsichtiger sein! Von nun an testete ich jede Platte, besonders die im Schatten.
 
Nach dem Platten-Grat war ein kleines Plateau mit Steinmann, wo ich eine kurze Pause machte und mich fotografieren ließ von zwei netten Italienern. Weiter ging es dann in Serpentinen und teilweise Schnee einen Hang hinauf, an dessen Ende der eigentlich Gipfelgrat startete.
 
Ein Blick zum Gipfel sagte mir: teilweise zugeschneit, der Gipfelgrat! Insbesondere eine ca. 10 m lange Stelle war voll von Schnee und links ging es gleich 200 m die steile Nordwand runter. Am Grat war also Vorsicht angesagt. Grödeln hatte ich leider im Auto vergessen, aber es kamen auch Leute ohne herunter vom Gipfel, also musste es gehen. Das besagte Schlüsselstück ging recht nah an der Kante zur Nordwand entlang und ich hielt mich möglichst weit rechts, wo es nicht so steil runterging und wo auch einige Felsen waren, wo man sich hätte festhalten können. Heikel war, dass eine absteigende Gruppe mir auf dem Schneestück entgegneten kam, mit Steigeisen, und ich im Angesichte des Abgrundes links mich an einem Felsgriff festhalten musste, um sie passieren zu lassen. Ich hoffte, dass nicht einer ausrutschte und mir seine Vertikalzacken in die Hände rammte, mit denen ich mich festhielt.
 
Schließlich war das gefährliche Stück aber vorbei und 10 Minuten später war ich am Gipfel des Hochfeilers, ein lang unerfüllter Traum von mir! Die Aussicht war überwältigend, genau wie das Spiel von Sonne und Wolken. Fast noch schöner als nur blauer Himmel.
 
Am Gipfel fiel mir dann ein Typ auf, den ich schon auf der Hütte gesehen hatte. Er trug eine Indiana Jones-artige Peitsche mit sich, mit der er schon vor der Hütte in die Luft geschlagen hatte. Auch hier, in 3510 m Höhe, holte er wieder die Peitsche hervor, stellte sich auf den schmalen Grat hinter dem Gipfel und schlug mit der Peitsche knallend in die Luft. Dabei gab er jodelnde Laute von sich und wurde von der Menge angefeuert. Ich fragte mich, ob ihm die Höhenluft evtl. nicht bekommen sei :-) [Nachtrag: wie ich erfahren habe, handelt es sich um einen Goaßlschnalzer, eine Art bayerischer Brauch, bei dem mit der Goaß (Geißl - Peitsche) in die Luft geschlagen wird, oft auch zu volkstümlicher Musik]. Aber cool war es schon irgendwie :-)
 
Abstieg
------------
Schon bald begann ich den Abstieg. Heikel war nochmal das kurze Schneestück auf dem Grad, welches im Abstieg noch gefährlicher wirkte. Ich hielt den ganzen Verkehr auf und wunderte mich, wie ein Bergsteiger aus Österreich scheinbar furchtlos ohne Steigeisen elegant durch den Schnee hinunterstapfte, ohne auszurutschen und den tödlichen Abhang hinunterzustürzen.
 
Zum Abstieg muss noch gesagt werden: Etwas unterhalb des Platten-Grates gibt es eine Weggabelung. Links geht es zur Hochfeilerhütte, rechts direkt zum Weg zum Parkplatz. So kann man sich den Klettersteig ersparen, der im Abstieg auch nicht unbedingt lustig wäre.
 
Nach ca. 3,5 Stunden Abstieg  war ich wieder am Auto.Ich fuhr ins Hotel nach Steinach, wo ich netterweise noch mein Gepäck lagern durfte, duschte kurz und weiter ging es nach München zum Flughafen. Um 22:00 abends war ich in Hamburg und so hatte mein August-Urlaub einen schönen Abschluss bekommen.
 
Fazit
--------
Der Hochfeiler ist eine landschaftliche äußerst eindrucksvolle und anstrengende, aber für sportliche Personen gut machbare Tour. In 2 Tage ist es schon anstrengend, an einem Tag eine Quälerei.

Tourengänger: sqplayer

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

T3+ WS-
11 Jul 15
Hochfeiler 3510m - diesmal richtig · Jackthepot
T4- L I
T4 WS
7 Aug 13
Im Föhnsturm auf den Hochfeiler · mountainrescue
T3 L
14 Jul 13
Hochfeiler · a1
T4 L L
27 Sep 14
Hochfeiler (3510m) · Kottan

Kommentar hinzufügen»