Über Wildbäche, Schafwege, Gletscher und Oberalpstock


Publiziert von amphibol Pro , 19. August 2013 um 10:56.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:11 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 3635 m
Abstieg: 3456 m
Strecke:Golzeren (Egg) Bergstation - Oberchäseren - Windgällenhütte AACZ - Stäfel - Tritt - Riedbödmer - Unter Hüfi - Hüfihütte SAC - Schafweg - Düssi - Hinterbalm - Waltersfire - Blocki - Brunnistafel - über drei grosse Schneefelder bei Bündner Biel - Pkt 2602 - Fuorcla da Cavardiras - Cavardiras Hütte SAC - Brunnifirn - Oberalpstock - Fuorcla da Strem Sura - Pkt 2598 - Pkt 2380 - Pkt 2223 (Weg) - Pkt 2036 - Alp Strem - Baums -Sedrun Staziun
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Thun nach cff logo Bristen via Amsteg (umsteigen auf Postauto) bis cff logo Golzern, Talstation Seilbahn (je nach Verbindung zw 3:19h - 3:49)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Sedrun vie Oberalppass- Andermatt - Goms - Brig - Visp - Thun (4:02h). cff logo Sedrun
Unterkunftmöglichkeiten:SAC Hüfihütte / SAC Cavardiras Hütte & einige Unterkunftsmöglichkeiten in Bristen so wie unterwegs: Windgällenhütte AACZ / Hinterbalmhütte SAC / Etzlihütte SAC. Viele Unterkunftsmöglichkeiten in Sedrun.
Kartennummer:1192 Schächtental / 1212 Amsteg

Das wunderbare Maderanertal

Unsere ist-zeitliche Idee ist die Erkundung der Schweiz. Weil wir im Moment zur Verwirklichung solcher Ideen und Wünsche "viel" Zeit haben, war mittels eines Buches (Hüttentrekking, Band 2, 30 Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte, Rolf Gantzhorn, Stephan Hagenbusch, Bergverlag Rother, 3. Auflage 2010) schnell mal eine Region bestimmt. Die Route sollte uns eigentlich rund ums Maderanertal führen - allerdings waren dafür vom Buch 5 Tage vorgeschlagen. Wir hatten nur drei Tage dafür eingeplant, versuchten aber jeweils pro Tag eine Hütte zu überspringen. Lange schon wollten wir irgendwo im Reusstahl als Ausgangspunkt im wunderschönen Kanton Uri ein Trekking starten. Das Wetter sollte seine gute Seite zeigen, die Beine waren nach dem Fromberghore wieder einigermassen in Ordnung. 

[12.08.2013] Um 03:58 Uhr am Sonntagmorgen läutete der Wecker, das Thunfest war noch in vollem Gange. Aus dem Zelt gekrochen schnupperten wir die frische Morgenluft in der Dunkelheit. Das Zelt - unsere momentane Unterkunft - verlassend, packten wir die sieben Sachen; in der Realität waren es zwar etwas mehr (!) und fuhren mit dem Fahrrad nach Thun um den 05:30 Uhr Zug nach Bern zu erwischen. In Luzern kauften wir einen Kaffee, es war - gemessen am Wochentag - immer noch sehr früh und wir begleitet von anderen Berggänger und einigen Übernächtigten von der Street Parade nahmen den Zug nach Amsteg, der über Schwyz fährt. In Amsteg fuhr ein Postauto direkt ins Maderanertal (Bristen).

Das Maderanertal öffnet sich bei Amsteg zwischen dem spitzigen Bristen(-stock) im Süden und der Chli Windgällen und zieht sich, von Hochgebirge umschlossen, ostwärts bis zum imposanten Hüfigletscher hinauf. Das Maderanertal, dessen Name es von einer dort zu seiner Zeit lebenden Familie übernehmen musste, erstreckt sich längs von Amsteg 16 Km bis zum Claridenpass auf 2962 im Osten und bis zur Fuorcla da Cavardiras auf 2602m ü.M. (am Ende des Brunnitals). Eingangs Tal liegt das Dorf Bristen, die Fahrt dahin ist spektakulär - wenn es eine Bewertung für alpines Busfahren gibt, so ist das eine glatte B6 und der Busfahrer ein Profi! ;-) Der Bus hält direkt an der Talstation der Golzerenbahn die uns eine halbe Stunde später nach Golzeren transportierte. In Golzeren spurten wir den steilen Wanderweg, der vom Panoramaweg Richtung Norden abbiegt, hoch. Unser Ziel war es, die Hüfihütte zuhinterst im Tal zu erreichen aber doch einen Abstecher zur Windgällenhütte zu machen. Dies bedeutet, im Vergleich zum Talweg der ebenfalls zur Hüfihütte führt, rund 600Hm zusätzlich hoch und rund 500Hm mehr dann auch wieder runter. 

Ein wunderschöner Wanderweg führt an der besagten Windgällenhütte vorbei und eröffnet ein wunderbares Panorama auf das Maderanertal und unser noch fernes Ziel - die Hüfihütte SAC. Nach der Windgällenhütte führt der Weg runter und stetig taleinwärts bis man unten auf dem Talboden den Chärstelenbach, der sehr viel Wasser führt, überquert. Von da an geht's gnadenlos hoch, hoch und nochmals hoch, man steigt entlang der rechten Talflanke. Wir hatten nach den doch paar Kilometern etwas zu beissen. Schwer bepackt mit Seil, Steigeisen, Klettergurten usw., Nahrung und Kleider für alle Wetter und Höhen für drei- vier Tage, schritten wir gemächlich hoch. Etwas vor dem Schafloch ist am Tag zuvor ein grosser Steinschlag runter gegangen und hat den Wanderweg auf rund 100m mitgerissen - zum Glück war niemand unterwegs zu dieser Zeit!

Etwas vor 17.00 Uhr erreichten wir die Hüfihütte SAC und genossen Abendessen, Wetterspektakel und Aussicht auf den Hüfiifirn, Gross- und Chli Ruchen im Norden und auf das Gross- und Chli Schärhorn im Nordosten. Eine wirklich wunderbar gelegene Hütte in einem fantastischen Tal!

Über Schafwege ins von Wildbächen geprägte Brunnital

[12.08.2013] Relativ spät am Morgen nach dem Frühstück machten wir uns auf die Socken, dem vorabendlichen Aufstiegsweg entlang, nur diesmal runter. Bei Pkt 1869 zweigt der Weg ab in den sogenannten Schafweg (weiss-blau-weiss). Steil flankt dieser Weg hoch, mehrere Male mit Eisendrähten gesichert, überschreiten wir immer wieder kleine Wasserrinnen. Kurz: "der Weg machte richtig Spass, die Talsicht wird immer vollständiger". Bald sind wir beim Eingang des Brunnitals in Hinterbalm angelangt. Auf einem kleinen Gipfelchen (Pkt 1915) mit einem Kreuz machten wir ausgiebig Rast mit den ersten Sonnenstrahlen und genossen die Talsicht. Später stiegen wir über den kaskadenhaften Wanderweg ins Brunnital hoch. Brunnital heisst es wohl wegen dem ganz oben liegenden Gletscher namens Brunnifirn aber sicher auch weil es überall sprudelt und quellt - ein sehr wasserreiches Tal. 

Wir steigen den doch langen Weg bis zur Fuorcla da Cavardiras (Cavardiras Lücke) auf. Der Wanderweg dahin ist im letzten steilen Schlussaufstieg teilweise nur schwer eruierbar. Zu heftig und vor allem zu lange war der harte Winter 2012-2013. Nach der Passierung dreier Schneefelder stiegen wir in durch Ketten gesichertem Fels hoch auf die Lücke. Oben hat man eine super schöne Sicht auf den Brunnifirn und den Oberalpstock, der alle Berge in der näheren Umegebung überragt.



Die Traversierung zur Camona de Cavardiras CAS ist mangels Bergweg (den hat der Gletscher wohl zerrissen) etwas mühsam und dauert mehr als eine Viertelstunde. Zufrieden geniessen wir den Abend in der warmen Hütte nun im Bündnerland angekommen.

Der Oberalpstock - eine windige und neblige Tour

[13.08.2013] Nach einer stürmischen Nacht waren wir die ersten die sich aus den Schlafsäcken befreiten. Am Abend zuvor hatten wir die Eingangs erwähnte Tour "Rund ums Maderanertal" aufgegeben und die Übernachtung in der Etzlihütte mit Überschreitung des Chrützlipasses und den Wiederabstieg nach Bristen gestrichen. Der neue Plan bestand nun darin, den Oberalpstock zu besteigen (was wir sowieso vor hatten) und dann nach Sedrun im Val Strem abzusteigen (was nun neu dazu kam).

Alles bereits am Abend vorher organisiert, verliessen wir nach kurzer Zeit etwas vor 5.00Uhr den Schlafraum, das Frühstück war von der Hüttenwartin bereits am Abend vorher für uns zwei bereit gemacht. Draussen in der Dunkelheit stürmte es immer noch, es regnete und ein böiger Wind wehte aus allen Richtungen. Wir assen und versuchten positiv zu bleiben, der Wetterbericht war nicht all zu schlecht, jedenfalls für den Morgen. Um 06.15 Uhr entschieden wir uns dann trotzdem abzulaufen, es war immer noch wolkenverhangen und der Wind blies bis auf Weiteres. Allerdings hatten wir das Gefühl, dass es besser werden würde. Auf dem Gletscher ging's dem künstlichen 250m langen Gletschertisch (mit Vlies abgedeckt) entlang. Dieses Vlies wurde Ende Juni im Rahmen des Projekts Wandelzeit installiert und nun beträgt die Differenz zwischen durchschnittlicher Schneeoberfläche auf dem Gletscher und Tischhöhe rund 120cm. Es soll daran erinnern, dass unsere Gletscher sich im Wandel befinden und teilweise sehr stark abschmelzen. Allerdings zeigt die Schmelze hier in diesem Fall zur Zeit nicht das Abschmelzen des Gletschers, sondern jenes von darauf liegendem Schnee. 

Jedenfalls entschieden wir uns gegen die Überschreitung der Fuorcla da Strem Sut (wäre das Schlechtwetterprogramm gewesen) und stiegen trotz Nebel und Wind in den steileren Teil des Gletschers (auf der Karte bei "B" von Brunnifirn) hoch. Auf dem ersten flachen Zwischenteil (2950m ü.M.) drehten wir leicht gegen Westen. Da wo der Gletscher etwas weniger steil erscheint dann im zick-zack gegen Osten durch ein "Täli" hoch. Dieser Teil ist etwas steiler. Oben wieder auf einem flacheren Stück angekommen schritten wir zur Fuorcla da Strem Sura. Dort machten wir ein grosses Zick (gegen Osten) und Zack wieder gegen Westen und wir waren auf dem flachen Zwischenteil dieses imposanten Steilstücks. Hier gibt es eine - auf den Landeskarten nicht ersichtliche - Rampe, die weniger steil parallel zum oberhalb liegenden Felssporn führt, der sich etwas mehr gegen runter zieht. Dort angelangt stiegen wir  in das Couloir hoch, was sich aber nach einiger Zeit als völlig idiotisch und falsch rausstellte (lose Steine, keinen Tritt, ziemlich ausgesetzt..). Nach Wiederabstieg sehen wir im immer noch dichten Nebel einen Steinmann, dem wir dann auch folgen und eigentlich mehr oder weniger direkt zum Gipfel hochsteigen können (alles in Stein). Der Weg über Fels führt ab dem Gletscher geschritten zuerst ein paar Meter Richtung Osten über Stein und Fels.  Die Freude ist gross, umso grösser, zumal wir unser Projekt Oberalpstock im Couloir schon aufgegeben sahen!



Weil es zügig-kühl war auf dem Gipfel, stiegen wir nach nur wenigen Minuten wieder ab. Der Abstieg über Fels, die steile Gletscherpassage und die Fuorcla da Strem Sura erfordern nochmals viel Konzentration und etwas Navigationsvermögen, weil der Nebel immer noch dicht war. Dank dem vielen Schnee im oberen Bereich nach dem Übergang über die Fuorcla da Strem Sura, haben wir unsere Kräfte sicher etwas schonen können. Nach der Fuorcla da Strem Sura tut man gut daran nach links, also talauswärts zu traversieren. Ganz links im Abstiegsbereich besteht dann ein gelb-rote markierter Weg (manchmal nur schwer ersichtlich), der ins Val Strem auf die Alp Strem runterführt. Der ist etwas einfacher zu gehen, als über Schotter und Stein zu gehen. 

Nach rund 9 Stunden, Brunnifirn, Oberalpstock und fast 2000m Abstieg kamen wir im wunderbaren und sehr warmen Sedrun an und gönnten uns einen Gipfelwein im Zug über den Oberalppass nach Andermatt durch den Furka nach Brig und Thun. 

Schön war's - anstrengend  und weit - aber überaus lohnenswert das schöne Maderanertal.

Tourengänger: amphibol, berggiis


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