Grand Combin (4314 m) Überschreitung W-NW


Publiziert von alpinos , 4. Januar 2014 um 14:27.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum: 3 August 2013
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 2500 m

Anspruchsvolle, kombinierte Hochtour
[AlpinosM mit Joerg]


Joerg und ich hatten einige Zeit überlegt, welche Tour wir an diesem langen Wochenende unternehmen sollten. Wir wollten etwas besonderes finden, mit Spannung, Spass und Schockolade :-). Und nicht überlaufen sollte es sein. Irgendwann fiel uns er Grand Combin auf der Karte auf: in dieser Gegend waren wir beide noch nicht und ausserdem hielt sich die Anzahl der Tourenberichte zu diesem Berg in Grenzen. Und tatsächlich konnten wir diese Tour in relativer Einsamkeit geniessen, ohne Stress und mit vielen Erlebnissen und Eindrücken. Zusammen mit der Besteigung des Mont Vélan am Vortag eine perfekte Unternehmung!



Um 3:20 Uhr verliessen wir die Caban de Valsorey (3030 m) und marschierten bei leicht bedecktem Himmel hinauf auf die Rest des Glacier du Meitin. Entlang kleiner Steinmännchen auf rutschigem Weg durch Geröll und über Felsen stiegen wir anschliessend in den Col du Meitin (3610 m) hinauf (4:55 Uhr, ca. 1h30min). Es war immer noch stockdunkel, der Himmel wolkenverhangen. Geschwind wurde auf Klettermodus umgeschaltet und im Schein unserer Stirnlampen machen wir uns an den Aufstieg über den Westgrat. Die Kletterstellen der drei Aufschwünge empfanden wir als durchweg sehr gut machbar (II-III), der Fels dort recht passabel, einige Bohrhaken vorhanden. Zwischen den Kletterpassagen, v.a. dann, wenn man zu weit in die Flanke gerät, ist der Fels ziemlich brüchig. Als grösste Herausforderung empfanden wir die Wegfindung, die uns allerdings durch eine vor uns steigende, ortkundige Seilschaft erleichtert wurde.

Als wir nach dem zweiten Aufschwung oberhalb der Südflanke durch harten Firn zum dritten Aufschwung querten, bemerkten wir die dicken Wolken, die vom Mont Blanc-Massiv zu uns herüber drifteten. Kurz nachdem wir den letzten Felsaufschwung zum Gipfel des Grand Combin de Valsory begannen, wurden wir in dichtes Schneegestöber gehüllt und vom Wind kräftig durchgeblasen. Vorsichtig stiegen wir die letzten Meter hinauf zu Gipfel des Grand Combin de Valsory (4184 m; 7:30 Uhr, ca. 2h30min Kletterzeit vom Col du Meitin) - da rissen die Wolken plötzlich wieder auf und die Sonne kam hervor. Gut gelaunt stiegen wir hinab zu P. 4127 und erklommen entlang des Firngrates den Gipfel des Grand Combin de Grafeneire (4314 m; 8:15 Uhr, insgesamt ca. 4h30min Aufstiegszeit).

Die Stimmung war eindrücklich: die Wolkenfront schob sich gerade Richtung Dent Blanc und hüllte die Berg um Zermatt ein; dicke Schlieren zogen sich von den Wolken herab; im Westen schien bereits wieder die Sonne. Im Süden konnten wir den Mont Vélan bewundern, gen Norden die Gipfel des Berner Oberlandes - es war ein herrlicher Moment.

Die drei anderen Seilschaften, die sich gerade am Gipfel befanden, machten sich an den Abstieg über den Westgrat - wir folgten einer weiteren Seilschaft die NW-Flanke hinab. Über guten Trittschnee ging's hinüber in Richtung P. 3987. Die folgenden Meter durch den Gletscherabbruch führten zu einigen Adrenalin-Schüben: zunächst der knifflige Sprung über den Schrund (ca.1.5 m senkrecht abwärts, wahlweise rückwärts am Pickel hängend, oder mit beherztem Sprung nach vorne), dann die steile Flanke hinunter (im oberen Teil drei Eisschrauben gesetzt) auf den Gletscher. Auf ca. 3450 m am Rand einer Lawine rasteten wir kurz in der Sonne, bevor wir hinüber zum Col du Meitin wanderten (10:45 Uhr, ca. 2h vom Gipfel). Von dort ging's wieder hinunter zur Cabane de Valsorey, die wir um kurz nach halb zwölf wieder erreichten.

Wir genossen den erfrischenden Wind, die warme Sonne und eine kühle Rivella, bevor wir uns an den Abstieg ins Valsorey machten. Mit brennenden Füssen erreichten wir schliesslich La Denise (1827 m, ca. 1h45min von der Hütte).



Was für ein Tag! Die Tour liess keine Wünsche offen, wir genossen jeden Moment: von der anregenden Kletterei, der Wolkenstimmung, dem Gipfelpanorama, dem Abstieg durch den Gletscherabbruch bis zum Mittagsrast auf der Hütte. Vielen Dank an Joerg für die Teamarbeit und diese herrliche Tour; es war wieder einmal ein besonderes Erlebnis!

Tourengänger: alpinos

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Kommentare (2)


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Ole Pro hat gesagt:
Gesendet am 4. Januar 2014 um 15:01
Tolle Touren die Ihr da gemacht habt. Vor allem schöne Bilder aus einer mir noch unbekannten Gegend.

LG Ole

alpinos hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. Januar 2014 um 16:10
Danke Dir! Allerdings hatte ich meine Kamera vergessen und konnte nur mit meinem iPhone fotografieren, daher ist die Qualität etwas gering.

LG, Robert.


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