Tourenwoche rund um Aletsch- und Fieschergletscher


Publiziert von steindaube Pro , 9. August 2013 um 09:34. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:27 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 7 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kostenpflichtiger Parkplatz in Fiesch bei der Talstation der Seilbahn. Seilbahnbenutzung kostenlos wenn man eine Übernachtung bei der "Alpenlodge Kühboden" gebucht hat (Gutschein kommt per E-Mail).
Unterkunftmöglichkeiten:Alpenlodge Kühboden, Konkordiahütte, Finsteraarhütte, Oberaarhütte, Berggasthof Oberaar
Kartennummer:SLK

Die Gletscherlandschaften um Aletsch- und Fieschergletscher muss man halt einfach einmal mit eigenen Augen gesehen haben... Obwohl die Superlative natürlich auch viele unerfahrene Touristen anziehen die von Bergführern über den Aletschgletscher "geschleift" werden, kann man einsame Touren durchführen und muss an den Hütten halt ein bisschen auf Durchzug schalten. Aussichtsmäßig ist das Große Wannenhorn, eigentlich ja als Skigipfel bekannt, auch im Sommer ein wirklich lohnendes Ziel.


Zustieg Konkordiahütte (L, +750Hm, -100Hm, 5:45h)

Konkordiahütte und Konkordiaplatz

Los ging es für uns von der Fiescheralp. Hierher waren wir am Vortag mit der Seilbahn gekommen und hatten in der Alpenlodge Kühboden übernachtet. Gleich von Beginn an war es morgens richtig heiß. Die Sonne steht auf den Südosthängen die es zunächst entlang geht bereits mit voller Kraft an. Aber Abkühlung ist in Sicht: Hinüber zur Gletscherstube geht es durch einen alten Wassertunnel, der das überwinden des Tälligrats (Eggishorn) erspart. Sogar mit Beleuchtung ist dieser über ein Kilometer lange Tunnel (Foto) ausgestattet. Vorbei am kleinen Stausee Vordersee und dem idyllischen Märjelesee geht es wieder etwa 100 Höhenmeter hinab zum Rand des Aletschgletschers. Da dieser hier bereits komplett aper war, kamen wir vollkommen problemlos durch die Randspaltenzone hindurch zu den Mittelmoränen. Wir sind grob der westlichen der beiden gefolgt. Die Dimensionen dieses Gletschers sind wirklich gewaltig! Vorbei ging es an einem Gletscherbach, der tosend in der Tiefe des Eises verschwindet und langsam, ganz langsam, kommt die Konkordiahütte näher. Um zum Südaufstieg der Hütte zu gelangen erfordert ein bisschen Geschick, da es eine beachtliche Spaltenzone zu vermeiden gilt. Beim Verlassen des Gletschers haben wir sogar noch kurz angeseilt, da hier einige größere Spalten schneebedeckt waren. Steil und gut abgesichert geht es dann hinauf zur Konkordiahütte. Die grandiose Aussicht über den Konkordiaplatz konnten wir zunächst noch in aller Ruhe genießen. Aber schon bald kamen viele, sehr viele, kleine Pünktchen auf dem Gletscher in Sicht, die sich als von Bergführern geführte Gruppen herausstellten. Vom Jungfraujoch kommend bevölkerten sie schon bald die Hütte in großer Zahl.


Grünhornlücke, Wyssnollen und Finsteraarhütte (WS+, +1000Hm, -700Hm, 6:45h)

Wyssnollen

Nach dem Frühstück ging es bei uns um dreiviertel fünf Uhr los. Das bedeutet zuerst einmal den Nordzugang der Konkordiahütte abzusteigen: einhundert Höhenmeter Metalltreppen... (Foto) dann über den anfangs gerölligen und teilweise noch aperen Gletscher aufwärts und mit schöner Firnauflage in die Grünhornlücke (knapp zweieinhalb Stunden). Auf dem Weg dorthin konnten wir hin und wieder unser Ziel, den mit 3590 Metern Höhe in dieser Region eher bescheidenen Wyssnollen sehen. Einen guten Teil der Zeit versteckte er sich aber in Wolken. Von der Grünhornlücke ging es dann im steilen Firn (kurze Abschnitte 45 Grad) mit Steigeisen aufwärts und etwas flacher hinüber zum kurzen Felsteil, der zunächst als Trümmerhaufen beginnt und dann für eine Seillänge (II, Foto) aufsteilt. Hat man diese überwunden, steht man fast am Gipfel. Die Aussicht war eher etwas von der nebligen Sorte. Ein paar Blicke hinab auf den Konkordiaplatz und hinüber zum Groß Grünhorn waren aber schon drin. Das Finsteraarhorn aber zeigte sich nicht. Hinab ging es dann einfach und selbst mit Nebel gut zu finden über die ostseitige Firnflanke. Ganz zum Schluss steilt das Gelände am linken Rand der Firnflanke (nördlich) auf und ist windbedingt bereits aper. Das lässt sich aber leicht etwas weiter südlich umgehen. Man quert zwischen dem aperen Teil und den heraustauenden Felsen (in den aktuellen Karte noch nicht eingezeichnet!) durch und überquert den hier ziemlich flachen Fieschergletscher hinüber zur Finsteraarhütte. Dabei gilt es ein paar Gletschersümpfen auszuweichen (Foto). Zum Beginn des Hüttenzustiegs der sich von westlicher Seite hinaufzieht ist mühsames Moränengeröll zu überwinden und unmittelbar davor galt es noch ein paar halb verdeckte Spalten zu überschreiten (Foto).


Regen-Schnee-Sturm-Ruhetag

Ruhetagswetter

Der ideale Ruhetag! Mehr kann man dazu kaum sagen. Sturm und Regen wechselten sich mit Sturm und Schnee ab (Foto). Dazu immer wieder einmal Gewitter. Als sich das Wetter am späteren Nachmittag wieder beruhigte, waren die höheren Gipfel sichtbar angezuckert. Wir fanden diese Bedingungen zur Besteigung des Finsteraarhorns als Dreierseilschaft nicht sonderlich geeignet und planten daher für den kommenden Tag auf das Große Wannenhorn um.


Großes Wannenhorn (WS+, +1050Hm, -1050Hm, 9:45h)

Blick vom Großen Wannenhorn

Gut erholt durch den vorangegangenen Schlechtwettertag nahmen wir den Anstieg zum Großen Wannenhorn in Angriff. Zuerst einmal bedeutet das allerdings einen Abstieg von der Hütte hinab auf den Fieschergletscher und, diesen querend, noch weiter abwärts bis auf etwa 2830m. Jetzt beginnt der über weite Strecken mäßig steile Anstieg im Firn. Durch die reichlich vorhandenen Spaltenzonen muss man sich einen guten Weg suchen, das geht aber recht gut. Linkerhand tun sich gewaltige Verwerfungen im Eis auf, manche Schlünde könnten Häuser verschlucken. Kurz vor 3700m Höhe steilt das Gelände dann ordentlich auf (35 bis 40 Grad). Ist diese Steilstufe überwunden geht es recht einfach dem Grat folgend hinüber zum Gipfel. Im Fels könnte man noch etwa 40 Meter hinüberqueren und dabei noch einmal drei Höhenmeter gewinnen. Da die Felsen recht gut eingeschneit waren und ein ungemütlich kalter Wind blies, ließen wir das bleiben und genossen statt dessen die fantastischen Aussicht auf Aletschgletscher, Fieschergletscher, Finsteraarhorn und in der Ferne Monte Rosa, Dom, Weißhorn und so fort (Foto). Bald stiegen wir wieder auf etwa 3700 Meter ab wo es für eine ausgedehnte Pause deutlich windstiller und wärmer war. Die Steilstufe sicherten wir sogar kurz ab, da der frische Schnee recht aufgeweicht und schlecht mit dem Untergrund verbunden war. Auf dem Fieschergletscher wandte ich mich einen Tick zu früh nach rechts so dass wir noch eine ungeplante Durchquerung der beachtlichen Spaltenzone absolvierten. Die teils riesigen, nur noch mäßig geschlossenen Spalten überquerten wir mit etwa einer Stunde Zeitverlust per Standplatzsicherung.

Finsteraarhütte


Oberaarhütte und Oberaarhorn (WS-, I, +950Hm, -750Hm, 6:30h)

Blick vom Oberaarhorn

Nach etwas längerer Nachtruhe starteten wir um 6:45 wieder hinab auf den Fieschergletscher. Um die vom Vortag wohl bekannte Spaltenzone nicht noch einmal näher zu inspizieren, querten wir zuerst hinüber zum Fuß des Wyssnollen und folgten dem Fieschergletscher dann auf seiner südlichen Seite. Die nördliche Seite wäre vermutlich genauso gegangen und würde etwas Strecke sparen. Nähert man sich der Region wo Fiescher- und Galmigletscher zusammenfließen, nimmt die Spaltenbildung erheblich zu. Glücklicherweise waren die Gletscher in diesem Bereich um 2700 Meter Höhe schon großteils aper. Den Übergang vom einen auf den anderen Gletscher haben wir fast ganz am nördlichen Rand (Nähe Rotloch) absolviert. Entsprechend dem gängigen Weg sind wir dann dem östlichen Arm des Galmigletschers aufwärts gefolgt (einige Spalten). Der westliche Arm ist sehr viel zerfurchter und eine größere Gruppe die sich für diesen Weg entschied brauchte fast eine Stunde länger als wir. Nach einer flachen Passage über den Studergletscher geht es noch einmal steil hinauf zum Oberaarjoch. Vom südlich gelegenen Nollen bricht hier ständig loses Gestein herab, es bleibt abzuwarten wie lange dieses Joch noch ein Firnjoch bleibt... Der Zustieg zur Hütte erfolgt zuerst kurz über loses Geröll, dann eine Leiter hinauf und durch eine Steinschlagverbauung hindurch. Auch die Hütte selbst ist durch massive Fangnetze vor Steinbeschuss geschützt. Für den Übergang benötigten wir etwa viereinhalb Stunden.

Nach einer gemütlichen Pause stiegen wir mit angenehm leichten Rucksäcken noch zum Oberaarhorn auf, das wir von der Hütte in 55 Minuten erreichten (zuerst Fels I, dann Firn bis 30 Grad). Die Aussicht dieses leicht zugänglichen Gipfels lohnt sich wirklich sehr. Der Blick hinüber zum Finsteraarhorn mit seinem langen Südostgrat, der Tiefblick auf den zerklüfteten Finsteraargletscher (Foto), und abermals der faszinierende Fernblick auf Matterhorn und all die anderen großen Walliser. Auch das Wannenhorn präsentierte sich noch einmal sehr schön mit seiner dicken Eisauflage.


Obers Studerjoch und Abstieg zum Oberaarsee (WS+, +650Hm, -1550Hm)

Kurz vor dem Obers Studerjoch

Für den folgenden Tag hatten wir uns die Überschreitung von Studerhorn, Altmann und Oberaarhorn vorgenommen. So stiegen wir morgens von der Hütte ab, querten über den Studergletscher hinüber und folgten ihm hinauf ins Obers Studerjoch. Dort stiegen wir mit Standplatzsicherung (2 SL, 50 Grad) im Eis und Firn auf den Firngrat hinauf und ließen dabei viel Zeit liegen. Im Nachhinein wäre es erheblich leichter gewesen im Fels links (nordwestlich) daneben aufzusteigen. Der noch knackig hart gefrorene Firngrat erforderte dann aufmerksames Gehen mit Steigeisen. Vom Anblick des ziemlich brüchigen folgenden Felsteils nicht besonders angetan und den wenig erbaulichen Tourenbericht von dominik im Kopf nahmen wir von der weiteren Unternehmung Abstand, genossen noch einmal den Tiefblick auf den Finsteraargletscher und kehrten zur Hütte zurück.

Nach kurzer Rast stiegen wir dann über den relativ spaltenarmen Oberaargletscher hinab zum Oberaarsee (noch viel Schneeauflage, daher sehr angenehme Höhenmeter) und an diesem entlang zum Gasthof Oberaar. Dort hatte man unsere Reservierung verschmissen. Aber nach einigem Insistieren fand sich doch noch eine Lösung für unsere Übernachtung.


Nette Gratüberschreitung und Abstieg zum Totesee am Grimselpass (T5, II, +500Hm, -700Hm, 4h)

am Sidelhorngrat

Vom Gasthof Oberaar sind wir nach dem Frühstück steil aufwärts hinauf zum Bäregg gestartet. Hier zweigt ein kleiner blau markierter Steig ab, der es uns spontan angetan hat (Kreiers Beschwerden über den schweren Rucksack und dass ein Abstieg eigentlich nicht aufwärts führen sollte wurden höflich ignoriert). Dieser führt über grobes Geröll und ein paar Altschneefelder am Nordhang des Großen Sidelhorn entlang in die Gestlerlicke. Nun folgt er dem traumhaften Blockgrat über zwei namenlose Erhebungen (P.2750, P.2752, II) bis zur Triebtenseelicke (Foto). Das im Gegensatz zu diesen zwei Gipfelchen stark frequentierten Sidelhorn ließen wir jetzt links liegen und stiegen hinab zum Oberaarsee. Über uns Dutzende Gleitschirmflieger.

Obwohl wir keine ganz großen Gipfel gemacht haben (Finsteraarhorn war eigentlich geplant, der Neuschnee ließ uns aber umplanen), haben wir eine tolle Zeit in der Region um Fiescher- und Aletschgletscher verbracht und beeindruckende Aussichten genossen. Wannenhorn und Oberaarhorn sind hier wirklich jeden Höhenmeter wert. Die Dimensionen dieser Gletscherlandschaften sind sehr beeindruckend. Mit einigem bergfernem und wenig rücksichtsvollem Publikum (in unserem Fall vor allem auf der Konkordiahütte) muss man sich halt leider abfinden. Der kleine Blockgrat zum Abschluss hat noch einmal viel Spaß gemacht und ließe sich noch um Besteigungen von Großem Sidelhorn und Sidelhorn zu einer ausgewachsenen Tour erweitern.

Tourengänger: steindaube, Kreier, Kraxlerin


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