Spaltenkraxeln am Foostock (2610 m) und Plattengrat-Überschreitung


Publiziert von PStraub , 30. Juli 2013 um 19:56.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:30 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Spitzmeilengruppe   CH-SG 
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m

Das Ziel der heutigen Wanderung war der Plattengrat. Plattengrat? 
Wer "Plattengrat" googelt, bekommt allenfalls eine Handvoll Zufallstreffer. 
Wer aber nach dem ursprünglichen Namen "Blattengrat" sucht, wird reich fündig. 
"Blattengrat-Schichten" beschreibt eine Serie von Flysch-Formationen, die hier zuerst untersucht und beschrieben wurden, die aber im ganzen Alpenraum zu finden sind. 
 
Zuerst bin ich auf dem Fahr- und Wanderweg nach Ramin und anschliessend zum Foopass hochgestiegen. Dort war ich versucht, nach rechts den Abhang zum Weralper Grat zu testen. Schien mir etwas feucht und "flyschig", aber durchaus machbar.
 
Doch die schon wieder wachsenden Nebel liessen ein vorsichtigeres Zeitmanagement ratsam erscheinen. So bin ich stattdessen erst ansteigend, dann querend ins Winkelmäss, dem Hang unter dem Foostock-Westgrat aufgestiegen (T4). Dort wollte ich die behauptete Passage (R. 1172) zum Sattel zwischen Foostock und Foostöckli suchen. 
Wo diese durchgehen soll, ist auf dem Bild klar zu erkennen. Aber Markierungen habe ich dort keine gefunden. Und da es die ganze Nacht geregnet hatte, war mir das Gelände zu glitschig. Also habe ich alternativ die Spalten in der Wand überprüft. In der mittleren kommt man unter einem eingeklemmten Stein durch recht einfach hoch, bleibt dann aber an einer nassen, eher schlecht gestuften Wand hängen.
Bei der östlichsten sieht man erst keine Chance, so eng sieht die aus. Das geht aber gar nicht schlecht, weniger als einen halben Meter breit ist sie nirgends - nur völlig schräg. Dort ebenfalls bis zu einer nassen Stufe, dann via einen eher exponierten Tritt die Spalte verlassen - hier ist man um die Enge froh, da man an der andern Wand abstützen kann - und dann über Schrofengelände hoch zum Plateau. Hier hats überall Steinbockwege, das ist manchmal etwas luftig, aber recht gut begehbar.
 
Anmerkung: Die Kaltfront von gestern und der Schnee, der oben noch liegt, machten beide Versuche zu einer eher nassen und schmutzigen Sache. Bei absolut trockenen Verhältnissen wären vermutlich alle drei Varianten möglich (WS, bei guten Verhältnissen T4 .. T5).
 
Da ich schon mal da war, stieg ich auf den Foostock-Gipfel und gleich runter zu den Schmidstöcken. Den östlichen musste ich gar nicht anschauen, der ist unheimlich schwierig. Aber der westliche war einen Versuch wert. Erneut musste ich sehen: Bei richtig passenden Verhältnissen ist der frei machbar, es sind nur ca. 5 m richtig steil. Aber heute troff es aus allen Ecken, das war mir zu heiss.
 
Also das Plateau unter dem Foostock ansteigend queren, dort wo manchmal 40 und mehr Steinböcke herumliegen. Ein paar Geissen und Kitze ästen in der Nähe, aber kaum mehr als 20. Ein paar davon sind auf diesem Bild.
 
Am Ende der Passage unter dem Foostöckli durch (teilweise gesichert) stehe ich am Beginn des Plattengrates, der mittlerweile fast eine Wegspur hat. Den Köteln nach ist er bei der lokalen Steinbock-Kolonie recht beliebt.
Der ganze Grat kann 'on top' begangen werden, die Auf- und Abschwünge sind weit weniger heikel als man von unten meinen könnte.
 
Und es ist Voralpen-Gratwandern vom Feinsten! 
 
Neben der Aussicht trägt der Blumen-Reichtum zum Genuss bei. Flysch bildet fruchtbare Böden; dass hier Purpurenzian und Alpenklee gedeihen, zeigt, dass die Basis eher sauer ist. Auffällig sind derzeit die Unmengen an Männertreu, von denen es soviel hat, dass einem der Wind deren Duft um die Nase weht.
 
An drei Stellen ist die Grasnarbe abgerutscht und der Schiefer freigelegt. Aber alle drei Stellen können auf der Gratschneide frei begangen werden, da der feinbrüchige Schiefer ausreichend zerbröselt ist.
 
Vom Fanenstock gings dann noch auf dem "inneren" Weg hinunter und anschliessend in einen 'Kübel' in der Sonne Elm.
 
PS: Aus was immer für einem "Grund" hat die Kamera das Aufnahmeformat auf 640x480 geändert. Die Bilder sind darum qualitativ eher steinzeitlich.

PS 2 (01-08-2013): Wie ich soeben gesehen habe, heisst der Grat auf der Online-Karte neuerdings wieder "Blattengrat"!

Tourengänger: PStraub


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