Signalstock (2573m), Rot Nossen (2502m) & Läckistock (2486m)


Publiziert von أجنبي , 23. Juli 2013 um 20:14.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:20 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   Ortstockgruppe   CH-SZ 
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Bergstation LSB Glattalp – P. 1856 – P. 1860 – Rot Chälen – Signalstock – P. 2471 – Rot Nossen – Roten Eggen – Läckipass – Läckistock – Firner Loch – Bockalpeli – Gwalpeten – P. 1371 – P. 1280 – Sali
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Sali, LSB bis Glattalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto ab Sali
Kartennummer:LK 1:25.000: 1172 Muotathal, 1173 Linthal

Eigentlich planten wir einen zweitägigen Ausflug auf Uri-Rotstock und Brunnistock, doch irgendwie trauten wir den Gewitterprognosen nicht so recht. Stattdessen tobten wir uns am Freitag im Klettergarten in Isleten aus und wählten für Samstag den Signalstock als Ziel. Der neuliche *Tourenbericht von MaeNi & Co. hatte unseren Appetit auf eine happige T5-Tour geweckt und als wir noch etwas auf hikr herum stöberten und diesen *etwas älteren Bericht der beiden Muotathaler fanden, stand unser Plan: Signalstock via Rot Chälen, dann via Rot Nossen und Roten Eggen hinüber auf den Läckistock.

 

Etwas verspätet trafen wir kurz vor 7 Uhr im Sali ein – und genau das sicherte uns später eine trockene Tour, wie sich zeigen sollte. Eigentlich wollten wir zu Fuss auf die Glattalp hoch, doch als wir sahen, dass die Seilbahn bereits fuhr, wurden wir schwach – trotz des happigen Preises (12.-), den man der EBS-Gruppe abliefert. Kurz nach 7.30 Uhr liefen wir oben los: zunächst auf dem breiten Wanderweg bis P. 1860, danach weglos in Richtung Rot Chälen.

 

Zugegeben: von unten sah die Rot Chälen recht brutal aus, doch je näher wir kamen desto weniger steil wirkte es. Das Geröll hoch zum Einstieg war recht mühsam zu begehen, weshalb wir meist auf dem harten Schnee liefen. Einiges unterhalb der Felswand montierten wir Helme – in dieser Gegend wohl eine recht kluge Idee. Danach ging's ab in die Chälen, wo ein Helm noch einmal eine Stufe ratsamer ist. Gleich am Einstieg wurde uns klar: das wird eine happige Sache.

 

Nachdem wir die erste Stufe der Chälen auf etwas nassem Fels erklettert hatten, erblickten wir rasch das Stahlseil. Die Unterlage passte uns dort gar nicht (nass, viel loses Geröll, recht abschüssig, Ausrutschen verboten), weshalb wir froh um das Fixseil waren. Wie MaeNi bereits erwähnten, ist die oberste Verankerung des Seils locker. Wir nutzten das Seil daher primär als Aufstiegshilfe beim Klettern, hingen aber nie voll hinein. Wir machten in der Rot Chälen keine Fotos, weshalb ich auf ein paar Impressionen (1/2/3/4) von MaeNi verweise.

 

Nach dem Fixseil ging's noch ein paar weitere Minuten im 4x4-Modus hoch. Steine, die dort ins Rollen kommen, krachen ziemlich weit hinunter, weshalb wir einander dicht folgten. Danach weitete sich die Rot Chälen markant und es erwartete uns ein langes Geröllfeld. Immerhin liess nun die Steilheit nach. Nach dem Geröllfeld wechselte ich auf Steigeisen, damit ich den harten Schnee für den Aufstieg nutzen konnte. Madame und Kollegin kraxelten derweil im Gras/Fels links des Schneefelds hoch, mussten weiter oben dann aber ebenfalls auf den Schnee wechseln.

 

Auf dem Schnee ging's prächtig vorwärts. Anstatt P. 2471 anzupeilen, spurte ich in östlicher Richtung hoch. Den Gipfel sieht man im Aufstieg eigentlich nie, aber die Richtung liess sich irgendwie erahnen und siehe da: plötzlich erblickten wir am Horizont den Gipfelsteinmann. Als ich diesen kurz vor zehn Uhr erreichte, musste ich mich aber zuerst auf der Karte davon überzeugen, wirklich auf dem Signalstock zu stehen. Auf dem Gipfel war nämlich weder ein Buch noch sonst irgendwas zu finden, was den Sachverhalt bestätigt hätte.

 

Bereits hier wurde uns klar: zum Glück hatten wir die Seilbahn auf die Glattalp genommen. Für den Aufstieg ab Glattalp hatten wir ja etwas um die zweieinhalb Stunden gebraucht, wären wir von ganz unten gelaufen, hätte sich die Sache noch ziemlich in die Länge gezogen und uns angesichts der drohenden Gewitter etwas unter Druck gesetzt.

 

Nach Gipfelei, Sandwiches und Panoramagenuss stiegen wir zu P. 2471 ab. Der Felsmocken, dem wir nun gegenüber standen, lässt sich süd- und nordseitig umgehen. Wir wählten die Nordvariante, denn südseitig sah's ziemlich steil aus und es hatte stellenweise noch Schnee. Dieser wiederum war längst in der Sonne, was ihn unser Vertrauen kostete. Für die nordseitige Umgehung zogen wir erneut die Steigeisen an. Anfangs waren wir uns etwas unsicher, wie sich der Übergang von der Umgehung zurück auf den Grat gestalten würde. Die Bedenken erwiesen sich als unberechtigt, die Sache gestaltete sich nämlich einfach.

 

Nun ging's weiter zum Rot Nossen. Viel gekraxelt wurde hier nicht, der Gipfel ist recht unspektakulär. Meine Nerven warteten fortan auf die Scharte, welche meine Schlüsselstelle auf dem Weg zum Läckistock zu werden drohte. Als ich schon beinahe das Gefühl hatte, die Roten Eggen lägen zum Greifen nahe, war da dann plötzlich dieser Abgrund. Hmpf... MaeNi beschrieben die Scharte als „steil, ein bisschen ausgesetzt, aber gut griffig“. Dem kann ich nur zustimmen. Wenn man die Stelle rückwärts abklettert, jeden Griff sorgfältig prüft und die entsprechenden Stufen findet, gelingt die Sache bestens. Auf der anderen Seite wieder hoch zu klettern empfand ich als etwas einfacher.

 

Nach der Kletterei ging's dann wieder etwas gemütlicher weiter auf die Roten Eggen. Im Abstieg bleibt man schön auf dem Grat, bis es dann plötzlich nochmals sehr steil in die Tiefe geht. Hier war nochmals volle Konzentration gefragt, denn der Fels war teilweise feucht. Als der Abstieg gemeistert war, fühlte ich eine gewisse Erleichterung. Beim Blick zurück (Frontansichten sehen bekanntlich oft brutal steil aus) fragte ich mich, wie wir da gerade herunter gekommen waren...

 

Mit dem Abstieg von Roten Eggen waren nun aber sämtliche Schlüsselstellen der Tour bewältigt. Nun folgte noch das Dessert: der Läckistock. Hier fackelten wir nicht lange und hielten vom Läckipass einfach gerade hoch. Etwas Schnee, etwas kraxeln, noch etwas laufen und etwas vor 12.30 Uhr trafen wir auf dem Gipfel ein. Waren uns am ganzen Tag nur zwei Personen begegnet (in umgekehrter Richtung unterwegs zu den Jegerstöck), sassen hier nun gleich deren zehn.

 

Das Gewölk am Himmel mahnte zum Aufbruch. Zunächst auf dem breiten SW-Grat, danach über reichlich Schnee und schliesslich auf dem markierten Bergweg ging's hinüber zum Firner Loch. Von dort dann auf dem ziemlich schottrigen und nur an kurzen Passagen schneebedeckten Weg zum Bockalpeli. Hier wurde nun der Blick auf die Glatten-Abfahrt frei. Was für ein Spass *war das doch! Für mich mit meinem noch immer lädierten Fussgelenk war der Abstieg eine ewige Tortur. Wie sehr wünschte ich mir doch Schnee und Skis...!

 

Um 15 Uhr trafen wir beim Sali ein. Insgesamt waren wir also siebeneinhalb Stunden unterwegs. Am Mären war's nun schon ziemlich grau und bald folgten die ersten Regentropfen. Unser Timing hatte gestimmt. Hätten wir morgens auf die Luftseilbahn verzichtet, wär's nun wohl etwas unangenehmer geworden...


Tourengänger: أجنبي


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Kommentare (4)


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MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 24. Juli 2013 um 08:49
Salü Salü

Schön, dass es geklappt hat! Gratulation! Ist aber auch herrlich dort oben, gell?
LG
N&M

أجنبي hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juli 2013 um 08:54
Sehr schön, ja! Deswegen wollten wir gestern gleich noch auf den Guet Fulen, kehrten dann aber auf der Brunalpelihöchi um. Gewitterwolken schon morgens um 10 Uhr liessen Vernunft über Begehrlichkeiten und Ehrgeiz walten...
Grüsse ins Muotathal!

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juli 2013 um 08:58
Uff ja...den Blitzableiter wollen wir ja nicht machen..zum Glück stehen unsere "Objekte der Begierde" noch eine Weile.

أجنبي hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juli 2013 um 09:00
Dafür haben wir nun auch mal die Charetalp gesehen, wo wir zuvor noch nie waren. Die Weite dort oben ist eindrücklich. Man denkt irgendwie gar nicht, dass es sowas in unserem Kanton gibt.


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