Hugihorn 3647m den Massen entfliehen und dazu noch eine Hikr-Erstbesteigung


Publiziert von Lulubusi , 23. Juli 2013 um 20:27.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Berner Voralpen
Tour Datum:21 Juli 2013
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1670 m
Abstieg: 1670 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:via Innertkirchen zum Grimsel Hospiz am Grimselpass
Unterkunftmöglichkeiten:Grimsel Hospiz Lauteraarhütte Aarbiwak
Kartennummer:LK 1:25000 BL1229 Grindelwald, BL1230 Guttannen, BL1249 Finsteraarhorn, BL1250 Ulrichen

Den Massen entfliehen inkl. Hikr Erstbesteigung

 

Ecke fernab der Bergsteigermassen, die gibt es noch! Kein Prestigegipfel dennoch eine Tour auf einen Gipfel mit einer grandiosen Aussicht in mitten der Berner 4000er.

Gemäss Hüttenbucheinträge erhielt unser Ziel in den letzten sechs Jahren lediglich viermal Besuch.

 

Das Hugihorn mit seinen 3647m liegt auf dem Kamm zwischen Klein Lauteraarhörner und Lauteraar-Rothörner. Seinen Namen erhielt es zur Ehren des Geologen F.J. Hugi. Erstmals bestiegen wurde es im August 1897 von Paul Montandon mit Frau und Albert Huggler.

 

Vom Aarbiwak ist es in gut 4 Stunden erreichbar, ab Lauteraarhütte in 6-7 Stunden. Auf Grund des langen Zustieg bis zum Aarbiwak, muss man mindestens zwei Tage für die Tour einplanen.

 

Aarbiwak 2731m Zustieg (Weg in die Einsamkeit)

Ausgangspunkt für den langen und anstrengend aber landschaftlich sehr eindrücklichen und abwechslungsreichen Zustieg ist das Grimselhospiz P.1980.

Vom Grimselhospiz führen erstmal einige Treppen hinunter zur Staumauer des Grimselsees. Weiter über die Mauer, eine steile Treppe in einem ersten Tunnel hoch und dann dem Weg folgen der im Spittellamm rechts ausholt und schliesslich durch ein zweiten Tunnel zum Nordufer des Grimselsee führt.

 

Ein Bergwanderweg und zugleich der Hüttenweg der Lauteraarhütte führt nun bis an den Unteraargletscher, mehrheitlich am Nordufer des Grimselsee entlang. Hier endet der Bergwanderweg und verwandelt sich in einen Alpinwanderweg (blauweiss).

 

Zur Zeit steigt man ganz rechts (Nordostende) auf den Gletscher hoch. Der Weg ist gut blauweiss

markiert. Auf dem Unteraargletscher weiter, über das Geröll der Mittelmoräne ostwärts.

Vom Gletscher sieht man hier nicht wirklich viel, da dieser beinahe komplett mit Schutt bedeckt ist.

Auf einer Höhe von ungefähr 2040m verlässt man endgültig den Weg zur Lauteraarhütte, der hier nach rechts abzweigt und folgt weiter der Mittelmoräne auf dem Unteraargletscher. Stangen und einzelne Steinmänner weisen den Weg.

Das Geröll auf dem Gletscher ist teilweise recht gut zum begehen, an anderer Stelle eine kleine Katastrophe.

 

Auf etwa 2300m verlässt man schliesslich den Unteraargletscher, biegt in südwestlicher Richtung (links) ab und betritt den Finsteraargletscher. Auch dieser ist, vor allem im unteren Teil von Geröll übersät. Wir verlassen allerdings möglichst schnell den Schutt um auf das Eis des aperen und flachen Gletscher zu gelangen. Das Eis ist super zu begehen und so griffig, dass wir sogar auf das anziehen der Steigeisen verzichten können. Weiter taleinwärts auf dem Finsteraargletscher. Blau weisse Stangen weisen den Weg zum Biwak.

 

Ein Highlight auf dem Gletscher ist ein Blockfeld. Die ungefähr gleich grossen Granitblöcke liegen alle in ähnlichem Abstand zu einander auf dem Gletscher, so als ob sich ein Riese in Kunst versucht hätte.

 

Bei der Einmündung des Strahlegggletscher nach rechts „Nordwesten“ abbiegen und über diese bis ca.2660m. Nun nach rechts über Moränengeröll und zum Schluss steil hoch zum Aarbiwak P.2733, dass am östlichen Ufer des Geltschers auf einer Felsterrasse steht.

 

Das Aarbiwak ist ein Traum. Top ausgestattet, gemütlich, sauber und weit weg von jeder Zivilisation. Lediglich ein Radio und das Notfunkt vermittelt etwas von der heutigen, modernen Technologie.

 

Aufstieg Hugihorn 3647m

Bei Tagesanbruch starten wir zu unserer Tour. Das heisst, momentan um ca. 5:00 Uhr. Vom Biwak steigen wir erst auf den Strahlegggletscher hinunter und auf diesem ca. 800m nordwestwärts bis unterhalb des Hugigletschers.

 

Dieser liegt zwischen den Lauteraar-Rothörnern und dem Südgrat des Hugihorn auf einer Höhe von ca. 3300m. Auf der Karte leider ohne Namen.

 

Nun steigen wir unmittelbar nach den Felsstufen die sich nordwestlich des Biwaks, auf 2900m befinden, zum Hugigletscher hoch. Grösstenteils können wir über sehr guten Trittschnee aufwärts gehen. Zur Zeit ist nur etwa auf 50 Metern der Schnee geschmolzen, so dass man über Moränengeröll und teils plattigen Granit hochkraxeln muss.

Da es in der Nacht nicht aufgeklart hatte, konnten wir bis jetzt sogar auf die Steigeisen verzichten.

 

Bevor wir aber an dessen südlichen Ende auf den Gletscher treten, montieren wir unser Eisausrüstung, auf die Steigeisen können wir noch immer verzichten.

Obwohl der Gletscher harmlosen Charakters ist, wenige und eher kleine Spalten, gehen wir kein Risiko ein und Seilen uns aber zusätzlich an.

Die Schneebrücken sind eher zweifelhafter Qualität, mitunter wissen wir nicht, ob sich beim Übergang zu den Felsen ein Gletscherschrund befindet und wenn ja wie gross dieser ist. Angaben darüber konnten wir keine finden.

 

In den Mulden des Hugigletschers, die sich in der nähe seines östlichen Randes befinden, steigen wir weiter hoch, dem tiefsten Punkt im Verbindungsgrat zwischen Lauteraar-Rothorn-Nordgipfel P.2478 und Hugihorn, einer breite Einsattelung, entgegen.

Der Steinschlaggefahr aus den Felsen der Rothörner am östlichen Gletscherrand sollte man allerdings Beachtung schenken. .

 

Mehrere kleine Couloirs, anschliessend ein Geröll und Block Hang, führen auf den Sattel hoch. Wir wählen aus unserer Sicht das Couloir mit dem wenigsten losen Geröll.

Tritt man auf den Sattel hoch, zeigt sich ein überwältigendes Panorama talauswärts und auf den Lauteraar- und Unteraargletscher hinunter. Hier gönnen wir uns eine längere Pause.

Diese nutzen wir gleichzeitig zum montieren der Steigeisen. Mit der zunehmenden Höhe wurde der Schnee etwas harter und die nächsten Höhenmeter, führen über ein steiler werdendes Schnee-, dass in ein Firnfeld übergeht.

 

Weiter steigen wir über den Steilhang, der noch mit Schnee bedeckt ist, in nordwestlicher Richtung relativ einfach aufwärts. Folgen dem Südostgrat, zuerst links der Kammlinie bis an den Nordwestrand eines nach Süden abfallenden Firnfleckes.

Zwei kurze, sich nach obenhin verengende Couloirs führen nun auf den Grat hoch. Das nordöstliche ist unser Wahl. Dieses führt bis unterhalb eines kleinen Zacken auf dem Grat hoch. Hier befindet sich ein kleiner Übergang (nach links) in die Südflanke des Hugihorns.

 

In der Südflanke steigen wir möglichst schnell auf den Grat zurück, da hier der Fels von deutlich bessere Qualität, viel weniger brüchig, ist. Dem Südostgrat folgen wir nun nordwestwärts, in einfacher Kletterei II, zum Gipfel des Hugihorn P.3647.

 

Ein toller Gipfel mit einem grandiosen Panorama auf die Berner 4000er ist erreicht. Ein Gipfel weite weg von anderen Modetouren!

 

Die Gipfelpause fällt allerdings kurz aus, da wir noch einen sehr langen Rückweg zur Grimsel bevorsteht.

 

Abstieg

Abstieg auf gleicher Route uns später, ab Aarbiwak auf der Route vom Vortag zurück zur Grimsel.

 

Startpunkt

Grimsel Hospiz 1980m / Aarbiwak 2733m

 

Ziel

Hugihorn 3647m

 

Anforderungen

Wenig schwere Hochtour.

Gesamte Tour verläuft über eher harmlose, spaltenarme Gletscher. Ein minimal Mass an Gletschererfahrung ist trotzdem erforderlich.

Kurzer, steiler Aufschwung vom Sattel zwischen Rothörner und Hugihorn zum Südostgrat hin. Vorsicht vor Ausrutschern! Grat oder Blockkletterei I-II Grat.

Orientierung bei guter Sicht Problemlos.

Tour erfordert auf Grund des langen Weges zum Biwak einiges an Ausdauer.

 

Material

Pickel, Steigeisen, Einfachseil 30m, Anseilgurt, HMS-Karabiner

(Eisausrüstung / Rudimentäre Felsausrüstung)

 

Zusätzliche Info

Aarbiwak

Lauteraarhütte

Grimselhospiz

 

Fazit

  • Tolle sehr abwechslungsreiche Tour
  • Fantastische Landschaft in der Einsamkeit
  • Super schönes und gemütliches Biwak
  • Alles in allem sehr lange Tour die einiges an Ausdauer erfordert.
  • Genialer Aussichtspunkt auf beinahe sämtliche Berner 4000er
  • Wer die Einsamkeit sucht ist hier richtig!
  • Super tolle Pflanzenwelt

 

 

Genaue Route

Grimsel Hospiz P.1980, Nordseite Grimselsee, Mederlouwenen, Unteraargletscher, Finsteraargletscher, Strahlegggletscher, Aarbiwak P.2733, Hugigletscher, Sattel südwestlich Lauteraar Rothörner, Südostgrat Hugihorn, Hugihorn P.3647

auf selbem Weg zurück.

 

Alternativ

Lauteraarhorn

Lauteraar-Rothörner

Klein Lauteraar

Strahleggpass-Schreckhornhütte

 

Allgemeine Info

Für den Zustieg zum Aarbiwak sind mind. 6 Stunden zu rechnen. Vom Biwak bis zum Gipfel des Hugihorn mind. 4 Stunden. (Zeit inklusive Pausen, bei guten Verhältnissen)

Tour sollte im Frühsommer unternommen werden, wenn noch Trittschnee in den Geröllflanke liegt. Vereinfacht das gehen ungemein!


Tourengänger: Lulubusi


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Kommentare (2)


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TeamMoomin hat gesagt: Ganz tolle
Gesendet am 23. Juli 2013 um 22:53
Tour ist gespeichert, vielen Dank für die Idee!

Lg Oli und Moomin

Murgl hat gesagt:
Gesendet am 27. Juli 2013 um 09:01
Sehr schöne Blumenbilder!
Gruß Murgl


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