Fletschhorn (3.985 m): Nordwand »Wiener Route«


Publiziert von EverWrest , 8. Juli 2013 um 14:55.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 6 Juli 2013
Hochtouren Schwierigkeit: S+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Simplonpass - Egga - Rossbodenstafel (letzte Spitzkehre)
Unterkunftmöglichkeiten:Biwak Piero de Zen (Fletschhornbiwak)
Kartennummer:LK 1309

Die u.a. durch E. Vanis 1960 eröffnete Wienerroute durch die Nordwand des Fletschhorns ist hier bereits ausführlich beschrieben worden – was aber noch fehlt, sind einige Informationen zum oberen Breitloibgrat, auf dem man zurück zum Biwak Piero de Zen gelangen kann, wenn man die 55° Neigung auf Ski – wie wir – nicht an den Berg bringt (meinen Respekt für die, die die Wand abfahren!).
 
Vor zwei Wochen war ich bei schlechtem Wetter schon einmal im Biwak de Zen gewesen. Damals hatten Regen, Sturm und Plusgrade einen Versuch an der Wand verhindert. Mit Andi, dem ich mein Leid geklagt und der spontan einen Tag frei gemacht hatte, gab es einen zweiten Versuch:
 
Donnerstagnacht fuhren wir ins Wallis und nach einer Nacht im Auto auf der Passhöhe des Simplon wurden wir beim ersten Blick auf die mächtige Fletschhorn-Nordwand doch ein wenig kleinlauter. Trotzdem stiegen wir Freitagmorgens auf zum Biwak de Zen (3.015 m), das auf einer Gratschulter zwischen Griessernu- und Rossbodengletscher gelegen ist. Nach einer Erkundung bis zum Bergschrund der Fletschhorn-Nordwand verbrachten wir einen schönen Nachmittag in der Sonne der Walliser Berge. Am Abend stiegen noch ein Einzelgänger und eine zweite Seilschaft ins Biwak.
 
Gegen 03:45 Uhr verließen wir in einer klaren Nacht das Biwak und starteten unserer gestrigen Spur folgend Richtung Wandfuß, wo wir etwa 40 Minuten später den Bergschrund unproblematisch auf einem Lawinenkegel links der Falllinie des Felsriegels überstiegen. Weiter ging’s über die zunächst noch mäßig steile aber harte Flanke hinauf bis auf Höhe der Felsinsel (etwa 3.450 m). Auf dieser Höhe stiegen wir bei Sonnenaufgang etwas rechts haltend über die Insel und dann geradewegs hinauf die hier nun bis 55° geneigte Eiswand. Im oberen Teil gab es vereinzelt Ansätze von Trittfirn aber auch kürzere fast blanke Passagen. Insgesamt machte die Kletterei bei diesen Verhältnissen großen Spaß und erwies sich weniger anstrengend als erwartet (die Bewertung mit S+ im Alpinführer Walliser Alpen dürfte noch aus Vanis' Zeiten stammen und wird mit heutiger Technik wohl nicht mehr erreicht). Nach etwa zwei Stunden in der Wand stiegen wir am oberen rechten Rand durch die hier nur schwach ausgeprägte Gipfelwechte aus der Wand. Von dort waren es noch etwa 80 Höhenmeter zum Gipfel des Fletschhorns (3.993 m), den wir gegen sieben Uhr in der Früh bei perfektem Gipfelwetter kurz nach dem Einzelgänger erreichten. Dort oben steht man inmitten der gewaltigen Szenerie aus Walliser und Berner Vier- und Dreitausendern.
 
Um ohne Umwege wieder zum Ausgangspunkt zurückzugelangen, wählten wir den Breitloibgrat im Abstieg. Wir stiegen dazu in den Sattel neben P. 3.919 und zwischen den Schneewechten hindurch in die recht steile Flanke, die zum eigentlichen Grat führt, der erst auf ca. 3.700 m beginnt und sichtbar wird (im Sattel befindet sich auch auf Saaser Seite eine Abseilstelle für den oberen Teil der Flanke, die direkt unterhalb des Sattels wohl auch von einem Bergschrund durchzogen ist?!). Der Grat ist dann nur schwach ausgeprägt. Weil dieser ausschließlich aus losem Geröll und Blöcken besteht (max. II und das selten), umgingen wir die meisten Felspassagen in unmittelbarer Gratnähe auf der gut verfirnten Rossbodenseite. Auf ca. 3.300 m erreichten wir die Einschartung im Gratverlauf, von der aus man über eine Gletscherrampe wieder zurück zum Gletscherplateau unterhalb der Nordwand und über die Zustiegsspur zurück zum Biwak gelangt. Auf diesem Rückweg, für den wir ca. 2 1/2 Stunden benötigten, wurden wir schließlich noch Zeuge einer Skibefahrung der Nordwand.

Fazit: Bei diesen Verhältnissen stellt der niedrige Türrahmen im Biwak tatsächlich die wahrscheinlichste Gefahr dar – ich habe jedenfalls irgendwann angefangen, Helm zu tragen.

Tourengänger: Mr_Anderl, EverWrest


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Fletschhorn Nordwand · orome
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Kommentare (2)


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Freeman hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 15. Juli 2013 um 22:56
Voll cool !
Gratulation !

Die Nordwand vom Fletschhorn steht schon lange auf meiner Wunschliste.

Bei unserem letzten Anlauf vergangenes Jahr haben wir wegen dürftigen Verhältnissen schon in Brig Kehrt gemacht.

Lasst wieder was hören von eurem nächsten Projekt ;o)

Gruss Freeman

EverWrest hat gesagt: RE:Gratulation
Gesendet am 16. Juli 2013 um 09:55
Vielen Dank! Manchmal braucht es halt mehrere Anläufe – so ja auch bei uns. Dran bleiben! Das tue ich auch – neue Projekte und Berichte wird es dann in Kürze hoffentlich geben.

Grüße
EverWrest


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