Lange Gratwanderung vom Schilt zum Gufelstock


Publiziert von Nobis , 4. Juli 2013 um 09:27.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 2 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1680 m
Strecke:18.8km; Äugsten – Schilttal – Schiltplanggen – Schilt – Tristli – Schilt – Siwellen – Rotärd – Wisschöpf – Wisschamm – Schwarzstöckli – Heustock – Chli Höch – Höch – Gufelstock – P2351 – Breitchamm (höchster Punkt und erster Turm) – Bi den Seelenen – Chären – P1969 – Schafleger – Kriesegg – Abstieg gegen P1862 – P1969 – Stägenwald – Bärenboden
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Glarus - Ennenda - aeugstenbahn.ch - Bärenboden (nicht viele Gratis-P gratis)

Die erneuerte Seilbahn von Ennenda bringt das ganze Jahr hindurch einheimische Touristen zum 1000 Meter höher gelegenen Bärenboden/Äugsten, einem schönen Ausgangspunkt für Wanderungen. Vom Schilt bis Gufelstock und Breitchamm lässt sich eine rund 6 Kilometer lange Gratwanderung erleben, zumeist T3, mit einer Stelle nördlich dem Gufelstock mit T4. Alpinwanderer kommen mit Abstechern auf den Siwellen, dem obersten Gratturm vom Breitchamm und Schafleger auf ihre Kosten. Die Begehung der Schiltplanggen ist weniger zu empfehlen.

Alle halbe Stunde fährt die Gondel der Äugstenbahn von Ennenda zum Bärenboden und lässt sich die Retourfahrt auch etwas kosten - im Hochsommer sind die somit gesparten 1000 Höhenmeter allerdings auch Gold wert. Markierte Bergwanderwege führen zur Alp Begligen und weiter einem Bergbach entlang durch das Schiltttal nach Rotärd. Viele Jahre habe ich mich beim Kartenstudium gefragt, woher der komische Name kommt, bis ich dann den Ort selber sah - ich sage nur Rot-Ärd und verweise auf die Fotos.

Schiltplanggen
Da der Bergwanderweg von Äugusten auf den Schilt T2-T3 ist, schaute ich mir die im SAC-Führer erwähnte aber nicht erläuterte Variante durch die Schiltplanggen an, die mit T4 bewertet ist. Einen logischen T4-Durchschlupf durch die Schroffen in Richtung Schilt erkannte ich keinen, so begnügte ich mich mit der "Abkürzung" auf das Plateau vor dem Siwellen. Den markierten Weg verliess ich auf einer Höhe von 2080 Meter und stieg direkt nordwärts über eine steile grasige Schutthalde auf - eher rechtshaltend - und gelangte an den Fuss der Begrenzungsfelsen. Am linken Rand eines Abbruchs konnte ich über Felsen auf das Plateau klettern (T5). Ev. wäre es besser gewesen, die steile Schuttrinne rund 75 Meter westlich meiner Variante zu versuchen.

Angesichts der Sinnlosigkeit dieser Abkürzung durch die Schiltplanggen - der Weg über Rotärd liegt nur 200 Meter entfernt - frage ich mich, wieso diese Schiltplanggen-Variante den Weg in die 11. Auflage des "Glarner Alpen, Alpine Touren" von 2013 gefunden hat, während die im Buch beschriebenen Berge zur 10. Auflage auf ungefähr die Hälfte weggestrichen wurden. Ich finde es sowieso unverständlich, dass das Referenzwerk nun nicht mehr alle Gipfel der beschriebenen Region umfasst; dafür findet der "erfahrene Bergsteiger", an den sich der Alpinführer neu richtet und den "ambitionierten Bergwanderer" mehr oder weniger ausschliesst, Fotos von schönen Blumen und der (Autoren-?)Kinder.

Schilt/Tristen
Ab Rotärd dem Weg folgend gelangt man rasch auf den Schilt. Von dort in wenigen Minuten hinüber auf das Tristli - das vom Anstieg auf den Schilt aus einen unnahbaren Anblick vermittelt, T3. Beide Gipfelchen mit Kreuz und Gipfelbüchern.

Siwellen
Deutlich weniger häufig besucht scheint der Siwellen, der zumeist weglos erklommen werden muss. Vom Wegweiser bei "Siwellen Süd" steigt man zumeist dem Grasgrat entlang, bis zu einem kurzen felsdurchsetzten Absatz, der von links nach rechts auf Grasbänder überwunden wird, T3. Auf dem höchsten Punkt findet sich ein Steinhaufen. Abgestiegen bin ich über den recht steilen, wenig ausgeprägten Südostgrat (Gras), wobei ich vor den Felsen nach rechts in die Flanke mit Schutt und Gras ausgewichen bin, T4.

Rotärd-Schwarzstöckli-Heustock
Der Weg vom Passübergang Rotärd über den Gratrücken Wisschamm zum Schwarzstöckli ist markiert und erlaubt schönste Ausblicke in die Glarner Alpen und Tiefblicke in die Täler. Hübsch ist das Schwarzstöckli, ein recht schmaler Felsstock mit Gipfelkreuz und -Buch. Der Bergwanderweg verlässt den Grat südlich des Schwarzstöckli Richtung Heustockfurggel, im Tälchen nordöstlich vom Heustock lag Anfang Juli 2013 noch viel Schnee - die Übersteigung des Heustocks war dann die bessere Wahl. Auch auf dem Nordgrat des Heustocks finden sich gute Spuren. Von Rotärd bis Heustock T3.

Heustock-Chli Höch-Höch-Gufelstock
Der Gratabschnitt Heustock-Gufelstock ist deutlich interessanter als derjenige von Rotärd zum Heustock: Die Gratschneide ist ausgeprägt, die Wegspur schmal. Obwohl man laufend höhere Punkte überschreitet, sind die benannten Gipfel Chli Höch und Höch praktisch nicht wahrnehmbar; von Heustock bis Höch T3.

Südlich von Höch führt eine rote Felsplatte in die Scharte Punkt 2395 ab, ein Drahtseil hilft über die rutschige Stelle. Nach der Scharte zieht eine Wegspur - zu Beginn leicht exponiert - in die Südwestflanke und umgeht ein Gendarm. Da bald eine Rinne mit einem kleinen, aber exponierten Schneefeld zu queren gewesen wäre und die Spur undeutlicher zu werden schien, stieg ich nach dem Gendarm über Gras wieder auf den Grat auf. Die folgenden Felsnasen sind einfach zu überwinden, ein Klettertritt etwas exponierter, T4. Danach schein auch Trittspuren wieder von der Südwestflanke hochzuführen. Rasch steht man auf dem Gufelstock, wiederum mit Gipfelbuch.

Breitchamm
Der südlich vom Gufelstock vorgesetzte Breitchamm besteht aus mehreren Türmen. Der höchste Punkt, auf dem Sporn südwestlich von Punkt 2396, ist über die Wiese vom Wegweiser bei Punkt 2351 einfach zu erreichen. Der erste Turm kann über eine Scharte mit schmaler, aber kurzer Mauer und anschliessendem Aufstieg über fünf Höhenmeter durch einen Trichter mit feuchtem Gras und Felsen in Kürze erstiegen werden (T4+).

Gufelstock-Bi den Seelenen-Chären-Punkt 1969
Anfang Juli 2013 konnte über Schneesurfing rasch vom Gufelstock zu den noch gefrorenen Seelein "Bi den Seelenen" abgestiegen werden - man muss darauf achten, genügend weit gegen Nordwesten auszuholen und den Einstieg auf die Wegtraverse auf 2290 Meter Höhe nicht zu verpassen; sonst könnte es im schneebedeckten Karst- und Seegebiet ungemütlich werden. Nach dem untersten See folgt eine Geländekante und das abrupte Ende des Schnees. In den Chären ist die Wegspur nicht durchgehend gut markiert und ersichtlich - ich habe sie mehrmals verloren - Achtung vor Dolinen.

Schafleger-Kriesegg
Von Punkt 1969 lädt der Schafleger zu einem Abstecher. Über den steiler werdenden Nordostgrat bis an den Fuss der Felsen (des nordöstlichen Vorgipfels). Spuren führen dort hinauf, ich vermute die Schwierigkeit der Felsen/Gras T5 oder mehr. Weniger deutliche Spuren führen hingegen links (östlich) um die Felsen herum, um über durch Felsplatten durchsetztes Gras in den Sattel zwischen dem nordöstlichen Vorgipfel und dem Schafleger zu gelangen. Über den Grasrücken einfach auf den Vorgipfel, über Grastritte von Norden her auf den Felskopf des Schaflegers (T4).

Vom Schafleger zur Kriesegg führt zuerst der Schlafleger-Südgrat über einen kurzen, abfallenden Grasrücken an Felszähne heran. Diese können auf der Nordwestseite im Gras umgangen werden, später wechselt man auf die Südostseite, um nach markanten Felsplatten wieder auf den Grat zu steigen. Er wird schmaler und exponierter. An einer Stelle steht ein Tännchen direkt auf der Schneide - Vorsichtig durch diese Tanne durchsteigen und über den breiter werdenden Grasrücken zum Verweilpunkt Kriesegg, T4. Nachdem ich auf der Rundtour nur eine Person angetroffen hatte, plegerten zu meiner Überraschung eine junge Familie auf der Kriesegg!

Von der Kriesegg stieg ich dem Rücken entlang ab bis zum Beginn der Weide und deren Begrenzung entlang gegen Osten ab. Es lohnt sich weit genug abzusteigen und das Tälchen auf der östlichen Seite zu Punkt 1969 aufzusteigen: östlich von Kriesegg/Schafleger liegen zahllose Felsblöcke auf Karst - unverhoffte Blicke in die dunkle Tief inklusive.

Unverhofft explosionsartig veränderte sich das Wolkenbild, nachdem es den gesamten Tag über bei andauernder Beobachtung ungefähr das selbe Stadium der Quellung zeigte: gegenüber über dem nur 7 Kilometer entfernten Vrenelis Gärtli baute sich eine Schauer- oder Gewitterzelle auf; in nur 20 Minuten bewältigte ich deshalb die folgenden 500 Höhenmeter hinunter zum Bärenboden und wurde sofort mit der Gondel ins Tal befördert - wo mich auch schon die ersten Regentropfen erwarteten.

Die Tour führte über 13 Gipfel (wobei ich den Schilt zwei Mal überschritt), fast 1700 Höhenmeter und 19 Kilometer, zumeist T3, wenige Stellen T4, vermeidebare Schiltplangge T5.

Tourengänger: Nobis

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Kommentare (1)


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Bergamotte Pro hat gesagt: Alpinführer
Gesendet am 4. Juli 2013 um 18:46
> Ich finde es sowieso unverständlich, dass das Referenzwerk nun nicht mehr alle Gipfel der beschriebenen Region umfasst; dafür findet der "erfahrene Bergsteiger", an den sich der Alpinführer neu richtet und den "ambitionierten Bergwanderer" mehr oder weniger ausschliesst, Fotos von schönen Blumen und der (Autoren-?)Kinder.

Schön dass ich nicht der einzige bin, der so denkt (s. Epilog *hier). Auch beim SAC Verlag scheint der Instant-Journalismus à la Tages Anzeiger Newsnet um sich zu greifen. Man geht halt mit der Zeit. Hoffen wir, dass diese Referenzwerke nicht eines Tages zu x-beliebigen Auswahlführern werden, wie sie es schon zu Tausenden gibt.


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