Kamor 1751m - Hoher Kasten 1791m


Publiziert von Bombo , 13. Mai 2008 um 23:24.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:12 Mai 2008
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Brülisau - Kamor - Hoher Kasten - Stauberen (ohne Kanzel) - Sämtisersee - Brülisau
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Appenzell - Brülisau - Parkplatz Seilbahn Hoher Kasten
Unterkunftmöglichkeiten:Appenzell, Brülisau, etc.
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1115 "Säntis"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


"Die vergessene Kanzel - oder die unheilsame Wirkung von Appenzeller Bitter"

Gerade vorweg, hier gibts die sehr detailliert und sauber beschriebene Route von Schlumpf - wer noch ein wenig bla bla möchte, der kann jetzt gerne weiterlesen :-)

Die Appenzeller sind ein kleines Volk das lernt man bereits in der Schule. Achtet man jedoch auf die Verkehrszeichen inmitten des mit grünen Hügeln übersäten und mit hunderten von Bauernhöfen bespickten Kantones, dann sind die Appenzeller aller Voraussicht nach nicht nur klein, sondern vielleicht gerade auch deshalb schlechte bzw. unachtsame Autofahrer. Oder warum steht bei fast jeder Kurve ein Schild Schleudergefahr sehr gefährlich? Ich meine Schleudergefahr ist klar der Kanton Appenzell ist der regenreichste Kanton in der Schweiz also kommt man da sicher mehr ins Schleudern als zum Beispiel in der Sonnenstube Wallis. Aber sehr gefährlich? Ich vermute, das muss an der Körpergrösse liegen. Wahrscheinlich sitzen die Appenzeller dermassen hoch auf ihren Traktoren und Suzukis, dass sie mit ihren Füssen gar nicht mehr die Pedalen berühren können – also eben sehr gefährlich. Na ja, wir liessen uns davon nicht abhalten und wagten dennoch erneut einen Tag in diesem sehr schönen und vorallem sehr abwechslungsreichen Teil der Schweiz: Alpstein, wir sind schon wieder hier.

 

Vom Parkplatz der Seilbahnstation Brülisau Hoher Kasten starten wir auf vielen künstlichen und natürlichen Treppentritten richtung Kamor 1751m. Der Weg ist gut beschildert und auch für Familien-Wanderer bestens geeignet. Wir wussten, dass wir nicht die einzigen sind, aber gerade in der Gipfelregion des Kamors fühlten wir uns schon ein wenig wie eine Ameise im Ameisenhaufen. Aber auch verständlich, denn nur wenige Meter neben dem Gipfel führt eine geteerte Strasse hoch kein Wunder also, dass sich hier Biker, Wanderer, Kinderwagenschieber, Sandalenstinker und ähnliche Kreaturen treffen. Die Berge gehören allen das konnten wir nur zu gut bestätigen.

 

Vom Kamor aus gings weiter richtung Hoher Kasten 1791m. Madonna mia, jetzt war defintiv Massentourismus angesagt. Klar, das neue Drehrestaurant auf dem Gipfel lädt natürlich zu einem Besuch ein aber muss es denn gleich eine Tsnunami-Touristen-Welle sein? Zudem schien die Sonne aus vollen Rohren und da sitzen die Leute im Restaurant drin und drehen so samt Tisch und Stühle ihre Runden. Roger und ich malten uns schon verschiedene Bubenstreiche aus, was man alles so mit dieser Drehscheibe anstellen kann ganz gut gefiel mir seine Idee, die Handtaschen der Damen aus der Drehplatte zu nehmen und dann abwarten, bis die Frauelis - es war übrigens Muttertag, somit also Mütter - sich weggedreht haben. Aber wir sind ja keine Handtaschentiebe sondern einsame Bergwanderer und Bergkraxler also widmen wir uns wieder Mutter Natur und flüchten auf schnellstem Wege in Blickrichtung Stauberenkanzel 1860m.

Vorallem der Ausblick zum Sämtisersee hat es uns angetan gerade bei wolkenlosen Wetterbedingungen hat dieser zusammen mit dem Säntis und dem Altmann im Hintergrund ein prächtiges Bild abgegeben. Aber auch die Aussicht auf unsere gestrige Wanderung den Schäfler und die Ebenalp bringt uns immer wieder ins Träumen.

Der Weg richtung Stauberenkanzel ist mehrheitlich sehr einfach angelegt ab und zu liegt noch Schnee drin, wer aber gutes Schuhwerk hat (was in der Hikr-Gemeinde sowieso Standart ist) überwältigt diese Stellen problemlos und wahrscheinlich war ich mal wieder der einzige an diesem Tag, welcher mit Schnee in den Schuhen bzw. nassen Füssen durch die Welt spazierte :-)

 

Das Gasthaus Stauberen gleichzeitig die Bergstation der Gondelbahn Frümsen Stauberen sieht man schon von weitem im Gegensatz zur Saxer Lücke, welche wir eigentlich gerne in Angriff genommen hätten. Angekommen beim Gasthaus mussten wir schnell feststellen, dass der Weg von der Kanzel bis zur Lücke praktisch lückenlos über eine schneegefüllte Traverse geht, was einerseits aus zeitlichen Gründen und andererseits aus Temperatur-Gründen nicht sinnvoll gewesen wäre.

So gesellten wir uns auf die Sonnenterrasse dieses Gasthauses und bestaunten nonstop die Stauberenkanzel 1860m, welche nur 30 Meter vor uns steil in die Höhe ragt. Wie schön es doch nur wäre, dort oben zu stehen... warum wir aber nicht dort oben gestanden sind, erklärt vielleicht diese Anekdote hier:

Noch lange bevor wir unsere Getränke serviert bekamen, liess uns das Servierpersonal ohne Blickwürdigung auf der Terrasse warten. Es war ok, denn die Sonne schien und wir waren sowieso frohen Mutes. Irgendwann überkam uns dann auch der Hunger, sodass wir gleich bei der späteren Getränke-Anlieferung noch unsere Speisen bestellten (warum aus meiner Spiegelei-Rösti trotz zweimaliger Nachfrage der Serviertochter eine Aelplerrösti - also eine mit Käse überbacken und Speck drin - wurde, das weiss ich auch nicht, spielt jetzt aber auch keine Rolle in dieser Geschichte..). Die Sonne ging wacker ihren Weg und mit zunehmendem Verschwinden hinter der Stauberenkanzel, schwand auch unsere Körperwärme und die Hühnerhaut wurde aktiviert. Irgendwann kam dann die Serviertochter um sich zu entschuldigen, denn sie hätte unsere Essens-Bestellung vergessen und diese nun viel zu spät dem Koch weitergeleitet. Als Exgüsi offeriere sie uns einen Schnaps - klar, Appenzeller Bitter, was sonst. Nun, wir hatten daran natürlich unseren Plausch und der Mix aus Schnaps, Bier bzw. Panaché und später dann noch Rösti bzw. Bratwurst hatte es irgendwie in sich. Die Kanzel stand noch immer stolz und steil vor uns, die Sonne hingegen verschwand irgendwo dahinter und liess uns im Felsschatten weiter frieren. Irgendwann mal verschwanden noch 2 Bergänger hinter der Kanzel - was auch immer diese beiden dort getan haben, sie tauchten auf jeden Fall erst ca. 20 Min. später wieder auf.

Nun, lange Rede, kurzer Sinn: Frisch fröhlich und frohlockt nahmen wir unsere letzte Etappe in Angriff - der Abstieg zum Sämtisersee wartete. Ein wenig beduselt schauten wir nochmals hoch zur Kanzel und verschwanden im Schneefeld, welches zum See runter führte. Plötzlich der Aufschrei von Roger: "die beiden Berggänger waren sicherlich auf der Kanzel oben!" - oh nein, dachte ich. Wie zur Hölle konnten wir das übersehen? Ich meine, da liegt einem das Paradis zu Füssen und man greift nicht danach! Also ehrlich, da müssen wir uns beide nun wirklich unsere Holzköpfe hinterfragen, denn sowas grenzt echt an Dummheit. Nun, ich war froh, dass Roger das noch erwähnt hatte, so konnte ich mich jetzt wenigstens noch mehrere Stunden fragen, wie wir das auch nur vergessen konnten - im humorvollen Bereich selbstverständlich.

Die Antwort sollte jetzt nach dieser langen Ausführung klar sein: logisch, der Appenzeller Bitter / Bier-Mix - was sonst? Das bestätigt mal wieder, dass Alkohol nicht in die Berge gehört - wobei ich auch in Zukunft nicht auf den Gipfel-Schämpis bei namhaften Gipfeln verzichten werde.

Uebrigens, es führt also tatsächlich ein Weg auf die Kanzel - dies zeigt nun die Nachforschung zu Hause am Computer. Bravo.

Lassen wir das also nun Vergangenheit sein und widmen uns noch kurz zur letzten Etappe: Ueber kleinere Schneefelder und Stock und Stein ging's auf direktem Weg runter an den zauberhaften Sämtisersee. Die Ebene am Südwest-Ufer lädt zum Verweilen ein - unser Zeitbonus ging leider schon im Gasthaus Flöte. Ein paar schöne Fotomotive später passierten wir das Restaurant Plattenbödeli und folgten nun dem Brüelbach durch das Brüeltobel. Dort lädt der Bach richtig gehend zu einer langen Fotosession ein - hier kann mal alle Funktionen der neuen Cam austesten - ein paar Bilder sind im Anhang.

Um 19.45 Uhr standen wir wieder beim Auto in Brülisau - ein weiterer schöner Tag im Alpstein-Gebiet neigte sich dem Ende zu - unvergesslich wie immer, dieses Mal vorallem auch wegen der vergessenen Stauberenkanzel.


Tour mit Roger Schlumpf - den Bericht dazu gibts hier

Tourengänger: Schlumpf, Bombo

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T2
12 Mai 08
Kamor 1751m, Hoher Kasten 1791m · Schlumpf

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