Via Westgrat zum Zettenkaiser (1968 m) und Scheffauer (2111 m)


Publiziert von Ford Prefect , 26. Mai 2013 um 18:17.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:18 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 11:00

Es war mal wieder Pfingsten...
 
Und das bedeutet für mich seit Jahren ein verlängertes Urlaubs-Wochenende im Kreis von Familie und Bekannten.
Traditionell zieht es uns dann ins Thierseetal bei Kufstein. Besonderer Blickfang ist natürlich jedes Mal der Wilde Kaiser und auch in diesem Jahr hatte ich mir, nachdem im letzten Jahr der Kraxengrat erledigt wurde eine schöne Grattour herausgesucht. 
Es sollte der Westgrat und eine Überschreitung des Zettenkaisers werden und um die Tour tagesfüllend zu gestalten, wollten wir danach noch weiter auf dem Westgrat um dem Scheffauer einen Besuch abzustatten. Leider fiel mein geplanter Tourenpartner kurzfristig unerwartet aus, so dass ich meinen Vater von der Tour zu überzeugen versuchte, was mir auch schnell gelang.
Weil der Wetterbericht für den Sonntag nichts Gutes verhieß, beschlossen wir die Tour bereits am Anreisetag in Angriff zu nehmen. Diese Entscheidung erwies sich dann im Nachhinein auch als goldrichtig.
Gegen 8 Uhr erreichten wir am Samstag Morgen schließlich den Ausgangspunkt, den Parkplatz Seestüberl am Hintersteiner See (892 m). Von hier folgten wir zunächst einem Pfad und später kraftsparend dem Forstweg bis zur Walleralm (1171 m), die wir nach etwas über einer Stunde erreichten. Um unsere Wasservorräte zu schonen und um die körpereigenen Zuckerreserven aufzufüllen, rasteten wir hier kurz bei einer Cola und genossen den strahlenden Sonnenschein, der so früh am Morgen perfekte Tourenbedingungen versprach.
Das nächste Etappenziel stellte das Hocheck (1470 m) dar, welches man nach ca. 40 min unproblematisch über einen Pfad erreicht. Der Pfad startet direkt hinter der Walleralm und knickt dann am oberen Ende der Almwiese schräg nach rechts in den Wald hinein ab. Da das Hocheck auch beim Weg zur Kaindlhütte überschritten wird ist der Pfad durchgehend sehr gut markiert. Kurz unterhalb des Gipfelkreuzes des Hochecks durchschreitet man ein Drehkreuz und kann dann das flache Plateau nutzen um die Aussicht über das Inntal zu genießen und um vor dem folgenden, steiler und mühsamer werdenden Anstieg auf den Westgrat noch einmal kurz durchzuschnaufen. Den Weidezaun zur Rechten windet sich nun ein stellenweise nicht mehr zu erkennender Pfad in südlicher Richtung den Hang zum Westgrat des Zettenkaisers hinauf. 
Verliert man die Pfadspur jedoch einmal, so findet man sie meistens recht schnell wieder, da sie der logischen Linie durch den Latschenurwald folgt. Nach ca. einer Viertelstunde  erreicht man ein interessantes Felsentor. Nachdem man dieses unschwierig abgeklettert ist folgt man einem nun besser markierten Pfad und hält sich im Zweifelsfall eher rechts in westlicher Richtung. Das letzte Stück des Pfades legt man im Übrigen in einem lehmigen "Latschentunnel" zurück. Hierbei sollte man darauf achten den vom "Vorsteiger" zurückschnalzenden Latschenästen auszuweichen. Am Tag unserer Begehung fanden sich teilweise noch Schneefelder und der Boden war extrem schmierig und lehmig. Daher waren wir froh, als wir die botanische Hölle nach ca. 1h verließen und den (noch) lieblichen Grat erreichten. Die Aussicht an diesem Tag hätte kaum besser sein können. Tief unter uns schimmerte das Wasser des Hintersteiner Sees und weit und breit war trotz des fantastischen Wetters keine Menschenseele zu sehen. Dem Grat in wenig schwieriger Kletterei  (eine Stelle II-III, das meiste eher I oder Gehgelände) folgend
erreichten wir nach einer weiteren halben Stunde den mit einem Steinmännchen markierten Grüblerkaiser (1866 m)
Nun folgte der reizvollste und zugleich anspruchsvollste Teil der Tour: Die Überschreitung der 4 Grattürme, mit denen der Grat zwischen Grübler- und Zettenkaiser aufwartet. Den ersten Turm, den "H. Treichel Turm" von dem auch eine farbige Aufschrift am Einstieg kündet erklettert man technisch unschwierig, aber durchaus anregend bis zu einem Stand mit 2 Bohrhaken. Hat man den Nachsteiger nachgeholt steigt man sich nach Norden orientierend seitlich in die Scharte zwischen dem ersten und zweiten Gratturm ab. 
Der Einstieg des zweiten Gratturms stellt die Schlüsselstelle der Tour (III, A0) dar. Die Stelle ist aber sehr gut versichert und mit Hilfe der beiden fix angebrachten Trittschlingen bringt man sie nach 2, 3 kräftigeren Zügen hinter sich. Bis zur nächsten Scharte kann man dann unproblematisch absteigen. Die letzten beiden Felstürme waren technisch einfach zu erklimmen. Im Abstieg entschieden wir uns beide Male aber für das Abseilen.


Kletterstelle am 1. Gratturm, dem "H. Reichel Turm"

Hat man den letzten der 4 Türme hinter sich gebracht, stößt man auf den Normalweg (UIAA I) zum Zettenkaiser, den Riegersteig. Über diesen erreicht man dann rasch den Gipfel, der eher selten besucht wird. Von dieser Tatsache zeugt auch das Gipfelbuch. Eigentlich schade, denn landschaftlich hat der Zettenkaiser auch auf dem Normalweg viel zu bieten. Auf der anderen Seite können sich die wenigen Besteiger so auch an der Einsamkeit erfreuen...
Nach einer kurzen Gipfelrast seilten wir uns vom Gipfelkreuz Richtung Grüblerlücke (1840 m) ab. Der zweite Abseilstand, ein massiver Metallring, ist hierbei von oben noch nicht zu sehen, wenn man aber darauf zuseilt ist er nicht zu übersehen. Im Weiteren Verlauf gibt es wohl verschiedene Möglichkeiten nach unten zu gelangen. Wir seilten noch ein paarmal weiter ab, bis wir etwas unterhalb, südlich der Grüblerlücke landeten.
Nun stand nur noch der Aufstieg zum Scheffauer bevor. Zu diesem ist nicht viel zu sagen, außer dass er deutlich leichter als der vorhergehende Tourenteil war. Die Schwierigkeiten übersteigen den Grad I eigentlich nicht und die Wegfindung ist unschwierig. Kurz unterhalb des Gipfels gelangt man dann aber nochmals zu einer etwas kniffligen Stelle. Man steht vor der Wahl sehr ausgesetzt, abwärts eine ca. 1,5 m breite Lücke zu überspringen oder aber nochmals kurz das Seil vom Rücken zu nehmen um auf Nummer sicher zu gehn. Hierfür ist im Übrigen auch ein Bohrhaken an der entsprechenden Stelle angebracht,
Wir entschieden uns für Letzteres und seilten kurz etwas ab um dann auf die andere Seite auszuspreizen. Von der anderen Seite sieht man dann auch eine etwas seltsam platzierte Gedenktafel einer jung verunglückten Bergsteigerin. Hat man diese Stelle passiert, ist man in wenigen Minuten auf dem Gipfel des Scheffauers (2111 m).

Rückblick zum Zettenkaiser (1968 m)

Nun stand uns nur noch der Abstieg auf dem Normalweg des Scheffauers nach Süden bevor, den wir recht schnell hinter uns brachten um rechtzeitig im Hotel zu sein, bevor die warme Küche schloss. 

Fazit:
Alles in allem ist die Tour landschaftlich ein echtes Juwel und gemessen an ihrer Schönheit sollte die Tour total überlaufen sein. Absolute Tourenempfehlung meinerseits an alle die sich der nicht zu schwierigen Tour gewachsen fühlen!
Zu guter letzt sei allerdings noch auf eine Besonderheit hingewiesen, was die Zeitangaben in den gängigen Führer betrifft: Der AVF Kaisergebirge gibt als Zeit vom Hocheck zum Zettenkaiser via Westgrat 2 h an. Liest man hingegen im AVF Wilder Kaiser extrem, so sind es hier 2 h ab dem Grateinstieg. Zu letzteren benötigt man jedoch vom Hocheck schon eine knappe Stunde. Die beiden Zeitangaben widersprechen sich hier also dramatisch. Insgesamt sollte man eher mit den 2 h ab dem Grateinstieg rechnen, bzw. mit mindestens 3 h vom Hocheck zum Gipfel des Zettenkaisers. 
Dies entspricht dann auch in etwa den Angaben von Thomas Otto in seinem empfehlenswerten Buch "Münchner Bergtouren".

Tourengänger: Ford Prefect

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Kommentare (6)


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Nic hat gesagt:
Gesendet am 27. Mai 2013 um 00:16
Gratulation zu dieser Super Tour. Scheffauer Westgrat möchte ich demnächst auch machen. Dann weiter zum Sonneck. Hast du auch ein Foto von von der "Lücke" Gruß

Nic hat gesagt: Noch eine Frage
Gesendet am 27. Mai 2013 um 09:46
Auf welche Stellen bezieht sich deine Bewertung T6 + ?

Ford Prefect hat gesagt: RE:Noch eine Frage
Gesendet am 27. Mai 2013 um 15:28
Hallo Nic!
Von der Sprunglücke hab ich leider kein photo. Im Prinzip kannst du es dir als zwei Plattformen vorstellen, wobei die gegenüber liegende einen starken Meter tiefer liegt. Mit schwerem Gepäck haben wir uns da lieber nochmal 5 min Zeit genommen und nochmal zum Seil gegriffen.
Was die Wertung betrifft: hier habe ich mich dem Otto Führer angeschlossen, der den Zettenkaiser Westgrat im oberen T6 Bereich ansiedelt. Die Hauptschwierigkeiten liegen an den ersten beiden Grattürmen und teilweise am Abstieg von diesen in die Scharten. Falls du planst die Tour solo anzugehen, würde ich dir auf jeden Fall zur Mitnahme eines Seiles raten. Vor allem das abklettern vom Zettenkaiser in die Grüblerscharte ist sonst definitiv sehr gewagt, auch wenn man anscheinend einfach runterkommen soll laut Führer...
Grüße, Ford Prefect

Chiemgauer hat gesagt: Gratulation zur Tour!
Gesendet am 3. Juni 2013 um 13:05
Der Grat steht auch schon länger auf meiner Liste, aber bin mir wegen der Schwierigkeit nicht sicher, ob ich es solo riskieren soll. Wo würdest du auf dem Weg zum Zettenkaiser die schwierigste Stelle sehen, wo es danach auch nicht mehr "schlimmer" kommt. Heißt wenn man es bis dahin geschafft hat, dann macht umdrehen auch keinen Sinn mehr.

Meines Wissens muss man zum zweiten Abseilstand eine III queren. Kannst du das bestätigen und reicht ein 50m Seil fürs Abseilen?

Gruß,
Hans

Ford Prefect hat gesagt: RE:Gratulation zur Tour!
Gesendet am 3. Juni 2013 um 15:07
Hallo Hans!

Insgesamt würde ich sagen ist die Tour Solo auf jeden Fall gut machbar, wenn man sich sicher im II-III Grat bewegt. Du kannst dir oft auch etwas heiklere Zwischenabstiege von den Grattürmen sparen indem du an Felsköpfeln oder Schlingen abseilst. Am "schwierigsten" im Sinne der technischen Schwierigkeit würde ich zwar die Schlüsselstelle am 2. Gratturm bezeichnen, diese ist aber mMn weniger gefährlich, da sie gut versichert ist, recht kurz und mit Schlingen ausgerüstet ist. Auf Grund der Kürze könnte man sich hier auch als Solist recht gut sichern ohne allzu viel Zeit zu brauchen. Am "nervenaufreibendsten" fand ich persönlich den Anstieg zum ersten Gratturm... Im Vorstieg bzw. Solo sinds halt schon ein paar Meter bis ganz oben und die Tiefblicke sind schon beeindruckend ;-)
Vielleicht lags aber auch nur daran, dass ich mental noch nicht "warm" war! :-D
Dafür ists aber technisch nicht schwer und die Felsqualität ist immer zuverlässig. Ansonsten gibt es eben viel "konsequentes" Kraxeln im II. Grad, bei dem man halt Aufpassen muss. Bei perfektem Wetter und trockenem Fels, wie wir ihn hatten, machts wirklich Freude und ich würde es wohl auch Solo riskieren, bei Nässe wollte ich da oben aber eher nicht rumsteigen.
Was das Abseilen betrifft: Vom Gipfelkreuz aus erreichst du den 2. Abseilanker (den Haken den ich auch photografiert habe) problemlos nach ca. 15m Abseilen. Danach haben wir aber wohl auch nicht die beste Variante gewählt, landeten zwischendurch auf einem etwas abschüssigen Band und haben noch mehrmals an Schlingen und Sanduhren weiterabgeseilt bis wir dann ein gutes Stück unterhalb der Grüblerlücke, also südlich davon landeten. Wir hätten vermutlich nach dem 2ten Mal Abseilen zunächst erst wieder etwas nördlich ansteigen müssen und wären dann wohl näher an der Grüblerlücke angekommen.... Naja, Hauptsache runter!
Mit nem 50 m Seil solltest du aber hinkommen auf jeden Fall! Nur wie gesagt, nach dem 2. mal Abseilen sind wir auch vom rechten Pfad abgekommen! ;-)

Chiemgauer hat gesagt: RE:Gratulation zur Tour!
Gesendet am 3. Juni 2013 um 16:17
Danke für die Antwort!
Jetzt weiß ich woran ich am Grat bin und kann es mir noch überlegen ob ich es mal riskiere. Denke die Schlüsselstelle dürfte auch nicht mein Problem sein, sondern II mit viel Tiefblick.
Zum Abseilen habe ich zur Info das noch gefunden: "Abseilpiste komplett eingerichtet, mit Bohrhaken, Ringen und Schlingen. Beginn an der 2ten kleinen Scharte vom Gipfel westwärts, Nach dem 2tenmal abseilen eine kurze Quergangsseilänge nach Osten ( brüchig ) und nochmals 2x abseilen. Ein 60 Meter Seil genügt."


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