Breitgrießkarspitze (2588 m) - über Larchetkar- und Große Riedlkarspitze


Publiziert von 83_Stefan , 21. Mai 2013 um 17:30.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:18 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über die B2 von Mittenwald in Richtung Scharnitz. Noch vor der Grenze kleiner Parkplatz (kostenfrei) rechts der Straße. Die Parkgebühr-Wucherei in Scharnitz (6 Euro pro Tag!!!) ist eine Frechheit und wird von mir boykottiert.
Kartennummer:AV-Karte 5/1 - Karwendelgebirge West.

Endlose Mondlandschaften, darüber helle, brüchige Felsruinen aus Kalk. Weit unten die türkisgrüne Isar, die zu den Felsketten einen willkommenen Kontrast bildet. Ausgedehnte Latschenfelder - Hassliebe der Bergsteiger! Wir befinden uns tief im Innersten des Karwendels, in der Hinterautal-Vomper-Kette, die von Scharnitz bis zum Achensee zieht. Nach langem Aufstieg stehen unsere Gipfelziele aufgereiht vor uns, packen wir's an!
Die hier beschriebene Rundtour führt den Leser in den westlichen Teil der Karwendel-Hauptkette. Dabei werden die drei relativ selten bestiegenen Gipfel Larchetkarspitze, Große Riedlkarspitze und Breitgrießkarspitze besucht, die sich über schier endlosen Geröllkaren erheben, nach Norden hin aber mit steiler Wand abbrechen.


Start in Scharnitz, dem Tor zum Karwendel. Mit den Fahrrädern geht's entlang der Isar aufwärts. Nach der Gleirschhöhe leitet der Weg wieder zum Fluss hinunter und erreicht eine große Wildfutterstelle, noch bevor der Weg den Hinterkarbach überquert. Dort ist das Radldepot erreicht.

Gegenüber der Futterstelle geht's - etwas rechts haltend - ohne erkennbaren Pfad im Wald aufwärts, wobei man an seltsam mit "x" und Nummern markierten Bäumen vorbei kommt. Stets etwas rechts haltend, trifft man auf die Abbruchkante zum Kohlergraben, an der sich ein guter Pfad ausprägt. Zunächst hoch über dem Graben dahin, später leiten die Spuren zum Bach hinunter, der überquert wird. Auf der anderen Seite geht's steil durch eine Geröllzunge aufwärts, bis der Steig auf freigeschnittener Trasse durch den Latschengürtel über der Klamm führt. Weiter oben trifft die Spur wieder mit dem Bachbett zusammen und das eigentliche Hinterkar ist erreicht (Steinmann; wichtiger Punkt beim Abstieg!).

Im begrünten, gut begehbaren Kar aufwärts, links sticht P. 2491 im Südgrat der Larchetkarspitze markant ins Auge. An ihm vorbei in die linke Karmulde, bis der Blick zur Larchetkarspitze frei wird. Links des Gipfelaufbaus finden sich zwei markante Scharten, die rechte ist das Ziel. Also steil hinauf!

In der Scharte angekommen, leitet ein Stahlseil nach rechts bergan auf ein Band, auf dem zu einer kurzen Steilstufe gequert wird. Dank des durchgehenden Seils ohne größere Probleme, aber exponiert hinauf (ohne Seil III-) und den Seilen folgend zum Gipfel, den ein kleines Kreuz ziert. Die Pleisenspitze im Westen wirkt von hier aus ziemlich wuchtig. Der Ausblick auf die umliegenden Karwendelberge ist richtig gut, im Süden zeigen sich im Hintergrund die Stubaier Alpen recht schön. Hinunter zur Scharte geht's auf dem Anstiegsweg.

Von der Scharte wieder ein Stück abwärts, bis man gut zum Verbindungskamm Larchetkar-/ Große Riedlkarspitze queren kann, den man günstigerweise etwa an der tiefsten Stelle erreicht. Auf ihm geht's meist durch Schrofen aufwärts zur Großen Riedlkarspitze, die wenigen felsigen Hindernisse umgeht man am einfachsten rechter Hand. Den Gipfel ziert ein Steinmann (mit Gipfelbuch). Der Ausblick ist noch etwas umfassender als auf der Larchetkarspitze.

Vom Gipfel steigt man auf dem Ostkamm ab, für Karwendelverhältnisse unschwierig. Durch die Ostmulde des Hinterkars wäre hier ein Abstieg zurück durch den Kohlergraben möglich.

Der nimmersatte Gipfelsammler aber hängt gleich noch die Breitgrießkarspitze dran... weil man halt schon mal da ist! Dazu folgt man dem Kamm zum Gipfelaufbau der Breitgrießkarspitze wieder bergauf und erreicht den markierten Verbindungsweg von Pleisenhütte und Karwendelhaus, der auf einem Band relativ ausgesetzt die steile Westflanke zum Südgrat hin quert (teilweise versichert). Am Südgrat dann unmarkiert, aber auf gut erkennbaren Spuren ohne größere Schwierigkeiten hinauf zum Gipfel (Steinmann und Gipfelbuch). Die Aussicht ist in etwa mit der von der Großen Riedlkarspitze zu vergleichen, nur die Große Seekarspitze setzt sich schöner in Szene.

Auf dem Südgrat zurück zum markierten Weg. Ihm folgt man nach Osten hinunter und nordöstlich unter dem Gipfelaufbau hindurch. Wo man gut ins Breitgrießkar absteigen kann, verlässt man ihn und steigt weglos über Schrofen hinunter.

Das Kar verengt sich im unteren Teil karwendeltypisch zu einer Schlucht; einer Engstelle weicht man rechts aus. Bald leiten die Spuren auf die linke Bachseite und durch ausgeschnitte Gassen geht's durch Latschen abwärts, bis der Bach erneut gequert wird und der Steig durch Latschengestrüpp in den Wald hinein führt. Nahe an der Abbruchkante zum Breitgrießkarbach abwärts zu einer Rodung. Ab hier - etwas rechts haltend -  weglos durch den Wald hinunter zur Fahrstraße, an der Isar entlang zu den Rädern und auf ihnen flott zurück nach Scharnitz.

Schwierigkeiten:
Auffahrt zum Radldepot: L (alternativ zu Fuß T1).
Via Hinterkar zur Larchetkarspitze: T4+, I (da versichert, sonst bedeutend schwieriger; brüchig, Vorsicht vor Steinschlag; ohne Gipfelaufbau T3).
Große Riedlkarspitze über Westgrat: T4-, I (meist Schrofen).
Abstieg von der Großen Riedlkarspitze über Ostgrat: T3+ (für Karwendelverhältnisse easy).
Breitgrießkarspitze via Westflanke: T4 (versichert, etwas ausgesetzt).
Von der Breitgrießkarspitze ins Breitgrießkar und zurück zum Radldepot: T4-, I (Orientierungsvermögen wichtig).

Fazit:
Eine landschaftlich hochinteressante 5*-Rundtour für Karwendel-Liebhaber, die zwar nie wirklich schwierig ist, aber wegen ihrer weltentrückten Lage die nötige Aufmerksamkeit einfordert. Der Abstieg durch's Breitgrießkar verlangt gutes Orientierungsvermögen. Große Vorsicht vor der Querung der steilen Westflanke der Breitgrießkarspitze, wenn Schnee liegt!

Mit auf Tour: Uwe.

Anmerkungen:
Die Larchetkarspitze aus dem Mitterkar hat unter anderem ADI bereits besucht:
*Larchetkarspitze(2541m), der ruhige Nachbar der Pleisenspitze.
Große Riedlkar- und Breitgrießkarspitze von der Pleisenhütte hat maxl hier beschrieben:
*Auf die Große Riedlkarspitze und die Breitgrieskarspitze.

Tourengänger: 83_Stefan

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Kommentare (18)


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Yeti69 hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 18:51
Respekt Stefan!

Da habts ja etliche Höhenmeter "runtergeschruppt"...und eine richtig schöne Karwendelrunde gedreht.
Die wenigen guten Tage müssen genutzt werden, nicht wahr ;-)

VG Markus

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 11:47
Hallo Markus, danke dir! Klar, die wenigen Sonnentage muss man voll ausnützen - das habt ihr ja auch voll erreicht ;-) .

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 19:18
Tolle Tour und Fotos mit Bericht. Dass Karwendel fasziniert irgendwie.

Grüße
Hanspeter

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 11:50
Hallo Hanspeter! Vielen Dank, das freut mich. Ich mag vor allem die Weitläufigkeit des Gebiets. Abseits der Wege trifft man meist kaum einen Menschen.

Bergfex78 hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 19:50
Eine ganz tolle Runde, Stefan! Das Karwendel ist halt doch das schönste Gebirge der Welt :-D!!

Bergfex78 hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 19:53
Apropos; wie kommt's, dass ihr nicht über's Mitterkar auf die Larchet seid? Also, so als volle Runde...

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 11:52
Danke dir! Naja, so war's logistisch am günstigsten, da wir ja nicht auf die Pleisenspitze wollten - die ist eher ein Ziel für den Winter, wenn dort nicht so viele Wanderer unterwegs sind. Außerdem wollte ich den Steig durch den Kohlergraben mal gehen.

kardirk hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 20:02
Klasse Tour, da geht ja schon einiges im Karwendel, jedenfalls südseitig, macht richtig Laune - hoffentlich passt bald das Wetter mal zu meinen freien Tagen. Alle 3 auf einen Streich hatt ich auch mal angedacht, hab sie dann allerdings schön einer nach dem anderen einzeln bezwungen, ist doch ganz schön weit durchs Hinterkar.

VG
Dirk

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 11:55
Vielen Dank, Dirk! Stimmt, da geht schon einiges, wenn auch in den Karen noch recht viel Schnee liegt... aber das ist ja nicht ungewöhnlich.

Winterbaer Pro hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 21:44
Hi Stefan!
Sag mal: fährst Du dann solche Anfahrten eigentlich mit Deinem "Billigradl", mit dem Du so gar nicht zufrieden bist? Oder hast Du daneben noch ein MTB? Ich bin ein paar Mal die Schotterstraßen bei uns mit meinem "Citybike" gefahren. Abgesehen davon, dass es sauschwer ist, nur 7 Gänge hat, hat`s mich dann bei der Abfahrt im Schotter mit den schmalen Reifen sauber geschmissen. Kann mir was Entspannenderes vorstellen...

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 11:56
Hallo! Klar muss da mein Billigradl herhalten. Wenn's zu steil wird, muss ich halt schieben. Meist funktionieren die Bremsen und dann kann man auch mit dem klapprigen Teil nach der Tour entspannt bergab fahren.

Winterbaer Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 13:23
> Meist funktionieren die Bremsen
Ja dann ist ja alles bestens:-)

Dr. Stefan knallhart: mal eben 2200 Hm durch steilste, schottrige Kare und Schneefelder...zum Abschluss eine rasante Schotterstraßen-Abfahrt mit schmalen Reifen und meistens funktionierenden Bremsen.
Wie sagt der schissrige Winterbaer in so einem Fall immer? "Gut, dass ich nicht Eure Mutter bin, ich würde wahnsinnig werden":-)

Viele Grüße, heute schon Webcam geguckt? Schnee auf dem Wank, d.h. auf 1780 m. Bedeutet auch Schnee bei "meinen" armen, hungrigen Murmeltieren:-(

Uschi

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 14:06
Oh nein, Schnee auf dem Wank... ich hab das schlechte Wetter langsam satt.
Naja, das muss man immer relativ sehen - man hätte ja nach jedem Gipfel abbrechen können, also waren die 2200 HM optional. Und die Abfahrt durch's Hinterautal ist wirklich völlig unproblematisch ;-) .

Winterbaer Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 14:59
Gibt es eigentlich schon ein Verzeichnis auf Hikr. "wer hat die meisten Höhenmeter an einem Tag gekillt":-?
2200 find ich schon stark. Ich weiß gar nicht, was in meinem Leben mal mein persönlicher "Rekord" war. Aber bei meinem Aufenthalten in den Bergen kommt es ja heute auch da drauf gar nicht an. Trotzdem bewundere ich alle, die zu sowas fähig sind!

Das schlechte Wetter: ich weiß ja nicht, ob man das ernst nehmen darf, was sie uns so für den Sommer prophezeien.... Kann man überhaupt einen ganzen Sommer vorhersagen? Hoffen wir mal, dass nicht:-) Andrerseits, ein Tag wie letzten Samstag baut mich schon mal wieder sehr auf und ich zehre lange davon:-)

VG Uschi

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2013 um 16:19
Ich hab keine Ahnung, ob's sowas gibt, aber das ist mir eigentlich auch egal. Ich mach's ja nicht, um irgendwelche Rekorde zu brechen oder jemanden damit zu beeindrucken. Ehrlich gesagt ist mir die Höhenmeter-Anzahl nach einer Tour völlig "schnurtspiepe" ;-) . Aber sie gehört halt bei mir nun mal in den Kopf der Tourenbeschreibung.
Zum Glück kann man nicht den ganzen Sommer vorhersagen - es besteht also noch Hoffnung!

ADI hat gesagt:
Gesendet am 23. Mai 2013 um 11:36
Super g'macht, Buam!

Da habt's a oberlässiges Tagerl in unserem wunderschönen Karwendel derwischt!
Ich hoff, daß i bald wieder mitgehen kann.....

beste Grüße von Deinem Spezi ADI ;-)

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. Mai 2013 um 20:00
Seawas ADI! Da hast du recht - war DER Lichtblick dieses "Frühlings"!
Ich hoffe auch, dass du bald wieder "on tour" bist!!!

Soulfly hat gesagt:
Gesendet am 25. August 2015 um 19:57
Deine Berichte lesen sich immer 1A, als würde man die Tour gerade gehen :) Danke dafür! Diese hier beschriebene Tour wird morgen in etwa Teil 1 einer mehrtägigen Unternehmung im Karwendel sein.
Der Sommer lässt grüßen!


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