Pico del Teide von der Playa Ruiz


Publiziert von quacamozza Pro , 18. Mai 2013 um 20:32.

Region: Welt » Spanien » Kanarische Inseln » Santa Cruz de Tenerife
Tour Datum:10 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: E   Teneriffa   GR 131 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 3880 m
Abstieg: 1620 m
Strecke:La Rambla-Barranco Ruiz-La Vera-Icod el Alto-La Corona-Cruz de Fregel-El Portillo-Teide-Carretera TF 21 (44 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auf der TF 5 von Puerto Cruz bis zur Area recreativa Barranco Ruiz, rechts steil hinunter auf kleiner Seitenstraße nach La Rambla
Zufahrt zum Ankunftspunkt:In den Teide-Nationalpark auf der TF 21 bis zum Parkplatz bei km 40,5; Buslinien 342 und 348
Kartennummer:Rother Wanderführer Teneriffa (Touren 16,14,67,68)

Der Teide ist in jeder Hinsicht ein besonderer Berg. Als höchster Berg Spaniens zieht er die Spanier ebenso magisch an wie die Teneriffa-Urlauber. Ein Aufenthalt auf Teneriffa ohne den Teide - da fehlt die Hauptattraktion.

Die meisten Touristen lassen sich von der Teleférico auf das La Rambleta genannte Plateau 160 Höhenmeter unterhalb des Gipfels bringen. Für den Gipfel selbst ist, wie bekannt, in der Zeit zwischen 9 und 17 Uhr eine Genehmigung nötig. Über den Sinn und Unsinn wurde hier ja auch schon ausgiebig diskutiert. Es ist jedenfalls unmöglich, mit Bakschisch die Ranger zu bestechen, da ein großes Tor von mehreren gleichzeitig kontrolliert wird.   
Das große Problem bei Genehmigungen ist, dass sie nur für ein enges Zeitfenster und an einem bestimmten Tag gelten und vor allem, dass man sie wochenlang vorher einholen muss. Und wenn dann das Wetter schlecht ist, dann war die ganze Mühe umsonst.

Das alles sind absolut inakzeptable Zustände für Bergsteiger. Deshalb steigen viele am Vortag zur Altavista-Hütte auf, übernachten dort, um dann den Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu verfolgen. Ein einmaliges Erlebnis, aber auch bei dieser Variante gibt es Einschränkungen. So muss man Gipfel und Hütte zu bestimmten Zeiten verlassen.

Eine weitere Frühaufsteher-Variante ist in *Andy's Tourenbericht nachzulesen.

Weil ich auf der Altivista-Hütte nicht übernachten und nach der langwierigen Schienbeinkantenentzündung endlich wieder angreifen wollte, entschied ich mich, den Gipfel vom Meer aus zu besteigen und diesen nach Betriebsende der Seilbahn aufzusuchen. Das geht auch alles ganz gut, wenn die Tage lang sind. Außerdem sorgte meine Maus für einen luxuriösen Privattransfer zum Start- und Zielort sowie zwischendurch für den Energie- und Flüssigkeitsnachschub.

Zunächst beabsichtigte ich eine Besteigung direkt von unserem Hotel in Puerto. Allerdings führt nach Aguamansa kein Wanderweg hinauf. Man muss dazu wissen: Viele Tinerfenos joggen, walken oder gehen am Rand von vielbefahrenen Straßen entlang, auch ohne Gehwege. Das ist völlig normal. Mir war das aber zu gefährlich und auch landschaftlich zu wenig reizvoll. Da der Weg von der Playa de Ruiz relativ direkt zum Teide hinaufführt und nachhaltigere Erlebnisse versprach, wählte ich diese Route.

Was ich dann immer noch nicht bedacht hatte, war, dass der Großteil der Wege im Teide-Nationalpark im Mai wegen der Mufflonzählung Mittwoch und Freitag jeweils in der Zeit zwischen 9 und 17 Uhr gesperrt ist. Mit großen Schildern wird vor Feuerwaffengebrauch gewarnt. Ich ignorierte die Schilder allesamt, wie übrigens auch viele andere Wanderer. Ich habe auch nirgends irgendwelche Wildhüter beobachtet.
Es ist wohl schon viel Schikane bzw. Bürokratie dabei: Ich hatte den Eindruck, dass die Mufflonpopulation im Park auch nicht wesentlich höher ist als das Eisbärenvorkommen.

Dafür gibt es andere Tiere, namentlich Vögel und wilde Kaninchen, die dann gerne mal als conejo en salmorejo auf dem Speiseteller landen. Ja, und Hunde. Jeder muss einen Hund haben. Hunde überall. Sogar wilde, die sich in der Umgebung der Touristenzentren aufhalten und hin und wieder von Autos überfahren werden. Und in den Unterkünften kann einen das nächtliche Gebell um den Schlaf bringen.


Zur Ausrüstung und Schwierigkeit:

Feste Wanderschuhe und Stöcke. Das Wichtigste sind mineralienreiche Getränke in ausreichender Menge. Das Klima fordert eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme. Für die Tour dürfen es 6 Liter sein. Die sollten zur Vorbeugung einer Explosion auf jeden Fall ohne Gas sein. Allerdings ist der Teide nur in dieser Hinsicht ein gefährlicher Berg. Die Besteigung ist für Geübte leicht und verläuft immer auf guten Wanderwegen.
Die Getränke in der Altavista-Hütte sind übrigens hoffnungslos überteuert.




Die lange Wanderung beginnt am Ende des Sträßchens zunächst mit einem steilen Abstieg zum Küstenweg, der von San Juan/Las Aguas kommt.
Im kleinen Örtchen La Rambla (25m) steigt man zum hübschen Kirchplatz und über Treppen wieder hinauf zur Straße etwas östlich des Autoparkplatzes. Von dort folgt man der Straße nach links aufwärts zur Verbindungsstraße Puerto-Icod und überquert diese mit der nötigen Vorsicht. Auf der anderen Seite passiert man den Picknickplatz Barranco Ruiz (120m; 15 min; hier gibt's übrigens am Kiosk einen hervorragenden und günstigen Kaffee) und steigt rechts über eine steile Treppe (Wegweiser Icod el Alto) auf einem alten Camino bergwärts. Schwül und drückend lag die Luft im Tal des Barranco, und das schon am frühen Morgen kurz nach Anbruch der Helligkeit. 
Die Route ist bei Einheimischen auch als Camino de las Pencas bekannt. Doch keine Angst vor zuviel Gebüsch.
Der Kreislauf kommt ordentlich in Schwung, so steil geht es teilweise aufwärts. Oben trifft man im kleinen Dorf La Vera (425m; 45 min von La Rambla) auf einen weiteren schönen Rastplatz. Für mich war es für eine Pause allerdings noch etwas früh. Jetzt nach links die Asphaltstraße hoch, bis ein Wegweiser 50 Höhenmeter weiter oben die Richtung Icod el Alto geradeaus anzeigt. Nicht "halblinks", wie es im Rother-Führer heißt. Die Straße wird verlassen, und es geht nun mit wiederum 50 Höhenmetern, diesmal abwärts, in das obere Ende des Barranco Ruiz (410m). Eine wunderbare Stille umgab mich, und dann wieder...Hundegebell von irgendwo rechts oben.

Nach Querung des Barranco zunächst noch steil, dann langsam flacher und bequemer am östlichen Hang des Barranco entlang. Ein wunderbarer Blick auf das gegenüber liegende La Vera entschädigt für den bis jetzt ziemlich schweißtreibenden Aufstieg. Oben auf freiem Feld angekommen trifft der Weg eine betonierte Straße, der man nach rechts aufwärts folgt. Im Linksbogen ausholend verliert man wieder etwas an Höhe, kommt an einem Biohof vorbei und gelangt, das Stadion links lassend, zu den ersten Häusern von Icod el Alto (560m). Es geht immer geradeaus, auch wenn man ständig in die Versuchung gerät, nach rechts zur Straße TF 342 Icod-La Guancha hochzusteigen.

Der Ort zieht sich beachtlich in die Länge, was für Teneriffa recht ungewöhnlich ist. Orientierungspunkt ist die Dorfkirche, die nach gut 1 Kilometer erreicht ist (bis hierher 1 Std 40 min von La Rambla). An diesem Punkt wird dann auch die Hauptstraße erreicht. Durch das weitere Ortszentrum folgt man der Straße ostwärts und läuft die auffällige Kehre auf dem Gehweg links aus. Die Holzplanken über diesem Barranco wackeln schon etwas. An der nächsten großen Abzweigung führt eine Straße rechts in den oberen Ort. Bald wird die sich nach rechts aufwärts wendende Dorfstraße außerordentlich steil. Mühsam steige ich bergan und versuche dabei noch, mich mit einer Einheimischen über den Teide zu unterhalten.

Nach Verlassen des Ortes in einer Rechtskurve biegt der Weg (unmarkiert!) nach links ab und führt an einem Haus vorbei. Bald befindet man sich wieder auf Asphalt und steigt hinunter, zunächst an einem verfallenen Ausflugsrestaurant vorbei, dann die pista de parapente (Gleitschirmstartplatz) passierend zum wunderbaren Mirador La Corona (782m) mit Pavillon und einem umwerfenden Blick auf das Valle de Orotova. Nach mittlerweile 2 Stunden Gehzeit legte ich eine Frühstückspause ein.

Nun geht's entlang der Ladera-Kante immer aufwärts, teilweise über ausgewaschene und steile Feldwege. Einige Funkmasten zur Linken, dann geht's in den Wald. An einer Kreuzung dem Wegweiser zum Mirador El Asomadero (1090m; letzter Funkmast auf der Ladera) folgen. Man trifft auf den PR TF 40, den man aber nur knapp 200 Meter begleitet.  

Ab hier ist die Orientierung äußerst schwierig. Es gibt keinerlei Wegweiser, keine Markierungen und selbst die Ladera-Kante eignet sich mangels deutlicher Profilierung nicht mehr als Orientierungshilfe. 
So war es dann auch kein Wunder, dass ich mich (scheinbar) zwei Mal verlief und mir 100 Höhenmeter und viel Zeit zusätzlich auf das Tageskonto buchen musste.
Zunächst verfolgte ich die Fahrstraße geradeaus. Kurz nach der Abzweigung Richtung Chinajiga an einem kleinen Abfallplatz nahm ich den linken unmarkierten Weg, der bald streng aufwärts führt, später allerdings im Linksbogen und leicht abwärts verläuft. Das machte mich so unsicher, dass ich nach 10 Minuten umdrehte, abstieg und mein Glück auf dem Weg Richtung Campecho und La Guancha versuchte. Das war dann natürlich falsch, und jetzt ziemlich weit westwärts abgedriftet, musste ich über eine sanft ansteigende Fahrstraße (das wollte ich ja nun gar nicht) auf den richtigen Verlauf zurückkehren. Zwischendurch nahm ich noch einen weiteren kurzen Umweg. Ich war gefrustet.

Die Rasthütte Choza Viera y Clavijo (1330m) habe ich jedenfalls nicht kennengelernt. Ich stieg einfach weiter hoch, immer die Abkürzungen benutzend und den Mast der Asomadero im Auge. Nach 20 min wusste ich, dass ich endlich wieder richtig war. Die wegen des fehlenden Daches skurril anmutende Choza Piedra de los Pastores (1600m; 1 Std 45 min von La Corona) lädt zu einer weiteren Rast ein. Die vereinbarte Mittagspause um 12.30 Uhr in El Portillo konnte ich jetzt unmöglich mehr einhalten. Auch egal, erstmal zwei Bananen, dann sieht die Welt schon anders aus. 


Vom Rastplatz die Fahrstraße weiter hoch, nach gut 10 Minuten an einem weißen Heiligenschrein vorbei, und steil hoch bis auf ca. 1900m. Ab dann verflacht sich die Fahrstraße, und es geht links hinauf, zunächst noch im Wald, dann wird die freie Fläche betreten, von der man sofort den Teide im Blick hat. Puuh, ist der noch weit weg...

Auf einer Piste geht's nur wenige Meter weiter, dann links den Weg Nr. 29 hoch (Beginn des Nationalparks, Verbotsschilder) und an einem Mirador vorbei flach und nach rechts querend noch einige Zeit bis zum Cruz de Fregel (2084m; kleine Kapelle; 1 Std von der Choza Piedra de los Pastores) vor dem auffälligen rotbraunen Felsen der Fortaleza.

Weiter geht's, natürlich auch wieder alles wegen Mufflonzählung gesperrt, auf dem Weg Nr.1 des Teide-Nationalparks. Über unangenehm tiefen Sand hinunter in die Ebene (hier ist es oft bullenheiß) und links auf den Weg Richtung El Portillo. In leichtem Auf und Ab kommt man später an auffälligen Felsen vorbei, den Roques del Peral. Hier steigt der Weg etwas an, um dann auf das schon von weitem sichtbare Besucherzentrum zuzusteuern. Mit akzeptablen 25 min Verspätung erreichte ich El Portillo (2050m; 50 min vom Cruz de Fregel; 5 Std 30 min netto von La Rambla) und hatte einen ordentlichen Hunger mitgebracht.   

Nach der umfangreichen Pause kehrten dann auch die Lebensgeister schnell wieder zurück, so dass ich die nächsten Kilometer zuversichtlich in Angriff nahm. Immerhin hatte ich mir die Gardinenpredigt meiner Freundin erspart: die war nämlich auch nicht pünktlich oben.


Man darf auf Extended-Touren wirklich immer nur in Etappen denken, bloß nicht an die vielen, vielen Kilometer und Höhenmeter, die noch vor einem liegen. Motivation ist das A und O. So ignorierte ich dann auch zunächst den Teide, der ohnehin nicht näher kam und den Höhenmesser, der keinerlei Illusionen auf ein baldiges Tourenende aufkommen ließ. Vielmehr freute ich mich über das fast windstille Wetter, den schönen Tag und vor allem die bezaubernde Frühlingsblüte in den Canadas.


Zunächst noch auf dem Weg Nr. 1 "Fortaleza" zurück in Richtung Cruz de Fregel. Bald, das heißt nach 1,5 km, wird dieser jedoch verlassen. Man wird links auf den Weg Nr. 6 "Montana de los Tomillos" (Pico del Teide, Montana Blanca, Hinweistafel) geleitet. Es geht recht gemütlich zwischen gelbem Ginster und hellem Bimsgestein dahin, das gelegentlich von dunklen Felsbastionen unterbrochen ist. Man merkt gar nicht, dass dabei der eine oder andere Höhenmeter bewältigt wird. Rechts voraus die Montana de los Tomillos, dunkle Felsen aus Lava, danach eine weitere Verzweigung (2350m; knapp 1 Std von El Portillo). Links besteht die erste Möglichkeit, zur Canadas-Straße zu gelangen. 
Ich dagegen anvisiere die Montana Blanca und marschiere geradeaus. Von rechts kommt der Weg Nr. 22, und nach einem steileren Abschnitt, der in die Beine geht, eine Aussichtsterrasse, danach langgezogene Kehren, die an den eigenartigen Huevos del Teide, dunklen eiförmigen Lavabrocken, vorbeiführen, deren genaue Entstehung auf einer Tafel nachgelesen werden kann.
Wenige Minuten vor Erreichen der Montana Blanca schließlich beginnt der eigentliche Gipfelaufstieg auf den Teide, der freilich immer noch 1000 Höhenmeter beträgt (bis hierher 2 Std von El Portillo). 


Nach weiteren Hinweis- und Belehrungsschildern geht's nun endlich richtig zur Sache. Der Weg ist immer gut ausgebaut, nirgends ausgesetzt, aber recht steil. Hier ist Kondition gefragt. Die Altavista-Hütte ist bis zuletzt nicht sichtbar, nur eine Stange deutet die daneben liegende Unterkunft an. Insgesamt ein recht mühsamer Aufstieg, bevor das Refugio de Altavista (3260m; 3 Std von El Portillo) auftaucht.
Die Hütte war noch unbewirtschaftet, also wusste ich, ohne auf die Uhr zu schauen, dass es noch nicht 17 Uhr sein konnte. Die ersten Übernachtungsgäste treffen ein. Ein französischer Wanderer bekam allerdings keinen Platz mehr und biwakierte kurz oberhalb der Hütte. Beim Abstieg kam mir später eine Mega-Gruppe Spanier entgegen, die wohl die komplette Hütte buchten.  

Langsam macht sich auch die Höhe bemerkbar. Es geht nicht mehr so schnell wie unten. Als ich vor 25 Jahren den Teide zum ersten Mal bestieg, hatte ich noch die Höhenkrankheit. Keine Akklimatisation, extrem starkes Nasenbluten ab ca. 3000m, wenig Kondition, aber ich musste hoch. Damals war der Berg ein Abenteuer, heute ist trotz der ungewöhnlichen Tour alles geplant und strukturiert. Und ich muss nicht mehr hoch: wenn die Zeit nicht gereicht hätte, wäre ich umgekehrt.   

Aber es läuft alles wie vorausberechnet. Strich 17 Uhr verlasse ich nach einer Viertelstunde Pause die Altavista-Hütte, um die beiden letzten Hänge zu bewältigen. Zunächst durch mühsames Lavagestein, das auch einiges an Zeit benötigt, peile ich den Mirador de la Fortaleza an. Die Cueva del Hielo lasse ich rechts liegen. Vom Mirador muss ich dann auf und ab durch weitere Lavafelder, bis endlich die Seilbahn-Bergstation La Rambleta (3555m) zum Greifen vor mir liegt (45 min von der Altavista-Hütte).

Wow, das Tor, durch das nur wenige mit Permit durchgelassen werden. Vor einer Stunde stand meine Freundin hier noch mit dutzenden Leuten. Ich versuchte, mir das vorzustellen. Für mich eine ganz andere Szenerie: zwei Spanier kamen vom Gipfel herunter, ansonsten herrschte die ganz große Ruhe vor dem Gipfel- bzw. Schwefeldampf-Sturm. Der finale Anstieg. Irgendwie fühlt man sich auf diesem Weg wie auf einem roten Teppich. Privilegiert. Warum allerdings oberhalb der Seilbahnstation auf 3600m noch ein Mülleimer aufgestellt wurde (der höchste in Europa???)...merkwürdig. 

Die letzten Höhenmeter, der zunehmende Schwefelgeruch in der Nase, die dünne Luft, das Seilgeländer, welches über die ausgesetzten letzten Meter hinweghilft, dann die Gipfelankunft. Nach 1 Std 15 min von der Altavista-Hütte, 4 Std 15 min von El Portillo und 9 Std 45 min von La Rambla stand ich auf dem Pico del Teide (3718m), dem höchsten Punkt Spaniens. Fast 4000 Höhenmeter in den Beinen. Langsam, gleichmäßig, erfolgreich. Ein tolles Projekt. Ich musste mich erstmal kurz setzen. Hoffentlich gibt's keine schwefeligen Verätzungen oder Flecken.

Was für ein gigantischer Ausblick. Zwar war Lanzarote heute nicht sichtbar, aber ansonsten reißt einen der Ausblick im wahrsten Sinne vom Sitz. So verbrachte ich dann auch meine knapp halbstündige Pause fast ausschließlich im Stehen. Wahnsinn! Teneriffa zu Füßen, das Meer weit, weit unten, wenig Wind, allein auf dem Gipfel. Ja, so lässt es sich hier aushalten. Wo war eigentlich mein langwieriges Schienbeinkantensyndrom, das für mich drei Wochen Trainingsausfall bedeutete? Eine Wohltat, endlich wieder einigermaßen schmerzfrei zu laufen. Nur die 4000 Meter voll machen, das ging heute nicht mehr ohne das Zurücklegen sinnfreier Höhenmeter.  



Bis Einbruch der Dunkelheit hatte ich noch 2 Std 15 min zur Verfügung. Zwar stibitzte ich in El Portillo meiner Freundin gleich mal die Stirnlampe, aber ich war nicht scharf darauf, bei Dunkelheit im Lavastrom rumzuturnen. Also schaltete ich vorsichtshalber erstmal einen Gang hoch. So war dann auch schnell die Bergstation in Reichweite, dann wieder hoch und runter. Doch hielt ich mich bis zur Montana Blanca noch durch Gespräche mit den Spaniern ziemlich auf. Die Uhr wurde mir immer unwichtiger. Jeder dritte fragte, wie weit es denn noch sei bis zur Hütte. Pust, pust, schnauf, schnauf. Und ich? Ich komm doch vielleicht in die Dunkelheit...und bin schon etwas müde...und total hungrig...eres deportista? No. Pero un pochito, hörte ich aus dem Hintergrund. Abends am Teide ist man kein Tourist mehr.

Aber die gute alte Karte hilft. An der Montana Blanca erkannte ich eine Abkürzung, und schon von unten hatte ich den feinschuttigen Hang als Abfahrtspiste ausgemacht. Auch wenn der Weg offiziell nicht existiert: Das schienbeinfreundliche Abfahren im Geröll tut wahnsinnig gut. Hui, es geht schnell runter, bis ich durch gröberes Gestein gebremst werde. Ein Steinmann signalisiert, dass diese Route wohl doch bekannt und begangen ist. Von zweibeinigen muflónes, versteht sich.
Hinter dem namenlosen P.2516 biege ich rechts auf den üblichen Hüttenweg ab und erreiche dann bald die Canadas-Straße und den Parkplatz. Eine knappe Viertelstunde vor Einbruch der Dunkelheit.

(Mobil-)Telefone sind den Spaniern heilig. Super Connection hier oben in der Wildnis. Einer der Spanier ließ die Lichter am Auto brennen. Super für mich, schlecht für den Spanier. Noch konnte ich aber mit Tageslicht sehen, etwas essen, mich warm anziehen.

Was für ein Naturschauspiel: Der Abendhimmel über den Canadas, eigenwillige Schlierenformen. Tiefes Dunkelblau, das langsam zu schwarz wird. Dafür lässt man doch glatt das Abendbuffet im Hotel sausen. Eine kleine Maus gesellte sich zu mir, aber nicht die richtige. Nur hin und wieder ein vorbeifahrendes Lastenfahrzeug von Nationalpark-Mitarbeitern. Als bald darauf ein Auto neben mir hielt, wurde ich fast ein bißchen wehmütig. Ein einsamer Wandersmann wurde eingesammelt, und der schöne Tag war nun endgültig vorbei. Doch die Tourensaison 2013, die beginnt erst.




 
  






 







Tourengänger: quacamozza

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Kommentare (4)


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trainman hat gesagt:
Gesendet am 18. Mai 2013 um 22:21
Gratuliere zu dieser Meisterleistung!
Grüsse trainman

quacamozza Pro hat gesagt: Vielen Dank...
Gesendet am 18. Mai 2013 um 22:46
...und eine Ehre für mich, von einem so erfahrenen Monstertourer geadelt zu werden.

Beste Grüße zurück
Ulf

Andy84 Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 00:20
wie schon gesagt...
bist echt a wilder Hund ;-)

quacamozza Pro hat gesagt: Ha,...
Gesendet am 19. Mai 2013 um 12:50
...ich glaube, wenn ich mit Dir auf Tour gehe, bin ich danach noch ein ganzes Stückchen wilder ;-)

Das musst Du doch auch zugeben, dass der Teide einfach hammergeil ist. Ihr habt ja auch so eindrucksvolle Bilder mitgebracht...

Bis demnächst, wünsch Dir schöne Pfingsten
Ulf



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