Abenteuer Seebergspitze ....


Publiziert von kardirk , 15. Mai 2013 um 16:49.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:14 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:12,5km

... oder die Latschen-Kampf-Saison ist eröffnet.
Das Massiv von Seeberg- und Seekarspitze über dem westlichen Achensee ist ja eigentlich von fast allen Seiten gut erschlossen mit Wanderwegen und bietet mit der Überschreitung eine aussichtsreiche Bergtour.
Von der Bundesstrasse aus präsentiert sich die O-Flanke mit Ihren schon gewaltig zu nennenden Schluchten und Gräben äußerst eindrucksvoll und unzugänglich. In den älteren AV-Führern existiert jedoch eine Route über den sogenannten Guggenmahd Schafleger und in der AV Karte ist da sogar ein ganz guter Steig eingezeichnet. Höchste Zeit einmal für mich, das Thema unbekanntes Karwendel an diesem Berge fortzusetzen.
Start war am Parkplatz Pertisau, dem neuen riesigen Betonareal direkt am Anleger, womit die wunderschönen Wiesen zugepflastert wurde - Tribut an den Tourismus, dessen Teil man selber mitträgt.
Über den zunächst als Uferpromenade ausgebauten Gaisalmsteig am Seeufer entlang zum Breitgries, dort wird der Weg zum immer noch gut ausgebauten Ufer-Steig, der landschaftlich ungemein reizvoll über die Gaisalm bis nach Achenkirch führt, eine Wanderung für nahezu Jedermann/Frau.
Für mich war aber an der Einmündung der Breitlahn-Schlucht Schluss mit lustig. Über das Bachbett gings Bergwärts, zunächst kurzeitig flach. Links streicht der steile Bergwald fast bis zum Bachbett hinab. Dort stieg ich über steile latschenbewerte Schrofen in den Wald ein, denn laut Karte und GPS sollte dort der Steigbeginn zu finden sein. Zunächst quer im Gemüse, dann gings in einer Grasrinne steil aufwärts. Ich querte nach links auf einen Rücken, fand dort kurzeitig eine Art Pfad, dann wieder nichts, obwohl ich laut GPS mitten drauf stand. So blieb mir nichts anderes übrig als meiner Nase und dem GPS folgend über den Rücken direkt steil bergan zu steigen, einem Felsaufschwung rechts ausweichend, dann wieder nach links. Ich erreichte die Stelle wo laut GPS der Pfad nun entschieden nach links den Hang queren sollte und siehe da, ein durchsägter Baumstamm und ein Steinmann zeugten mir die Richtigkeit meines Weges. Es folgte nun die Querung einer breiten schroffigen Runse. Hier war doch tatsächlich ein Spur durch die Latschen geschnitten, zudem gabs eine schwache Pfadspur. Leicht bergab, dann wieder steil bergan, ein paar kleine Kraxeleinlagen, so gelangte ich dann tatsächlich zu der wunderschönen Steilwiese, dem Guggenmahd Niederlegger, die bereits deutlich wieder ver"waldet".
Laut GPS sollte die Pfadspur nun rechts oben am Ende der Lichtung zu finden sein. Ich suchte und suchte, stand deutlich laut GPS auf dem Pfad, aber außer ein paar Gamsspuren führte nichts ins mich erwartungfreudig anstarrende Latschengemüse.
Ach, wie freute auch ich mich endlich wieder in den Nahkampf treten zu dürfen, und folgte dem GPS auf Gamsspuren mitten rein ins Gemüse. Einfach herrlich, Patsch eine Latsche im Gesicht, Pitsch, eine zwischen den Beinen, Flutsch schon hängt der Rucksack fest und flatsch, wozu hab ich auch unbedingt Stecken dabei. Mühsam errang ich unterhalb eines Schroffengürtels etwas Freiraum, hangelte mich auf Gamsspuren hinüber zu einer steilen Rinne, diese in brüchig schmieriger Kraxelei hinauf (I), dann über ein Wandl auf einen Rücken. 45min harter Kampf brachten mich sagenhafte 50hm und 200m weiter, dann stand ich an zwei lauschigen von Latschen gesäumten Gams-Ruheplätzen, mit exquisieter Aussicht und Lage. Also wieder 4m zurück und nun in der Rinne hinauf. Hei wie freute mich da das sanfte hinab-rieseln alter Latschen-Nadeln, genau in das sich am Nacken aufwölbende T-Shirt, sodaß die Ladung weit in die Tiefen des Wanderden hinabrieselte. Über Moos und schmieriges Erdreich, gedeckt und gehalten von kräftigen Latschenästen  gings keuchend aufwärts - aber umkehren, NIEMALS !!!!. Ich erreichte eine kleine Kuppe mit einer Tanne und da, ich konnte es kaum glauben, sah ich geschnittene Latschenäste, und da tatsächlich, eine geschnittene Latschengasse - Hurra!!. Nun gings auch schon viel viel leichter - na ja o.k., das Terrain war immer noch sehr steil und die Gasse ging schnurgerade hinauf. Es lichtete sich das Gemüse immer mehr, die Gasse war jetzt Autobahnbreit und ich erreichte nach 1:30 die Wiese des Mittellegers, gut 3 h nach Start unten am Ufer - ufff.
Wie ich später von der anderen Uferseite sehen konnte, muß man am Niederleger anscheinend am rechten Rand gerade hoch steigen und trifft da auf die Latschengasse, die dann nach rechts leitet. Ich war zu früh gequert, wohl auch weil die Position des Pfades in der Karte nicht wirklich mit der Realität (GPS) übereinstimmt.
Weiter stieg ich nun über freieres Gelände, teilweise über gut zu gehenden Altschnee hinauf zum Hochleger, wo auch noch ein 2 Ruinen der Schafställe zu besichtigen sind. Hier gabs erstmal eine richtige Pause.
Der weitere Weg war dann klar vorgegeben. Über den zunächst noch latschenbedeckten Rücken gings weiter hinan. Weiter oben dann ein breiter Grasrücken, der sich verschmälernd zu der knapp 100m hohen Steilstufe zum S-Grat hinaufleitet. Schon von weitem sah ich dort eine enge steile Rinne, die dann auch tatsächlich den Aufstieg vermittelt. Im unteren Bereich war die Rinne noch schneegefüllt. Steil auf gutem Trittschnee gings hoch, die Steilstufe in der Rinne wollte ich über eine Rampe erklimmen. Doch soweit kam ich dann gar nicht, denn der Zugang zur Rampe war eine fragile Schneebrücke, die ich mich nicht traute zu belasten - gut 2m gings darunter hinab. Also querte ich nach rechts auf die begleitende Rippe, die aus recht brösligem, abwärtsgeschichtetem schuttbedecktem Fels bestand. Hier kraxelte ich nun in der mir eigenen Elegance vorsichtig hinauf, um weiter oben über bröslige Leisten wieder in die Rinne zurückzuqueren. Dabei fand ich doch dann auch tatsächlich eine Seilsicherung die mit ganz neuen Bohrhaken befestigt war. Ich vermute mal, das Jäger hier vom Grat aus Ihr Revier auf dem Guggenmahdrücken besuchen, wäre jedenfalls deutlich leichter, als vom See aus.
In der Rinne gings nun über ausgewaschenen Fels gut aufwärts, zuletzt querte ich nach links und wich der sperrenden Altschneewechte am Grat aus. So erreichte ich nach gut 5h endlich den S-Grat, auf dem es in 30min zum Gipfel der Seebergspitze ging, der heute wiedermal eine Klasse Aussicht bot.
Der Rest war dann Kinderkram: 40min Pause, dann über den markierten Steig hinab zur aufgelassenen Roßbergalm und den steilen Steig wieder hinab nach Pertisau. 2,20h
Dort durfte ich dann sage und schreibe 7,-€ für das Parken berappen, hätte ich es in 8 Std. geschafft, häts nur 5,-€ gekostet, wer es gar in 4 Std. schafft braucht dann nur 3,-€ zu bezahlen.

Fazit:
Reichlich abenteuerliche Tour, nur was für Liebhaber, landschaftlich aber sehr reizvoll (der Achensee immer im Blick, sofern einen die Latschen lassen) - wers bequem mag, dem sei die Überschreitung angeraten.
Die Aussage im neuen AV, der Pfad wäre zugewachsen ist Quatsch. Bis zum Niederleger existiert er nur rudimentär oder gar nicht mehr, oben muß man nur die breite Gasse finden, die ist vollkommen frei.
Gelände ist bis zum Rücken ordentlich steil, in der Rinne (im alten AV ein Kamin??) ist Kletterei I-II angesagt, je nach Route.
Schwierigkeiten: T4-5, Kletterei kurze Stellen I / II
Ausdauer, vorallem die, Orientierungssinn, Trittsicherheit und Geländekenntnis sind Vorraussetzungen für diese Tour.

Tourengänger: kardirk

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