Akklimatisationstour 1 im Iran: Borj 4325m


Publiziert von TeamMoomin , 18. Mai 2013 um 18:22. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Iran
Tour Datum: 3 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: IR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1950 m
Abstieg: 1950 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit ÖV fast nicht erreichbar, meines Wissens nach kein Busverkehr. Mit Überlandtaxi nach Laloon kostet ca. 40 US Dollar (ca. 2Millionen Rial beim momentanen Kurs) von Teheran aus. Alternativ im Sommer von Dizin aus (auch mit Taxi)
Unterkunftmöglichkeiten:Nur Zelt da es in Laloon kein Hotel hat und auf dem ganzen Weg keine Hütte nutzbar ist. In Dizin gibt es Hotels (Skiort), ob diese allerdings im Sommer offen haben umbedingt zuerst abklären

Vor nicht ganz einem halben Jahr als ich von Südamerika zurückgekommen war und nun endgültig dem Rausch der hohen Berge verfallen traf ich an einem gemütlichen Abend Klaus. Irgendwie kamen wir spontan auf die Idee wir könnten mal zusammen was grosses machen und zu meiner Freude war er sofort dabei. So startete ein Abenteuer welches mir noch lange in bester Erinnerung bleiben sollte, doch der Reihe nach........


Vorbemerkung:

Spätestens seit xaendi letztes Jahr mit seinen Brüdern den Damavand bestiegen hatte und auch Andi schon oft von dem Berg sowie dem Land  geschwärmt hat war für mich klar ich will mal auf den Damavand. Mit Klaus hatte ich nun noch einen guten Kollegen und so gings los. Da wir aus beruflichen und wettertechnischen Gründen keine Zeit mehr fadnen uns in heimischen Gefilden zu akklimatisieren beschlossen wir dies direkt im Iran selbst zu tun.

Abgesehen vom Damavand und dem Tochal sind aber alle Berge im Iran eher schwer bis unmöglich mit ÖV zu erreichen und selber fahren ist bei den sagen wir mal sehr "speziellen" Verkehrsverhaltensregeln der Einheimischen auch nicht die beste Idee. So entschieden wir uns den ersten Teil mit einem Guide zu machen.

Da ich in Südamerika aber eher schlechte Erfahrungen gemacht hatte und wir eigentlich eher einen iranischen Bergkameraden suchten als jemadn der uns ein Programm vorschreibt investierten wir sehr viel Mühe mit der Suche und Recherche nach jemandem geeigneten.  Wir wurden dann auch fündig nämlich mit Mohammad von Mountainzone.ir. Schon im Mailkontakt erwies er sich als super nett und eher wie ein Kollege denn wie ein klassischer Guide.

Als Vorschlag wurde dann der Great Kholeno genannt und da man dort gut in einem Pass auf 4000m Höhe schlafen konnte und bei Gelegenheit noch andere 4000er besteigen konnte gefiel die Idee Klaus und mir sehr schnell.

Ankunft im Iran:

Nach einem verschlafenen Flug mit einem Zwischenaufenthalt in Istanbul erreichten wir dann um 4 Uhr morgens Lokalzeit (Bei uns 1.30 Uhr) den Iran und uns fiel schnell auf die Leute sind extrem nett. So trafen wir per Zufall einen Kollegen von Mohammad am Flughafen und schon wurden wir mit Tipps verwöhnt und er erklärte uns was der Taxifahrer maximal verlangen könne etc. Dann schliefen wir 2-3 Stunden bevor wir uns mit dem Taxi zu Mohammads Büro aufmachten.

Dort angekommen wurden wir von Mohammad freundlichst begrüsst und schon nach wenigen Minuten war er uns äusserst sympatisch. Bei extrem feinem aromatischem Tee und Gebäck besprachen wir dann die nächsten Tage und was wir noch organisieren müssten.
Und dann wurden wir von Mohammads Mutter noch zum Mittagessen eingeladen was wir mit Freuden annahmen. Was uns dann da als kleine Mittagsmahlzeit serviert wurde überstieg unsere künnsten Erwartungen, da gab es eingelegtes, Salate, verschiedene iranische Fleisch und Linsen etc. Gerichte herrlich! Und wir sollten noch oft im Iran über das Essen schwärmen!

Mit vollen Bäuchen machten wir uns dann auf Geld zu wechseln und noch Gaskartuschen zu kaufen bevor es nochmals zu Mohammad nach Hause ging, denn wir hatten im Gespräch mit ihm erfahren dass er mit den zwei Tessinern Fulvio Mariani und Mario Casella in Zusammanarbeit mit ARTE und dem schweizerischen Fernsehen in einer Dokumentation (sehr zu empfehlen) über die Vulkane im Iran vor der Kamera gestanden hatte, bzw. mit ihnen zusammen mit Skiern den Iran durchquert hatte.
Da waren wir natürlich gespannt und so lud er uns ein diese bei ihm Zuhause anschauen zu kommen, natürlich nicht ohne dass wir von seiner Frau nochmals mit Tee und leckerem Kuchen verwöhnt wurden.

Danach gings ins Hotel wo wir sogleich einschliefen.

Am Berg:

Am nächsten Morgen stand erstmals eine etwa 2 stündige Fahrt durch Teheran und anschliessend Richtung Norden zum Alborz Gebirge an. Am schluss kamen wir im kleinen Dörfchen Laloon an von wo aus es denn zu Fuss weiterging. Man folgt der Dorfstrasse und geht dann dem linken Ufer des Flusses entlang, so läuft man zuerst zwischen all den mehr oder weniger fertiggebauten Villen am Dorfrand hindurch. Dann gehts auf einem schmalen kleinen Trampelpfad hinein in eine wunderschöne Schlucht.

Je nach Wasserstand und Schneeverhältnisse sucht man sich nun einen Weg über den Fluss bis man dann anschliessend wieder auf der Rechten Seite des Flusses auf dem Weg angelangt.

Von da an wandert man im Talkessel immer dem Weg entlang und geniesst die Landschaft, welche mich stark an Filmaufnahmen aus Pakistan und der Mongolei erinnerten. Auf dem unteren Teil unser Tour trafen wir noch viele Iraner an die hier herkommen um die Natur zu geniessen frische Kräuter zu sammeln der einfach ein gemütliches Picknick zu veranstalten. Wir wurden dann auch immer wieder freundlich gegerüsst und bekamen sogar Biscuits angeboten. Nebenbei lernten wir von Mohammad spielerisch noch einige Wörter Farsi wobei sich vorallem Klaus hier als sehr schnelllernig herausstellte. Das wichtigste Wort ist wohl Damid Germ (ausgesprochen Damidgan) was soviel wie super genial toll geil bedeutet! ;-)

Je weiter wir nun ins Tal hineingelangten desto grösser wurden die Altschneefelder und so mussten wir uns dann noch an einem Hang entlang durch solch eines wühlen bevor wir beim Camp 1, welches schön oberhalb eines kleinen Wasserfalls liegt, angelangten.

Dort stellten wir gemütlich unsere Behausung auf, wobei es noch spannend war da es sich um das Zelt von Klaus Bruder handelte und wir es noch nie aufgestellt hatten, und tranken Tee und genossen die Landschaft.

Etwas später stiegen wir zur besseren Akklimatisation noch etwa bis auf 3500m auf machten eine kleinen Rast und stiegen dann wieder ab da es zu schneien begann. Im Schneegestöber kamen wir dann beim Zelt an und verkrochen uns dann erst mal zum Kochen und Teetrinken. Und wieder überraschte uns Mohammad mit Leckereien die er den Berg hochgetragen hatte, wir revanchierten uns dann mit einer Tafel Schweizer Schokolade welche er zu Tee und Lektüre genos.

Dann hiess es schlafen da wir Morgen wieder früh aufstehen wollten.

Am anderen Tag wurden wir von einem herrlichen Wetter begrüsst und so schritten wir frohen Mutes aus um die gut 750 Höhenmeter bis zum Pass mit unseren schweren Rucksäcken zu überwinden.
Oben auf dem Pass angekommen zeigte sich uns ein herrliches Panorama auf den Nord Borj die Jeanne D`Arc die zum Kholeno the Small hinüberleite, dem Kholeno the Great etc.

Doch bevor wir uns aufmachten zur Besteigung richteten wir erst mal unser Camp 2 auf etwas nebem dem Varzab Pass ein. Leider wechselte das Wetter dann sehr schnell und als wir fertig waren und Tee für den Aufstieg gekocht hatten hatte eine grauslige Nebelsuppe sich festgesetzt.

Wir beschlossen via dem Grat auf den Nord Borj (viele Infos zu dem Berg siehe hier) zu steigen und je nach Wetter dann weiter zum Kholeno the Great zu steigen.

Als wir auf etwa 4100m waren klagte Klaus dann plötzlich über extrem stechende Kopfschmerzen im Hinterkopf. Wir befragten Ihn dann genau nach den Symptomen und auch wenn Mohammad und ich nicht der Meinung waren dass es die Höhenkrankheit war stiegen wir sicherheitshalber wieder mit Ihm ab. Beim Zelt angekommen kontrollierten wir seinen Blutdruck, Puls etc. und gaben im viel Tee zu trinken.

Etwa eine halbe Stunde später ging es Ihm wieder sehr gut und mit Blutdruckgerät und Medis bewaffnet starteten wir einen zweiten Versuch. Diesmal kamen die stechenden Schmerzen nur noch einzeln und die Messwerte waren in Ordnung, auch sonst zeigte er keine Anzeichen zb. für die Höhenkrankheit, so beschlossen wir weiter auf zu steigen.

Der ganze Grat bestand aus Mix-Gelände und war aber nirgends steil oder mit Kletterstellen versehen also unschwierig einzig links hatte es die einte oder andere Stelle wo abstürzen Aufgrund der Ausgesetztheit eher fatal geendet hätte. Der Gipfelaufschwung den wir kurze Zeit später erreichten erwies sich dann als Schlüsselstelle da man hier eine kleine Wechte besteigen musste, aber auch dass hatten wir schnell gemeistert.

Dann stand Kaus, Orzeszek TeamMoomin auf ihrem ersten gemeinsamen 4000er im Iran (für Klaus wars der erste 4000er überhaupt Gratulation!)! Auch wenn das Wetter eher dürftig war und man von der Umgebung nur wenig sah war unsere Laune bestens und genossen einfach nur den Augenblick.
Nachdem wir mit Mohammad noch einige Fotos gemacht hatten besprachen wir dass es aufgrund des sich verschlechternden Wetters wohl wenig Sinn machen würde noch zum Kholeno the Great hinüber zu traversieren und wir unsere Kräfte eher für den Damavand ausparen wollten.

So stiegen wir gemütlich und scherzend zum Lager ab und begannen uns wieder Tee zu machen. Als das Wetter dann plötzlich nochmals etwas besser wurde beschlossen Klaus und Ich nochmals was zu unternhemen, da wir dachten Mohammad schliefe liesen wir in ungestört und machten uns auf den Weg, doch dies ist ein anderer Bericht...

Fazit: Es war eine super Tour und mit den 2 Nächten auf 3000 und 4000m ideal zum Akklimatisieren. Bei schönem Wetter bietet die Umgebung einiges an tollen Ausblicken auch der Damavand ist vom Kholeno the Great aus zu sehen. Im Sommer liesse sich das ganze auch als sehr lange Tagestour machen. In der Zwischensaison sollte man die nötige Ausrüstung mitbringen da das Wetter in diesem Teil des Irans sehr schnell ändern kann und dann echt ungemütlich werden kann.



berglurch spricht: Danke, Oli und Mohammad für die zwei coolen Tage - und entschuldigt für meinen Aussetzer - was immer das Kopfweh verursacht hat, es war zum Glück nicht von langer Dauer und offenbar nix Schlimmes :-)


Tourengänger: Berglurch, TeamMoomin

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Kommentare (15)


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Fenek hat gesagt: cool!!
Gesendet am 18. Mai 2013 um 19:17
Iran! - Da schlägt mein Herz höher......
Gratulation!

Zu sagen wäre, dass der Sabalan, 4'811m auch ein sehr guter und einfacher Einlaufgipfel wäre. Allerdings verbunden mit einer Nachtreise mit dem Bus.

Iran ist immer noch eine Reise wert, trotz aller politischen Fragezeichen.

TeamMoomin hat gesagt: RE:cool!!
Gesendet am 19. Mai 2013 um 21:19
Merci, ja der Sabalan wäre sicherlich auch noch einen BEsuch wert, wie gesagt war nicht die letzte Iranreise.

Lg Oli

Sputnik Pro hat gesagt: Ein wunderbarer Auftakt !
Gesendet am 18. Mai 2013 um 21:09
Hallo Oli,

Schon die ersten Eindrücke die du im Iran erlebt hast und die Bilder dazu sind phantastisch. So habe ich das schöne Land auch in Erinnerung auch wenn es bei mir natürlich tockener im September war.

Viele Grüsse,

Andi

TeamMoomin hat gesagt: RE:Ein wunderbarer Auftakt !
Gesendet am 19. Mai 2013 um 21:20
Danke, ja war wirklich super! Der Schnee hatte auch seinen Reiz und was wir bei der ersten Tour erlebten war ja noch ein Flaum von Schnee ;-)

Lg Oli

xaendi hat gesagt:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 09:34
Ciao Olli und Klaus,
schöne Eindrücke vom Iran. Ich freue mich auf die weiteren Tourenberichte :-)
Alex

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 21:21
Merci, hoffe Sie bald hochstellen zu können..

Lg Oli

marc1317 hat gesagt:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 12:24
Nettes Abenteuer - ich freue mich auch schon auf die nächsten Berichte!

Berglurch hat gesagt: Klar doch, Marcel
Gesendet am 19. Mai 2013 um 17:43
... und alles Gute zum Geburtstag!

marc1317 hat gesagt: RE:Klar doch, Marcel
Gesendet am 19. Mai 2013 um 19:30
Besten Dank!

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 21:22
Danke, war wirklich toll hoffentlich nächste Woche kommen die anderen Berichte

Lg Oli

Mel hat gesagt:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 13:36
wow, da habt ihr ja wiedermal ein wunderbares abenteuer erlebt! bin gespannt auf weitere berichte und fotos!

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. Mai 2013 um 21:23
Danke Mel, also dieses Land kann ich nur wärmstens empfehlen ist echt super dort und die Bergwelt ist sehr reizvoll!

Lg Oli

mami61 hat gesagt:
Gesendet am 21. Mai 2013 um 19:00
Schön dass Du wieder ganz zurück bist.Ja Du bist halt jetzt auch gepickt jeder auf seine Weise. Gratulation zum schönen Bericht und tollen Fotos Gruss Mami

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. Mai 2013 um 21:32
Hi Oli,

schöne Tour habt ihr da gemacht; auch wenn's wettermässig nicht optimal war. Gerne mehr von Euren Bildern ...!

War die letzten Wochen eben selbst wieder viel unterwegs (geschäftlich & privat) - "muss" grad einige hikr-Berichte nachlesen ... ;-))

Gruss, Richard

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Mai 2013 um 19:54
Danke ja war echt super. Bin eigentlich mit den Berichten praktisch fertig warte noch auf ein paar GPS Daten von Mohammad um sie ganz fetig zu stellen.

Lg Oli und Moomin (der eher auf iranisches Essen wartet ;-) )


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