Auf einsamen Gratwegen im Entlebuch


Publiziert von TomClancy , 15. Mai 2013 um 22:44.

Region: Welt » Schweiz » Luzern
Tour Datum:14 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Entlebucherflühe - Fürstein   CH-LU 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1380 m
Abstieg: 1280 m
Strecke:Flüeli Hüttlenen - Vorder Ruchi - Rüchiwald - Schwändeliflue - Hurbele - Leitere - Schafmatt - Leitere -Chlusmättlili - Schimbrig Bad - Gfellen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Postauto nach cff logo Flüeli Hüttlenen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem Postauto ab cff logo Gfellen

Die Aussichten für das kommende Pfingstwochenende sind nicht berauschend und so entscheide ich mich kurzfristig, heute einen Freitag einzuschalten. Nachdem ich seit meiner Kreuzbandriss-Diagnose Mitte Januar fast alle Bergsportarten bewältigt habe, folgt nun ein letzter Test vor der kommenden Sommersaison: eine ausgedehnte Wanderung mit Rucksack. Auf der Suche nach einem naheliegenden, schneefreien Wanderziel stosse ich auf die Schafmatt. Die Querung von Flüeli bis nach Gfellen mit knapp 20 Kilometern und 1300 Höhenmeter scheint mir ein guter Gradmesser für die Belastbarkeit meines Knies zu sein.

Kurz vor Acht steige ich in Flüeli-Hüttlenen aus dem Bus. Nach einigen hundert Metern auf der Asphaltstrasse steigt der Weg kurz nach Chrage steil links durch den Wald auf Richtung Vorder Rüchi. Hier öffnet sich das Gelände und es gilt saftige Alpwiesen zu durchqueren. Das mit Steinen und Bäumen durchsetzte Gelände macht einen lieblichen Eindruck. Schon bald verlässt man die Weiden und tritt in den Rüchiwald ein. Hier empfängt mich ein wahrer Urwald. Bäume liegen kreuz und quer und alles ist mit Heidelbeersträuchern bewachsen. Ab und zu entdecke ich grosse Ameisenhaufen. Über mir bewegen die Piloten der Swiss Air Force alle möglichen Geräte: Super Puma, PC 7 und FA18-Hornet toben sich über dem Entlebuch aus. Das ermöglicht mir eine wundersame Begegnung. Auf der Suche nach einem Fliegermotiv tappe ich mit dem Blick nach oben durch den Wald. Als in einer Flugpause der Lärm verstummt und mein Blick wieder nach unten gleitet steht vor mir - ein Steinbock! Er scheint genau so erstaunt zu sein wie ich und so mustern wir uns einige Minuten, bis ich mich entschliesse weiter zu gehen.Der Weg führt mich nun durch Schnee weiter Richtung Schwändeliflue. Leider ist das Wetter nicht so toll, wie das die Wetterfrösche prophezeit haben. Nebelschwaden umwabbern den Gipfel und nur gelegentlich reisst der Himmel auf. Einer dieser raren Momente gibt den Blick auf die imposante Grönflue frei, an deren Fuss ich als nächstes querend die Alp Hurbelen erreiche. Die häufigen Schneefelder sind trotz frühsommerlicher Wärme glücklicherweise kein Hindernis: der Schnee ist erstaunlich trittfest und so sinke ich nur wenig ein. Im Gegenteil, im Abstieg lassen sich höhenmeterverzehrende Rutschpartien einbauen, die viel Spass machen. Bei der Wasserfallenegg steige ich links Richtung Leitere auf. Von dort folge ich dem Wanderweg Richtung Schafmatt. Hier hat es dann zwei Schneefelder, die mir aufgrund der Absturzgefahr zu heikel für eine Querung sind und so steige ich direkt zum Südgipfel auf und gelange dort auf dem Grat problemlos zum Gipfel. Nach einem Besuch beim Gipfelkreuz (das nicht auf dem Gipfel steht) geniesse ich zuoberst auf der Schafmatt ein gemütliches Schläfchen an der wärmenden Sonne. Inzwischen hat sich das Wetter ganz prächtig entwickelt und die Temperaturen steigen auf angenehme Werte. Besonders faszinierend finde ich hier die zwei Seiten dies sich mir bieten: Richtung Nordwesten das weite Land des Entlebuch, mit all seinen Geräuschen von arbeitenden Menschen, Kirchenglocken, Postautos und Zügen - Richtung Süd-Osten menschenleere Täler und der Blick in die Alpen! 

Irgendwann mache ich mich langsam wieder auf den Weg ins Tal. Von der Wasserfallenegg bis hinunter nach Lanzige liegt noch viel Schnee, aber der Frühling naht auch hier mit Siebenmeilenstiefeln: überall glucksen kleine und grössere Bäche mit Schmelzwasser der Grossen Entlen zu. Via Chlusmättili und Toregg wandere ich weiter. Das Schimbrig Bad ist noch im Winterschlaf. Bei Under Stettili treffe ich nach sieben Stunden erstmals wieder auf Menschen. Die wunderbare Einsamkeit ist zu Ende, die Zivilisation hat mich wieder. Von Stillaub ist es nicht mehr weit zum Tagesziel Gfelle. Ich habe noch eine Stunde Zeit, bis der Bus kommt und so lege ich mich flach auf den grossen, warmen Parkplatz beim geschlossenen Restaurant und ziehe ein erstes Fazit der heutigen Tour: das Knie hat gehalten und die vergangenen acht Stunden waren ein tolles Erlebnis, das ich jedem Wanderer als ideal ÖV-Tour empfehlen kann. Sommersaison, Du kannst kommen!

Tourengänger: TomClancy

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. Mai 2013 um 22:06
toll - deine Tour in bekannten Landen, und die Standfestigkeit deines Knies: der Sommer darf kommen!

lg, Felix


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