Gärstenegg - Obri Bächlilicken - Hubelhorn - Gaulihütte (ein genialer Hüttenzustieg)


Publiziert von Lulubusi , 29. April 2013 um 13:11.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:25 April 2013
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 1500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:via Meiringen, Inntertkirchen, Guttannen zur Handegg. Achtung: Zur Zeit keine Parkmöglichkeit
Unterkunftmöglichkeiten:Bächlitalhütte, Gruegenhütte, Gaulihütte im Tal
Kartennummer:LK 1:50000 BL255S Susten / LK 1:25000 BL1230 Guttannen

Lungern vs. München

Obri Bächlilicken 3074m – Hubelhorn 3244m – Gaulihütte 2205m (Hüttenzustieg)

 

Ein verlängertes Wochenende sollte wieder mal gut genutzt werden! Dazu quartieren wir uns von Donnerstag bis Samstag in der Gaulihütte ein. Ein absolut lohnendes Skitourengebiet, in dem eine riesige Zahl an Touren lockt! Auf Grund der durchwegs recht langen Zustiege aber nur für mehrere Tage lohnend, am besten verweilt man gleich 5 Tag im Gauligebiet!

 

Auf Grund der Wetterprognosen, Donnerstag bis Freitag optimal, Samstags Wetterverschlechterung, belassen wir es aber bei drei Tagen.

 

Unser erster Tag der Donnerstag beginnt mit bestem Wetter und dem Hüttenzustieg. Dazu wählen wir den Weg via Bächlitalhütte über die Obri Bächlilicken, mit einem zusätzlichen Umweg über das Hubelhorn.

 

Aufstieg Obri Bächlilicken 3074m

Früh morgens bringt uns mein Engelchen zur Handegg an der Grimselpassstrasse. Hier besteigen wir die Seilbahn zur Gärstenegg.

 

Hinweise: Die Gärstenegg Seilbahn ist eine Werksseilbahn der Kraftwerke Oberhasli und benötigt zwingend eine Voranmeldung!

 

Mit der Seilbahn bringen wir so die ersten 400 Höhenmeter äusserst schnell und bequem hinter uns. In der Gärstenegg montieren wir schliesslich die Skis und unsere Skiwochenende kann beginnen.

Von der Bergstation der Werksseilbahn P.1703 (Gärstenegg) gehen wir südwestwärts zu P.1771 westlich der Räterichsbodensee Staumauer. Hier trennen sich die verschiedenen Wanderwege.

 

Im Bereich des Sommerwanderweges der Bächlitalhütte steigen wir zuerst direkt im Graben des Bächlibachs hoch. Auf einer Höhe von etwa 1900m wenden wir uns nach rechts Bächlisplatti entgegen und gewinnen über einen schmalen und nach oben steiler werdenden Rücken nördlich des Bachs weiter an Höhe. Sobald dieser flacher wird, holen wir etwas nach rechts aus und umgehen einen Geländebuckel. Mittels eines Linksbogen um diesen Buckel erreichen wir die Hänge östlich P.2157 die wir abwärts zum Bächlisboden traversieren.

 

Nun westwärts durch den Bächlisboden P.2170 weiter. Die Bächlitalhütte, die auf einem Felsrücken südlich des Alplistocks liegt, lassen wir an uns vorbei ziehen und steigen weiter durch den schmaler werdenden Talboden, hoch zum Bächligletscher.

Die Spaltenzone auf 2520m, in der Verengung nördlich des Brandlammhorn Nordgrates, durchqueren wir am Nordrand des Gletschers.

In dem nun folgenden, flachen Gletscherbecken, weiter in südlicher Richtung. Mittels eines weiten Rechtsbogen den wir auf einer Höhe von 2700m beginnen, hier wird es wieder etwas steiler, gelangen wir an den Fuss der Plattenwand unter der Obri Bächlilicken P.3074. Diese erreichen wir mit aufgebundenen Skis über drei Eisenleitern. Unser erstes Ziel ist erreicht.

 

Aufstieg Hubelhorn 3244m

Von der Obri Bächlilicken steigen wir auf der Westseite auf den Hiendertelltigletscher ab. Steil geht es hier hinunter. Auf gut 60 Hm, 42°, in felsdurchsetzten Gelände.

Der Abstieg ist mit Eisenketten und Eisenstangen gesichert. Trotzdem sind die Schwierigkeiten in dieser Passage sind sehr stark Verhältnissabhängig. Steigeisen, Eispickel, unterumständen sogar ein Seil können hilfreich sein. Wir hatten gute Verhältnisse und benötigten zur Unterstützung nur einen Eispickel.

Am Fusse der Lücke schnallen wir wieder die Skis an die Füsse. Die Felle haben wir zwischenzeitlich ab montiert. Auf dem Gletscher fahren wir bis 2900m hinunter und ab da westwärts bis zum Fusse der Ostflanke die zum Hienderstock Nordgrat hoch führt, wo es Zeit wird die Felle wieder an die Skis zu kleben.

 

Über die Ostflanke steigen wir zum Hienderstock Nordgrat hoch, den wir südlich von P.3125 erreichen und ungefähren auf ca. 3120m über einen kleinen Schneesattel, der Schnee reicht knapp bis zum Gratrand hoch, überqueren.

Nun folgen wir dem Grat der in westlicher Richtung vom Hienderstock zum Hubelhorn führt. Beinahe horizontal gelangen wir so an das Hubelhorn P.3244, dessen Gipfel wir über ein paar wenige leicht steilere Meter erreichen. Unser zweites Etappenziel für diesen Tag.

 

Nach einer kurzen Pause beginnen wir die Abfahrt und machen uns endgültig auf den Weg zu Gaulihütte.

 

Abfahrt und Hüttenzustieg

Vom Gipfel fahren wir nordwärts über den breiten Rücken der Felsrippe bei P.2933 entgegen. Bei 2980m halten wir uns links und gelangen so über eine kleine Rampe in der Felsrippe an ihre Westseite. Nun fahren weiter über den gut eingeschneitten Grienbärgligletscher, westlich an einer zweiten Felsrippe bei P.2841 und weiter abwärts zur Zunge des Gauligletschers.

Steiler, Passagen um die 30°, wechseln sich mit flacheren ab. Alles in allem aber fantastische Abfahrtsmeter über weite Schneehänge.

 

Die Reste der hier vorhandenen Gletscherzunge und den immer grössere werdenden Gletschersee an dessen Ende, überqueren wir bis zum nordöstlichen Rand. Hier werden die Felle wieder montiert. Der letzte Anstieg zur Hütte beginnt.

 

Vom Gauligletscher steigen wir nun nordostwärts über ein kleines Pässchen hoch und auf dessen anderer Seite durch ein Tälchen kurz abwärts zu einer Rinne die südlich des Chamnmlibaches liegt und die man oberhalb des Urnenbandes erreicht. Durch diese Rinne steigen wir in westlicher Richtung hoch queren wenig später etwas nach links und in einem Rechtsbogen zum Graben des Chammlibachs.

Durch den Graben bis auf Hüttenhöhe hoch und von da die letzten Meter waagrecht zur Gaulihütte P.2205, die nördlich vom Chammlibach liegt.

 

In der Hütte werden wir herzlich empfangen! Ein gemütlicher Hüttenabend schliesst unser ersten Tourentag ab.

 

Startpunkt

Gärstenegg 1708m (Bergstation der KWO Werksseilbahn)

 

Ziel

Obri Bächlilicken 3074m / Hubelhorn 3244m / Gaulihütte 2205m

 

Anforderungen

WS+. Meist flache Tour (Hüttenzustieg). Steilheit liegt bei guter Routenwahl meist unter 30°. Wenn diese erreicht werden dann nur für wenige Höhenmeter.

Schwierigkeiten auf den verschiedenen Gletschern sind sehr stark von den Verhältnissen abhängig. Spaltensturzgefahr ist zu beachten.

 

Die Obri Bächlilicken ist von Osten über montierte Eisenleitern gut erreichbar. Auf dessen Westseite sind die Schwierigkeiten etwas höher. Durch den Gletscherrückgang sind zwischenzeitlich etwa 60 Meter in felsdurchsetztem 42° steilem Gelände zu überwinden. Auch hier sind die Schwierigkeiten sehr stark Verhältnisabhängig. Montierte Eisenstangen und Eisenketten erleichtern den Abstieg. Steigeisen, Eispickel und ev. sogar ein Seil zum abseilen, können hilfreich sein.

 

Aufstieg vom Gauligletscher zur Gaulihütte ist im unübersichtlichen von Rinnen durchzogenem und teilweise etwas steilerem Gelände nicht ganz einfach zu finden.

 

Ansonsten ist die Wegfindung bei guter Sicht auf der gesamten Route klar und gut zu finden. Bei Nebel auf den weiten Gletschern aber schnell schwierig.

 

Hangrichtung

Nord, Nordost, Ost, West, Nordwest

 

Lawinengefahr

In der Stufe zwischen Gärstenegg und Bächlisboden. Je nach gewählter Route, in den verschiedenen Steilstufen.

Aus verschiedenen Hängen seitlich der Aufstiegsroute. Diese sollte man im Auge behalten.

 

Material

Übliche Skitourenausrüstung

Gletscherausrüstung (Eispickel, Steigeisen, Anseilgurt, Seil.......)

 

Hütte

Die Gaulihütte liegt zuhinterst im Urbachtal, auf einer Terrasse am Ostfuss des Hangendgletscherhorns. Von der sehr sonnig gelegenen Hütte hat man einen wunderbaren Blick in den Gaulikessel hinein.

Die kleine Hütte mit viel Charm ist im Winter wie auch im Sommer ein genialer Ausgangspunkt für verschiedenste Unternehmungen in den umliegenden Bergen, in verschiedensten Schwierigkeitsgraden.

 

Sie wurde 1895 erbaut und 1978 erweitert und bietet Platz für etwa 85 Personen. Bewartet ist die Hütte von März – Mai und Juni – September. Der Winterraum ist ganzjährig geöffnet. Kochmöglichkeit im Winterraum besteht, in der Nebensaison ist allerdings kein fliessend Wasser vorhanden.

 

Zusätzliche Info

Gärstenegg (Werksbahn KWO) Reservation notwendig

Gaulihütte

 

Zeit inklusive Pausen und Abfahrt. Tourdauer sehr stark von den vorhandenen Bedingungen abhängig.

Ohne Abstecher auf das Hubelhorn kann Tour um ca. 11/2 – 2 Stunden verkürzt werden.

 

Fazit

  • Recht langer aber sehr abwechslungsreicher Hüttenzustieg
  • Sicherster und einfachster Hüttenzustieg
  • Tour in hochalpiner Umgebung
  • Mit Besuch des Hubelhorns können die Verhältnisse im Gebiet sehr gut beobachtet werden
  • Aussichtspunkt auf die umliegenden Tourenvarianten
  • Erfordert etwas an Ausdauer, da recht langer Hüttenzustieg
  • Mit Übernachtung in der Bächlihütte kann Tour in zwei Tagen unternommen werden
  • Schwierigkeiten sind sehr stark von den Verhältnissen abhängig
  • Erfahrung in alpinem Gelände von Vorteil (erforderlich)
  • Schon alleine der Hüttenbesuch ist empfehlenswert

 

Genaue Route

Gärstenegg P.1708, Bächlisboden P.2170, P.2248, Bächligletscher, Obri Bächlilicken P.3074, Hiendertelltigletscher, Sattel nördlich Hienderstock, Hubelhorn P.3244, nordwärts, westlich P.2933, westlich P.2841, Grienbärgligletscher, Gauligletscher, Gaulihütte P.2205

 

Alternativ

Hüttenzustieg via:

Rosenlauibiwak - Rosenlauigletscher – Ränfenhorn oder Ränfenjoch

Urbachttal (nicht empfehlenswert)

Golegghorn


Tourengänger: Lulubusi, Stiefel

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