Val Verzasca – unbekanntes Valle di Corippo. Vom Frühling in den Winter und zurück.


Publiziert von Seeger Pro , 26. April 2013 um 16:58.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:23 April 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Poncione Piancascia   CH-TI 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1024 m
Abstieg: 1024 m
Strecke:7 km: Corippo 563m – Costa di Möla 909m – Rovasco 1036m – Garnasca 1216m – Monte del Corgell 1314m – Ruöra 830m – Corippo 563m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Haltestelle Corippo Bivio – ½ Std. zu Fuss nach Corippo. Auto: Tenero Richtung Valle Verzasca – 1 km nach S. Bartolomeo gut gekennzeichneter Abzweiger nach links hinunter. Parkplätze gleich dort oder wenige im Dorf.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Einkehr: Restaurants an der Talstrasse und in Corippo (war geschlossen)
Kartennummer:1313 Bellinzona

Im Januar 2010 machte ich eine Schneeschuhtour zur Alpe Bardughè und hielt fest: Noch ein letztes Mal geniesse ich das Panorama und entdecke ein „neues Tal“. Für die Sommerwunschliste: Valle di Corippo. Gebucht.
Und der Zufall will es: Frank von www.alpi-ticinesi.ch  hat noch eine „Baustelle“ im Val Verzasca, ob ich mitkommen wolle? Valle di Corippo. Gebucht.
Wir erreichen auf gewohnheitsbedürftig schmaler Teerstrasse bei schönem und warmem Wetter Corippo, das kleine Dörfchen mit dem „lustigen" Kirchen-Fenster hoch oben im Hang.
„Hoch oben“ ist die Sichtweise der Touristen oder Autofahrer. Corippo ist ganz tief unten für die ehemaligen Betreiber der Alpen und Älpchen im Valle di Corippo, sind es doch satte 1500m Höhendifferenz zu den obersten Alpweiden! Es lässt sich an den ehemals schönen Häusern und grossen Ställen – nun grösstenteils Ruinen – ablesen, wie intensiv das ganze Tal bis hinauf zu den Gipfeln kultiviert wurde.
Nach dem Besuch der eindrücklichen und hellen Barock-Kirche von  Corippo 563m folgt der Aufstieg gegen Westen ins Tal hinein zu einer weitherum gut erkennbaren Kapelle auf 660m(T2). Weiter steil und in vielen Kehren auf ausgeprägtem Weg im Laubwald hinauf nach  Costa di Möla 909m(T3), welches mit viel Liebe zum Detail gepflegt ist. Es blüht ein neugesetzter Kirschbaum.
Nicht mehr steil hinüber zu den obersten Häuser von Costa (Pos ar Costa, 949m) und durch einen Bacheinschnitt nach  Rovasco 1036m(T3+). Geisterhaft steht das verlassene „Dorf“ mitten im Wald, die etwa 20 Häuser mit „Dorfstrasse“ sind interessant gebaut. Ich schätze, dass hier und etwas weiter oben im Sommer (Mittlere Stafel) etwa 50 Personen ihr zuhause hatten. Das älteste Haus soll mit 1597 datiert sein, viele jedoch ab 1880! Für Tessiner Häuser eher jung. Also wurde hier die Alpwirtschaft sicher bis zum Zweiten Weltkrieg, wenn nicht länger, betrieben.
Zurück auf dem gleichen Weg bis nach dem Bach und zweiten Einschnitt. Dann weglos horizontal zum steilen Weg von Costa nach Garnasca 1216m(T3+) hinüber. Auch hier sind drei Häuser und die Umgebung liebevoll gehegt und gepflegt, währenddessen ein Haus am Zerfallen und eines bereits zerfallen sind. Wir steigen oberhalb der Häuser etwa 20hm hinauf auf dem Weg, welcher ins Orgnana-Tal hinüberführt. Dann zweigen wir nach rechts auf dem auf der LK angegebenen Weg nach Monte del Corgell 1314m(T5) ab. Dieser recht gut unterhaltene Weg hat’s in sich: Teils recht exponiert zieht er sich in Ab und Auf dem Hang entlang. Nur für Schwindelfreie. Kleine Kraxeleinlage, welche mit einem nicht gerade vertrauensvollen, rostigen Drahtseil „gesichert“ ist. Ein schmieriges Nylonseil ergänzt es! Der Weg wird zusehends besser und wir erreichen die photogene Siedlung über eingesprengte Passagen. Monte del Corgell ist sehr gut unterhalten und dessen Umgebung auch gepflegt. Dank seiner Lage auf einem freien Grasrücken – wie auf einem Balkon – ist die Aussicht ins obere und untere Val Verzasca eindrücklich. Ein sporadisch blau-markierter Weg führt oberhalb der Häuser leicht nach links steil hinauf und erreicht über Böis den Übergang ins Val d’Orgnana; der gleiche, welchen wir in Garnasca verlassen haben. Das grosse Holzkreuz von den Monti del Corgell ist weit herum besser sichtbar wie die Steinhäuser, welche von der dahinter liegenden Felswand schwer auszumachen sind.
Unterhalb des Kreuzes beginnt der Weg nach Corippo und unser Abstieg. Vorerst entlang der Rippe mittels Treppenanlagen, links davon ein tiefer Graben. Dann durchwegs steil in vielen Kehren den Wald hinunter nach Ruöra 830m(T2). Diese Gegend ist sehr wasserreich. Der Fluss vom Kessel SW von Corgell wird hier gefasst und in einem grossen Reservoir oberhalb Corippo gesammelt.
Durchs Landwirtschaftsgebiet wandern wir über saftige Wiesen an blökenden Schafen und blühenden Bäumen vorbei nach Corippo 563m(T2)
Krasser können die Vegetations-Stufen nicht erlebt werden wie hier, wo in einem Tag vom Frühling über Laubwälder zu den Lärchenwäldern zum Winter hinauf  und wieder zurück die enorme Höhendifferenz vor Augen geführt werden.
Corippo liegt ganz unten.

Wichtige Mitteilung von Christof:
Betrifft den Verbindungsweg von Ganasca nach Monte del Corgell

"Ich habe ihn 16. April wieder mal begehen wollen, bin dann in der Mitte aber wieder unverrichteter Dinge umgekehrt - 3 Meter hätten noch gefehlt.
Offenbar hat es in diesem Winter eine Lawine oder einen Erdrutsch gegeben, der die heikelste Stelle (obligatorisch, nicht umgehbar!) nun noch schwieriger oder meiner Meinung nach fast unbegehbar gemacht hat.
Auf ca. 10 Metern hat es jetzt loses nasses Erdreich oder kleine Steine auf schrägen Steinplatten, die mehr oder weniger direkt in den Abgrund führen (siehe auch letztes Fotos Image4).
Zumindest von Corgel her, wo der Weg an dieser Stelle leicht abwärts führt, sollte er nicht ohne Seilsicherung begangen werden, da sonst ein allfälliger Ausrutscher nicht aufgefangen werden könnte.
Von Garnasca her wäre er, wenn auch ziemlich heikel, wohl noch mit grosser Vorsicht begehbar; allerdings sollte er konsequenterweise in der Schwierigkeitsskala deutlich hochgesetzt werden (T6?)".
Datum: 16. April 2015


Tourengänger: Seeger

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Kommentare (1)


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danicomo hat gesagt:
Gesendet am 13. April 2015 um 23:49
Bello, bello, bello....
Ciao!


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