Zweimal habe ich den Belgrat in letzter Zeit in Angriff genommen, und beide Male erreichte ich das Ziel nicht - meinen Begleiterinnen fehlte jeweils die letzte Motivation, um die Tour bis zum Ziel durchzuziehen.
Es gibt eine hard und eine soft Variante.
Bei der hard Variante parkiert man das Auto in Blatten, steigt über einen flotten Waldpfad auf die Belalp hoch, benutzt dann die planierten Pisten der Belalp Bahnen, bis man die letzten paar hundert Höhenmeter wieder abseits jeder Zivilisation in Angriff nehmen kann. Die Tour ist gut für die Statistik, weil man in einem Zug 2000 Höhenmeter bewältigt. Diese Variante wählt abgesehen von mir sonst wohl niemand.
Bei der soft Variante benutzt man Luftseilbahn, Sesselilift und Skilift, bis man am Hohstock ankommt. Es bleiben dann nur noch zwei bis dreihundert Höhenmeter. In rund 45 Minuten erreicht man den Grat.
Beim Aufstieg habe ich am Samstag fleissig Fotos geknipst. Faszinierend ist der Tiefblick vom Belgrat hinunter zur Oberaletschhütte oder zum Grossen Aletschhorn hinüber. Weiter unten gab es einen enormen Schneebrettabbruch zu fotografieren (Anrisssthöhe von deutlich über einem Meter). Ich habe nicht diese Abfahrt gewählt sondern die sichere, sah aber etliche Skispuren unterhalb der Anrissstelle. So etwas gibt zu denken.
Nach getaner Arbeit machte ich mich im Restaurant voller Spannung daran, meine Bilder zu analysieren. Mein Gott - ich hatte an meiner neuen Kamera ein Rädlein verstellt. Alle Bilder waren total überbelichtet. Enttäuscht löschte ich sogleich alles.
Was macht der Durchschnittsbergsteiger in einem solchen Fall? - Er wiederholt die Tour am folgenden Tag. Dann aber alles viel zackiger.
Hier meine Durchgangszeiten:
- Aufstehen, waschen, anziehen, Frühstück, Zähne putzen, packen, Frau küssen, Katze kurz streicheln, Auto laden: 27 Minuten
- Zum Bestimmungsort fahren: 28 Minuten
- Auf den Belgrat hoch steigen: 263 Minuten
- Gipfelrast: 23 Minuten
- Abfahrt: 64 Minuten
- Heimfahrt: 21 Minuten
- alles unter Punkt eins in umgekehrter Reihenfolge: 1111 Minuten
Einige Präzisierungen
Schon in Blatten begann es leicht zu schneien. Hätte eigentlich höher fahren wollen. Da ich mich aber auf Skiern einigermassen sicherer fühle als auf vier Rädern, parkierte ich und begann, im Dunkeln im Wald hochzusteigen. Irgendwann ging dann mein Wecker ab, weil er während der Woche immer um 05:30 abgeht.
Irrtum: Nebel soweit das Auge reicht. Meine überbelichteten Aufnahmen vom Vortag waren viel besser als die neuen. Aber wen hält so was schon vom Weitergehen ab?
War verwundert, wie viel Neuschnee es wieder gegeben hatte - der Belgrat gehört halt zu den Berner Alpen, war meine Erklärung. Irgendwann tauchte die Planierwalzenkolonne der Belalp Bahnen aus dem Nichts und Nebel auf. War ein schönes Bild. Da verstehe ich aber einiges nicht. Jetzt wären da oben die besten Bedingungen für Skifahrer, und niemand geht hin. Die Leute gehen lieber im Dezember, wenn es kalt ist, und wenn es keinen Schnee hat, Ski fahren, als jetzt im Frühling, wenn die Bedingungen wirklich ideal sind (viel Schnee, super Pisten, Sonne - oder Nebel). Ich fand es auch schade, dass die 20 cm Pulver platt gewalzt wurden. Aber was soll's, der Gast verlangt es so, und wir Tourengänger nörgeln sowieso immer nur und tragen nichts zur Steigerung des Bruttosozialproduktes bei. Vor allem wenn wir immer nur zu Fuss unterwegs sind. So in Gedanken versunken steigt der einsame Tourengänger die Berge hoch.
Da oben absolut nichts anderes als Nebel zu sehen war, war ich froh, wenigstens meine Banane vertilgen zu können. Wieder kein Blick auf das majestätische Aletschhorn, auch nicht auf das Nesthorn und andere. Ich fuhr der Aufstiegsspur nach ab. Einmaliger Pulver. War eine sehr sichere Variante. Im Nebel aber nur machbar, wenn man am Vortag genau ausgekundschaftet hat, wo es lang geht.
Unglaublich: Ich konnte tatsächlich noch bis Blatten (1410), bis zu meinem Auto abfahren. Unglaublich darum, weil man, von Brig aus überhaupt keinen Schnee mehr unterhalb der Belalp sieht. Aber im Wald war dennoch genügend vorhanden. War zwar ein furchtbares Gehack und für meine Skis alles andere als gut.












Treuer Begleiter
Egal mit wem Du auf Skitouren gehst, einer sollte immer dabei sein: der "Glide 35+ ". Er bietet Platz für Skis, Snowboard, Schneeschuhe. Dank dem körpernahen Sitz kommt man nicht ins wanken. Ausserdem bietet er einen schnellen Zugriff zur Schaufel und zur Sonde.


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