2x Drusator, 1x Grippe, 1/2x Sporertobel, 0x Großer Drusenturm - Unterwegs mit dem Board im Rätikon


Publiziert von simba , 6. März 2013 um 09:46.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Rätikon
Tour Datum: 2 März 2013
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1750 m

Das Traumwochenende (Sonne, Sonne, Sonne) musste genutzt werden und leichtes Kopfweh und eine ordentliche Schlappheit am Freitag und letzten Arbeitstag wurden da mal kurzerhand als zeitweiliges Unwohlsein hintenangestellt - leider zu unrecht.

Dummerweise  brachte der wenige Schlaf in der Nacht auf Samstag nur bedingt Erholung. Die gefühlt brütende Hitze beim südseitig exponierten Anstieg  von St. Antönien zur Carschinahütte wirkte dann quasi als Katalysator und ich erreichte diese mit völlig ermatteten Gliedern und hämmernden Kopfschmerzen. Wohl zu schnell angegangen oder zu wenig getrunken, das wird schon wieder, alles kein Problem, dachte ich. Während der Rest der Mannschaft sich noch den Aufstieg zum Schafberg vornahm, versuchte ich mich zu erholen, was mir im kühlen Schatten auch recht gut gelang.

Zumindest gingen mir nach zwei Stunden Pause die knapp 150 Hm Aufstieg zum Drusentor recht "leicht vom Fuß". Vielleicht lags aber auch daran, dass ich durch die gewaltige Kulisse der Südwände der Sulzfluh und der Drusentürme hinreichend abgelenkt war. Nachdem die abschließende Abfahrt zur Lindauer Hütte trotz 10tägiger Schneepause in einigen steileren Rinnen sogar noch unverfahrenen, leicht gedeckelten Pulver zu bieten hatte, steigerte sich meine Hoffnung auf Besserung in ein Hochgefühl und quasi zur Gewissheit, dass es am nächsten Tag viel besser sein würde.

Diese Gewissheit währte indes - trotz der tollen Verköstigung auf der Lindauer Hütte - nur kurz: Nach dem Abendessen bekam ich starkes Fieber und wiederum schlimmes Kopfweh. In Gedanken wägte ich bereits die Pläne ab, wie ich ohne größeren Aufstiegsaufwand mittels Bus- und Gondelbahnfahrt über Gargellen wieder nach St. Antönien kommen könnte.

Umso erstaunter war ich, dass ich mich am nächsten Morgen gut erholt und den Umständen entsprechend fit fühlte. Dies veranlasste mich doch, mich dem Sturm auf den Großen Drusenturm - von vielen als eine der schönsten Skitouren der Ostalpen gesehen - anzuschließen. Der Aufstieg zum und durch den Sporertobel ist angesichts der gewaltigen Kulisse kurzweilig und herrlich. Die Verhältnisse waren das weniger, weil durch viele Abfahrtsspuren der Schnee großteils komplett zusammengefahren und pickelhart gefroren war, was in Querungen und bei den vielen Spitzkehren einigen Einsatz und gute Kantentechnik verlangte.

Nach ca. 300Hm erlahmte mein morgendliches Zwischenhoch: Kopfweh und eine ungeheure Müdigkeit begleitet von Schwindelanfällen waren nur meine Begleiter. Auf ca. 2550 Meter, vor dem steilen Schlusshang des Sporertobels war dann Schluss, aus, fertig. Völlig kaputt rutschte ich mit den Fellen auf dem Splitboard zum flachen Plateau am Sporerturm ab, um dort auf dem Splitboard erstmal ein Schläfchen einzulegen. Später vertrieb ich mir die Zeit mit Gesprächen mit den Aufstiegern vom Drusentor her, die entweder über eine steile, sehr ausgesetzte, total harte und durch Felsen erheblich erschwerte Spur im Aufstiegssinne rechts klagten... oder über eine noch viel steilere, mit Felsen und kurzen Kletterstellen durchsetzte Rinne im Aufstiegssinne links.

Nach ca. anderthalb Stunden rumpelte und ratterte der Rest der Mannschaft die völlig zerfahrene, harte Abfahrt vom Gipfel herunter - Abfahrtsspaß sieht definitiv anders aus. Für unseren Zwischenabstieg in Richtung Drusentor entschieden wir uns für die steile Rinne von oben gesehen rechts, da hier die letale Absturzgefahr deutlich weniger ausgeprägt ist, als bei der anderen Variante. Im guten Trittschnee lässt sich mit einigen Klettermoves auf der im Aufstiegssinne linken Rinnenseite dieses Hindernis ganz gut bewältigen.

Die anschließende Querfahrt und der steile Anstieg zum Drusentor, der wiederum derart plattgewalzt und hartgefahren war, dass wir kurz vor Erreichen des Tors abschnallen mussten, brauchten dann meine während meiner Ruhepause gesammelte Energie wieder weitestgehend auf, so dass ich nach kurzer Zwischenabfahrt sehr froh war, nurmehr ca. 70Hm  Gegenanstieg zur Carschinahütte vor mir zu haben. Die abschließende Abfahrt durch schweren Nassschnee hinab zum Fahrweg nach St. Antönien war dann wiederum kraftraubend und am Auto angekommen musste ich mich erstmal einmal setzen und mir einen Liter Apfelschorle auf einmal zu Gemüte führen.

Die anschließenden Tage im Krankenbett mit Grippe haben mir genügend Zeit gelassen Sinn und Unsinn dieser Aktion noch einmal zu überdenken (frei nach Walter Pauses Worten: "Man unternehme keine Bergtour, wenn man indisponiert ist").....aber auch genügend Zeit, um diesen Bericht zu schreiben ;)

Tourengänger: simba

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