Strandlauf zur Playa Cole Cole auf Chiloé


Publiziert von Alpin_Rise , 6. März 2013 um 20:09.

Region: Welt » Chile » Región de la Araucanía
Tour Datum:22 Januar 2013
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: RCH 
Aufstieg: 400 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Cucao, zahlreiche Busse von Conchi oder Castro. Einige Busse fahren bis zum Strassenende bei Chanquin. Dekadente lassen sich auch mal mit dem Geländefahrzeug über den Strand chauffieren bis Huentemos, ökologischer sind da die Reitmöglichkeiten mit Einheimischen - auch bis Cole Cole möglich.
Unterkunftmöglichkeiten:Gehobener Standard im modernen Holzbau www.hostelpalafitocucao.cl/

Chile ist nicht gerade bekannt als Traumdestination für Badeferien. Das liegt nicht etwa am Mangel an Stränden, es gibt tausende Kilometer feinster Sandstreifen mit Sicht zum Sonnenuntergang. Die Lust am Baden nimmt einem vielmehr der Humboldtstrom, eine kalte Meeresströmung aus der Antarktis, welche die Wassertemperatur um gut 7-8°C herabsetzt. So erreicht zum Beispiel das Wasser im Atlantik be Buenos Aires Janeiro gut 23°C, während das etwa gleich weit vom Äquator entfernte Valpariso beim Baden schlottert - bei 16°C Wassertemperatur im Hochsommer! Der interessante Humboldstrom reicht bis fast zum Äquator hinauf und sorgt für extreme Phänomene wie die trockenste Wüste der Welt in umittelbarer Nähe eines kalten Meeres und... nun, genug der Klimageografie!

Die hier beschriebene Tour ist eine Sandwanderung zu einem der schönsten Strände, die ich kennenlernen durfte - für manche sogar einer der schönsten Strände Chiles. Er liegt auf der Insel Chiloé, die für ihre riesigen Regenmengen bekannt ist. Im Jahresschnitt fallen dort gut 4000mm Niederschlag, etwa vier mal mehr als im Schweizer Mittelland! Trotzdem durften wir den Strand bei sonnigem, trockenem Wetter geniessen, was alles andere als selbstverständlich ist. Während unserem Trip in Chile hat es innerhalb von gut 5 Wochen genau zwei mal (!) geregnet. Die Einheimischen beklagten darum auch die ausserordentliche Trockenheit, die sonst zuverlässige Quellen - so auch in Cole Cole - versiegen liessen.


Ausgedehnte Traumstrandwanderung

Der Strand von Cole Cole liegt im (oder je nach Kartenwerk) am Rand des Parque Nacional Chiloé. Darum hat Cole Cole auch gewisse Infrastruktur, in welchem Zustand diese sei, vermoche uns aber niemand genau zu sagen, selbst die Ranger der Nationalparkbehörde CONAF nicht. So zogen wir dann ohne schweres Gepäck von Cucao zum Refugio Cole Cole, in Erwartung einer minimalen Infrastruktur. Wir wurden enttäuscht, fanden aber in der Nähe eine einfache Unterkunft bei einheimischen Bauern.

Der Weg zum Strand ist einfach zu finden, aber nicht markiert und auf Google Earth, mit diesem Track (nicht ganz bis Cole Cole) oder dieser Beschreibung leicht nachvollziehbar: Von Cucao, dem touristischen Dörfchen mit sehenswertem Nationalpark-Besucherzentrum, erst ca. 4 km nordwärts zum Ende der Strasse bei Chanquin (oder direkt an den Strand und diesem entlang, etwas länger).  Dann ca. 6 km entlang dem Strand mit seiner breiten Brandung entlang. Bei Ebbe einen Bach überschreiten und auf Sand zwischen Felsen zu einem weiteren kleinen Strand und zu der kleinen Siedlung Communidad de  Huentemos hier hats ein betreutes Refugio und einen Fussballplatz! Bei Flut gelangt man auch ohne Bachquerung über die Brücke am Ende des langen Strandes nach Huentemos. Danach steigt der Weg, den die Einheimischen oft per Pferd zurückliegen, auf einen  Gratzug in Küstennähe, aussichtsreich und kurzweilig. In einer guten Stunde ab Huentemos erreicht man die Playa Cole Cole und das Refugio etwa in Strandmitte zwischen Bäumen. Das Refugio an sich ist wunderschön, leider innen ungepflegt und verwahrlost. Schade, es gäbe sicher genügend Chilenen, die ein solches Bijou führen würden, hier liesse sich auch ein sanfter Tourismus aufbauen... Wasser gibts bei den WC Anlagen, diese sind leider in miserablem Zustand und auch das Wasser reichte wegen der Trockenheit nicht weit.

Wir wollten noch weiter bis zum "legendären" Refugio Anay - die neue, gute Brücke über den Rio Cole Cole liess uns hoffen, danach wird der Weg aber immer undeutlicher und die Wegfindung im Dickicht braucht  etwas Gespür (und eine Machete). Nach schätzungsweise der Hälfte gaben wir auf, der Trail scheint seit Jahren nicht mehr unterhalten und wir sahen auch nur ganz wenige Fusspuren, evtl. wird Anay trotzdem noch ab und zu angesteuert. Verlässliche Informationen konnten wir nicht auftreiben.

Wir verbrachten die Nacht auf dem Bergkamm bei einer Viehzüchterfamilie, welche gerade das Land hinter dem Haus brandrodete... das und ihr übriger Lebensstandard hatte sehr archaische Züge... jedoch verfügte die Familie über Strom und andere "Segnungen" der Zivilisation wie einen Fernseher und fliessend Wasser. Der Zugang ist aber nur per Pedes oder Pferd möglich.

Der morgendliche Rückweg war dann ganz angenehm, die omnipräsenten Rossbremen (Tabanos) waren noch im Tiefschlaf und die Strandkilometer verflogen im Nu... die kilometerlange, absolut glatte Ebene hat Qualitäten, die keine Bergtour bietet!

Korrigenda: in allen Quellen, inkl. Lonely Planet ist die Distanz von Cucao nach Cole Cole mit 25km angegeben. Da haben sich alle den Fehler abgeschrieben, die Distanzen sind bedeutend kleiner: Der Lonely Planet schreibt gar, dass es in einem Tag nur "very few hikers" bis zur Playa Cole Cole und zurück schaffen. Ist man gut zu Fuss und nimmt einen der zahlreichen Busse bis Chanquin, sind es hin und zurück noch ca. 25 km, was auf Grund der kleinen Höhendifferenz von 400m (ein Hügelzug wird überschritten) locker möglich ist!
Cucao - Cole Cole sind Luftlinie 15 km, Wegstrecke allerhöchstens 18km.

Tourengänger: Alpin_Rise, Bergzottel


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