Vergessene Felle, falscher Gipfel, verschüttete Abfahrtsroute und trotzdem 3-fach "gestrubelt"


Publiziert von Mistermai , 4. März 2013 um 21:34.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 2 März 2013
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 3100 m
Strecke:Gemmipass - Lämmerenhütte - Lämmerenhorn - Lämmerenhütte - [NACHT] - Pt.3234 - Wildstrubel - Mittelgipfel - Grossstrubel - Amertetäli (Abfahrt) - Simmenfälle (26km, 9+17) --> Siehe Minimap
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV Bis Leukerbad, BHF - Fussmarsch ca. 10min bis Gondelstation - Gondel auf den Gemmipass
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV ab Lenk, Simmenfälle
Unterkunftmöglichkeiten:Lämmerenhütte SAC

Wildstrubel - Zu diesem Massiv habe ich eine spezielle Beziehung: Der Lenkerstrubel war mein erster "richtiger" 3000er und nun sollte der Mittelgipfel also mein erster Ski-3000er werden. Soweit der Plan, gekommen ist's anders aber wir beginnen am Anfang:

Prolog
Was ist das dümmste, das einem Skitourengänger passieren kann? Richtig: Er steht am Bahnhof und seine Felle liegen zu Hause am Schrank. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit - Sollte man meinen, doch ich hab's tatsächlich fertig gebracht. Bis heute ist's mir ein Rätsel, wie ich durch meine mentale "Ist alles dabei?"-Kontrolle gekommen bin, ohne einen Gedanken an die Felle zu verlieren. Aber egal - Ich handelte mir so schon einen Rückstand von über 1h gegenüber der restlichen JO-Gesellschaft ein, bevor es überhaupt richtig losging.

Hauptteil

1.Tag (Lämmerehorn)
So startete ich auf dem Gemmipass mit 1:15h Rückstand auf eine Gruppe, die eine Woche zuvor immerhin 1500hm an einem Tag gemacht hatte (für Gruppenverhältnisse nicht zu verachten). Wenn ich sie bis zur Lämmerenhütte nicht einhole, kann ich mir den ersten Gipfel, das Lämmernhorn gleich mal ans Bein streichen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf "rannte" ich los. Und tatsächlich, bis zur Lämmerenhütte hatte ich 45min weniger und da dort Lunch verspiesen wurde, konnte ich tatsächlich noch zur Gruppe aufschliessen. Nach nun kurzem Rast ging's gleich weiter aufs Lämmerenhorn. Dazu fuhren wir zuerst einige Höhenmeter gegen Westen hinunter und umliefen das ganze Lämmerenhorn, um es schliesslich von Norden zu besteigen. Der Gipfel ist unglaublich, nämlich unglaublich unspektakulär: Total Stumpf und auch sonst wenig berauschend.
Dafür war das Wetter hervorragend und wir sassen im T-Shirt auf dem Gipfel. Die Abfahrt zurück zur Hütte war kurz, hart und folglich auch wenig begeisternd.

2.Tag 3-fach gestrubelt
Nachdem wir die Nacht im Gruppen-Privatzimmer (Winterraum) der pumpenvollen Hütte verbracht hatten und somit von allen Schnarchern und chronischen "Morgen-um-5Uhr-ganzer-Rucksack-Umpacker" verschont geblieben waren, machten wir uns um 07:15 auf den Weg. Wir wählten die relativ viel begangene Spur über die nördliche Gletscherzunge des Wildstrubelgletschers und entschieden uns den Lenkerstrubel zuerst anzupeilen: Die Gipfelsammlerkrankheit hatte sich anscheinend in der Gruppe ausgebreitet ;-) -->ich hatte nichts dagegen.
Im oberen Teil mussten wir sogar noch etwas spuren, weil es den Schnee etwas verweht hatte. Dies taten wir immer zweispurig, damit der mitgeführte Snowboard-Schneeschuhläufer den Anschluss nicht verlor. Rund 30hm unter dem Gipfel stellten wir es dann fest: Wir waren FALSCH! Anstatt dem Lenkerstrubel hatten wir den Zwischengipfel zwischen Lenkerstrubel und Mittelgipfel bestiegen. Jänu, ist mein erster Ski-3000er halt ein namenloser Zwischengipfel.
Also machten wir uns mit diesem Umweg in den Beinen doch noch auf zum Lenkerstrubel. Dort waren wir alleine und beobachteten amüsiert, wie mehrere Touren-Grüppchen unsere falsche Spur benützten und allesamt auf dem falschen Gipfel landeten.
Wir hingegen zogen die Felle ab und fuhren möglichst weit bis unter den Mittelgipfel, dann gings erneut Bergauf Mittelgipfel und schlussendlich auch noch auf dem Grossstrubel. Damit war die Trilogie  unverhofft vollendet worden!

Doch das grösste Abenteuer stand noch bevor: Denn die Tourenleitung hatte entschieden, dass die Abfahrt über die Engstligenalp zu "Mainstream" sei und stattdessen das Ammertetäli als Abfahrtsroute dienen sollte.
Diese ist wesentlich anspruchsvoller und vor allem muss man sich in acht nehmen, trotzdem hinüber zum Früestücksplaz zu traversieren, da man sich sonst auf eine Flugeinlage über einen nicht unwesentlichen Gletscherabsatz gefasst machen sollte. Das fiese daran: Man sieh ihn von oben kaum. Danach wird zurückgequert Richtung Westen und die Fahrt in der ursprünglichen Linie fortgeführt. Die Verhältnisse sind momentan nicht gerade einladend: Der Schnee ist vom Wind pickelhart zementiert und verlangt einem so alles ab, was noch in den Oberschenkeln drinsteckt nach so einem Tag.

So konnte man diverse Tourenfahrer beobachten, die nicht gerade den lockersten und stilsichersten Eindruck machten. Ich zähle mich da voll mit ein.

Doch es kam noch vieeel dicker: Die Ammertenhütte in Sichtweite versperrte uns plötzlich ein massiver Lawinenkegel den Weg --> Kein Durchkommen! Stattdessen mussten wir durch ein extrem steiles und heftig vereistes Couloir gegen Südwesten abzweigen und dem Bach nach unten folgen. Dieser musste dann noch mit einem Hopser übersprungen werden und kurz vor dem Ziel bei der Bushaltestelle Simmenfälle gab's dann noch einige eher enge, aber trotzdem steile Feldwege zu befahren und dann war's geschafft:
Eine Abfahrt die mich bei diesen Verhältnissen definitiv an die Grenze meiner fahrerischen Fähigkeiten brachte.

Epilog
Eines ist gewiss: Das war die beste meiner bisherigen 4 Skitouren, auch wenn man den Pulverschnee vergebens suchte. Das Panorama von Creux-du-Van bis Mont Blanc ohne ein einziges Wölkchen war überwältigend. Genauso wie der unglaubliche Sternenhimmel in der Lämmerenhütte, bevor der Mond aufging. Eine tolle Sache!!!

Tourengänger: Mistermai


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Kommentare (1)


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tschiin76 hat gesagt:
Gesendet am 13. März 2013 um 22:14
Herrlich gelacht! Danke für den unterhaltsamen Bericht!:)


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