Ärmighorn 2742m, bis wenige Meter darunter auf unserem ganz persönlichen Wintergipfel


Publiziert von Lulubusi , 25. Februar 2013 um 12:35.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:23 Februar 2013
Ski Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1340 m
Abstieg: 1780 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:via Spiez nach Kiental und mit Sessellift nach Ramslauenen
Unterkunftmöglichkeiten:Im Tal
Kartennummer:LK 1:50000 BL254S Interlaken BL264S Jungfrau, 1:25000 BL1228 Lauterbrunnen BL1248 Mürren

Ärmighorn 2742m, ca. 40m unter dem Gipfel war Schluss. Auf unserem ganz persönlichen Wintergipfel

 

Heute nahmen wir uns das Ärmighorn vor! Im Internet findet man kaum Informationen, deshalb halten wir uns an den Führer. In diesem steht unter anderem: Einer der grossen Skiberge der Berner Alpen. Etwas ungläubig habe ich dies zur Kenntnis genommen. Nach der Tour kann ich dies nur bestätigen!

 

Gross, wegen seiner Höhe? Nein! Mit 2742m nicht gerade ein Riese.

Gross, wegen der Höhenmeter? Nein! 1340 Höhenmeter sind zurück zu legen, da gibt es längeres!

Gross, wegen der Schwierigkeiten? Nein! ZS- da gibt es doch noch anspruchsvolleres.

 

Viel mehr sind es die Verhältnisse die auf vielerlei Hinsicht perfekt sein müssen. Lawinensituation, Temperatur mit tageszeitlicher Erwärmung, Verhältnisse in der Kletterei zum Gipfel! Dies alles muss perfekt stimmen, damit der Gipfel erreichbar wird.

 

Am heutigen Tag sah es wirklich danach aus, dass unser Vorhaben klappen könnte! Geringe Lawinengefahr, kaum Neuschnee, Temperatur im bis zwei stelligen Minusbereich und die tageszeitliche Erwärmung lag bei vernachlässigbaren 2-3°C. Also machten wir uns auf den Weg nach Kiental unserem Ausgangspunkt. Kurz vor 9:00 Uhr trafen wir dort ein. Da wir den Sessellift nach Ramslauenen benutzen wollten, war ein früheres Eintreffen nicht nötig, da dieser erst um 9:00 Uhr seinen Betrieb aufnimmt.

 

Aufstieg

Mit dem Sessellift schweben wir von Kiental hoch nach Ramslauenen P.1405. So sind die erste beinahe 500 Höhenmeter innerhalb weniger Minuten zurückgelegt.

Von der Bergstation des Sessellifts, die Felle haben wir bereits montiert, queren wir südwärts über eine Skilift und leicht abwärts zur Hütte bei Obers Chüematti P.1376. Hier trifft man auf eine Alpstrasse, die in das Bachli Tal hinein führt. Wir folgen dem Weg durch das schattige und eiskalte Tal zur Hütte von Underbachli P.1530 und von da weiter taleinwärts zu P.1619. Ohne eine Pause einzulegen folgen wir im Talboden dem Bach.

 

Im Talboden weisen einige Lawinenkegel, die überquerte werden, auf die latente Gefahr in den Hängen oberhalb des Tals hin. Nebst der Kälte, Gefriertruhen ähnlich, ist dies mit ein Punkt warum wir schnell das Bachli Tal durchqueren wollen.

 

Wir kommen zügig voran, P.1835 liegt schon einige Zeit hinter uns, stehen wir in dem sich verengenden Tal vor einer kurzen aber engen und steilen Stufe. Hier müssen wir kurz die Skis abschnallen und hochbuckeln. Ein markanter Einschnitt in der Steilstufe weisst den richtigen Weg. Man könnte die Steilstufe auch östlich im Bereich des Sommerweges umgehen, was aber im Aufstieg nicht zu empfehlen ist.

Nun haben wir die Ebene von Obere Gumpel erreicht und stehen endlich im Sonnenschein. Hier machen wir unsere erste Pause und führen unseren Körpern neue Energie zu.

Trotz der Sonne wird es kaum spürbar wärmer, im Sonnenschein weiter zu marschieren ist aber trotzdem wesentlich angenehmer.

 

Nun gehen wir ostwärts an den Hütten von Obere Gumpel P.2092 und am Fuss des Ärmigchnubel Nordgrates vorbei weiter. Vor der östlichen Abbruchkante der Ebene drehen wir nach rechts ab und folgen einem nach oben hin etwas steiler werden Tälchen, dass nach Süden führt. Auf einer Höhe von ca. 2340m liegen direkt nördlich vom Ärmigchnubel einige Felsen die wir auf ihrer Ostseite umgehen. So erreichen wir den Nordostrücken des Ärmigchnubel P.2412 über den wir nach wenigen Minuten den Gipfel erreichen.

 

Platz der zweiten Pause. Unsere Reise geht aber noch weiter. Ärmighorn heisst schliesslich unser Ziel.

 

Weiter geht es etwas abwärts in den Sattel bei P.2383 und von hier über eine breiten Rücken südostwärts an den Fuss des Ärmighorns.

Vorsicht: Riesige Wechten ragen über die Nordostkante des Rückens.

 

Südlich des imposanten, felsigen Gipfelaufbau des Horns, zieht ein Couloir (35°-38°) hinauf durch dieses der Gipfel in Angriff genommen wird.

Erst versuchen wir mit den Ski durch das Couloir hoch zu steigen. Auf Grund der Verhältnisse entscheiden wir uns aber schon nach wenigen Metern ein Skidepot zu erstellen.

 

Grund: Im unteren Teil des Couloirs war in den Bereichen in denen es genügend Schnee für einen Skiaufstieg gehabt hätte, so viel Schnee eingeblasen, so dass wir trotz geringer Lawinengefahr der Stabilität der Schneedecke nicht trauten. In den anderen Bereichen lag dann wieder zu wenig Schnee so dass man regelmässig bis aufs Geröll durchbrach.

 

Wir deponieren also unsere Skis und arbeiten uns zu Fuss durch das steile Gelände hoch. Anfänglich kommen wir recht zügig voran. Der nach oben tiefer werdende Schnee bremste dann unser vorankommen doch etwas.

 

Ungefähr auf halbem Weg versperrt eine Felsstufe ca.3m den Weg. Kletternd (II) überwinden wir diese. Obwohl die Kletterschwierigkeiten marginal sind, stellt sich diese Passage als nicht ganz so einfach heraus. Plattiger Fels der beinahe gänzlich mit Schnee überdeckt ist, wird plötzlich Tritt- und Griffarm.

Oberhalb der Felsstufe war dann Schneewühlerei angesagt. Teilweise sanken wir hüfthoch im pulvrigen Weiss ein. Eher links im Couloir haltend erreichen wir schliesslich den kleinen Sattel ca.2700m unterhalb des Gipfels im Südgrad des Ärmighorns.

 

Ab hier heisst es bis zum Gipfel Klettern. Links vom Sattel, Blickrichtung Gipfel (blaue Pfeile) muss als erstes Plattiger Fels (II) überklettert werden.

All zu schwierig sieht das ganze nicht aus und trotzdem war für uns hier Schluss. Wir versuchen beide diese Passage zu überwinden und geben aber schon nach wenigen Metern auf.

 

Die Felsen sind komplett mit einer 10-20cm dicken Schneeschicht überdeckt. So war es sehr schwierig geeignete Tritte und Griffe zu finden. Das grösste Problem war aber das Verhalten der Schneeschicht.

Bei jedem Schritt den man in den Schnee machte, sind ganze Platten bis auf den Felsen abgebrochen. Der Schnee war nirgends auch nur leicht mit den Felsen verbunden. Der Stein darunter war sogar noch trocken. Mit montierten Steigeisen wäre es wohl möglich gewesen hoch zu kommen. Das Risiko, dass die doch 3-4 Meter breite Schneefläche auf einmal bricht und man dadurch mitgerissen wird, war uns dann aber doch zu gross und wir verzichten auf die letzten Meter zum Gipfel.

 

Der kleine Sattel am Fuss der Kletterstelle wird so zu unserem ganz persönlichen Wintergipfel auf ca.2700m des Ärmighorn.

 

Abfahrt

Wir legen eine dritte, kurze Pausen, bevor wir uns an den Abstieg machen. Durch das Couloir zum Skidepot, weiter zum Sattel bei P.2383, und zurück über den Ärmigchnubel P.2412 bis auf eine Höhe von etwa 2140m östlich der Alphütten Obere Gumpel, folgen wir ungefähr unserer Aufstiegsspur. Jetzt drehen wir ab und fahren nordostwärts dem Wintertäli entgegen. Auf einer Höhe von etwa 1960m erfolgt erneut ein Richtungswechsel nach Rechts „Osten“. Hier befindet sich ein 40° steiles Couloir, dass durch die Felsstufe leitet.

Zwischen Felsen hindurch gehts in dem steilen und etwas schmalen Couloir ins Wintertäli hinunter und weiter zur Hütte bei P.1860.

Ein grosse Tanne in Richtung des Couloirs steht, kann als Richtungszeiger angenommen werden. Aber aufgepasst, diese steht nicht beim Couloir, sie ist etwas weiter nordöstlich von diesem.

 

In flacherem Gelände fahren wir nun talauswärts und traversieren im Bereich des Sommerweges die teils bewaldeten Hänge unterhalb der Bachflue „Vorsicht: Lawinengefahr“ bis zu einer noch Osten führenden Waldschneise. Durch die sich nach unten verengende Schneise und am Schluss durch mühsamen mit Routen irgend welcher Art durchzogenen Wald, suchen wir uns den besten Weg bis an den Waldrand.

Über die offenen Hänge von Längischwendi, immer links haltend fahren wir nordostwärts zurück zur Talstation des Sessellifts.

Einzig das Strässchen welches zwei, drei mal überquert wird und einige Weidezäune die den Weg versperren schmälern hier das Abfahrtsvergnügen etwas. Ein tolle sehr abwechslungsreiche, spannende Tour geht zu Ende.

 

Tour mit Christine. Hier ein Dankeschön für die nette Begleitung!

 

Startpunkt

Kiental „Talstation Sessellift ca. 920m“

Ramslauenen 1405m

 

Ziel

Ärmighorn 2742m, Ärmigchnubel 2412m

 

Anforderungen

ZS-. Meist offenes nicht all zu steiles Skigelände. Kurz vor Obere Gumpel ist eine Steilstufe zu überwinden (Kurz die Ski tragen). Hauptgefahr aus den seitlichen Hängen vom Bachli- oder Wintertäli.

Das Couloir zum Ärmighorn weist eine Steilheit von 35-38° auf. Bei guten Verhältnissen kann bis auf den Sattel am Beginn der Gipfelkletterei hochgestiegen werden. In diesem Fall ZS+. (teilweise recht ausgesetzt)

Gipfelkletterei „II“ kann je nach Verhältnissen sehr heikel sein. (Ausgesetzt)

 

Couloir ins Wintertäli hinunter ist schmal und 40° steil. Waldpassage auf Grund der Stauden, teilweise etwas mühsam zu befahren.

 

Orientierung ist grundsätzlich klar, bei Nebel wird es aber schnell schwierig den Richtigen Weg zu finden.

 

Hangrichtung

Nord, West, Ost

 

Lawinengefahr

Im gesamten Bachlital und in den zu querenden Hängen unterhalb der Bachflue im Wintertäli. Im Couloir hoch auf den Sattel im Ärmighornsüdgrat zu Beginn der Gipfelkletterei.

Auch zu Beginn der Gipfelkletterei besteht aus meiner Sicht Schneerutschgefahr.

Material

Übliche Skitourenausrüstung

Steigeisen, Eispickel und Seil für die Kletterei bis auf den Gipfel.

 

Zusätzliche Info

Sessellift Kiental-Ramslauenen

 

Zeit inklusive Pausen und Abfahrt.

 

Fazit

  • Tolle sehr abwechslungsreiche Tour bei der die Verhältnisse stimmen müssen
  • Daher wirklich einer der grossen Skiberge
  • Genialer Blick von der Wetterhorngrupp über die Blümlisalp bis zum Wildstrubel und weiter
  • An einigen Stellen der Tour besteht Lawinengefahr
  • Super schöne und lange Abfahrtsmeter
  • Waldpassage teilweise etwas mühsam
  • Bereits der Ärmigchnubel ist ein tolles Ziel für sich

 

Genaue Route

Kiental, Ramslauenen P.1405, Obers Chüematti P.1376, Underbachli P.1530, P.1619, P.1835, Obere Gumpel P.2092, Ärmigchnubel P.2412, Sattel P.2383, Couloir südlich Ärmighorn, Sattel südlich Ärmighor auf dem Südgrat, Couloir, Sattel P.2383, Ärmigchnubel P.2412, östlich Obere Gumpel, Couloir ins Wintertäli, Wintertäli P.1860, Lengschwendi, Talstation Sesselllift Kiental

 

Alternativ

Gehrihorn


Tourengänger: Lulubusi


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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 3. März 2013 um 16:58
so kenne ich das Ärmighore nicht - sieht schon anspruchsvoll aus!
lg, Felix


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