Wildhauser Gulmen


Publiziert von Hitsch_82 , 21. Februar 2013 um 12:30.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:17 Februar 2013
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT4 - Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1102 m
Abstieg: 1102 m
Strecke:Wildhaus - Bodenweidli - Vorderbannwald - Gulmenhütten - Gulmen - Gulmenhütten - Vorderbannwald - Flürentobel - Wildhaus
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV bis Wildhaus Post
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV ab Wildhaus Post
Unterkunftmöglichkeiten:keine

Bereits am letzten Wochenende startete ich einen Versuch, den 1999m hoch gelegenen Gipfel des Wildhauser Gulmen zu erreichen. Leider musste ich nach rund einem Viertel der Strecke die Tour abbrechen. In den Tagen zuvor fiel zu viel Schnee und ich versank trotz den Schneeschuhen bis zur Hüfte im Pulverschnee - nach vier mühsamen Stunden Spurarbeit (ich wurde von zwei anderen Tourengänger begleitet und wir wechselten uns mit dem Spuren ab), gaben wir wegen nachlassender Kraft auf.

Heute nun ist der Schnee besser, bereits verdichtet und stellenweise gefrohren. Somit stand der erfolgreichen Besteigung nichts im Weg. Unsere Spur vom letzten Wochenende war noch sichtbar. Nach rund einer Stunde war ich an jenem Punkt, an welchem wir letztes Wochenende nach vier Stunden abgebrochen haben - nach einer Stunde!

Soweit so gut, ich komme gut voran, auch dank der bestehenden Spur, welche nur mit etwa 10cm Neuschnee bedeckt war. Das Wetter hätte zu Beginn des Aufstiegs besser sein können. Der Neblel lag zäh am Berg und die ersten drei Stunden sah ich keine Sonne. Teilweise war der Nebel so dicht, dass ich keine 5m weit sehen konnte. War ungewohnt, da ich das Gelände nicht richtig beurteilen konnte. Dank der existierenden Spur aber halb so wild.

Zeitweise hatte ich das Gefühl, ich sei auf der falschen Spur. Vorbereitend habe ich die Tour als GPS-Track auf mein Smartphone geladen. Diesen Track habe anhand von früheren Berichten erstellt. Immer wieder stellte ich fest, dass die aktuelle Route doch stark von derjenigen vergangener Jahre abweicht. Der Weg ist nun direkter, macht weniger Zick-Zack.

Nach rund 3h stand ich an jener Lichtung mit der Gulmenhütte. Leider war von der Hütte nicht viel zu sehen. Nur die obersten 50cm schauen noch aus der Schneedecke, die Spur führt über das Dach der Hütte. Nach einer Pause und einer kleinen Stärkung mache ich mich an den Schlussanstieg. Es gilt noch etwa 350 Höhenmeter zu überwinden. Nun zeigt sich endlich die Sonne, die Nebeldecke liegt unter mir. Stahlblauer Himmel, wenig Wind und Sonnenschein. Perfekte Bedingungen - zumindest jetzt noch. Der Gipfel liegt nun in Sichtweite, 200m über mir. Auf dem Ostrücken liegt kaum Schnee, alles vom Wind abgetragen. Zwischendurch erkenne ich sogar grüne (oder eher braune) Stellen wo bereits die Wiese sichtbar ist. Diese letzten Höhenmeter sind rasch bewältigt uns nach etwa 5h stehe ich auf dem 1999m hohen Gipfel des Wildhauser Gulmen. Die Anstrengung hat sich definitiv gelohnt. Neben mir sind noch drei weitere Tourengänger auf dem Gipfel, welche sich aber bald wieder an den Abstieg machen. Ich verweile noch für einige Minuten, geniesse den traumhaften Ausblick und trage mich im Gipfelbuch ein. Auf dem Gipfel bot sich ein Spektakel mit dem aus dem Tal aufsteigendem Nebel. Er stieg in solch einer Geschwindigkeit, dass es aussah, als ob jemand im Tal einen riesigen Topf voll kochendem Wasser aufgestellt hätte.

Ausgeruht und gestärkt mache ich mich nach rund 40 minütigem Aufenthalt auf dem Gipfel an den Abstieg. Während ich losgehe überlege ich mir die Abstiegsroute. Plötzlich stand ich mitten im dichtesten Nebel. Ich sah kaum noch meine Füsse, die Situation kam einem White-Out sehr nahe. Gefährliche Situation, da der Aufstieg aufgrund der speziellen Spurführung doch einige heikle, sehr steile und ausgesetzte Stellen hatte. Ich entschied mich für den direkten Weg ins Flürentobel da mir dieser Weg sicherer erschien und die Absturzgefahr aufgrund von Ausrutschern deutlich geringer war. Bei Punkt P.1470m wäre die Abzweigung auf meine Aufstiegsspur, ich marschiere aber weiter Richtung Abstiegsschneise zwischen Punkt P.1422m und P.1232. Unten angekommen zittern meine Beine und ich muss kurz ausruhen. Die Abstiegsschneise war sehr steil, geschätzte 35 Grad Hangneigung (auf rund 400m Wegstrecke, 200 Höhenmeter abwärts). Frage mich ob das eine Alternative für den Aufstieg wäre - werde ich bei Gelegenheit ausprobieren. Der Schnee war in dieser Schneise im Wald ausgezeichnet und ich gleitete den Hang beinahe wie auf Skiern hinunter. Schon bald stand ich im Flürentobel und es war bitterkalt. In diesem Tobel sammelt sich die kalte Luft, ähnlich einem Kältegraben im Iglu. Ich zog all meine Kleidung an und nahm die letzten, unspektakulären Kilometer nach Wildhaus in Angriff.

Fazit: Der Gulmen trägt seinen Titel als schneeschuhfreundlichen Berg zu recht. Die aktuelle Aufstiegsspur hat es aber in sich, da sie vielfach direkt und ohne Zick-Zack hinauf geht. Hier braucht es gute Schneeschuhe mit integrierten Steigeisen oder zumindest guten Zehenkrallen. Aufgrund der aktuellen Spurführung bewerte ich diese Tour mit einem anspruchsvollen WT3, evtl. sogar WT4, da sie vorallem in einer Hang-Queerung im Aufstieg mittem im Wald (ca bei Punkt P.1436m) an einer extrem steilen und schmalen Stelle verläuft. Ein Ausrutscher an dieser Stelle hätte fatale folgen.

Tourengänger: Hitsch_82


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