Lanin (3776 m) - der Fujiyama Patagoniens


Publiziert von t2star , 14. Februar 2013 um 17:51.

Region: Welt » Argentinien
Tour Datum:22 März 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: RCH   RA 
Zeitbedarf: 20:00
Aufstieg: 2640 m
Abstieg: 2640 m

Der Volcán Lanín liegt genau auf der Grenze von Argentinien und Chile – die argentinische Seite im gleichnamigen Nationalpark und die chilenische Seite im Nationalpark Villarrica. Der Vulkan ist schon seit Jahrtausenden erloschen, so etwas wie ein Krater sucht man vergeblich. Man findet zwei unterschiedliche Höhenangaben, zum einen die Höhe von 3747 m und häufig auch den Wert 3776 m – das würde genau der Höhe des Fujiyama entsprechen, mit welchem er hinsichtlich seiner schönen konischen Form auch eine große Ähnlichkeit aufweist. Welche Angabe die Richtige ist weiß ich leider nicht. Wie auch immer – genauso wie sein japanisches Pendant ist er von weither die alles überragende Gestalt,  der höchste Berg im nordpatagonischen Seengebiet, und bietet demzufolge ein atemberaubendes Panorama in alle Himmelsrichtungen.

Die am häufigsten bestiegene Route ist von Norden (Argentinien) ausgehend vom (kostenlosen) Campingplatz bei der Guarderia Tromen an der Straße zwischen Junin de los Andes (Argentinien) und Púcon (Chile), der Ruta Provincial 60. Für die Besteigung sind normalerweise 2-3 Tage einzurechnen. Übernachtet werden kann entweder im BIM-6 (2350 m, ca. 20 Plätze), im RIM-26 (2450 m, ca. 20 Plätze) oder im Refugio CAJA (2660 m, 8 Plätze) – alle drei Selbstversorger-Refugios, d.h. Schlafsack, Kocher & co muss selber mitgebracht werden. Es gibt übrigens weder ein Laden für Lebensmittel noch eine Übernachtungsmöglichkeit außer dem Camping in der Region der Guarderia Tromen.

Im LP „Trekking in the Patagonian Andes“ stand geschrieben dass man Steigeisen und Pickel benötigt, welche man in der Guarderia vorzeigen muss um hochgelassen zu werden. Voller Freude bei herrlichstem Wetter kam ich mit meiner Ausrüstung in die Guaderia, zeigte den Rangern sogar noch meinen Helm, welchen ich dabei hatte (der war übrigens auch erforderlich;-), doch als ich ein Mountain-(VHF-)Radio vorzeigen sollte, musste ich kapitulieren – das hatte mir der LP nicht mitgeteilt;-( So wurde mir untersagt die Besteigung in Angriff zu nehmen. Etwas frustriert darüber, dass ich mich nicht besser informiert hatte, dachte ich mir jetzt schlage ich einfach mein Zelt auf dem netten Campingplatz auf und genieße das schöne Wetter und die Aussicht auf die eindrucksvolle Berggestalt. Kaum hatte ich das getan, wurde ich von meinen Nachbarn angesprochen, ein paar junge Argentinier. Ich erzählte von meinem gescheiterten Vorhaben, und sogleich kam die Aussage „wir gehen morgen die Besteigung an, komm doch einfach mit, wir haben ein Radio – ach ja, allerdings wollen wir die Tour in einem Tag machen“. In einem Tag dachte ich, sind die wahnsinnig!?!? „Ok, ich bin dabei“ war meine spontane Antwort.

So hat um 23:30 nach genau null Minuten Schlaf der Wecker geklingelt und Punkt Mitternacht ging es los. Schließlich standen in der Summe 5300 Höhenmeter auf dem Programm. Eigentlich nicht dramatisch, doch Sorge bereitete mir die Tatsache an einem Tag von ca. 1100 m auf fast 3800 hoch zu wollen. Meine Mitstreiter waren 3 Geschwister, 2 Brüder plus Schwester. Bis zum Refugio BIM-6, wo wir eine Stunde Pause mit einem kleinen Nickerchen gemacht haben, ist nur noch einer der drei, Armando, und ich übrig geblieben, die anderen hatten wohl nicht ‚ihren Tag‘. Mit der ersten Tagesdämmerung kurz vor einem traumhaften Sonnenaufgang haben dann Armando und ich das Ziel in Angriff genommen – um 14 Uhr standen wir auf dem Gipfel wo wir erst mal eine Stunde verweilt haben um die grandiose Szenerie zu genießen. Der Gipfel zeichnet sich nur durch ein kleines Schneeplateau aus, was eine tolle 360°-Rundsicht ermöglicht.

Die Besteigung ist nicht sonderlich schwierig – zumindest bei guten Bedingungen wie wir sie hatten. Bis auf ca. 2700 m gibt es einen Pfad (im unteren Teil der ‚Camino de Mulas‘), ab dann gilt es viel Schutt und Geröll zu überwinden, was kräftezehrend sein kann. Häufiger kann man auf leicht aus dem Gelände herausragenden Felsrippen aufsteigen, welche wesentlich mehr Halt bieten als das lose Geröll daneben. Die Routenfindung ist ansonsten straightforward und intuitiv. Kurz vor dem Gipfel kraxelt man noch leicht über ein paar Felsstufen (I). Im obersten Abschnitt werden oft Steigeisen benötigt. Zahlreiche Schneefelder und das lose Geröll versprechen ein überraschend hohes Abstiegstempo;-) Glücklicherweise hatten wir auch keinerlei Höhenprobleme (außer dem langsamer werdenden Tempo nach oben hin), was vielleicht auch an dem phantastischen Wetter lag was für eine gute Endorphin-Ausschüttung sorgte.

Gegen 20 Uhr am Abend hatten wir den Zeltplatz wieder erreicht – Armandos Schwester hatten wir im BIM-6 wieder eingesammelt, sie hatte dort die Sonne genossen und auf uns gewartet. Armando war nicht nur mit 2 Geschwistern da, sondern mit gesamter Familie (3 Generationen, elf Personen) – und diese hatte pünktlich für unsere Rückkehr den Grill angeworfen – und das war auch gut so! So durfte ich mit dieser unglaublich gastfreundlichen Familie noch zwei schöne und erholsame Tage verbringen und beim Anblick des majestätischen Lanín die Bilder unserer Tour im Geiste vorbeiziehen lassen.

Tipp: vom Campingplatz kann man einen kleinen Spaziergang (1 Std) auf einen kleinen Aussichtfelsen machen (den Namen habe ich vergessen, ist aber die nächste Erhöhung dort), welcher sich unbedingt lohnt – man hat hier einen wunderschönen Ausblick auf den Lago Tromen (hier gibt es übrigens auch ein Zeltplatz) mit den saftig-grün bewaldeten Berge drum herum und wenige Kilometer ostwärts in der anderen Richtung – was für ein Kontrast dazu – die karge Steppe Argentiniens.

Tourengänger: t2star


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Kommentare (3)


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alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 14. Februar 2013 um 18:15
Gratulation zu dieser tollen Tour und der Leistung. 20 Std. unterwegs und über 2600 Hm im Aufstieg sind eine respektable Leistung.

Gruß
Hanspeter

TeamMoomin hat gesagt: Wirklich
Gesendet am 14. Februar 2013 um 22:21
einen schönen Berg hast du dir da ausgesucht, ja Argetinien wäre wohl echt auhc mal ne Reise wert!
Gratuliere zu dieser tollen Leistung!

Gruss Oli und Moomin

t2star hat gesagt: RE:Wirklich
Gesendet am 18. Februar 2013 um 20:58
Dank euch! Wenn alles passt wird selbst so eine Tour de Force zum puren Genuss.
Wenn Zeit und Geld da ist: unbedingt mal nach Patagonien gehen - ist jeden Rappen und jede Minute wert!
Demnächst noch mehr aus dieser schönen Ecke unseres Planeten...


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