Im Tal war es mittags sonnig und warm, nachdem sich der Himmel am morgen noch nicht von der allerbesten Seite gezeigt hatte. Und auch der Wetterbericht war nicht allzu schlecht. So wollte ich die etwas spezielle Tour machen. Ich dachte, dass man bei erheblicher Lawinengefahr auf einem Grat am sichersten ist. Meine Frau fuhr mich mit dem Auto nach Gamsen (zwei Kilometer westlich von Brig). Dort achtete ich darauf, von niemandem gesehen zu werden, weil Skitouren eigentlich in der Regel nicht in Gamsen beginnen. Aber wieso sollte der Ausgangspunkt einer Skitour nicht einmal auf 720 m ü. M. liegen? Ich hätte die Skis gleich anschnallen können, doch ich bevorzugte es, sie noch etwas auf dem Rucksack aufgeschnallt zu tragen. Nach vielleicht 100 Höhenmetern hatte ich der schweren Last genug, und meine eigentliche Skitour begann. Meine Frau begleitete mich ohne Skis und recht sommerlich bekleidet bis Rohrberg. Wir folgten Jeepspuren, so dass der Aufstieg ohne Müh möglich war. Ich war dann sehr froh, weiter oben auf eine Skispur zu stossen, die von zwei Tourern zwei-drei Tage vorher hinterlassen worden war. Somit war der Aufstieg auf das Gebidum leichter als vorgestellt. Teilweise musste ich aber gegen erheblich Stollenbildung an meinen Fellen kämpfen. Doch schlussendlich schaffte ich die ersten 1600 Höhenmeter guten Mutes und ohne allzu grossen Kräfteverlust. Die aufkommenden Wolken weiter oben hätten mich veranlassen sollen, nach der Traversierung zum Gebidempass hinüber, über die Skipisten nach Visperterminen abzufahren. So hatte ich es im Voraus bei einer solchen Wetterlage geplant. Da mein Wunschziel jedoch Gspon war, wollte ich doch noch etwas die Skipiste hoch zum Rothorn steigen. Nur so zum Probieren und Auskundschaften. Oberhalb des Skilifts war der sehr breite Grat zum grossen Teil ohne Schnee. So sah ich plötzlich keinen Grund mehr umzukehren. Und zudem meinte ich, das Ochsenhorn in recht kurzer Zeit erreichen zu können. Plötzlich hatte ich den Point of no Return überschritten. Der Grat wurde schmäler, die Wetterlage immer schlechter. Bald schneite es, und recht heftiger Wind kam auf. Es hiess immer wieder, die Skis auf den Rucksack binden. Einigermassen heikle Kletterpartien wechselten mit schmalen Gratpassagen und steilen Aufschwüngen ab. Ich war überrascht, wie stark ich die Tour unterschätzt hatte, und dies obwohl ich sie vor zehn Jahren und mehr schon zweimal gemacht hatte. Dreimal glaubte ich, kurz vor dem Gipfelaufschwung zu sein, und jedes Mal stellte ich mit ziemlicher Überraschung fest, dass sich im Nebel ein weiterer Aufschwung vor mir auftat. Inzwischen war es Nacht geworden. In erster Linie machte ich mir jetzt Sorgen um die Sorgen meiner Frau daheim. Selber blieb ich ruhig und glaubte, der heiklen Situation gewachsen zu sein. Endlich das lang ersehnte Ochsehorn. Ich hatte den Gipfel nach sieben Stunden anstatt nach den projektierten vier bis fünf Stunden erreicht. Die fast 2500 Höhenmeter waren also geschafft, der Rest sollte ein Kinderspiel sein, dachte ich mir. Nun kannte ich praktisch jeden Stein, denn ich befand mich in heimatlichem Gebiet. Nur noch zum Wyssgrat traversieren und dann die fast tausend Höhenmeter nach Gspon abfahren. Doch plötzlich verloren die Felsen und Steine und Hänge ihren vertrauten Charakter. Hatte ich mich verirrt? Dann ein Hang, der mir vollständig unbekannt vorkam, und der sich nach fünf Metern vollständig in der Dunkelheit und im Schneegestöber verlor. Jetzt war das weitere Vorgehen klar - möglichst schnell ein Biwak bauen, was unter den gegebenen Umständen alles andere als leicht war. Doch hier glaubte ich, mindestens einen Meter Schnee unter meinen Füssen aussondiert zu haben. Ich weiss nicht, ob ich eine oder zwei Stunden benötigte. Das Resultat war einigermassen gut, obwohl ich es wegen der Schneebeschaffenheit nicht schaffte, den letzten halben Quadratmeter Dach zu schliessen. Obwohl ich sonst sehr kälteempfindlich bin, und obwohl der Schnee noch leise in meine „Wohnung“ rieselte, fühlte ich mich recht gut. Die Nacht würde sehr lange werden. Wie würde mein Körper reagieren? Die Stirnlampe, die ich am morgen noch mindestens viermal angeschaut hatte, die ich aber nicht mitnehmen wollte, obwohl mir etwas sagte, sie mitzunehmen, fehlte mir sehr. Durch die Arbeit mit dem Schnee, waren meine Hosen bis auf die Unterwäsche und Socken total nass. Das beschäftigte mich. Ich achtete vor allem darauf, mich ständig zu bewegen. Draussen muss das Thermometer unter minus zehn Grad angezeigt haben. Erstaunlicherweise fror ich jedoch nicht allzu stark. Bequem war es aber nicht. So nahm ich nach einiger Zeit doch lieber mit der Berg Rettung Funkkontakt auf. Dies war mir peinlich, denn ich wollte auf keinen Fall, dass irgendjemand meinetwegen ein Risiko einging. An ein Helikopterflug war bei dem Wetter nicht zu denken. Gegen elf Uhr startete man dann aber dennoch von Zermatt aus. Wie teilt man jemandem mit, wo man ist, wenn man selber nicht weiss, wo genau man ist. Der Höhenmeter zeigte 2800 m an, und ich glaubte 200 m vom Gipfel des Ochsenhorns in richtiger Richtung abgefahren zu sein. Doch zweifelte ich eben gerade daran. Per Funkt sollte ich mitteilen, ob ich den Heli weit oder nahe höre. Das Geräusch kam mir aber immer sehr weit weg vor. Einmal war der Himmel irgendwie erleuchtet, aber eben auch wieder weit weg. Dann flog der Heli zurück nach Raron. Ein komisches Gefühl. Ich hörte dann, dass man zwei Retter abgesetzt hatte. Dies war für mich Grund genug, mein Biwak zu verlassen, was gleichzeitig einer Zerstörung desselben gleich kam. In der Zwischenzeit war der Nebel verschwunden und ich konnte bald auf dem Wyssgrat die Stirnlampen meiner Retter ausfindig machen. Jetzt war plötzlich alles sehr leicht. Ich wusste, wo ich war, und ich war genau an dem Ort, an dem ich sein sollte. Ich machte mit der Beleuchtung meines iPods auf mich aufmerksam, und begann gleich abzusteigen. Gegen ein Uhr holte uns dann der Heli wieder ab.
Lehren daraus:
-Höre auf deine innere Stimme und befolge sie.
-Bereite deine Tour minutiös vor, auch wenn du sie gut zu kennen meinst.
-Unterschätze auf keinen Fall den Einfluss des Wetters und vor allem des Nebels auf die Schwierigkeit einer Tour.
-Schenk der Ausrüstung alle Aufmerksamkeit (Schaufel, Kleider, Taschenlampe).
-Bleibe stets besonnen und ruhig.
-Auch 695 Tourentage schützen dich nicht vor Blödsinn und Fehlentscheiden.
Hätte ich im richtigen Moment mein Kartenmaterial studiert und meinen Kompass herausgenommen, würde ich festgestellt haben, dass ich mich auf dem richtigen Weg und nicht vor irgendeinem Abgrund befand. Die ganz Rettungsaktion wäre dann nicht notwendig gewesen. Aber eben, im Nachhinein ist immer alles viel leichter. Mein Chef sagt: alle sind gescheit, einige vorher und andere nachher.
Auf alle Fälle bin ich meinen Rettern sehr dankbar.



















Treuer Begleiter
Egal mit wem Du auf Skitouren gehst, einer sollte immer dabei sein: der "Glide 35+ ". Er bietet Platz für Skis, Snowboard, Schneeschuhe. Dank dem körpernahen Sitz kommt man nicht ins wanken. Ausserdem bietet er einen schnellen Zugriff zur Schaufel und zur Sonde.


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