Graui Stöckli 2795m; Nordhänge vom feinsten


Publiziert von Lulubusi , 8. Februar 2013 um 11:47.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:27 Januar 2013
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via Innertkirchen nach Gadmen
Unterkunftmöglichkeiten:Im Tal Windegghütte (Winterraum)
Kartennummer:LK 1:50000 BL255S Susten / LK 1:25000 BL1210 Innertkirchen, BL1211 Meiental

Graui Stöckli 2795m zu unrecht ein unbekannter! (wer hier passt, hat was verpasst!)

 

Heute traffen wir uns im Gadmertal! Als Ziel wurde das Graui Stöckli in den südlichen Gipfeln von Gadmen auserkoren. Ob Winter oder Sommer, ein selten besuchter Gipfel.

Zu meinem erstaunen als Hikr-Skitour bis heute noch unbekannt! Dies eigentlich zu unrecht! Wie finde eine super schöne und spannende Nordtour.

Ausgangspunkt ist Obermad kurz nach Gadmen, was gut mit dem Auto erreichbar ist. Bis hier hin wird die Sustenpassstrasse geräumt.

 

Aufstieg

Wir starten also in Gadmen Obermad P.1209. Auf der alten Sustenstrasse gehen wir ostwärts, im Gadmertalboden bis zur Brücke über die wir das Gadmerwasser überqueren. Nun immer noch flach südwärts über die Chalberweid an den Fuss der Wanglauenen-Schneise unterhalb P.1329.

 

Sollten nach der halbherzigen Einlaufphase im Talboden, die Muskeln noch nicht auf Betriebstemperatur sein, werden diese spätestens jetzt ihre Arbeit beginnen müssen. Es wird nämlich steil!

 

Ungefähr dem Sommerweg folgend, bahnen wir uns unseren Weg am östlichen Rand der Wanglauenen-Schneise hinauf. Teilweise geht es sehr ruppig und steil, 35° auf beinahe 200m, zu und her. Erlenstauden vereinfachen nicht gerade den Weg.

Wer hier die Spitzkehren aus dem FF kann, ist definitiv im Vorteil. Alle anderen lernen diese hier auf die etwas harte Tour.

 

Auf dem Weg nach oben werden die Skis zweimal ausgezogen. Über schmale, teilweise leicht exponierte Felsbänder quert man nach links. So können Felsstufen die den Weg versperren umgangen werden! Wichtig: Unbedingt im Bereich des Sommerweges bleiben.

 

Mittels der zweiten Querung, verlässt man die Schneise ostwärts und holt somit etwas nach links aus um dann durch den Stägenwald zurück in die Schneise zu gelangen. Ungefähr auf einer Höhe von ca. 1650m treten wir aus dem Wald hinaus. Durch das Waldstück folgt man am besten auch dem Sommerweg.

 

Die steilste Passage vom Aufstieg haben wir zwischenzeitlich hinter uns. Über etwas flachere, weite Nordhänge und vor allem Gelände ohne lästige Stauden geht es nun in südwestlicher Richtung weiter.

Durch die Rinne von Wange, stets leicht südwestlich haltend, gewinnen wir stetig an Höhe und erreichen schon bald unser nächstes Etappenziel das Mittagstein heisst. Ein klein flache Kuppe etwas westlich von P.2058, auf der es sich gut Pause machen lässt.

 

Nach einer kurzen Verpflegungspause, wir haben schliesslich erst etwas mehr als die Hälfte vom Aufstieg geschafft, geht's weiter.

 

Vom Mittagstein gehen wir südwärts, in dem erstaunlich flachen Gelände, dem Gadenlauisee entgegen. In den zerklüfteten und schroffen Bergen rund um Gadmen würde man solch flaches Gelände kaum erwarten.

 

Den Gadenlausee ignorieren wir und gehen östlich an diesem vorbei. Vom dem Seelein ist sowieso nichts zu erkennen. Irgend wo unterm Schnee hält er seinen Winterschlaf.

 

Erst in südlicher Richtung, zwischen P.2351 und P.2283 (LK 1:25000) hindurch, später leicht nach Südosten abdrehend, steigen wir Höhenmeter für Höhenmeter über den hier wieder steileren Nordwesthang dem Gipfel entgegen. Zum Schluss südostwärts über den teilweise deutlich über 30° steilen Hang aufs Graui Stöckli P.2795.

 

Bei schönstem und beinahe Windstillem Wetter können wir die Aussicht und den fantastischen Blick in den Triftkessel.

 

Abfahrt

Auf Grund der Gruppengrösse waren wir nicht all zu schnell unterwegs und wir musst schon bald an den Rückweg bzw. die Abfahrt denken. Eine Abfahrt die kaum wünsche offen lässt.

Für die Abfahrt wählen wir eine Route die erstaunlicherweise in keinem Führer vermerkt ist. Nur bei wirklich sicheren Verhälntissen zu empfehlen ist.

 

Vom Gipfel wenige Meter ostwärts und über eine kleine leicht exponierten Grat in eine Lücke hinunter. Hier besteht ein Durchschlupf zum Gigligletscher.

Vorsicht: Die Einfahrt auf den Gigligletscher führt über eine sehr steilen (38° auf 50m) Osthang. Leicht querend fährt man südwärts durch diesen auf den Gletscher hinunter.

 

Das Gletscherbecken durchqueren wir an dessen Südseite ostwärts bis in das östliche Viertel. Eine Felsinsel auf 2680m bildet die Grenze.

Westlich an dieser Felsinsel vorbei fahren wir nun in bestem Pulverschnee über den Gletscher abwärts. Unterhalb der Felsinsel halten wir uns am rechten Rand des Gletschers (westlich der Gigliegg). Am rechte Rand ist das Gelände etwas steiler, 30-32° und daher schöner zum abfahren.

Am nördliche Abschluss des Gletschers, bevor man ein weiteres kurzes Flachstück erreicht, kommt man nochmals in den Genuss einer Steilstufe. „32° auf 60m“.

 

Auf der kleinen Ebene auf 2300m versammeln wir uns wieder, warten bis sich alle TeilnehmerInnen der Tour eingefunden haben.

 

Nun folgt ein toller Hang 35° auf 100 Meter. Der schattige Nordhang verspricht guten Abfahrtsschnee! Wir werden nicht entäuscht.

Am Ende der Steilstufe, die sich auf 2200m befindet drehen wir nach rechts ab. Im wieder flacheren Gelände fahren wir ostwärts zur Hütte bei P.1996.

 

Nun geht es im steiler werdenden Gelände „bis 34° auf ca. 100m“ in nordöstlicher Richtung über den Giglibach nach Lischen P.1811.

Jetzt gilt es den Richtigen Weg, ein Durchschlupf durch ein Felsband, zu finden. Eine uralte, solitär stehende Bergföhre, die kurz nach Lischen dem wilden Bergwetter trotzt, dient als Wegweiser.

 

Die Bergföhre lassen wir zu unseren linken vorbeiziehen und fahren nordostwärts. Im Bereich des Sommerweges kann die Felsstufe, über ein Band (leicht exponiert) durchdrungen werden. Unbedingt darauf achten, dass man den Richtigen Durchschlupf beim Sommerweg findet. Von oben kommend erkennt man in der Stufe einen kleinen Einschnitt. Hier ist man richtig.

 

Links vom Bach (südlich) haltend fahren wir in flachem, leichtem Gelände nach Westen zur Alp Wyssmad P.1575.

Nun weiter dem Sommerweg und dem Bach folgende, in ruppigem und teilweise verwachsenem Gelände abwärts. Nach einer kurzen steileren Passage bei Underwasser, trifft man bald auf ein kleines Ausgleichsbecken P.1340.

Achtung: Hier rechts bleiben, nicht bis zum Becken fahren. Wenige Meter östlich und oberhalb des Beckens befindet sich ein kleiner Tunnel. Durch den meist vereisten Tunnel hindurch kommt man auf die andere Seite der Felsen, die hier den Weg versperren.

 

Wir ziehen die Skis aus und quetschen uns durch den Tunnel.

Auf der anderen Seite folgt man der befestigten Strasse, die in nördlicher Richtung vom Ausgleichsbecken zur Sustenpassstrasse führt.

Der leichte Gegenanstieg ist so kurz, dass sich ein Anfellen kaum lohnt. Heute können wir sogar auf gut gepresstem Schnee, ohne dass wir grosse Einsinken bis zur Passstrasse laufen.

Die Skis werden wieder ihrem Verwendungszweck zugeführt und der Passstrasse folgend, in den Haarnadelkurven teilweise etwas abkürzend, fahren wir zurück nach Obermad P.1209.

 

Ein gelungen und geniale Nordtour geht zu Ende.

 

 

Startpunkt

Obermad 1209m

 

Ziel

Graui Stöckli 2776m

 

Anforderungen

ZS+. Teilweise steiles, ruppiges mit Erlenstauden verwachsenem Gelände. Im Oberen teile weite und abwechslungsreiche Nordhänge.

Mehrere Steilstufen mit bis zu 35° Steilheit sind zu durchqueren. Wegfindung ist nicht immer ganz einfach. Bei Nebel äusserst schwierig. Tour in diesem Fall nicht zu empfehlen.

Nur bei sicheren Lawinenverhältnissen.

 

Je nach Verhältnissen können Harscheisen gute Dienste leisten!

 

Hangrichtung

Nord, Nordwest, Ost

 

Lawinengefahr

Im Bereich des Einstiegs, 35° auf ca. 200m. Im Nordwesthang unterhalb des Gipfels.

In der sehr steilen Querung auf den Gigligletscher.

In den diversen Steilstufen „bis 35°“ auf der gesamten Tour.

Wichtig auch: Die umliegenden Flanke beachten!

 

Material

Übliche Skitourenausrüstung

 

Zusätzliche Info

Gadmen

Windegghütte

 

Fazit

 

  • Wer sich von teilweise ruppigem Gelände mit Erlenstauden nicht abschränken lässt, geniale Nordhangtour
  • Sehr abwechslungsreiche Tour
  • Tolle Landschaft in den Berner und Urner Alpen
  • Selten besuchtes Gipfelziel zwischen Gadmertal und Triftgebiet.
  • Genialer Blick in den Triftkessel
  • Tour die etwas an Ausdauer erfordert.
  • Wegfindung teilweise nicht ganz einfach. Bei Nebel äusserst schwierig.
  • Für Liebhaber von Nordhangtouren sehr empfehlenswert.
  • Nur bei sicheren Lawinenverhältnissen

 

Genaue Route

Obermad P.1209, Chalberweid, P.1329, Sommerweg, Stägenwald, Wang, Mittagstein, Gadenlauisee, P.2456, Graui Stöckli P.2795, Steilstufe ostwärts, Gigligletscher, nordwärts bis ca. 2140m, rechts abdrehend, P.1996, Lischen P.1811, alte Bergföhre, nordostwärts, Felsstufe, Wyssemad P.1575, Underwasser, Tunnel bei Ausgleichsbecken P.1340, P.1357, Saageli, Sustenpassstrasse, ostwärts der Strasse folgend nach Obermad P.1209

 

Alternativ

Giglistock

Übergang zur Windeghütte


Tourengänger: Lulubusi


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